Bewertung: 7

Review: #1.11 Der Winterball

Foto: Crystal Reed, Teen Wolf - Copyright: Dewey Nicks/MTV
Crystal Reed, Teen Wolf
© Dewey Nicks/MTV

Es ist ein altbewährtes Mittel von Teen-Serien aller Genres: der obligatorische High-School-Ball, bei dem sich neue und alte Paare finden, die Emotionen hochkochen, alle Fäden zusammen laufen und die Ereignisse sich überschlagen. Genauso ist es auch bei diesem Auftakt zum Staffelfinale von "Teen Wolf", in dem vor allem Allison während des Balls freudige und schockierende Enthüllungen erwarten. Zunächst muss sie allerdings erst einmal die Enthüllungen aus der vorigen Folge verkraften, nämlich dass Derek ein Werwolf ist und von ihrer Tante gefangen gehalten und gefoltert wird, da ihre gesamte Familie seit Jahrhunderten aus professionellen Werwolfjägern besteht.

"This isn't me, this is not me!"

Allisons Reaktion darauf war leider die größte Enttäuschung dieser Folge. Dabei war es eigentlich sehr gut gelöst, direkt an den Cliffhanger der letzten Episode anzuschließen und zu zeigen, wie verstört Allison nach dem Aufeinandertreffen mit Werwolf-Derek ist und ihr Gespräch mit Kate in Rückblenden zu zeigen. Doch das Gespräch mit Sheriff Stilinski war dann leider zu viel des Guten - die Situation wirkte zu künstlich konstruiert und Allisons plötzliches Zusammenreißen war zu unmotiviert. Aus der Kombination der beiden Charaktere hätte man viel mehr machen können, zum Beispiel das Gespräch ausdehnen, sodass der Sheriff Allison tatsächlich beruhigen kann und man nicht einfach so hinnimmt, dass ein Teenager mit dieser überwältigenden Situation wie auf Knopfdruck ganz alleine klar kommt.

Auch ihre anschließende Reaktion, dass sie in die Rolle der Jägerin schlüpft und Pfeile auf das Fahndungsplakat von Derek schießt, erschließt sich nicht – schließlich wirkte sie im Gespräch mit Kate eher besorgt um Derek und unsicher, ob sie bei der Jagd auf die Werwölfe mitwirken soll. Dieser plötzliche Gesinnungswandel kommt völlig aus dem Nichts und wird leider auch im Verlauf der Folge nicht mehr aufgegriffen – aber vielleicht folgt im Finale eine stärkere Auseinandersetzung mit dieser Thematik, nachdem nun alle Beteiligten von Scotts Identität als zweitem Beta wissen.

"Is it ironic, that you are inadvertently helping me take down the rest of the pack – again? Or just a little bit of history repeating?"

Das war allerdings das einzige größere Manko dieser Folge, alle anderen Storylines konnten sowohl mit der Handlungsdichte als auch der Charakterentwicklung überzeugen. So mauserte sich zum Beispiel Kate während der Folter von Derek zur perfekten Antagonistin, die ganz eindeutig eine Schraube locker hat. Aber durch ihren sadistischen Wahnsinn wirkten die Szenen unglaublich intensiv und wurden – als schöne Spiegelung der einstigen Beziehung zwischen Kate und Derek – trotz der gegenseitigen Verachtung hocherotisch aufgeladen, sodass die knisternde Spannung geradezu spürbar war. Als Zuschauer kann man sich dieser Situation nicht entziehen, man wird mitten in die Atmosphäre gezogen und kann gar nicht anders, als Kate leidenschaftlich zu hassen, wenn sie Derek voller überlegener Schadenfreude daran erinnert, dass sie ihn dafür benutzt hat, seine Familie zu töten.

Wunderbar gelungen war auch die Überleitung, wie Kate Scotts wahre Identität erkennt, indem sie die Parallele zwischen ihrer Vergangenheit mit Derek und Allisons Beziehung mit Scott zieht. Dadurch stellt sich natürlich die Frage, ob diese Anziehung zwischen Werwölfen und Jägerinnen eine seltene Befähigung der Argent-Frauen ist – schließlich kann es, wie von Kate, dazu genutzt werden, die Zuneigung eines Werwolfs eiskalt auszunutzen und ein ganzes Rudel zu vernichten. Auch wenn man dies Allison eigentlich nicht zutraut, so löst ihre plötzliche Wandlung zu Beginn der Folge doch eine gewisse Skepsis aus, ob ihre Gefühle gegenüber Scott ehrlich bleiben oder ob sie in die Fußstapfen ihrer Tante tritt und ihn für ihre Zwecke benutzt.

