Bewertung

Review: #4.18 Das Monster am Ende des Buches

Kann man den roten Faden einer Serie durch eine vollkommen abstruse Folge weiterziehen und dabei noch irgendwie ein gutes Endprodukt liefern? Ich hätte das eigentlich nicht für möglich gehalten. "Supernatural" hat mich eines Besseren belehrt.

Der Prophet Chuck und das Winchester-Evangelium

Eine Comicbuchreihe handelt von den Winchesters, von der Geisterjagd und der Dämonenhatz, weil der Autor Visionen von den Brüdern hat. Viel mehr war der Kurzbeschreibung vor der Ausstrahlung nicht zu entnehmen und somit blieb mir nichts anderes übrig, als fassungslos das Schlimmste zu erwarten – viele Klischees, keine Entwicklung im Spannungsbogen, unwichtige Nebenhandlungen und das alles vier Folgen vor dem großen Finale. Dass Lilith in der Episode wieder auftauchen sollte, war ein schwacher Trost, der mich aber wenigstens dazu brachte, mir das vermeintliche Debakel überhaupt anzusehen.

Und dann – fünfundvierzig Minuten Spannung, drastische Veränderungen im Handlungsbogen, grandiose Schauspieler und ich: wieder fassungslos, dass man aus so einer Geschichte so viel machen kann. Der Autor ist ein Prophet und muss strengstens bewacht werden. Seine Visionen werden sich unter allen Umständen erfüllen und seine Bücher später als das Winchester-Evangelium bekannt sein. Wieder klingt alles sehr lächerlich und es ist umso erstaunlicher, dass das Team so gute Arbeit geleistet hat. Das Drehbuch hat überzeugt, Chuck war der perfekte Prophet, auch rein äußerlich, und die Brüder stecken in einer absolut aussichtslosen Situation fest. Letzten Endes hätte ich Liliths Auftritt gar nicht mehr gebraucht, um mich von der Folge überzeugen zu lassen. Dieser hat das Geschehen jedoch abgerundet. Ein Vertrag, der die Apokalypse aufhalten, jedoch beiden Winchesters das Leben kosten würde, und als kleines Extra müsste Sam mit Lilith schlafen, um diesen Vertrag zu unterzeichnen. Da darf man gespannt sein, was noch kommt. Immerhin flüchtet der kaltblütigste Dämon der Serie aus seinen eigenen Plänen, weil er plötzlich Angst vor deren Ausgang bekommt. Was das für Sam und Dean heißt, wird die Zukunft zeigen. Chucks Reaktion auf seine Vision vom Ausgang der Geschichte lässt aber nicht viel Platz für Hoffnung auf ein gutes Ende.

Sam/Dean

Wenn man sich nicht nur die Folgen von "Supernatural" zu Gemüte führt, sondern sich auch ein wenig abseits vom Fernseher mit der Serie beschäftigt, stößt man recht schnell auf Fans, die sehnlichst darauf warten, Sam und Dean als Paar zu sehen. Dass dieser Wunschtraum in der Zwischenzeit auch vor Jensen Ackles und Jared Padalecki nicht halt macht, ist ebenso bekannt. Und jetzt merken die Winchesters in der Serie an, wie krank diese Vorstellung sei. Genialer Dialog und Jensen und Jared haben meine volle Hochachtung. Ich hätte diese Szene nicht mit so viel Ernst spielen und dabei dem jeweils anderen in die Augen sehen können. Zwar ging der Witz der Szene zum Teil auch auf Kosten von uns Rezensenten, aber das hielt, glaube ich, niemanden davon ab, fast vor Lachen vom Stuhl zu fallen. Mich persönlich hat zumindest der Humor der Episode vollkommen überzeugt. Deans vegetarischer Burger, die Kinderpflaster, die Rechtfertigung vor der Verlegerin und deren Sicht der Dinge: "Es ist am besten, wenn sie weinen. Wo findet man im wahren Leben solche Männer?" und schließlich noch die genialen Coverzeichnungen der Bücher. Die Autoren der Serie haben sich anscheinend beim Schreiben des Drehbuchs ausgetobt und das sieht und spürt man in beinahe jeder Szene.

Sam und Dean

Die "richtigen" Winchesters ganz abseits von Fanfics sind für mich in ihrer Beziehung seit langer Zeit das erste Mal wieder fassbar geworden. Zwar ist die Anspannung der letzten Wochen noch immer da, aber man sieht auch wieder ein wenig von dem Zusammenhalt der Brüder, den man doch recht schmerzlich vermissen musste. Endlich sind auch Sams Beweggründe nachvollziehbar, weil sich in dem Gespräch, das er mit Chuck allein führt, wenigstens für kurze Zeit die Distanz erklärt, die man in den letzten Folgen auch als Zuschauer gespürt hat. Letzten Endes will er seinem großen Bruder nur ein wenig von dem zurückgeben, was dieser jahrelang für ihn gegeben hat.

Aber auch Deans Reaktionen bekommen eine neue Färbung. Bis jetzt dachte ich immer, dass er wegen der ganzen Lügen und den Experimenten einfach nur wütend auf Sam sei. Dean kann diese einfach nicht verstehen, weil er in einer anderen Situation steckt als sein kleiner Bruder. Durch das Gespräch mit Castiel wird deutlich, wie verzweifelt und besorgt Dean in Wirklichkeit ist und als Dean Sam an den Kopf wirft, dass er Angst um dessen Seelenheil hat, offenbart er auch, dass er mit Castiel über Sam spricht. Das macht deutlich, dass nicht nur Sam alleine loszieht, um sich mit Ruby zu treffen, sondern Dean mehr mit Castiel zu tun haben scheint, als man denkt. Mir persönlich ist das sehr recht, gehört doch Castiel für mich schon lange zum festen Bestandteil der Serie. Dass die Beziehung zwischen dem Engel und seinem Schützling offensichtlich immer tiefer geht, beruhigt mich irgendwie, ohne dass ich sagen könnte, weshalb genau.

Fazit

Aus den schlimmsten Befürchtungen wurde die Gewissheit, dass man sich, wenn es hart auf hart kommt, doch auf das Team hinter "Supernatural" verlassen kann. Zwar gib es leichten Punkteabzug, weil ich immer noch der Meinung bin, dass die ganze Propheten-Evangelium-Erzengel-Schiene trotz allem eine leicht lächerliche Färbung hat, die aber wegen der guten Leistung selten gegen die Spannung und Qualität der Serie gewinnt. Jetzt heißt es nur noch, abwarten. Warum hat Lilith so große Angst? Schaffen es die Brüder, wieder irgendwie zusammen zu finden? Was hat Chuck in seiner letzten Vision gesehen und wird uns das Ende, das er gesehen hat, besser gefallen als ihm?

Eva K. - myFanbase

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