Bewertung: 8

Review: #4.08 Verzaubert

Sehr vieles von dem, was "True Blood" auszeichnet, wenn nicht gar ALLES, was die Serie kennzeichnet, findet sich komprimiert in dieser einen Episode: Sex, Gewalt, Tod, Drogentrips, Südstaatengeschichte ... natürlich präsentiert mit Tragik und schwarzem Humor. Auch einige Elemente, die zuletzt etwas zu kurz gekommen sind, werden mal wieder aufgegriffen, allen voran Sookies Fähigkeiten.

Vereinigungen und Trennungen

Jessica wird erwartungsgemäß von Jason gerettet und beide lassen sich für einen kurzen Moment von ihrer Leidenschaft übermannen. Dies bestärkt Jessica noch mehr darin, sich von Hoyt zu trennen. Interessant ist hier die Diskrepanz zwischen der Art, wie sich Jessica die Trennung in ihrem Traum vorstellt, und der Weise, wie sich die Trennung dann wirklich abspielt. In ihrem Traum bricht Hoyt zusammen und nervt Jessica mit seiner Schwäche, woraufhin sie ihn tötet und dann von einem sehr leidenschaftlichen Jason mit offenen Armen, will heißen mit offener Hose, empfangen wird. In der Realität jedoch reagiert Hoyt wütend statt weinerlich und bringt mit seinen harten Worten vielmehr Jessica dazu, weinend zusammenzubrechen. Auch Jason verhält sich anders, als von Jessica erträumt, denn seine Loyalität zu Hoyt ist (noch) stärker als seine Leidenschaft und er wirft die junge Vampirin aus seinem Haus. Jessica hat sich unterbewusst Bilder von Hoyt (als sensiblen Schwächling) und Jason (als ihren leidenschaftlichen Verehrer) gemacht, die viel zu vereinfacht sind und so nicht zutreffen. Jason und Hoyt sind schon ein wenig komplexer. Man kann wohl sagen, dass Jessica mitten in ihrer Vampirpubertät steckt und vom vampirischen Äquivalent zu Hormonen geplagt wird. Sie hatte bisher keine Gelegenheit, sich die Hörner abzustoßen, oder in diesem Fall die Reißzähne, und holt dies nun mehr oder weniger nach.

Derweil erleben Sookie und Eric einen neuen Höhepunkt in ihrer Beziehung. Beide berauschen sich am Blut des jeweils anderen und gehen gemeinsam auf einen Drogentrip, der sie ein kleines Sexmärchen im Schnee spielen lässt. Sookie hat ja bisher Vampirblut hauptsächlich getrunken, wenn sie verletzt war und es als Heilmittel benötigte, nun erfährt sie V mal wirklich als Rauschmittel. Ironischerweise wird sie dann am Ende dieser Folge so schwer verletzt, dass sie Vampirblut wieder dringend bräuchte, um zu überleben. Eine interessante "Finger weg von den Drogen"-Parabel, wie ich finde.

Nachdem Sam seinen Bruder einen Tritt in den Hintern verpasst hat, hofft er auf eine gemeinsame Zukunft mit Luna, auch wenn diese verständlicherweise erst einmal verarbeiten muss, dass sie mit dem falschen Mann geschlafen hat. Glücklicherweise ist Lunas kleine Tochter Emma vernarrt in Sam, so dass Luna gar nicht anders kann, als ihm eine zweite Chance zu geben. Weniger glücklich verläuft für Sam dagegen die Begegnung mit Emmas Vater, bei dem es sich um niemand anderen als Marcus, den Anführer des Werwolfsrudels, handelt. Das ist natürlich eine von diesen Enthüllungen, die wie die Faust aufs Auge passen und daher nur milde überraschend sind. Böse Zungen könnten nun behaupten, dass sich Luna wegen ihres unfreiwilligen One-Night-Stands mit Tommy eigentlich kaum aufregen dürfte, nachdem sie sehenden Auges mit einem so schmierigen Zeitgenossen wie Marcus liiert war.

Besagter Marcus erklärt sein Rudel für neutral und verbietet eine Einmischung in den Konflikt zwischen den Vampiren und dem Hexenzirkel. Debbie nimmt Alcide das Versprechen ab, sich von Sookie fernzuhalten, wohl wissend, dass diese auf jeden Fall in den Vampir-Hexen-Krieg involviert sein wird. Alcide aber ist nicht die Schweiz, sondern eher so etwas wie die USA und kann einfach nicht anders, als einzugreifen und Sookie zur Hilfe zu kommen. Er findet sie schwer verwundet auf dem Friedhof, den die Vampire und der Hexenzirkel zu ihrem Schlachtfeld gemacht haben, und trägt sie in Sicherheit. All dies beobachtet Debbie heimlich aus der Ferne. Ich vermute stark, dass Debbies Siedepunkt nun langsam aber sicher überschritten ist und wir bald die alte Debbie erleben werden, wie wir sie aus der dritten Staffel kennen. Im Moment kann ich mir gut vorstellen, dass sie und Marcus eine unheilvolle Allianz eingehen, denn beide tragen offensichtlich eine Menge Wut und Eifersucht in sich, Marcus auf Sam und Luna, und Debbie auf Alcide und Sookie.