"So, you're gonna ride your bike to a dance that you're not even allowed to go to. Without a date, a suit or a way in. With werewolves and werewolf hunters all out to kick your little werewolf ass." – "Yeah. You're gonna help me?" – "Hell yes!"

Während die Handlung um Derek und Kate komplett für sich stand, kulminierten alle weiteren Storylines auf dem Ball, der einfach nur herrlich inszeniert war - von Scotts Drohungen gegenüber Jackson, bis dieser völlig eingeschüchtert und gegen seinen Willen Allison darum bittet, ihn zum Ball zu begleiten, bis zum cineastischen Angriff von Peter Hale auf dem Lacrosse-Feld und Stiles heldenhaftem Eingreifen. Ganz zu schweigen natürlich vom Cliffhanger, als die individuellen Vermutungen von Chris und Kate bestätigt werden und Scott sich im Beisein und zum Entsetzen von Allison in einen Werwolf verwandelt. Alle Erwartungen wurden erfüllt, es gab urkomische Szenen, romantische Momente und ganz großes Drama und alles war in sich stimmig und rundum unterhaltsam.

Hervorzuheben ist auf jeden Fall die absolut grandiose Reaktion von Scott, als der Coach ihn auf dem Ball entdeckt und er blitzschnell schaltet und Danny auf die Tanzfläche zieht. Der naiv-unschuldige Blick von Scott, gepaart mit der stoischen Haltung von Danny und der peinlich-berührten Verwirrung des Coachs war schlichtweg ein Bild für die Götter! Diese Wirkung wird natürlich dadurch verstärkt, dass man Scott diese Situations-Intelligenz absolut nicht zugetraut hätte – schließlich ist das normalerweise vielmehr die Rolle von Stiles als Kopf dieses Zweiergespanns, während Scott den nötigen Mut mitbringt, dessen waghalsigen Pläne umzusetzen. Dass er mit seiner eigentlich völlig eigennützigen Handlung gleichzeitig ein Statement für Toleranz gegenüber Schwulen setzt, trägt nur dazu bei, dass man diesen charmanten Schlingel mit dem Herz auf dem rechten Fleck einfach gern haben muss.

Deutlich anders verhält es sich mit Jackson, der weiterhin fleißig Antipathien sammelt, indem er erst Allison gegenüber mehr als klar macht, dass er überall lieber wäre, als mit ihr auf dem Ball und schließlich Chris Argent verrät, dass Scott der zweite Beta ist. Aber gerade dann, wenn man Jackson schon fast so sehr verabscheut wie Kate, legen die Autoren den Hebel schlagartig wieder um und mit einem Satz ("Promise you won't hurt him") und dem verzweifelten, fast schon entschuldigenden Blick gegenüber Stiles gewinnt Jackson plötzlich wieder die nötige Komplexität, dass man gar nicht anders kann, als ihm noch eine Chance zu geben.

Außerdem führte sein Verrat gegenüber Scott zu einem der beiden Höhepunkte der ganzen Folge, die wunderschön symbolisch inszeniert wurden: Während der Werwolf Scott wie ein wildes Tier von den beiden Jägern zwischen den Schulbussen in eine Falle gelockt wird, greift der Alpha Peter Lydia auf dem offenen Feld an – wie ein junges Reh steht sie im Flutlicht und wird vom bösen Wolf attackiert, eine absolut herrliche Metaphorik. Und obwohl Stiles todesmutig eingreift und Lydia vor weiterem Schaden bewahrt, wurde sich doch deutlich sichtbar von Peter verletzt. Die Frage ist nun, wie schwerwiegend diese Verletzungen sind – kann es etwa sein, dass Lydia die neue Ergänzung für das Wolfsrudel ist? Genauso offen ist das Schicksal von Scott, der in den letzten Sekunden der Folge durch die drohende Lebensgefahr aufgrund der zwei auf ihn zurasenden Autos gezwungenermaßen nicht nur seinen Feinden, sondern auch Allison sein wahres Gesicht zeigen muss. Es wird also nicht bis zum Finale gewartet, bis seine Identität als Werwolf enthüllt wird, was bedeutet, dass es nun zum Abschluss der Staffel zu einem großen, offenen Showdown zwischen Chris, Kate, Peter, Derek und Scott kommen kann. Wer dabei allerdings auf wessen Seite kämpfen wird und wer noch daran beteiligt ist (Allison?), bleibt unklar und die Spannung wächst stetig weiter.

"You need to tell her how you feel. Tell her the truth."

