Bewertung: 9

Review: #1.21 Der Soldat auf dem Grab

Foto: David Boreanaz & Emily Deschanel, Bones - Copyright: 2006 Fox Broadcasting Co.; Carin Baer/FOX
David Boreanaz & Emily Deschanel, Bones
© 2006 Fox Broadcasting Co.; Carin Baer/FOX

In dieser Folge wird ein sehr aktuelles Thema, der Krieg, im Speziellen der Irakkrieg, aufgegriffen. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass die Kontroverse um den Krieg in dieser Folge im Vordergrund steht. Schon zu Beginn der Episode sind Booth und Bones in eine Diskussion verwickelt, die wegweisend für die restliche Folge ist. Für Brennan ist es einfach ein weiterer Fall, den es zu lösen gilt, für Booth dagegen ist es viel mehr. Durch den Fall wird er mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert.

Wenn man sich bewusst macht, dass er nie wieder spielen wird, das macht den Krieg so real.

Bei diesen Worten von Goodman wird klar, wie unreal der Krieg häufig für die Menschen ist, die davon nicht direkt betroffen sind. Für Booth, der als Scharfschütze seinem Land gedient hat, ist der Krieg im Gegensatz zu Bones und ihrem Team mehr als real und dieser Fall öffnet bei ihm, verständlicherweise, alte Wunden. "Es hätten auch Schuldgefühle sein können. Der Kerl der sein Leben gerettet hat, ist dabei getötet worden. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie das ist, wenn man das mit sich rumträgt." Diese Worte zeigen für mich deutlich, dass Booth diese Schuldgefühle kennt und sich tagtäglich selber mit ihnen auseinandersetzen muss.

... du bist nicht mehr im Krieg, Booth!

Von Anfang an befürchtet Brennan, dass Booth sich bei diesem Fall nicht ganz objektiv verhält, weil er emotional zu fest mit diesem Thema verbunden ist. In dem Gespräch mit Jimmy Merton wird dann auch zum ersten Mal klar, dass Brennans Befürchtungen nicht ganz unbegründet sind. Booths Aufgabe, den Fall aufzuklären, wird von dem Drang, Jimmy das Durchleben der schlimmen Erlebnisse im Krieg zu ersparen, überschattet. So stellt Booth bei seinen Ermittlungen, im Gegensatz zu sonst, eher oberflächliche Fragen, was ihm Brennan anschliessend vorwirft.

Dass sich Bones später jedoch wegen ihren harten Worten gegenüber Booth Vorwürfe macht, stellt für mich klar, dass es ihr immer schwerer fällt, ihre menschliche und emotionale Seite vor Booth zurückzuhalten. Dies zeigt sich in einem späteren Gespräch zwischen Angela und Brennan noch deutlicher. Bones gesteht Angela, dass sie nicht mehr weiss, was sie noch tun soll um Booth zu helfen, ohne dabei ihre Aufgabe, den Mörder zu finden, zu vernachlässigen.

Als sich Brennan dann dazu entscheidet, Kents Leiche zu exhumieren, reagiert Booth zuerst äusserst wütend. Meiner Meinung nach stellt diese Handlung für ihn einen Verrat an Kent und seinen Angehörigen dar. Dies erklärt auch seine Reaktion auf die Ohrfeige von Kents Mutter bei der Exhumierung. Booth bleibt einfach stehen und lässt diesen körperlichen Angriff zu, weil er innerlich glaubt, dass Kents Mutter das Recht dazu hätte und die Exhumierung nicht gerechtfertig wäre.

Ich denke nur wenn ich laut genug schreie, dass mir jemand zuhört.

Auch Angela und Hodgins prallen mit ihren Meinungen bezüglich des Krieges aufeinander. Bei den Szenen zwischen Jack und Angela wird für mich einmal mehr klar, dass Angela in dem Team die Rolle der Menschlichkeit übernommen hat, während die anderen in ihrer Wissenschaft gefangen sind und so oft vergessen, dass es sich bei den Fällen auch um menschlichen Schicksale handelt. Durch Angelas Argumentation und dadurch, dass Hodgins Booth auf eine Art bewundert und vor allem mag, wird ihm dann jedoch klar, dass es nicht ganz so einfach ist, wie er sich dies zurechtgelegt hatte.

Hodgins weicht zwar nicht von seiner politischen Meinung ab, was ich auch sehr schade gefunden hätte, aber er lässt die Menschlichkeit in sich zu, und ihm wird bewusst, dass ein Mann wie Booth, der den Krieg am eigenen Leibe erlebt hat, dieses Thema von ganz anderen Perspektiven aus betrachtet. Für mich wird hier deutlich gemacht, dass es Einfühlungsvermögen und Wissenschaft braucht, um die Wahrheit zu finden, und dass dies nicht möglich ist, wenn sich diese zwei Gebiete nicht annähern. Bei Hodgins Ausdruck des Mitgefühls gegenüber Booth und dessen Reaktion darauf wird dies sehr deutlich. Hier wird klar, dass wenn das Team und Booth ihre Talente und ihr Wissen vereinen, die Wahrheit eher gefunden wird, als wenn sie sich weiter stur auf ihre Standpunkte stellen.

