Bewertung: 7

Review: #5.21 Gefolgschaft

Die letzte Episode #5.20 Saved endete mit Hank Voight am Boden, da er mehr und mehr merkt, wie sehr ihm der Einfluss auf sein Leben und seine Arbeit entgleitet. Ganz am Ende der Folge gab es einen Blick von Hank in die Kamera, bei dem ich mich schon in meiner Review gefragt habe, ob dieser Blick Verzweiflung oder auch schon wieder Kampfbereitschaft ausdrückt. Die aktuelle Folge nun zeigt, dass es wohl Kampfbereitschaft war, da er und Alvin Olinsky in gewohnter Manier ihrem Job nachgehen. Diese Idylle wird schlagartig zerstört, als die Staatsanwaltschaft Alvin einsammelt und in U-Haft steckt, da das Geschworenengericht für eine Prozessaufnahme gegen ihn gestimmt hat. Aber auch das bringt Hank nicht aus der Ruhe, der sich wie immer auf seine Kontakte besinnt und Hilfe bei Tommy Wells sucht, ein Richter, von dem Hank weiß, dass er den Mörder seine Tochter getötet hat. Denn er braucht einen Richter, der Alvin auf Kaution freilässt.

Ich war wirklich überrascht, welch einen Optimismus Hank und Alvin beide in dieser Folge ausgestrahlt haben. Klar, Hank war sichtlich ergriffen und entsetzt, als Alvin vor ihm und all den anderen Kollegen wie jeder andere Verbrecher abgeführt wurde, aber danach schaltete er sofort wieder in den Angriffsmodus, der von dem Selbstbewusstsein geprägt ist, dass er und Alvin es noch aus jeder brenzligen Situation heraus geschafft haben, weswegen er auch die ständigen besorgten Nachfragen der Kollegen abtut und immer wieder behauptet, dass alles gut wird. Auch Alvin erträgt die Verhaftung und den anschließenden Gefängnisaufenthalt mit stoischer Ruhe, da er überzeugt ist, dass Hank ihn schon freibekommen wird und sie dann die Anklage aus den Angeln heben.

Die Episode hat in meinen Augen unheimlich viel über Alvin als Mensch offenbart und Elias Koteas hat diese Wesenszüge so intensiv gespielt, dass man unheimlich gut mit ihm mitfühlen kann. Er war schon immer ein treuer Partner für Hank, aber diesmal kommt ganz besonders heraus, dass die berufliche Beziehung zu Hank ihm über alles geht, selbst über das verzweifelte Flehen seiner Frau Meredith, die ihn Hank verraten sehen will. Alvins Beziehung zu Meredith war immer schon ein Auf und Ab und dennoch hat er für sie und seine verstorbene Tochter Lexi immer alles gegeben. Aber für Hank gibt er ebenso viel, wenn nicht sogar mehr. Im Gefängnis schlägt er sich wirklich gut. Sicherlich zum einen dem angesprochenen Optimismus geschuldet, zum anderen aber auch der Tatsache, dass er durch seine jahrelange Berufserfahrung und seine Verwicklung in kriminelle Geschäfte, selbst schon wie ein Verbrecher denkt und sich dadurch durch all die auf Rache gestimmten Mitinsassen nicht aus der Ruhe bringen lässt.

All diese Eindrücke werden auf den Kopf gestellt, als sich zeigt, dass Denny Woods sie erneut ausgetrickst hat (Überraschung!) und sichergestellt hat, dass eine Richterin über Alvins Kaution entscheidet, deren Entscheidung er selbst beeinflusst. Hank und Alvins Vertrauen in Wells kam mir unheimlich naiv vor, da sie wohl kaum davon ausgehen konnten, dass ein ausgefuchster Woods nicht alle Eventualitäten durchspielt, wo Hank und Alvin noch eingreifen konnten. Aber sie waren so siegessicher, dass die Ablehnung der Kaution für sie ein weiterer, heftiger Schlag ist.