Der Krieg der Übernatürlichen

Kommen wir zur erwähnten Schlacht auf dem Friedhof von Bon Temps. Bill will sich dort zu Friedensverhandlungen mit Antonia treffen, die jedoch ganz und gar nicht an einer gütigen Einigung mit den Vampiren interessiert ist. Ihr Sonnenzauber hat den Vampiren der Umgebung zwar einige qualvolle Stunden bereitet, jedoch tatsächlich nur einen Blutsauger, Maxine Fortenberrys Nachbarin, vernichtet. Bill gelingt es sogar, den Tod dieser Vampirin für positive PR zu nutzen, denn er stellt ihr Ableben als einen Selbstmord hin, der beweist, dass auch Vampire eine verletzliche, sensible Seite haben. Willkommen im 21. Jahrhundert, Antonia! Hier ist jeder Krieg auch eine mediale Schlacht und die Grenzen sind nicht mehr so klar gezogen wie im 17. Jahrhundert, da die Vampire nicht mehr im Verborgenen existieren.

Die Schlacht auf dem Friedhof liefert auch ganz wunderbare Eindrücke von den drei Männern in Sookies Leben. Der Mann an ihrer Seite ist derzeit Eric, doch sie muss miterleben, wie er ziemlich brutal eine der Anhängerinnen Antonias tötet. Bill dagegen rettet Tara vor Pam und bemüht sich auch sonst um Deeskalation, wenn auch nicht wirklich erfolgreich, während es am Ende Alcide ist, der Sookie findet und auf Händen in Sicherheit trägt. Drei verschiedene Männer und die Frage, wer denn nun der Eine ist, mit dem Sookie dauerhaft glücklich werden kann. Immer vorausgesetzt, sie überlebt ihre schwere Verletzung, wovon ich an dieser Stelle mal ganz dreist ausgehe.

Neben Sookies ungeklärtem Schicksal stehen nach der Schlacht noch viele weitere Fragen im Raum: was macht Antonia mit Eric, den sie unter ihre Kontrolle gebracht hat? Wie ergeht es Bill, der von Antonias Anhängern mit Silber attackiert wird? Hält Tara Antonia weiter die Treue?

O kommet, ihr Geister

Lafayette scheint seit der Reise nach Mexiko ein offener Port für Geister zu sein. Nun übernimmt Mavis, die afroamerikanische Geisterfrau, die an Baby Mikey hängt, seinen Körper, um Mikey zu entführen. Wir erfahren aber nicht nur den Namen der Frau, sondern auch ein wenig über ihre Geschichte. Sie hatte zu Lebzeiten, irgendwann in den 1920er oder 1930er Jahren, ein Verhältnis mit einem verheirateten, weißen Mann, was damals überall in den USA ein Skandal gewesen wäre, aber in den Südstaaten geradezu ein Kapitalverbrechen war. Aus der Romanze ist ein Kind, ein Junge, hervorgegangen, den der Mann getötet hat, um die Affäre zu vertuschen. Die unheimliche, alte Puppe war ein Spielzeug, das Mavis ihrem Sohn schenken wollte. Alle Fragen sind damit natürlich noch nicht beantwortet. Auch bin ich mir nicht sicher, ob der Vater das Kind wirklich getötet hat, denn da er Mavis die Leiche nicht sehen ließ, ist es durchaus vorstellbar, dass er sie belogen hat. Vielleicht erweist sich Hoyt, in dessen Haus die Puppe ja zuerst aufgetaucht ist, als Mavis Urenkel. Das wäre schon von daher eine nette Enthüllung, da Hoyts Mutter Maxine ja bekanntlich zu Intoleranz und Rassismus neigt. Eine andere Theorie, die ich durchaus plausibel finde, ist, dass der Mann, mit dem Mavis die Affäre hatte, Andys und Terrys Großvater war. Von daher wäre Mavis' Entführung von Terrys Sohn eine Art Rache an der Familie.

Fazit

Sex, Gewalt, Tod, Drogentrips, Südstaatengeschichte ... was will der "True Blood"-Fan mehr?

Maret Hosemann - myFanbase

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