Bewertung: 7

Review: #6.02 Die Sonne

Die Menschheit schlägt zurück! Mit neuen Waffen, vorher nie dagewesenen Schutzmaßnahmen und einem organisierten Vorgehen, angeführt von einem skrupellosen, machtgierigen Politiker, zieht die Menschheit gegen die Vampire ins Feld, zumindest im Bundesstaat Louisiana. Was über viele Jahrtausende undenkbar war, ist nun Realität geworden: die Vampire beginnen, Angst vor den Menschen zu haben.

Eric undercover

Eric weiß, dass er etwas unternehmen muss, und schleicht sich getarnt als menschlicher Bittsteller in Burrells Haus ein. Es ist immer wieder amüsant, wenn sich Eric als Mensch ausgibt. Wir haben dies schon in Episode #2.08 Zeitbombe gesehen. Eric zieht dann die Schultern ein und macht sich kleiner, da Menschsein für ihn irgendwie instinktiv bedeutet, kürzer und schwächer zu sein. Er war eben schon sehr, sehr lange kein Mensch mehr.

Erics Besuch bei Burrell liefert ihm und uns Zuschauern weitere Beweise für die neue Stärke der Menschen. Burrell und seine Leute besitzen sogar spezielle Kontaktlinsen, die sie immun gegen das Becircen machen. Damit habe ich persönlich ebenso wenig gerechnet wie Eric. Burrell hat sich seit Jahren gezielt auf die Bekämpfung von Vampiren vorbereitet und nur auf einen Auslöser gewartet, um den Krieg zu entfachen. Diesen Auslöser haben ihm die Vampire, bzw. die Vampirautorität, durch die Zerstörung der True-Blood-Fabriken selbst geliefert. Wer Wind sät, erntet Sturm.

Es ist wohl ziemlich wahrscheinlich, dass Burrell bei der Entwicklung seiner hypermodernen Antivampirtechnik die einen oder anderen Vampire als Versuchskaninchen benutzt hat. Ich halte es aber auch nicht für ausgeschlossen, dass Burrell Hilfe durch Vampire hatte, die er mit Geld und anderen Versprechungen auf seine Seite ziehen konnte. Aus der vergangenen Staffel wissen wir ja, dass die Vampire durchaus erfinderisch sind, wenn es um Waffen gegen ihre eigene Art geht (Stichwort iStakes) und viele große Denker in Wahrheit Vampire waren, z.B. Louis Pasteur.

Burrells Männer waren allerdings nicht darauf vorbereitet, dass Eric einfach davonfliegt, und haben ziemlich dumm aus der Wäsche geschaut. Dies deutet darauf hin, dass Burrell noch nicht allzu viele Erfahrungen mit alten Vampiren gemacht hat.

Das Leid der Vampire

Dass Burrell Eric in ein so genanntes "Camp" bringen lassen wollte, klingt ganz so, als hätte der Politiker eine Art von Konzentrationslager für Vampire eingerichtet. Dies passt auch zu Bills beängstigender Zukunftsvision, in der zahlreiche Vampire in einen Raum gesperrt und mit Sonnenlicht getötet werden. Das ist im Prinzip das vampirische Äquivalent zu einer Gaskammer. Die Holocaust-Parallelen verdichten sich also.

Es ist spannend und faszinierend, welche widersprüchlichen Gefühle die Gewalttaten gegen die Vampire im Zuschauer wecken. Man ist entsetzt, wenn man sieht, wie Vampire hinter Autos hergeschleift, verbrannt oder mit Silberketten geschlagen werden. Das sind brutale, verabscheuungswürdige Taten. Auch die Vorstellung, was Burrell mit den Vampiren, die ihm ins Netz gehen, macht, lässt einen erschaudern. Andererseits wissen wir genau, was Vampire den Menschen schon alles angetan haben. Uns ist bekannt, dass Vampire die Menschen zu allen Zeiten als Nahrung missbraucht, getötet, versklavt und vergewaltigt haben, auch noch nach der Entwicklung des künstliches Blutes in Flaschen. Manche Familien werden seit Generationen von Vampiren terrorisiert und können kein normales Leben führen, siehe Familie Stackhouse. Die Vampire sind keine unschuldigen Opfer und doch wünscht man sich, dass die Menschen menschlicher und zivilisierter wären, statt sich wie die Monster zu verhalten, die sie in den Vampiren sehen.