Und weil die Beziehung von Scott und Allison in der letzten Review nur in den Randnotizen gelandet ist und Lydia gar nicht vorkam, bekommen die beiden Pärchen diesmal einen eigenen Abschnitt, den sie sich durch die Ereignisse auf dem Ball auch wirklich verdient haben. Denn sowohl für Scott, als auch für Stiles war es ein Meilenstein, dass sie ihrer jeweiligen Angebeteten ihre Gefühle gestehen und die Reaktion darauf keine Abfuhr ist. Mir ist zwar noch nicht ganz klar, aus welchem Grund Allison von Lydia verlangt, dass sie mit Stiles auf den Ball geht, aber das ist wieder eine dieser kleinen Logiklücken, die absolut vernachlässigt werden kann, solange eine derart bezaubernde und erfrischende Szene dabei herausspringt. Dass Stiles es tatsächlich fertig bringt, Lydia zur Abwechslung mal die Meinung zu sagen und ihr damit jeden Wind aus den Segeln zu nehmen, war schon ein wahres Highlight. So etwas schafft übrigens auch nur Stiles, dass er jemandem im selben Atemzug sagt, dass er seit Jahren in sie verschossen ist, sie gleichzeitig als kalt und leblos bezeichnet und ihr mal eben klar macht, dass er vermutlich der einzige ist, der hinter die Fassade des populären Schulmädchens schauen kann. Aber dass Lydia daraufhin ihre schnippische Arroganz tatsächlich ablegt und sich endlich wirklich auf Stiles als ihr Date einlässt, war das i-Tüpfelchen für diese plötzlich wunderbar harmonierende Zwangsverbindung und wurde auch nicht dadurch geschmälert, dass Lydia Stiles letztlich doch stehen lässt, um Jackson zu suchen.

Über diesen Status der ersten Annäherung sind Scott und Allison natürlich schon längst hinaus, aber auch ihre Entwicklung hat mir in dieser Folge wirklich sehr gut gefallen, weil in den unterschiedlichsten Momenten offensichtlich wurde, wie viel die beiden einander bedeuten und wie sehr sie sich um den anderen sorgen. Unglaublich süß umgesetzt war das natürlich in der Szene, als Scott beim nächtlichen Überwachen kaum noch die Augen offen halten kann, aber lieber schlafend vom Dach fällt, als Allison alleine zu lassen. Aber auch was er alles auf sich nimmt, um zu Allison auf den Ball zu kommen, qualifiziert ihn ohne Zweifel als "boyfriend of the year" – und wird, für den Zuschauer ersichtlich, damit belohnt wird, dass die durch Jacksons Verhalten verunsicherte und niedergeschlagene Allison plötzlich wieder lächeln kann und alles nur durch Scotts Anwesenheit ins Lot gerückt zu werden scheint. Und gerade als die Stimmung zu kitschig zu werden droht, erzählt Scott, wie Allison im Schlaf seinen Arm voll sabbert – so viel Authentizität und Humor in Sachen Teenager-Liebe verdient wirklich einen Daumen nach oben! Vor allem angesichts des Cliffhangers bleibt deshalb zu hoffen, dass diese süße Lovestory nach Scotts aufrichtigem Liebesgeständnis nicht schon wieder zu kriseln beginnt, sondern weiter gedeihen und sich entfalten kann. Genau wie das zarte Pflänzchen an Gefühlen, das sich zwischen Lydia und Stiles entwickelt hat.

"Mountain ash? That's an old one..."

Zum zweiten Mal in Folge hat Dr. Deaton nur einen kleinen Auftritt, aber wieder mit enormer Wirkung. Wie bestimmt und furchtlos er Peter entgegen getreten ist, war wirklich beeindruckend und die Dynamik zwischen Ian Bohen und Seth Gilliam gigantisch gut! Vielleicht beteiligt sich also auch Scotts väterlicher Freund beim Showdown im Finale? Immerhin scheint er zu wissen, wie er unwillkommene Eindringlinge lykanischen Ursprungs buchstäblich in die Schranken weißen kann, denn sein Tresen aus Eberesche scheint für Peter unüberwindbar zu sein. Dazu stellt sich einerseits die Frage, wieso Scott davon nicht betroffen ist – wirkt die Eberesche nur auf geborene Werwölfe? Und die weitaus wichtigere Frage: Woher weiß Dr. Deaton um die Wirkung der Eberesche und welche Funktion nimmt er damit im Figurengefüge zwischen Werwölfen und Jägern ein?

Fazit

Eine unterhaltsame und intensive Folge voller Humor und wieder einmal einem Wechselbad der Gefühle – von humorvoll über romantisch bis zum schockierenden Cliffhanger, der das Staffelfinale wunderbar vorbereitet. Besonders schön war aber auch der Fokus auf die unterschiedlichen Beziehungen, vor allem natürlich die beiden Pärchen beim Ball, aber auch die intensiven Szenen zwischen Kate und Derek konnten definitiv überzeugen.

Lena Stadelmann - myFanbase

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