Bewertung: 7

Review: #1.01 Wir kommen in Frieden

Neben "FlashForward" war "V" wohl einer der Piloten, auf den Kritiker wie Zuschauer in dieser TV-Season am sehnlichsten gewartet haben. Während FlashForward nach zehn Episoden ganze fünfeinhalb Millionen Zuschauer verloren hat und den hohen Erwartungen nicht gerecht werden konnte, startete "V" erst weit nach allen anderen Serien mit einigem an Skepsis und Gegenwind und das obwohl Kritker den Piloten bereits vorab in den Himmel lobten und ihn gar als "das beste, was Fernsehen in den letzten Jahren hervorgebracht hat" bezeichnet hatten.

Aber immer wenn solche großen Sätze fallen, kann die Premiere im Anschluss eigentlich nur in die Hose gehen. Und so kam es schließlich auch, wie es kommen musste: die Quoten des Piloten blieben weit hinter den Erwartungen zurück und die dennoch einschaltenden, neugierig gemachten Fans und Möchtegern-TV-Kritiker auf den heimischen Sofas waren enttäuscht. Es wurde die Grundsituation bemängelt, ebenso wie die Charaktere, die schnelle Erzählweise oder den zu starken Einsatz von Action-Elementen. Kurzum, der Pilot war durchgefallen. Doch eigentlich war er doch gar nicht so schlecht, wie man ihn in der Zwischenzeit hat runterreden wollen...

Der Auftakt zu "V - Die Besucher" bietet allerhand Potential, das freilich noch nicht ganz ausgeschöpft werden kannn, das aber dennoch mehr als deutlich zu erkennen ist. Vor allem die sich schnell herauskristallisierenden Hauptcharaktere um Erica, Jack, Anna und Tyler lassen gerade tief genug blicken, um einen Blick auf ihr wahres Ich erhaschen zu können, ohne jedoch zu viel preis zu geben.

Auch das Auftauchen der Raumschiffe zu Beginn der Episode war toll inszeniert, wobei man keinen Hehl daraus machte, dass die ganze Szenerie an "Independence Day" angelehnt worden ist. Oft kritisiert wurde der schnelle Zeitsprung nach Auftauchen der Aliens hin zu den ersten Kontaktaufnahmen auf der Erde mit den jeweiligen Regierungen. Der langsame Annäherungsprozess wird nur sporadisch angedeutet, es geht schnell in medias res. Letztendlich ist das eigentlich ganz gut so, denn immerhin stehen die persönlichen Verwicklungen der Charaktere eher im Vordergrund als aufwendige, technische Spielereien um Raumschiffe und langezogene Verhandlungen, wer wann wohin kommt. Auch dass man sich mal wieder nur auf die amerikanische Delegation der Aliens kümmert, mag man dem amerikanischen Serienmachern nachsehen.

Insgesamt kann der gesamte Cast überzeugen. Vor allem Morena Baccarin verkörpert Alien-Anführerin Anna mit einem Charisma, das nicht nur die männlichen Charaktere und Zuschauer in ihren Bann zieht. Doch auch Elizabeth Mitchell und, auf männlicher Seite, Scott Wolf können in ihren Rollen überzeugen, auch wenn beide definitiv noch mehr aus ihren Charakteren heraus holen können und werden.

Alles in allem ist die Idee, dass angeblich wohlgesonnene Aliens der Menschheit vordergründig Hilfe anbieten, hinterrücks jedoch deren totale Vernichtung planen, ist nicht neu. Die Umsetzung ist dennoch für eine Serie insgesamt recht gut gelungen, wobei man bereits von Begin an deutlich merkt, dass die Serie definitiv kein neues "Lost" sein möchte und den Fokus nicht auf das Mysteriöse, Unerklärliche legt, sondern ganz klar auf Action und Spannung setzt. Dass bei jeder neuen SciFi-Serie ein potentieller Nachfolger der bald auslaufenden Serie "Lost" gesucht werden muss, führt zweifelsohne stets zu langen Gesichtern und enttäuschten Fans, die ja fast schon verzweifelt nach einem Strohhalm greifen, um so der drohenden Leere nach dem Ende der Serie im Mai 2010 zu entgehen. So war es bei "FlashForward" und so ist es auch dieses Mal bei "V". Und keine der beiden Serien stellen auch nur den Anspruch, "Lost" beerben zu wollen. Jedoch werden sie immer wieder verglichen und verlieren so Zuschauer um Zuschauer, die mit falschen Vorstellungen an die ganze Serien herangegangen sind und sie die Potentiale, die hinter den Storylines stecken, nicht erkennen können oder wollen.

Was bleibt nun nach 45min "V"? Die Grundsituation ist abgesteckt worden. Die Good Guys sind von den Bad Guys eindeutig zu unterscheiden und die Zuschauer können bereits erahnen, auf was die Serie hinausläuft. Beim genaueren Betrachten wissen wir nach dem Piloten nicht viel mehr, als dass wir einer actionreichen Zeit voller Spionagen und Doppelagenten ins Auge sehen dürfen.

Fazit

Nein, "V" ist definitiv kein zweites "Lost" geworden, dafür bietet die Serie jedoch knallige Action, überzeugende Darsteller und einzigartige Kulissen. Ob der Pilot tatsächlich der beste der letzten Jahre ist, darf sicherlich und mit Recht bezweifelt werden. Ich habe mich jedoch gut unterhalten gefühlt, auch wenn alles schon mal irgendwie dagewesen ist.

Melanie Wolff - myFanbase

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