Bewertung: 9

Review: #2.03 Wiedersehen mit Trixie

Foto: Callum Keith Rennie, Californication - Copyright: Paramount Pictures
Callum Keith Rennie, Californication
© Paramount Pictures

Diese Episode gibt einen kleinen Einblick in das Arbeitsleben der Charaktere und arbeitet weiter daran, dem Happy End aus der ersten Staffel den Garaus zu machen.

Mittendrin statt nur dabei

Bisher hat man nur in kleinen Teilen gesehen, wie Hank, Karen oder auch Charlie ihr Geld verdienen, ohne wirklich einen Fokus darauf zu legen, aber da sich gerade in dieser Hinsicht nun sehr viel ereignet hat, konnte man fast nicht drumherum kommen, auch mal den Arbeitsalltag etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Gerade die Parallelitäten waren dabei durchaus amüsant, denn irgendwie haben es alle drei wirklich mit skurrilen Leuten zu tun. Karen wird plötzlich von einer Art Guru über die Pulsadern analysiert und weiß gar nicht so richtig, wie ihr geschieht, weil sie vielmehr ihre professionelle Haltung bewahren will. Ganz ähnlich ergeht es irgendwie auch Hank. Der kann sein Lotterleben jetzt sogar Arbeit nennen. Er folgt Ashby auf Schritt und Tritt, damit er dessen Biographie schreiben kann. Dabei fällt ihm ein ums andere Mal auf, dass Ashby ein Leben führt, das Hank gar nicht so unbekannt ist. Mit der Rockband und der Gruppe Freudenmädchen muss er seinen Tag verbringen. Da hat er genügend Stoff für die Biographie.

Noch viel amüsanter ist der Arbeitstag von Charlie. Dieser ist erstmal bemüht, überhaupt irgendwie Fuß zu fassen und trifft dann zufällig auf eine etwas genervte Daisy, die mit ihrer Rolle im Pornobusiness nicht ganz zufrieden ist. Charlie ergreift sofort die Initiative und findet sich plötzlich mitten in einem Pornofilmdreh wieder, dem er gar nicht entflüchten kann. So sind sie eben, diese Billigproduktionen. Man benötigt nur eine Kamera, einen Mann und eine Frau und dann kann man überall loslegen, wo es gerade passt. Nachdem Charlie die Fassung wieder gefunden hat, fängt er an, Daisy einzureden, sie wäre etwas Besseres und die Bedingungen der Produktion seien doch unter aller Würde. Die Szene war so genial herrlich, weil es eigentlich nur absurd war. Charlie redet mit Daisy, die während der ganzen Zeit gevögelt wird und sich den Hals verrenken muss, um Charlie überhaupt ansehen zu können. Solche Szenen sind einfach überragend und ein Grund für die Einzigartigkeit der Serie. Tolle Idee und eine noch tollere Umsetzung.

Another Brick in the Wall

Das zweite Standbein der Serie, das regelmäßig zu glänzen weiß, sind die Dialoge und hier insbesonders die Texte von Hank und Becca. Hanks trockener Humor ist einfach urkomisch und wird von David Duchovny einfach nur genial rübergebracht. Dass ihm dadurch auch häufiger mal die Ernsthaftigkeit fehlt, die er eigentlich in seinem Leben nicht unberücksichtigt lassen sollte, wird damit wunderbar zur Geltung gebracht. Aber auch Becca hatte erneut tolle Momente. Ihr Besuch der Privatschule, die sie natürlich von vornherein hasst, bringt Damien ins Spiel, dem sie gleich ihr ganzes Wesen gegenüber stellt. Die Szene war ebenfalls großartig und man amüsiert sich einfach immer wieder über Beccas Art. Hier dürfte dann vor allem noch die Rolle des Jungen interessant werden. Dass Becca sich (glücklich?) verliebt und Hank und Karen auch mit diesen wichtigen Erziehungspflichten konfrontiert werden, kann doch der Serie nur weiteres Potenzial eröffnen und Becca eine Rolle zuschreiben, die über die Sorge um ihre Eltern hinaus geht.

Hanks und Beccas Szenen machen einfach nur Spaß und wenn sie dann noch zusammen eine Szenen haben, ist das irgendwie noch das i-Tüpfelchen. Als Hank abends mit Becca über die Schule spricht und sich gespielt wundert, dass man Mädchen nun auch Damien nennt, kann man gar nicht anders als loslachen. Es ist einfach immer wieder das gleiche. Die Chemie zwischen den beiden stimmt hervorragend und was Autoren und Schauspieler in diesen Szenen leisten, stimmt mich sehr zufrieden. Daran kann man sich gar nicht genug satt sehen.

Fucking Excuses

Wie auch schon in den ersten beiden Episoden der zweiten Staffel, ist auch diese Episode noch von Hanks Leben aus Staffel 1 belastet. Die Vergangenheit lässt Hank und Karen einfach nicht los. Dieses Mal ist es Trixie, eine Prostituierte, die sich fast schon in Hank verliebt hat, die erneut (über Ashby) auftaucht und Hank ein bisschen bezirzt. Dieser gibt sich aber als absolut treuer Ehemann und schließlich auch irgendwie Held, als er den Rocker attackiert, weil er mit Trixie nicht ordentlich umgegangen ist. Leider Gottes bekommt Karen das alles in den falschen Hals bzw. taucht im falschen Moment auf. Die Ereignisse der letzten drei Episoden gipfeln schließlich in einem heftigen Streit zwischen Hank und Karen, dessen Folgen erst in einer Woche zu sehen sind. Allerdings sieht es überhaupt nicht gut aus.

Auf der einen Seite kann man Karens Ärger absolut verstehen. Hanks Leben während ihrer Trennung ist nicht wirklich etwas, das man einfach so akzeptieren und runterschlucken kann. Auf der anderen Seite ist sie Hank gegenüber aber auch wirklich nicht fair. Er kann die Vergangenheit eben nicht mehr ändern und es ist nicht so, als wenn sie nicht wusste, was in der Zeit alles passiert ist. Immer wenn sie sich damals gesehen haben, war klar, dass er sich auf seine Weise amüsiert, teilweise sogar in ihrem Schlafzimmer (man erinnere an die zweite Folge der ersten Staffel). Nun handelt es sich bei Trixie um eine Prostituierte, was durchaus nochmal etwas Anderes ist, aber dass Karen dafür wirklich kein Verständnis aufbringt und Hank gar nicht richtig anhört, sondern seine (ehrlichen) Entschuldigungen satt hat, ist schon schade. Es sieht wirklich so aus, als könnte Karen die Vergangenheit nicht bewältigen und als würde sich die Beziehung der beiden somit weiterhin als Hauptstrang der Serie durchsetzen. Ob das gut oder schlecht ist, bleibt abzuwarten. Bisher ist es noch alles andere als nervig und hat seinen Anteil an einer wieder Mal sehr gelungenen Folge.

Fazit

Langsam glaube ich nicht mehr daran, dass es in dieser Serie auch mal eine schwache Episode geben könnte. Die Geschichten und die Dialoge konnten wieder voll überzeugen und hatten eine sehr schöne Mischung aus Ernsthaftigkeit und Humor.

Emil Groth - myFanbase

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