Bewertung: 6

Review: #6.01 Wiedergeburt

Nach einer durchwachsenen fünften Season begrüßt uns die sechste Staffel zunächst einmal mit viel Blut, Feuer und nackter Haut, aber keiner eindeutigen Antwort auf die Frage, ob diese Staffel nun besser wird als die vorangegangene oder nicht. Es ist ein ordentlicher Auftakt, kein Befreiungsschlag.

Bill, Lilith oder Bilith?

Die Handlung der sechsten Staffel startet an dem Punkt, an dem die fünfte Season endete. Bill ist auferstanden und kaum wieder zu erkennen. Nackt, vollkommen mit Blut bedeckt und brüllend legt er das Hauptquartier der Vampirautorität in Schutt und Asche, um danach einfach davon zu fliegen. Jason bringt es genial auf den Punkt: Bill ist zum nackten, bösartigen Superman mutiert. Als Zuschauer fragt man sich in diesem Moment, wie die Staffel funktionieren soll, wenn Bill dauerhaft in diesem sehr extremen Zustand bleibt. Nur wenige Minuten später sehen wir jedoch einen anderen, ruhigen Bill, der wieder erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Bill aufweist, den wir kennen. Das ganze Blut ist verschwunden, er trägt wieder Kleidung und agiert ganz normal. Gegenüber Jessica, die gerade noch dachte, ihren Macher für immer verloren zu haben und alleine auf der Welt zu sein, verhält er sich wie ein fürsorglicher Vater. Er bittet sie, ihm zu helfen, nicht zu einem Monster zu werden. Er weiß selbst nicht, was da mit ihm geschieht, und entdeckt erst nach und nach seine neuen Kräfte. Nicht nur, dass er nun fliegen kann, was eigentlich Vampiren vorbehalten ist, die älter sind, er verfügt auch über telekinetische Fähigkeiten und kann nicht mehr gepfählt werden.

Momentan stellt Bill ein großes, bedrohliches Mysterium dar. Er scheint nicht komplett zu Lilith geworden zu sein, aber irgendwie ist sie in ihm und kontrolliert ihn. Doch wozu? Was sind ihre Ziele? Bedeutet ihre Rückkehr tatsächlich das Ende der Menschen und der Vampire, wie Nora befürchtet? Und warum passiert das alles gerade jetzt? Lilith' Blut wird ja schon seit Jahrtausenden weitergegeben.

Noch rätselhafter wird die Angelegenheit durch den Umstand, dass Warlow, der ominöse Vampir, der es auf Sookie abgesehen hat, laut der Vampirbibel ein Abkömmling von Lilith ist. Damit wäre er noch älter als Russell Edgington und zweifellos ungeheuer mächtig. Bei dem Mann, der Jason im Wagen mitnimmt, könnte es sich um Warlow handeln, aber ganz sicher bin ich mir noch nicht. Er teleportiert sich weg, was keinen Zweifel daran lässt, dass er kein gewöhnlicher Mensch ist, doch Beweise dafür, dass er ein Vampir ist, lässt er auch nicht erkennen. Das Teleportieren ist keine Fähigkeiten, die wir bisher Vampiren zuordnen konnten. Wozu denn auch teleportieren, wenn man fliegen kann?

Wie schon während der fünften Staffel stehe ich diesem gesamten religiösen Szenario mit einer Mischung aus Faszination und Skepsis gegenüber. Es ist ein spannendes und interessantes Themenfeld, zumal darin viele Parallelen zu den menschlichen Weltreligionen und Glaubensrichtungen liegen, aber es wirkt auch immer etwas abgehoben.

Tod und neues Leben

Luna schafft es nicht aus New Orleans heraus. Sie stirbt noch auf dem Gelände der Vampirautorität - und vor dem Vorspann. Ihr schneller Tod geht in dieser Folge, die sich vornehmlich auf die Vampire konzentriert, ziemlich unter und weckt daher auch keine nennenswerten Emotionen in den Zuschauern. Immerhin aber sorgt Lunas Verwandlung vor der Live-Kamera dafür, dass die Menschen von der Existenz der Gestaltwandler erfahren, oder zumindest argwöhnen, dass es noch einiges gibt, von dem sie bisher nichts wussten.

