Bewertung: 8

Review: #1.22 Von der Wiege bis ins Grab

Foto: Joseph Morgan, The Originals - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Joseph Morgan, The Originals
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Nach der großen Schlacht aus #1.21 The Battle of New Orleans befasst sich #1.22 From a Cradle to a Grave mit dem zurückgelassenen Trümmerhaufen. Obwohl die Episode von einer sehr bedrückenden Stimmung geprägt ist, erlebt man einen deutlichen Aufschwung und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, wie man es seit Rebekahs Ausstieg nicht mehr hatte.

"I let her in. I don't let people in. You knew this, and you've taken her from me. I needed her and you've broken me."

Von besonderer Bedeutung ist die Geburt von Hayleys Baby, auf die wir nun die ganze Staffel vorbereitet wurden. Wie sich am Ende der letzten Episode schon angekündigt hat, handelt es sich bei der Geburt nicht um ein glückliches Erlebnis, dem die gesamte Familie freudig entgegenfiebert, da die Zukunft des Kindes durch das Zutun der Hexen unter keinem guten Stern steht. Zu Beginn der Episode zeigt man uns eine sehr harmonische Szene zwischen den werdenden Eltern, die schlichter und gleichzeitig schöner nicht sein könnte. Ganz unbeschwert necken sich Hayley und Klaus, doch noch viel herzergreifender ist der kleine Moment, in dem Klaus die Bewegungen seiner ungeborenen Tochter spürt. In seinem Gesicht spiegeln sich gleichzeitig große Freude und Schüchternheit, die man von ihm sonst gar nicht kennt. Hayleys Liebesbrief an ihre Tochter ist nicht weniger ergreifend. Um ihrem Glück Ausdruck zu verleihen, schreibt sie ihrem ungeborenen Kind ein paar liebevolle Zeilen, einfach nur, um zu zeigen, wie sehr sie sich bereits auf die Ankunft ihrer kleinen Tochter freut.

Der kurze Auszug aus dem Leben der beiden steht im grellen Kontrast zur derzeitigen Situation von Klaus und Hayley. Geknebelt und gefesselt müssen sie mit ansehen, wie die Hexen ihr Baby an sich nehmen und Klaus wird außerdem Zeuge, wie man Hayley gleich darauf die Kehle durchschlitzt. Diese Szene ist den Autoren gigantisch gut gelungen, da man genau so sehr von Schock und Trauer ergriffen ist, wie Klaus.

Als Elijah sieht, was geschehen ist, verschließt er seine Gefühle zunächst in seinem Inneren, doch bald darauf platzen sie aus ihm heraus. Er hat den einen Menschen verloren, auf den er sich mit Leib und Seele eingelassen hat und kann nicht glauben, dass Klaus dies hat geschehen lassen. Auch mit ihm kann man nur mitfühlen, da mit dem plötzlichen Tod von Hayley auf diese besonders herzlose Weise wohl niemand gerechnet hätte.

"I spent eight months of my life up here being used as a secret weapon. Now you can see how it feels."

Die Hexen werden in dieser Episode zum ultimativen Feind erklärt und die rachsüchtige Aktion der Werwölfe aus der vorangegangenen Folge ist völlig vergessen. Das Genevieve, Monique und Abigail dem Baby nicht einen einzigen glücklichen Tag geben wollen, strotzt nur so von Ungerechtigkeit und daher sehe ich keinen Grund, mit den Hexen mitzuleiden, als sie von den Vampiren eine nach der anderen abgeschlachtet werden. Die Szenen sind nicht weniger gewaltvoll als in bisherigen Episoden und dennoch habe ich hier nicht das Gefühl, im dem ganzen Kampfgetümmel unterzugehen, da durch den Tod der Hexen das Gefühl aufkommt, sich für den Angriff auf Baby Mikaelson revanchiert zu haben.

Etwas eigenartig fand ich allerdings, dass sich keine der drei gefragt hat, wo Davina steckt und dass man sie bei der geplanten Opferung für überflüssig hielt.

Camille wird dieses Mal leider wieder zur Randfigur und dient lediglich dazu, Davina ein paar Waffen in die Hände zu spielen. Ich wüsste gern, ob es Davina so leicht fällt, Mikael ins Reich der Lebenden zurück zu holen, weil in "Vampire Diaries" gerade die andere Seite zerfällt oder ob man ihr einfach so viel Macht zuspricht. Etwas seltsam ist es schon, dass Davina für Mikaels Auferstehung nur Sekunden braucht, während man in Mystic Falls verzweifelt nach einem Weg sucht, die Gruppe vor dem Nichts auf der anderen Seite zu bewahren.

Dass Mikael nun zurück ist und unter Davinas Kontrolle steht, ist eine ausgezeichnete Idee. Die kurze Szene in der er die ohnehin schon halbtoten Vampire abschlachtet, hätte man sich meiner Meinung auch sparen können, da man damit nur unterstreicht, dass Mikael eigentlich nur als Actionbringer in die Serie geholt wurde. Obwohl ich Sebastian Roché für sein Talent, Furcht zu verbreiten, sehr bewundere, muss ich zugeben, dass man von ihm bisher nicht eine andere Fassette gesehen hat. Daher liegt es nahe, dass man ihn in New Orleans als Meuchelmörder einsetzen wird, was nicht sonderlich vielversprechend ist. Doch durch Davinas kleinen Trick ergeben sich für Staffel zwei ganz neue Möglichkeiten, denen ich gespannt entgegensehe.

