Bewertung: 6

Review: #7.10 Thank You

When you came in the air went out. And every shadow filled up with doubt ... Zum letzten Mal geleitet uns der stimmungsvolle Titelsong von Jace Everett nach Bon Temps, in den Heimatort der telepathischen Halbelfe Sookie Stackhouse, wo leidenschaftlich geliebt und leidenschaftlich gehasst wird. Am Ende dominiert aber die Liebe. Viele Charaktere finden ihr Glück, oder zumindest Erlösung. Nur Sarah Newlin bekommt das Unhappy End, das sie sich ganz zweifellos verdient hat.

Die vorangegangenen Folgen haben uns relativ deutlich erkennen lassen, dass das Finale von "True Blood" kein Spektakel werden würde. Man musste sich schon im Vorfeld auf partielle Gefühle von Enttäuschung einstellen. Diese letzte Staffel hat zu viel versäumt und konnte nur mit einer Episode wirklich auftrumpfen. Die Geschichte um die H-Vampire ließ sich zwar ganz gut an, wurde aber zu schnell abgehandelt. Nachdem die H-Vampire besiegt waren, ist nicht mehr viel passiert, dass man als spannend oder mitreißend bezeichnen könnte. Eine Menge Charaktere sind völlig abgetaucht und die Nachwirkungen der Ereignisse wurden kaum thematisiert. Irgendwann ging es eigentlich nur noch darum, auf den letzten Metern möglichst viele Happy Ends zu kreieren. Nur eben nicht für Sarah.

New Blood

Eric und Pam werden mit dem neuen Produkt New Blood steinreich und zu Personen des öffentlichen Lebens, nachdem sie ihren Geschäftspartner Mr. Gus Jr. und dessen Männer ins Jenseits befördert haben. Das ging freilich etwas leicht, nachdem die Japaner bisher immer die Oberhand behalten haben. Außerdem war Mr. Gus Jr. ja nur für den amerikanischen Markt zuständig, sein Vater Mr. Gus Sr. könnte Eric und Pam noch eine Menge Killer auf den Hals hetzen. Doch offenbar hält er die Füsse still.

Auf den New-Blood-Dosen und den Werbeschildern prangt zynischerweise Sarahs fröhliches Gesicht. Die echte Sarah wird wohl nie wieder ein solches Gesicht machen. Eric und Pam halten sie gefangen und erlauben es zahlenden Vampirkunden, sie anzuknabbern. Sie, die eine religiöse Führerin war, sich in die Politik eingemischt hat und als Heilige gesehen werden wollte, ist nun eine Sklavin, die permanent gefesselt, benutzt und verspottet wird. Ihr eigener Verstand lässt sie die Geister der Vergangenheit sehen und nie zur Ruhe kommen. Sie ist in mehrfacher Hinsicht eine Gefangene - lebenslänglich.

True Death

Bill will nicht warten, bis die Krankheit ihn völlig aufgezerrt hat, und bittet Sookie, ihm Sterbehilfe zu leisten. In meiner letzten Review habe ich angesprochen, dass Bills Entscheidung, den wahren Tod zu sterben, für mich nur dann wirklich Sinn ergibt, wenn es nicht nur ein Opfer für Sookie ist, sondern auch Ausdruck seines Wunsches, wieder mit seiner verlorenen Familie vereint zu sein. Dass dies zutrifft, stellt diese Folge nun eindeutig heraus.

Bills Tod wird, das muss man schon zugeben, sehr stark in Szene gesetzt. Viele Momente sind unglaublich intensiv. Da wäre zum einen die Szene, in der Sookie erstmals Bills Gedanken hören kann. Für sie und die Zuschauer ist das ein richtiger Schock, der fast schon Gänsehaut verursacht und das markante Gefühl weckt, das sich hier ein Kreis schließt. Ihre Unfähigkeit, seine Gedanken zu lesen, war etwas, dass Sookie zu Bill hingezogen hat, aber gleichzeitig dazu führte, dass er sie bezüglich seiner Absichten täuschen konnte und Geheimnisse vor ihr hatte. Nun, nach all den ausgestandenen Dramen, kann sie endlich seine Gedanken lesen, die genau so sind, wie die Gedanken einer Person, die einen liebt und sich um einen sorgt, sein sollten.

Der Krankheitsverlauf bei Bill gestaltet sich genau gegensätzlich zu dem der H-Vampire. Während die H-Vampire immer unmenschlicher wurden, wird Bill immer menschlicher. Ob dies allein darauf zurückzuführen ist, dass Bill einen Virus mit besonderer Elfenkomponente abbekommen hat, oder ob es auch mit seiner Persönlichkeit und dem, was ihm alles widerfahren ist, zusammenhängt, bleibt Interpretationssache.

