Ken Leung in "Die Sopranos"
#6.15 Die guten alten Zeiten

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Über sechs Staffeln (1999-2007) lang lief die Serie "Die Sopranos" auf dem amerikanischen Sender HBO, erlangte Kultstatus und gewann im Laufe der Zeit 21 Emmys, fünf Golden Globes und viele andere Preise. In Deutschland verschwand die Serie nach nur zwei Staffeln in den Archiven.

Während Tony Soprano und sein Capo Paulie Walnuts sich auf den Weg nach Miami machen, bittet Onkel Junior seine Freunde, ihn aus dem Wycoff Therapeutic Center heraus zu holen. Doch als er den Plan seiner Freunde hört, überlegt er es sich anders und beschließt gemeinsam mit seinem neuen Freund Carter Chong, der auch ein Patient in der Anstalt ist, ein illegales Pokertunier auszurichten, indem sie auch Jameel, einen der Pfleger, einweihen.

Als Paulie and Tony sich über die alten Zeiten unterhalten, kommen sich Junior und Carter näher und erzählen sich gegenseitig ihre Erlebnisse mit ihren Vätern. Doch als Carters Mutter zu Besuch kommt, ist sie alles andere als begeistert davon, dass ihr Sohn sich mit einem Mafiosi angefreundet hat und hat Angst, dass dieser ihren Sohn zu sehr beeinflusst. Doch Carter macht seiner Mutter klar, dass er nichts auf das Gerede von anderen gibt und Junior mag.

Ein kontroverser Gefühlsausbruch

Nachdem Carlton Cuse und Damon Lindelof Ken Leungs Gastauftritt bei den "Sopranos" gesehen hatten, wollten sie ihn sofort für die vierte Staffel von "Lost" und entwickelten den Charakter Miles Straume für ihn. Diese Tatsache allein lässt schon vermuten, dass der Auftritt bei den "Sopranos" beeindruckende Spuren beim Zuschauer hinterlassen hat.

Ken Leungs Charakter Carter Chong stellte einen MIT-Studenten dar, der unter dem hohen Druck zusammenbrach und eingeliefert wurde. Dort freundete er sich schnell mit Onkel Junior an, da er von dessen Vergangenheit als Gangster fasziniert war. Er half Junior nicht nur dabei, einen Brief an den Vizepräsidenten Cheney zu schreiben, sondern richtete auch gemeinsam mit ihm ein illegales Pokertunier aus.

Was die beiden jedoch hauptsächlich zusammen hielt, waren ihre Gespräche über ihre Väter. So erzählte Carter Junior, wie sehr er von seinen Vater immer unter Druck gesetzt wurde, da dieser nie mit ihm zufrieden war. Durch Junior konnte Carter dann erstmals seinen Gefühlen freien Lauf lassen, ohne Rücksicht auf irgendetwas. Doch das Blatt wendete sich schließlich, als Carter merkte, dass in Junior nicht mehr der alte Gangster steckte, der nur das machte, was er wollte und sich nicht unterordnete, und Carter griff Onkel Junior schließlich vor allen anderen an und prügelte den alten Mann nieder und verarbeitet so seinen Hass auf seinen eigenen Vater.

Neben der sehr intensiven Darstellung von Ken Leung, der diesem Charakter so viel Leben einhauchte, dass man sich wünscht, ihn noch öfter sehen zu können, wurde die Episode auch noch aus anderen Gründen in den Medien hochgepuscht. Die Episode wurde nämlich nur eine Woche nach dem Amoklauf eines jungen asiatisch-stämmigen Amerikaners ausgestrahlt, der an der Virginia Tech 32 Menschen tötete. Dadurch wurde Ken Leungs Charakter unfreiwillig mit dem Amokläufer in den Medien verglichen, da einige Parallelen, hauptsächlich jedoch die Tatsache, dass beide Asiaten waren, gezogen wurden.

Wie auch bei seiner Darstellung in "Lost", kann Ken Leung auch bei seinem Gastauftritt überzeugen. Einige Ähnlichkeiten zwischen Miles Straume und Carter Chong sind gegeben, jedoch schafft Leung es beide Charakter so zu verkörpern, dass sie sich unverwechselbar unterscheiden. Es ist mehr als verständlich, dass die Aufmerksamkeit durch seinen Gastauftritt auf Ken Leung gelenkt wurde, da er eben mit einer Intensität spielt, die man selten bei Gastdarstellern sieht. Die Tatsache, dass er seine Szenen fast ausschließlich nur mit Dominic Chianese spielt, dessen Charakter in den vorherigen Episoden ein wenig in den Hintergrund geraten ist, verleiht der Storyline und der Darstellung beider Schauspieler noch einmal etwas Besonderes, da die beiden eine wunderbare Chemie haben.

Fazit

Nicht zuletzt wegen der Tatsache, dass die Macher von "Lost" auf Ken Leung durch seinen Auftritt bei den "Sopranos" aufmerksam wurden, lohnt es sich diese Episode zu sehen. Die Serie an sich zählt zu einer der besten Drama-Serien die das Fernsehen hervorgebracht hat und diese Episode ist nur ein weiterer Beweis dafür.

Annika Leichner - myFanbase

Zu den interessanten Gastauftritten in "Die Sopranos"