"To my little girl. Your dad just asked if this was a love letter. I guess it kind of is."

Obwohl man Baby Mikaelson gerettet hat, scheint man vor einer aussichtslosen Zukunft zu stehen. Die tiefe Verzweiflung in den Augen der frisch gebackenen Eltern ist sehr authentisch und ich bin froh, dass man Hayley als Hybriden zurückholt. Mit dem Ausstieg von Rebekah verlor man die einzige Person, die eine Brücke zwischen Klaus und Elijah gebildet hat. Ganz langsam haben die Autoren nun Hayley zum Vermittler gemacht und auch schon in dieser Episode gezeigt, dass sie sehr gut mit den Brüdern harmonieren kann. Umso besser ist es, dass die drei nun eine starke Front bilden und beschließen, den kleinen Wolf wegzugeben. Man sieht den Schauspielern an, dass sie wissen, wie sehr ihren Figuren dieser Entschluss das Herz bricht.

Rebekah für einen kurzen Auftritt ins Finale zu holen, ist eine nette Idee und lässt vermuten, dass Claire Holt in der nächsten Staffel vielleicht für ein paar mehr Gastauftritte zur Verfügung stehen wird. Das Wiedersehen zwischen ihr und Klaus hat mich sehr bewegt, da der Zwist der beiden nun völlig vergessen ist und Klaus seine Tochter in die Arme der in Ungnade gefallenen Schwester legt. Auch wenn man uns nur wenige Minuten mit dem Geschwisterpaar gibt, gehört diese Szene neben der Anfangssequenz zu den intensivsten Momenten dieser Episode. Die Tränen, die Joseph Morgan vergießt, kommen von Herzen. Als Klaus seiner kleinen Tochter den Namen Hope gibt (über den man sich an anderer Stelle als klischeebeladenen Soap-Namen lustig machen würde), hat man trotz der tiefen Traurigkeit mit der dieser Abschied einen erfüllt, das Gefühl, dass noch nicht alles verloren ist und Hope irgendwann zu ihren Eltern zurückfinden wird.

"You had me pegged from the start. A man damaged by his demons and those demons are not dormant, they are hell-bent on killing me and everything I find beautiful. And you, you are beautiful."

Joseph Morgan hatte in dieser Episode einiges zu tun. Denn Klaus hatte nicht nur mit Hayley, Rebekah und Elijah ein paar sehr erschütternde Szenen, auch seine besondere Verbindung zu Marcel und Camille wurde noch einmal betont. Nachdem Marcel Hope vor den Hexen gerettet hat, teilen Vater und Ziehsohn einen sehr schönen Moment mit einander. Umgeben von Marcels abgeschlachteten Anhängern befinden sich die beiden im blutigen Innenhof der Mikaelsons und ohne einen Wimpernschlag vergisst Klaus seine Wut auf Marcel und rettet ihm mit seinem Blut das Leben. Mit Tränen in den Augen trinkt Marcel davon und nach langer Zeit hat man nun endlich wieder die Hoffnung, dass die Bromance der beiden erneut aufkeimen kann.

Begraben tut man allerdings (vorläufig) die Beziehung von Klaus und Camille. Nachdem er in dieser Episode schon so viel einstecken musste und seine Tochter für tot erklärt hat, wäre es zu viel verlangt, wenn Klaus sich nun in die Arme von Camille stürzt. Um nicht noch mehr Verluste hinnehmen zu müssen, distanziert sich Klaus von dem einzigen Menschen, der ihm Trost spenden könnte, gibt aber gleichzeitig zu, dass er sich von Camille fernhalten will, damit ihr kein Leid geschieht. Nachdem man an den letzten Episoden viel herumkritteln konnte, da die charakterliche Entwicklung auf der Strecke blieb, muss man an dieser Stelle unbedingt erwähnen, dass Klaus nun sehr viel Größe zeigt.

"May you rest in peace." - "What's the fun in that?"

Um den Gesprächsstoff für Staffel zwei ein wenig anzuregen, zeigt man uns eine letzte Szene, in der zwei Hexen von den Toten auferstehen. Ist dies nun wieder möglich, weil Monique und Abigail gestorben sind? Wenn ja, warum sind dann nicht drei Hexen zurückgekommen, da ja auch Genevieve getötet wurde? Offensichtlich ist die Hexe im Körper des vierten Ernte-Mädchens Esther und es liegt die Vermutung nahe, dass sie ihren Sohn Finn mit sich gebracht hat. Wie es allerdings gehen soll, dass ein Vampir (oder sind alle Mikaelsons eigentlich Hexen?) in den Körper einer Hexe schlüpfen kann, ist mir schleierhaft. Lobenswert ist es zwar, dass man in "The Originals" nun alle Mikaelsons vereinen will, doch die Fans würden sicherlich mehr jubeln, wenn man den Publikumsliebling Kol zum Cast stoßen lässt.

Fazit

Die erste Staffel von "The Originals" hatte ihre Höhen und Tiefen. Mit dem Finale zeigt man uns, dass die Autoren sehr genau wissen, was die Zuschauerherzen bewegt. Eine Folge die so von Traurigkeit und Verlust geprägt ist, aber durch die Geburt der kleinen Hope dennoch Anlass für eine glückliche Zukunft gibt, ist etwas ganz Besonderes. Auch wenn man nun mit einem betrübten Gefühl ein paar Monate auf die nächste Episode warten muss, hat man für die erste Staffel der Serie einen guten Abschluss gefunden.

Marie Florschütz - myFanbase

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