Lunas Todesnacht ist auch die Geburtsnacht von Andys Vierlingen, die innerhalb weniger Stunden zu Kindern im Kindergartenalter heranwachsen. Daran, dass die Vierlinge über ein beschleunigtes Wachstum verfügen könnten, habe ich gar nicht gedacht, obwohl es absolut logisch ist, wenn man bedenkt, wie kurz Maurella nur schwanger war. Jetzt sollte sich Andy aber tunlichst beeilen, seinen Kindern Namen zu geben, denn es ist nur noch eine Frage von Tagen, bis sie ihre Führerscheine machen wollen.

Dominanzverhalten

Wie wir es schon bei Marcus erlebt haben, wird auch die Leiche von J.D. von seinem Werwolfsrudel gefressen. Diesmal beißt auch Alcide kräftig zu, um seine neue Position als Anführer des Rudels zu bestätigen. Bisher waren wir es gewohnt, dass Alcide ein sehr distanziertes Verhältnis zu den Traditionen seiner Rasse besitzt, ja sogar Verachtung für diese empfindet. Nun erleben wir, wie Alcide seine neue Rolle annimmt, mit allem, was dazugehört, und es genießt. Dies mag dem V geschuldet sein, dass sich noch in seinem Körper befindet, aber womöglich verändert er sich auch einfach durch die neue Macht, die er als Anführer hat. Bills Gespräch mit Jessica darüber, dass zu viel Macht korrumpieren kann, bekommt also vielleicht auch in Bezug auf Alcide noch Bedeutung. Es wäre freilich riskant, schon wieder einen Hauptcharakter eine negative Wandlung durchleben zu lassen. Warten wir es ab.

Rikki, die nun auch zu den Hauptcharakteren zählt, macht durch Dominanzverhalten deutlich, dass sie Alcides erste Bettgefährtin ist, seine Hauptfrau. Wir kennen Rikki noch nicht gut genug, um einschätzen zu können, wie erfolgreich sie diese Rolle ausfüllen wird und ob sie auf Dauer wirklich damit klarkommt, dass Alcide auch andere Werwölfinnen beglückt. Grundsätzlich war diese Szene zwischen Alcide, Rikki und Danielle natürlich knackig animalisch - "Teen Wolf" für aufgeschlossene Erwachsene.

Schmutzige Politik

Ein neuer Antagonist dieser Staffel ist Truman Burrell, der Gouverneur von Louisiana, der ein undurchsichtiges Spiel treibt. Einerseits verhängt er scharfe Gesetze gegen Vampire, darunter eine nächtliche Ausgangssperre, was natürlich bedeutet, dass die Vampire gar nicht mehr auf die Straße dürfen, andererseits beteiligt er sich daran, die Produktion von True Blood wieder ins Laufen zu bringen. Seine genauen Motive sind noch nicht abzusehen, aber er handelt ohne zu zögern. Die Polizei ist bereits mit neuen, effektiven Waffen gegen Vampire ausgestattet.

Für mich stellt der Konflikt zwischen den Menschen und den Vampiren, der nun einen besonders brenzligen Punkt erreicht hat, eines der besten Themen der Serie überhaupt dar. Burrells neue Gesetze nehmen den Vampiren fundamentale Grundrechte, wie das Recht, eigene Geschäfte zu besitzen, was sofort Assoziationen mit dem Nationalsozialismus und den Gesetzen gegen die Juden weckt. Andererseits sind die Vampire bekanntlich nicht unschuldig an ihrer Lage. Es war zwar nur eine Fraktion unter den Vampiren und nicht die Gesamtheit aller Vampire, die durch die Zerstörung der True-Blood-Fabriken die Lunte gezündet hat, dennoch ist angesichts der vielen Menschen, die seitdem ihr Leben lassen mussten, und der großen Angst, welche die Menschen empfinden, seit das künstliche Blut knapp ist, verständlich, dass viele von ihnen solche Gesetze befürworten. Ein Politiker, der die Ängste für seine Zwecke ausnutzt und sie mit scharfer Rhetorik befeuert, ist letztlich genau das, was keine Seite braucht.

Maret Hosemann - myFanbase

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