Bewertung

Review: #8.02 Prophecies

Foto: Izzy Meikle-Small & John Bell, Outlander - Copyright: 2023, 2024, 2025 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.; 2023 Starz Entertainment, LLC; Robert Wilson/Starz/Sony Pictures Television
Izzy Meikle-Small & John Bell, Outlander
© 2023, 2024, 2025 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.; 2023 Starz Entertainment, LLC; Robert Wilson/Starz/Sony Pictures Television

Was ist die Wahrheit und was die Angst vor dem Ungewissen? Würden wir genau so handeln, wenn wir den Ausgang der Geschichte bereits kennen würden? Diese Woche stellt "Outlander" die Figuren vor eine besondere Herausforderung, denn sie müssen sich ihren Ängsten stellen und überlegen, ob sie wirklich die Wahrheit wissen wollen und die Konsequenzen ertragen können.

"You doubt he heard a call from God?" – "Oh, that's not the part I doubt. Although I do wonder what he thinks he was called here to do. A man being called by God is one thing. A man who thinks he canna die is quite another."

Der Cliffhanger des Staffelauftaktes stellte Jamies baldigen Tod in Aussicht und so ist es nicht verwunderlich, dass der Tod ein Thema ist, das in dieser Episode allgegenwärtig ist. Beginnen wir mit Jamie, der sich fragt, wie viel Wahrheit in Franks Buch steckt und ob er es als Voraussage seines eigenen Todes betrachten soll. Wir dürfen hier gemeinsam mit Jamie an Franks Worten zweifeln, doch mit jeder weiteren verstrichenen Minute der Episode drängt sich das ungute Gefühl auf, dass in Franks Buch viel Wahres steckt. Die Puzzleteile, die erst wild verstreut im Raum liegen, fügen sich langsam zu einem Bild zusammen und genau das ist erschreckend. Mir gefällt die Art, wie man Jamie seinem Todestag entgegenblicken lässt und wie gleichzeitig Franks Stimme in seinem Kopf ertönt. Für Jamie steht Frank für das Familienleben, das er selbst nie hatte, für Eifersucht, da er Claire mit ihm teilen musste, vor allem aber für Überlegenheit, da Frank ihm 200 Jahre voraus hat. Daher funktioniert es wunderbar, wie man mit Franks Hilfe Jamies und unsere Ängste schürt.

In einem guten Kontrast zu Jamies Ängsten steht Charles Cunningham. Auch er "weiß", wann er sterben wird, doch anders als Jamie gibt ihm dieses Wissen Kraft und Selbstsicherheit. Der in der vorangegangenen noch so unbescholten und freundlich wirkende Charles wird in dieser Episode auf eine neue Stufe gehoben. Er ist hilfreich, aufopferungsbereit, einfühlsam und doch geben ihm all diese zusammen positiv wirkenden Charakterzüge eine bedrohliche Note. Sein Monolog beim Treffen der Freimaurer unterstreicht dies vortrefflich und ruft wieder Erinnerungen an Staffel 6 wach. Auch Tom Christie wirkte auf den ersten Blick wie eine Stütze auf Frasers Ridge, bis er sich durch seinen Eigensinn als große Gefahr für die Frasers entpuppte. Eine weitere Parallele zu Staffel 6 erscheint mir Benjamin Cleveland, der der Richard Brown dieser Staffel sein könnte.

Jamie muss in dieser Episode viel durchstehen, selbst die Geburt von "Oggy" ruft bei Jamie schmerzliche Erinnerungen wach. Nie durfte er freudig Anteil an der Geburt von einem seiner Kinder nehmen. Nie durfte er ein Kind großziehen. Nie hat er seine Kinder von klein an durchs Leben begleiten dürfen. Es ist traurig, dass dieser familiären Figur so viel vorenthalten wurde. Für Ian bedeutet die Geburt von Oggy indes, ein altes Trauma hinter sich zu lassen. Nachdem es ihm – offiziell – nicht gelang, mit Emily eine Familie zu gründen, ist es ihm mit Rachel nun geglückt. Das weiß John Bell auch wunderbar in Ians Gesichtsausdruck festzuhalten, als er seinen Sohn zum ersten Mal in den Armen hält.

Wo es Leben gibt, da gibt es auch Tod. Um dies zu unterstreichen, müssen wir uns in dieser Episode von Amy McCallum Lindsay verabschieden. Es ist kein Verlust, der einem wirklich nahe geht, doch er dient dazu, das Leben vieler Figuren in Wallungen zu bringen. Wo er gefühlsmäßig gut funktioniert, war mir die Inszenierung etwas zu übertrieben. Der aus dem Nichts auftauchende Bär und Amys zerfetztes Gesicht empfand ich als überdramatisch. Viel besser hat in meinen Augen der Handlungsstrang rund um William funktioniert. Wo ich zuletzt noch anmerkte, dass man seine Trauer nicht nachempfinden kann, da wir Benjamin Grey niemals begegneten, heiße ich es jetzt gut, dass man der Geschichte nun mehr Tiefe verleiht. Gekonnt gibt es auch einige (Anti)Parallelen zu Jamies Handlung, denn wo Jamie entdeckt, dass mehr Wahrheit in Franks Worten steckt, als ihm lieb ist, kann William in Erfahrung bringen, dass die ihm erzählte Geschichte zu Benjamins Tod weder Hand noch Fuß hat. Es fehlt der Spielzeugsoldat in Bejamins Tasche. Die Schilderung von Benjamins letzten Stunden im Lazarett erklärt nicht, warum er nach seiner Genesung plötzlich verstorben sein soll. Die Leiche im Grab passt nicht zu Benjamins Aussehen. Sowohl bei Jamie als auch bei William fragen wir uns, aus welchem Grund man sich diese Geschichte ausgedacht hat und was sich letztendlich als die Wahrheit herausstellen wird.

Kurze Eindrücke

  • Wer hätte nach dem holprigen Start, den Jamie und Roger in Staffel 4 hatten, gedacht, dass Roger sich zu Jamies Vertrautem entwickeln würde?
  • Es war nett zu sehen, dass Henry Grey und Mercy Woodcock sich das Jawort gegeben haben, es wirkte aber recht losgelöst vom Rest der Handlung.
  • Claire nutzt den Bienenstock, um mit den Toten zu kommunizieren.
  • Entwickelt sich zwischen Claire und Elspeth Cunningham etwa eine Freundschaft? Die alte Dame war dieses Mal um einiges zugänglicher als in der letzten Episode. Mir gefällt ihre forsche Art.
  • Findet noch jemand, dass Kieran Bew eine unglaublich angenehme Stimme hat?
  • Es sieht ganz so aus, als könnte Fanny in die Fußstapfen (ihrer Großmutter) Claires treten.
  • Buck ist also im Jahr 1739 geblieben. Sehr schade, dass man sein Schicksal nur in einem Nebensatz erwähnt.

Fazit

Der Tod ist in dieser Episode ein zentrales und allgegenwärtiges Thema und verleiht ihr somit viel Gewicht. Denn auch wenn oberflächlich betrachtet mit einem schockierenden Bärenangriff, einer Geburt, einer neuen drohenden Schlacht, dem fragwürdigen Ableben Benjamins und der Ungewissheit um die Cunninghams so einiges los ist, schaffen die Autoren es, einen roten Faden durch all diese Handlungselemente zu spannen.

Marie Müller - myFanbase

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