Hank sucht in seiner Verzweiflung Wells auf, um ihm bittere Vorwürfe zu machen. Doch er erkennt, dass Wells alles versucht hat, was möglich war, aber der Einfluss von Woods auf den Bürgermeister war einfach größer. Erneut geht Hank sinnbildlich in die Knie und erneut steht er nachher mit neuem Vertrauen auf, anders kann ich mir nicht erklären, wie er aufs Revier zurückkehrt und all seinen Kollegen ins Gesicht sagt, dass alles gut wird. Diesen Zug fand ich unheimlich dumm, da durch die Anklage nun wirklich jedem klar sein sollte, weswegen Alvin sich tatsächlich dem Geschworenengericht stellen muss und er sie daher um Hilfe hätte bitten können. Natürlich will er sie alle schützen, weil er weiß, wozu Woods fähig ist, aber wer sooft am Boden lag, muss doch irgendwann einsehen können, dass er auf andere angewiesen ist?!

So unklug ich diese Behauptung fand, so sehr gefiel sie mir aber auch, weil sie mehr und mehr einen Keil ins Team treibt und damit neue spannende Geschichten gewährleistet. Den Fall der Woche habe ich auch eher als Mittel zum Zweck gesehen, da schon damit ein Riss in der Unit entstand. Auf der einen Seite war Jay Halstead undercover, auf der anderen Seite Kevin Atwater. Ob das Ganze durch einen Rassenkonflikt dargestellt werden musste, könnte man an anderer Stelle diskutieren, für diese Review ist nur wichtig, dass beide sich automatisch mit ihrer Seite identifizierten, obwohl sie im Endeffekt ja dasselbe wollten: nämlich Waffendealer festzunehmen. Dadurch entstand schon die ein oder andere brenzlige Situation im Team, durch die Sorge rund um Alvin wurde es dann so weit getrieben, dass es unweigerlich zum Knall kommen musste. Schon Kevin war nicht gut auf Hank zu sprechen, als dieser billigend in Kauf genommen hat, dass von der schwarzen Gang einer sterben muss, um den Waffendeal durchzuziehen. Nun ist es Antonio Dawson, dem der Kragen platzt, weil er weiß, dass Hank durch seine unvernünftigen Motive Alvins Leben gefährdet. Diese Szenen waren unheimlich intensiv gespielt und bringen die Unit an einen Scheideweg: raufen sie sich zusammen und zeigen damit, dass sie im Team stärker sind oder kämpft am Ende jeder für sich? Denn ohne Alvin und Hank, was hat die Intelligence Unit dann noch für eine Daseinsberechtigung?

Das Ende der Folge hat es dann auch noch einmal in sich. Hank kommt zu einer Erkenntnis und sucht Woods spätabends in seinem Haus auf. Er verlangt Immunität für Alvin und all seine Leute im Austausch für Informationen. Nur weiß man als Zuschauer nicht, ob Hank nun wirklich an dem Punkt ist, wo er sich selbst ans Messer liefert oder wo er doch noch einen Plan in der Hinterhand hat. Parallel ist Alvin durch seinen längeren Gefängnisaufenthalt in seinem Optimismus so getrübt, dass er unvernünftig und somit Opfer einer Messerattacke wird. Einsam sinkt er an den Gitterstäben zu Boden und wartet auf die Rettung, doch ich als Zuschauerin habe da auch meinen Optimismus verloren und vermute, dass wir uns in der nächsten Folge vielleicht wirklich von Elias Koteas und damit Alvin verabschieden müssen.

Fazit

Der Fall der Woche konnte mich nicht fesseln und dennoch muss ich anerkennen, dass er natürlich symbolisch wertvoll war, um die sich anbahnenden Streitereien in der Intelligence Unit anzustoßen. Durchweg großartig waren dafür alle Szenen rund um Hank und Alvin und wie sie immer und immer wieder aufstehen und weitermachen, weil sie eben bis zum bitteren Ende kämpfen. Das Ende war dann schon fast finalwürdig, da sich die Dramatik zuspitzt und man mit einem üblen Cliffhanger alleine gelassen wird. Die Wartezeit hin zum Finale wirkt damit endlos lang.

Lena Donth - myFanbase

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