Bewertung

Review: #1.03 Feuerball

Foto: Smallville - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Smallville
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Football wird in den USA großgeschrieben und nicht nur die Profiliga, sondern auch die Spiele der College-Mannschaften locken Woche für Woche das (TV-)Publikum an. So ist es kein Wunder, dass auch schon an den High Schools eine gewisse Erwartungshaltung aufgebaut wird, schließlich hängen für gute Spieler College-Stipendien und damit eine möglicherweise bereits vorgezeichnete große Karriere von ihrem Verhalten zu Schulzeiten ab. Eigentlich ein Wahnsinn, was für einem Druck sich Jugendliche dabei schon ausgesetzt sehen. Da ist es sicherlich nicht hilfreich, einen Choleriker als Trainer zu haben. Als dann der grüne Kryptonit-Dampf in der Sauna aufsteigt, wissen wir in der dritten Episode von "Smallville" bereits, dass hier das "Freak of the Week"-Schema wieder zuschlägt und uns noch eine üblere Variante dieses Mannes bevorsteht.

Mit dem Thema Football trifft man bei Clark Kent (Tom Welling) einen Nerv. Zu gerne würde er der Sportart nachgehen, wie wir bereits im Pilot erfahren haben, doch aufgrund seiner Superkräfte wäre es zu gefährlich. Nicht nur könnte er Mitspieler verletzen, wenn er mal die Kontrolle verliert, auch würde man sich in einer Gemeinde wie Smallville sicherlich einige Fragen stellen, wie das Talent dieses jungen Mannes bisher unentdeckt blieb. Genau das scheint sich auch Coach Arnold (Dan Lauria) zu fragen, als er eine kurze Szene beobachtet, in der einer seiner Spieler Chloe Sullivan (Allison Mack) mit einem Football davon abhalten will, Fotos des Teams für die Schülerzeitung zu knipsen, und Clark den Ball nicht nur aus der Luft fischt, sondern dem entsprechenden Spieler auch mit etwas Nachdruck wieder zurückwirft, um ihm eine kleine Lektion zu erteilen. Als Clark dann ausgerechnet vor Lana Lang (Kristin Kreuk) vom Coach unter Druck gesetzt wird, sich dem Team anzuschließen, kann er nicht anders, als nachzugeben. Insgeheim hat er es sich eh gewünscht, Teil des Teams zu sein und hofft wahrscheinlich, dass auch sein Vater Jonathan (John Schneider) nun nichts mehr dagegen einwenden kann, wenn der Coach ihn persönlich auserwählt hat. Ob das aber gut geht?

Während die Auseinandersetzung zwischen Clark und seinem Vater ein neuer Aspekt dieser sonst so liebevollen Beziehung ist, kennt sich Lex Luthor (Michael Rosenbaum) sehr gut damit aus, die Erwartungen seines Vaters zu enttäuschen und seinen eigenen Weg zu gehen. Lionel Luthor (John Glover) gibt sich also nicht einmal mehr selbst damit ab, seinen Sohn zu konfrontieren, sondern schickt dafür seine "Handlanger", irgendwelche Manager und Anwälte, die das Firmengeschäft wieder in die richtige Bahn lenken sollen, aus der Lex es aus Lionels Sicht herausmanövriert hat. Lex hat jedoch das nötige Selbstbewusstsein – oder ist es schon eine gewisse Arroganz? – sich von sowas nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Er will seinen eigenen Weg gehen und auch mal etwas riskieren, was Lionel schließlich doch dazu bewegt, nach Smallville zu kommen. Hier wird einem wieder vor Augen geführt, dass Lex' überhebliche Art nicht von ungefähr kommt. Man merkt aber auch, dass seine aufkeimenden Freundschaften mit Clark und Lana ein paar Früchte tragen, denn in sein kalkuliertes Wesen, dass er eindeutig von seinem Vater hat, mischen sich auch ein paar Funken Menschlichkeit, die ihn dazu bewegen, sich den Regeln seines Vaters weiterhin zu widersetzen.

Auch Lana fühlt sich in ihrem vorbestimmten Weg nicht mehr wohl. Die Eskapaden des Football-Teams setzen ihr zunehmend zu und da ihr Freund Whitney Fordman (Eric Johnson) kein Verständnis dafür hat, folgt sie ihrem Bauchgefühl und tritt bei den Cheerleadern aus, um ihre eigene Leidenschaft zu finden. Es ist schade, dass ihre Tante Nell Potter (Sarah-Jane Redmond) an diesem Schritt zweifelt und sie dazu drängt, noch einmal darüber nachzudenken. Hier wird ein gewisser emotionaler Druck aufgebaut, der gewohnten Gemeinschaft des Teams lieber nicht den Rücken zu kehren, anstatt Lana Mut zu machen, ihrer Intuition zu folgen und etwas zu finden, was ihr Freude bereitet. Mir hat es daher sehr gut gefallen, dass Lana sich in ihre Pläne nicht hereinreden lässt und damit auch ihre Tante erkennen muss, dass das schüchterne Mädchen langsam erwachsen wird. Dass ihr das nicht leicht fällt, obwohl sie durch den frühen Tod von Lanas Eltern doch quasi in diese Mutterrolle gezwungen wurde, sieht man ihr dabei aber deutlich an. Und es ist ja auch irgendwie verständlich, war es doch ein verbindendes Element zwischen Lana, ihrer Tante und ihrer Mutter, die alle Cheerleader waren.

