Bewertung: 6

Review: #3.02 Shoshanas großer Auftritt

Nach zwei Folgen, die wir nun in die dritte Staffel hineinschnuppern durften, fehlt mir noch so ein wenig das Gefühl, wohin diese sich entwickeln wird. Dies muss nicht unbedingt etwas Schlechtes sein, sondern bedeutet für mich lediglich, dass ich noch nicht so recht einschätzen kann, ob die aktuelle Episode wichtige Grundlagen für spätere Entwicklungen legt, oder lediglich etwas vor sich dahin plätschert.

Everything is just Crackerjack.

Da wäre zum einen Tara, die sich in die Herausforderungen des College-Alltags stürzt, welche natürlich durch ihre Krankheit noch erschwert werden. So übernimmt Shoshanna an Taras ersten Tag erst einmal die Regie und schmeißt eine Vorlesung vor versammelter Mannschaft. Damit fällt sie natürlich ihrem Professors Dr. Hatteras noch mehr ins Auge und als sie diesem von ihrer psychischen Störung erzählt, nutzt der das Thema und macht es zum Inhalt der nächsten Vorlesung. Dabei geht er den Weg, dass er seine Ansicht klarstellt, die DIS im Allgemeinen und Taras Form davon im Speziellen für keine wirkliche Krankheit zu halten. Es ist natürlich mehr als unsensibel von ihm und meiner Meinung nach auch reichlich unprofessionell, dass er Tara dabei vor all ihren Kommilitonen bloßstellt.

Was ich aber unheimlich interessant daran finde, ist, dass man durch ihn nun wohl vermehrt darauf eingeht, dass Taras Krankheit in Fachkreisen durchaus umstritten ist. Denn die Multiple Persönlichkeitsstörung, wie Tara sie entwickelt hat, ist eben keine allseits anerkannte psychische Krankheit und viele vertreten die Meinung, dass sie nur eine Art Schutzmechanismus ist (um den ernsten Dingen des Lebens aus dem Weg zu gehen oder aus Sucht nach Aufmerksamkeit, wie Hatteras hier anmerkt), ohne dass die alternativen Persönlichkeiten wirklich real sind. Die Serie hat bisher den klaren Standpunkt bezogen, in der Art wie Tara und ihre Alter Egos dargestellt wurden, dass diese vollkommen real sind und ich bin gespannt, wie man diesen Zweifleraspekt nun einbindet. Zumal Eddie Izzards als zynischer Dr. Hatteras auch viel Spaß macht und ich hoffe, dass uns da noch einige interessante Geschichten erwarten. Weitere Aufeinandertreffen zwischen Dr. Hatteras und Taras Alter Egos könnten sicherlich aufschlussreich werden.

You are not that guy.

Neben Taras Auseinandersetzung mit ihrem Professor liegt ein großer Fokus auf Neil, der von Max aus dessen Job gefeuert wird. Dabei bekommt Neil, der ja nun wahrscheinlich endgültig zum festen Ensemble gehört, mit seiner Reaktion auf diese ganze Sache mehr Profil verliehen, auch wenn dieses ihn nun nicht unbedingt sympathischer macht. Bisher war er ja durchaus fast schon perfekt, hatte immer die richtigen Worte für Charmaine parat, lieh Max bei Bedarf ein verständnisvolles Ohr und benahm sich eben nahezu ohne Fehl und Tadel. Nun wird klar, dass auch der kleine gemütliche Neil seine Schwächen hat, immer noch keinen Plan vom wahren Ernst des Lebens besitzt und sich bisher immer von Max hat mitschleifen lassen. Nun muss er sich den Realitäten stellen, das heißt einem Konflikt mit seinem besten Freund und der Missbilligung von Charmaine. Alles in allem ein Aspekt, den ich klasse finde aber durch die Tatsache, dass Neil diese Dinge Charmaine unbedingt mitten beim Sex mitteilen muss, wird das Ganze doch für mich etwas abgewertet. Diese Szene fand ich jedenfalls völlig daneben, sie wirkte wie der Einfall eines ach so cleveren Drehbuchschreibers, der damit zeigen wollte, wie locker und cool er ist. Naja, so was ist sicher Geschmackssache, an meinem ging es jedenfalls meilenweit vorbei. Und dabei war der erste Sexvorfall mit Neil und Charmaine, bei dem sie in dieser Folge ertappt wurden durch Kates Reaktion wirklich witzig.

Don't take this away from her. Don't take this away from us!

Apropos Kate, auf deren Konto geht dann auch das absolute Highlight der Episode, die unheimlich berührende und einfach nur tolle Schlussszene. Kate hat ja bisher in der Serie leider immer die irgendwie sinnlosen Handlungsstränge abbekommen und auch ihre plötzliche Begeisterung für eine Arbeit als Englischlehrerin in Japan, so völlig aus dem Nichts, wirkt wie eine ihrer Schnapsideen. Aber durch ihren ehrlichen Stolz auf ihre Mutter, ihre Besorgnis und dann eben ihren Einsatz am Ende gegenüber T, ist sie die Heldin dieser Folge. Sie scheint deutlich erwachsener zu sein, nimmt nicht mehr nur noch sich selbst wahr, und wenn man besonders ihre Zuneigung in Staffel 1 der damals wohl fast gleichaltrigen T gegenüber bedenkt und ihr geradezu mütterliches Verhalten jetzt, dann kann man nicht bestreiten, dass sie sich sehr weiterentwickelt hat.

Ich hoffe nun darauf, dass man diesen Weg mit Kate weiter beschreitet und noch vertieft, denn auch wenn Kates Handlungsbögen meist nur Mittelmaß waren, Brie Larson hat sich immer schon durch viel Charme und eine tolle Chemie ihren Serienfamilienmitgliedern gegenüber ausgezeichnet. Kates Beziehung zu Marshall gehört für mich zu den liebenswertesten Aspekten der Serie, denn trotz aller Neckereien unter Geschwistern merkt man diesen beiden immer an, dass sie sich mögen und die Gegenwart des Anderen sehr schätzen. Auch hier war wieder ein schöner Geschwistermoment eingebaut, der zwar ein irgendwie gezwungenes Setting aber dennoch eine wirklich schöne Atmosphäre hatte.

Abgesehen davon konnte ich Marshalls Anteil in dieser Episode nicht viel abgewinnen. Die Einwürfe des Filmkurses und des fertigen Endproduktes wirkten für mich bisher doch noch sehr wie Szenen zum reinen Zeitvertreib. Vielleicht legt man damit Grundlagen für spätere Entwicklungen in Marshalls Beziehung zu Lionel oder seinen Ambitionen als Filmschaffender, der nicht auf das Etikett "schwul" reduziert werden will. Vorerst bleibt das Ganze für mich doch aber noch sehr blass.

Fazit

Die Folge wusste also durchaus zu unterhalten und hatte am Ende eine wirklich aufwühlende Szene zu bieten, aber insgesamt bleibt doch das Gefühl, dass man noch nicht so recht weiß, wo man sich mit der Serie gerade hinbewegt und welche Geschichten man nun eigentlich erzählen will. Das Potential ist da, wird aber für meine Begriffe noch nicht voll genutzt. Vielleicht werde ich im weiteren Verlauf der Staffel noch eines besseren belehrt und die Anfänge erweisen sich als fundamental, bis dahin kommt man aber mit #3.02 Crackerjack über eine solide Bewertung meinerseits noch nicht hinaus.

Cindy Scholz - myFanbase


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