Genau. Wir haben eine Gruppe von traumatisierten Soldaten, die alle dieselben Worte benutzen, um die ersten Schüsse zu beschreiben.

Durch den unvollständigen Bericht, sowie durch Brennans Vermutungen, wird Booth sich wieder seiner eigentlichen Aufgabe bewusst, nämlich, dass er den Mörder von Devon Marshall finden muss. In den Verhören, die Booth mit den überlebenden Teammitgliedern von Marshall führt, wird dem Zuschauer ein Blick in die Gefühle und Ängste der Soldaten in einem Krieg offenbart.

In dieser Szene wird das Auge auf die Personen geworfen, die in der Kriegsdebatte oft vergessen gehen. Die Soldaten, die kämpfen, die Fehler machen und die Angst haben. Hier geht es nicht um Politik, sondern ums reine Überleben und darum, mit dem Erlebten fertig zu werden. Hier werden für mich Booths Stärken wieder grandios hervorgehoben. Er versteht es, sich auf die Menschen einzulassen und ihnen die richtigen Fragen zu stellen, um der Wahrheit ein Stück näher zu kommen.

Als klar wird, dass es sich bei dem Vorfall im Irak um ein friendly fire handelte, versucht Booth, seine Gefühle zu verbergen. Ich denke, er will hier nun Brennans Taktik anwenden. Er bringt eine Distanz zwischen sich und die Ereignisse. Dies gelingt ihm jedoch nur bedingt. Nachdem das Team feststellt, dass Fullers Einheit auf eine unbewaffnete Familie geschossen hatte, versucht Booth Angela und Brennan klar zu machen, dass Entscheidungen im Krieg in Sekundenschnelle getroffen werden müssen und bei solchen Situationen Ängste, Unerfahrenheit und äusserliche Umstände im Spiel sind, die ein Aussenstehender nicht nachvollziehen kann. Booth versucht meiner Meinung nach nicht, den Vorfall zu rechtfertigen sondern ihn zu erklären.

Die Identität der Mörderin war für mich eine totale Überraschung. Ich hätte mit Fuller gerechnet oder sogar noch eher mit Jimmy Merton, aber nicht mit Jody Campell. Damit wird für mich zum Schluss jedoch schön gezeigt, dass dieser Krieg Opfer mit sich bringt, an die man viel zu wenig denkt. Denn Jody Campell war zwar eine Mörderin, sie war jedoch gleichzeitig auch Opfer. Niemand hat sich um ihr psychisches Seelenheil gekümmert, als sie aus dem Kriegsgebiet zurückgekehrt ist. Als sie ihren großen Traum, Ärztin zu werden, gefährdet sah, hat sie die Gefährdung aus dem Weg geräumt. Denn so wird dies im Krieg gehandhabt und in dieser Welt ist Campell immer noch gefangen. "Es war als wäre der Krieg immer noch nicht vorbei, ich hab nur versucht zu überleben."

Es ist nie nur eine Person, die stirbt, Bones, niemals.

Der ganze Fall hat in Booth alte Wunden wieder geöffnet, und endlich wird ihm klar, dass er mit jemandem über seine Vergangenheit sprechen muss. Dass er Brennan dazu auswählt, zeigt für mich, dass er im Gegensatz zu dem, was er gegenüber seinem alten Militärkollegen Hank behauptet, sie schon lange nicht mehr nur als Partnerin sieht. Booths Geständnis wirft für mich auch eine immer wiederkehrende aktuelle Frage auf. Ist es gerechtfertigt, jemanden zu töten, um zukünftige Verbrechen zu verhindern?

Indem Booth sich am Schluss Brennan öffnet, gehen die Beiden in ihrer Beziehung meines Erachtens einen grossen Schritt weiter. Beide zeigen hier eine neue Seite von sich. Booth, der sich gefühlsmässig Brennan gegenüber öffnet und Brennan, die ihm nur zuhört und die Situation für einmal nicht mit wissenschaftlichen Argumenten erklären will, sondern eine ganz menschliche Reaktion zeigt. Eine kleine Berührung.

Fazit

Wie schon zu Anfang erwähnt, steht für mich in dieser Folge ganz klar der Fall an sich im Hintergrund und die Problematik und die Kontroverse über Krieg und Terror im Vordergrund. Was für mich die Episode so hervorragend macht, ist, dass hier nicht, wie sonst oft in Serien, Dokumentationen und Filmen, das Schicksal der Zivilbevölkerung in einem Krieg thematisiert wird, sondern dasjenige der zurückgekehrten Soldaten, die oft nicht mehr fähig sind, in ein normales Leben zurück zu finden.

Maria Schoch - myFanbase

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