Während Lana sich also ihre Träume verwirklichen möchte, scheint dieser für Clark bereits wahrgeworden zu sein, denn das erste Training steht bevor. Man merkt aber auch, dass er das nicht alleine für sich macht, sondern weil er hofft, so auch in Lanas Nähe zu sein. Schließlich hat er wegen ihrer Anwesenheit beim Gespräch mit dem Coach überhaupt nur nachgegeben. Ob ihr Aussteigen bei den Cheerleadern ihn aber nun zu einem Umdenken bewegt? Immerhin wollte er auch ohne sie Teil des Teams werden. Dass sein Vater anwesend ist und ihm noch einmal deutlich macht, dass er nicht hinter seiner Entscheidung steht, macht es für Clark aber nicht leichter. Er muss nun einen Mittelweg finden, seine Kräfte unter Kontrolle zu behalten, aber dennoch nicht wie der komplette Loser zu wirken. Umso schöner, dass wenigstens Martha (Annette O'Toole) später für ihren Sohn Partei ergreift, natürlich auch um den Familienfrieden zu wahren. Ich kann verstehen, dass beide Eltern besorgt sind, dass die Öffentlichkeit von Clarks Superkräften erfahren könnte, doch wie Martha auch sagt, muss ihr Sohn dafür auf sehr viele Dinge verzichten, die andere Kinder oder Jugendliche in seinem Alter erleben durften. Während seine Mitschüler zwar unter Leistungsdruck in Schule oder Sport stehen, muss Clark immerzu einen Teil seiner Identität verstecken. Er muss nahezu jede seiner Handlungen hinterfragen, was für Folgen sie haben könnte und das schon seitdem er ein kleiner Junge war. Dabei wusste er bis vor kurzem nicht einmal, dass er wahrscheinlich ein Außerirdischer ist. Wie locker er das weggesteckt hat, wunderte mich eh. Es war zwar die Erklärung für viele der Phänomene wie seine Kraft und Unverwundbarkeit, die er über die Jahre an sich entdeckt hat, aber dass seine Eltern ihm das sein Leben lang verschwiegen haben, hätte ihn immerhin auch in eine noch tiefere Sinnkrise werfen können. Stattdessen hat er ihnen vertraut, dass sie immer nur das Beste für ihn wollten. Vielleicht wäre es daher nun umgekehrt mal an der Zeit für Jonathan, seinem Sohn zu vertrauen, dass er ihn zu einem verantwortungsbewussten Jungen erzogen hat. Er kann ihn nicht ewig in Watte packen, zumal er das nicht bräuchte, und die ganze Stadt oder Welt in Watte zu packen, um sie vor Clarks Kräften zu schützen, ist nunmal erst recht nicht möglich. Wann ist also der Zeitpunkt gekommen, ihm zu vertrauen, dass er gelernt hat, Risiken richtig abzuwägen, wenn er das nun schon seit Jahren tagtäglich tun muss, ob er nun Football spielt oder nicht? Ja, er ist ein Teenager, die bekanntermaßen immer wieder Dummheiten anstellen und sich nicht immer über die Konsequenzen ihres Handelns bewusst sind. Aber Clark tut meiner Ansicht nach seit Jahren nichts anderes als über die Konsequenzen seines Handelns nachzudenken.

Wer ein bisschen zuviel über sein Vermächtnis nachdenkt, ist Coach Arnold. Als er erfährt, dass ihn einige seiner Spieler verpfiffen haben, will er erst Schulleiter Kwan (Hiro Kanagawa) in seinem Auto verbrennen, schlägt dann einen der Schüler nieder und lässt dann noch Feuerfontänen über das Football-Feld regnen. Wäre da nicht Chloe, die Beweise dafür sammelt, würde das wahrscheinlich weiterhin schön unter den Teppich gekehrt werden. Schließlich hat fast jeder in Smallville eine Verbindung zu Coach Arnold und viele ihm ihre Karriere zu verdanken. Und auch wenn das hier eine fiktionale Geschichte mit Superkräften und Übertreibungen ist, frage ich mich doch, ob dieser Coach nicht im übertragenden Sinne für so einige Sportlehrer in den USA steht oder stand, die sich ihrer Macht sehr wohl bewusst waren und diese auch genutzt haben, um ihr Umfeld so zu manipulieren, wie es ihnen von Vorteil war. Mit Clark findet er dann aber schließlich einen Gegner, der sich durch seine Feuerspielchen nicht so leicht aufhalten lässt – anders als durch den Kryptonit-Dampf. Hier zeigt sich aber, dass er zwar mit seinen Superkräften vielleicht alleine ist, er ohne Rückhalt von Freunden und Familie aber auch nicht alles bewältigen kann. Coach Arnold bleibt derweil bis zum Ende ein Hitzkopf und ist so verbissen, sein Vermächtnis zu retten, dass er den Triumph seines Teams sogar verpasst. Ob uns das zeigen soll, dass man das Wesentliche niemals aus den Augen verlieren sollte und es sich nicht lohnt für seine Karriere über Leichen zu gehen? Dass sein Coach vor seinen Augen in eine Art Feuerball aufgegangen ist, hat Clark zumindest relativ locker weggesteckt. Das scheint sich bisher durch alle ungewöhnlichen Phänomene in seinem Leben zu ziehen. Vielleicht darf man sich in einer übernatürlichen Serie aber auch einfach keine Gedanken über solche Nebensächlichkeiten machen...

Fazit

Wir sind zwar erst in der dritten Folge von "Smallville", aber die Charakterprofile sind mittlerweile schon sehr deutlich angelegt, so dass nun die Beziehungen der Figuren untereinander näher beleuchtet werden können. Dieser "Freak of the Week"-Fall hat uns tiefer in die Dynamiken zwischen Lex und Lionel oder auch die Vertrauensbasis zwischen Clark und Jonathan einsteigen lassen. Auch der Freundeskreis rund um Clark nimmt weiter Formen an und es bleibt spannend, wie die Charaktere auf ihrem Selbstfindungsweg weiter miteinander verflochten werden.

Catherine Bühnsack - myFanbase

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