Bevor sich Bill für immer verabschiedet, kann er seine Vampirtochter Jessica noch zum (improvisierten) Traualtar führen und damit das erleben, was er bei seiner menschlichen Tochter verpasst hat. Bill und Jessica bekommen damit einen angemessenen Abschied voneinander. Bill kann mit dem Gefühl gehen, dass Jessica gut versorgt ist. Für sie war er als Vater da, trotz einiger unglücklicher Phasen, die ihm auch beim Zuschauer so manche Sympathien gekostet haben, wie dem Kapitel um die Vampirautorität, als er Jessica gewaltsam bekehren wollte.

Es kommt auch zu einem letzten Gespräch zwischen Bill und seinem biologischen Nachfahren Andy. Da Bill sein Haus gesetzlich nicht Jessica vermachen kann, geht es an Andy, der es Jessica und ihrem neuen Ehemann Hoyt für eine symbolische Summe vermietet. Dass neben Andy eigentlich auch Portia Anspruch auf das Haus hat, scheint dabei übrigens vergessen worden zu sein, aber wer hat 20 Minuten vor Serienende schon Zeit, sich mit Details aufzuhalten?!

Bills letzte Augenblicke und schließlich seine Pfählung sind nicht nur emotional, sondern auch ein bisschen unheimlich und makaber. Über hundert Jahre zu spät steigt Bill in den leeren Sarg, der für ihn beerdigt wurde. Wie Sookie dann in diesem Sarg in seinen dampfenden Überresten kniet, überall voll mit Blut, ist schockierend, seltsam, traurig, grotesk und noch ein paar Dinge mehr. Zum ersten Mal überhaupt habe ich diesen von den Überresten aufsteigenden Dampf unter spirituellen Gesichtspunkten gesehen und mich gefragt, ob dies Bills Geist/Seele ist, die da hinaufsteigt.

Happy Ends

Nur wenige Jahre nach Bills Tod ist Sookie verheiratet mit einem Mann, dessen Gesicht wir nicht sehen, und erwartet ein Kind. Sie ist außerdem dreifache Tante, denn Jason und Brigitte führen eine glückliche und fruchtbare Ehe. Auch Sam und Nicole sind zweifache Eltern. Die Mensch-Vampir-Paarungen halten ebenfalls und wir sehen sogar ganz kurz Willa wieder, die also immer noch in Bon Temps ist und zur großen Familie um Sookie gehört. Genau dies ist das abschließende Bild von "True Blood": eine große, glückliche Familie. Selbstverständlich gönnt man als Zuschauer den liebgewonnenen Charakteren dieses Glück, aber erstens ging das am Ende doch ausgesprochen schnell und zweitens ist das für eine Serie wie "True Blood", die oft Hardcore war, ein ziemlich weichgespülter Ausgang.

Man fragt sich natürlich, wer dieser Mann ist, mit dem Sookie nun ihr Leben teilt. Es ist wohl eher unwahrscheinlich, dass er zu den alteingesessenen Bewohnern von Bon Temps gehört. Wie kommt er damit klar, dass seine Frau eine Elfe ist und seine Gedanken lesen kann? Und das sein Kind dies vermutlich auch können wird? Liebt Sookie ihn wirklich aus ganzem Herzen, oder ist er einfach ihr Schlüssel zu dem Leben, dass Bill sich für sie gewünscht hat? Der Eric-Faktor ist auch so ein Streitpunkt. Hält sich Eric jetzt wirklich vollkommen aus Sookies Leben heraus? Sookies neues Familienglück bleibt ein unvollständiges Bild, eines, dass wir nur weit aus der Ferne betrachten dürfen. Wir Zuschauer sind nicht wirklich ein Teil davon. Dieses Kapitel schreibt Sookie ohne uns.

Thank you

Danke "True Blood" für sieben Staffeln voller Sex und Blut, Tragik und Witz, Spannung und Entsetzen. Es war nicht immer alles perfekt. So manche Nebenstory war etwas langweilig, einige Charaktere wurden verschwendet oder auf der Sympathieskala zu sehr rauf und runter geschoben, und den einen oder anderen Logikfehler gab es auch. Die Schwächen konnten aber fast immer aufgefangen werden und uns wurde gute Unterhaltung geboten. Zum Abschied bekommen wir kein Spektakel und kein perfekt stimmiges Bild, aber zumindest noch einige intensive Szenen. Ich hätte "True Blood" ein aufregenderes Ende gegönnt, aber die letzte Staffel hat nicht den Grundstein dafür gelegt.

Maret Hosemann - myFanbase

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