Grandpa Niall

Der mysteriöse Fremde, der Jason mitgenommen hat, ist nicht Warlow, sondern der Elfenvorfahr von Jason und Sookie namens Niall Brigant. Von ihm erfahren sie, dass Warlow die Familie Stackhouse schon seit unzähligen Jahrhunderten verfolgt, denn die Stackhouses und ihre Vorfahren haben nicht nur einfaches Elfenblut in sich, sondern königliches Elfenblut. Für Sookie reißen die "guten" Nachrichten wirklich niemals ab. Niall offenbart ihr auch, dass sie in der Lage ist, ein einziges Mal eine mächtige Lichtkugel zu erschaffen, die stärker ist als die Sonne, um sie gegen Vampire einzusetzen. Danach versiegen ihre Elfenkräfte. Wird hier das Tor zu einem möglichen Serienfinale aufgestoßen, in dem Sookie mit ihrer Lichtkugel die Welt rettet und danach ein normales Leben führt?

Niall gefällt mir in dieser Episode vor allem im Zusammenspiel mit Jason. Es scheint Jason wirklich zu gefallen, wieder einen älteren Verwandten, eine Vaterfigur, um sich zu haben. Es ist richtig süss, wie Jason ihn sofort "Grandpa" nennt. Das Zusammenspiel von Jason und Niall besitzt einigen Humor, denn Jason versucht ständig, Niall zu beeindrucken und zu zeigen, dass er bereit für den Kampf gegen Warlow ist, was ihm aber nicht wirklich gelingt. Schon allein für Jason hoffe ich, dass Nialls Absichten wirklich nur gut sind und er eine Weile im Leben der Stackhouse-Geschwister bleibt. Auf beides würde ich aber keinesfalls wetten.

Ein neuer Freund?

Nicht nur Niall, sondern auch Ben tritt neu in Sookies Leben. Ben ist wie sie eine Halbelfe und scheint auch sehr wechselhafte Erfahrungen gemacht zu haben. Dass sie ihn auf dem Weg zur Arbeit verletzt am Straßenrand findet, am gleichen Tag, an dem auch Niall auftaucht, passt ein bisschen zu perfekt, um Zufall zu sein. Da bin ich doch erstmal skeptisch.

Bill & die Zukunft

Bill besitzt nun die Gabe der Vorhersehung. Außerdem darf er Lilith zum ersten Mal bekleidet und ohne das ganze Blut sehen. Sie wirkt sogar richtig nett und wohlmeinend. Ist es am Ende vielleicht sogar etwas Gutes, dass Bill ihr gesamtes Blut getrunken hat, weil er nun in der Lage ist, die Auslöschung der Vampirrasse durch Burrell zu verhindern? Freilich war es ja erst der ganze Wahn um Lilith, der die Situation so hat eskalieren lassen. Andersherum hat Lilith nie verlangt, dass die True-Blood-Fabriken in die Luft gesprengt werden. Es war aber der Genuss ihres Blutes, der die Mitglieder der Vampirautorität so rasend und bekloppt gemacht hat. Zudem dürfen wir nicht vergessen, wie eindringlich Godric seine Abkömmlinge Eric und Nora vor Lilith gewarnt hat. Sehr schwer durchschaubar, das Ganze.

Das Schicksal der Blutspenderin Veronica regt definitiv nicht dazu an, ein Wort wie "gut" in Zusammenhang mit Bill und Lilith zu verwenden. Bill lässt die Frau wie eine gruselige Marionette zu sich kommen und saugt sie dann aus, ohne sie zu berühren. Er zieht ihr gesamtes Blut mittels Telekinese aus ihrem Körper in seinen Mund. Eine sehr eigenwillige, groteske Szene, die man mit gutem Recht genial und lächerlich finden kann.

Unwillkommener Gast

Meine Hoffnung, dass die wenig interessante Geschichte um Patrick Devins und den irakischen Fluch mit der Episode #5.09 Kampf um die Weltherrschaft abgeschlossen wurde, erfüllt sich nicht. Patricks schwangere Frau Maggie kommt nach Bon Temps und sucht nach ihrem Mann. Sie vermutet, dass Patrick mit einer anderen Frau durchgebrannt ist und Arlene bestärkt sie in dem Glauben. Es ist natürlich logisch, dass nach Patrick gesucht wird, aber Lust auf eine Ausdehnung dieser schwachen Handlung verspüre ich absolut nicht.

Maggies Auftauchen wirkt sich etwas trübend auf den ansonsten recht guten Eindruck dieser Folge aus. Darüber hinaus bereitet mir die hohe Anzahl an Hauptcharakteren, die mit Ben und Nicole Wright noch einmal anwächst, ein wenig Sorge. "True Blood" hat traditionell einen großen Cast, aber man hat gerade in der fünften Staffel gesehen, dass dies dazu führen kann, dass manche Charaktere viel zu kurz kommen oder recht unsinnig herumgeschoben werden.

Zwei Hauptcharaktere, Steve Newlin und Holly, haben wir in den bisherigen zwei Folgen dieser Season noch gar nicht gesehen, und wohin es mit Lafayette geht, ist auch noch gar nicht ersichtlich.

Maret Hosemann - myFanbase

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Diskussion zu dieser Episode

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