Interview mit Alexander Vlahos über "Versailles" Staffel 2

"Es wird humorvoll und düster und hell und lustig und aufregend und verrückt!"

Foto: Alexander Vlahos, Versailles - Copyright: Tibo & Anouchka / Sky
Alexander Vlahos, Versailles
© Tibo & Anouchka / Sky

26. April 2017 von Nicole Oebel @philomina_

• Read the interview with Alexander Vlahos in English.

Trotz des Gefühls, vom Schicksal mit Philippe d'Orléans verknüpft worden zu sein, war der Anfang bei "Versailles" eine Achterbahnfahrt sowie auch ein Erwachen für den damals 26-jährigen Schauspieler Alexander Vlahos: "Der Grund, warum ich Schauspieler bin, wir sprachen darüber, ist die Freude in die Rolle eines anderen zu schlüpfen, der sich so sehr von dir unterscheidet, dass man das Leben eines anderen erlebt. Was mich an Philippe so sehr überrascht hat, war, dass ich dachte, ihn zu spielen sei eine solche Herausforderung, weil er so anders ist als ich. Zwei Monate nach Drehbeginn aber wurde mir klar, wie ähnlich wir uns sind und so wurde die Arbeit an Staffel 1 traumatisch, turbulent für mich. Ich musste sehr viel mehr von mir selbst in die Rolle hineinlegen, als ich erwartet hatte." Diese Herausforderung anzunehmen hat sich mehr als gelohnt, denn daraus entstand diese Art lebendiger Darstellung, die den komplexen, komplizierten Charakter zum pulsierenden Herzen der Serie gemacht hat.

Alexander Vlahos nimmt seine Rolle des Philippe in der langersehnten Staffel 2 von "Versailles" wieder ein. Als wir uns kürzlich trafen, um über verschiedene Aspekte seiner Arbeit auf der Theaterbühne sowie vor der Kamera zu sprechen (das komplette Interview auf Englisch), hat er natürlich auch von "Versailles" und der neuen Staffel erzählt. Unten findet ihr auch Soundclips.

Alex, in einem der Staffel-2-Trailer sieht es so aus, als betäube sich Philippe mit bedeutungslosem Sex. Wie passt das damit zusammen, was du in unserem ersten "Versailles"-Interview gesagt hast, dass wir eine unbeschwerterere Seite von ihm sehen werden?

Die unbeschwerterere Seite kommt mit der Einführung von Liselotte von der Pfalz. Sie und auch Jessica [Clark], die sie spielt, bringt frischen Wind nach Versailles. Die dunkle Seite ist in den ersten Episoden eh vorhanden, aber dann muss er wieder heiraten und Liselotte wird Teil seines Lebens, ob er das will oder nicht, und so kommt seine heiterere Seite zum Vorschein, weil er Versailles durch ihre Augen sieht. Er sieht wie wahnwitzig es ist, was Louis dort erschafft. In der ersten Staffel hat Philippe diesen Ort gehasst, weil es ein goldener Käfig war und es Louis nur um Kontrolle ging. Nun sieht er den Palast durch die Augen einer unvorbelasteten Person. Mit Henriette war das nicht so, weil sie sich schon seit der Kindheit kannten. Philippes hellere Seite wird also dadurch hervorgeholt, dass nun an seiner Seite jemand staunt und einen objektiven Blick hat. Nun staut sich nicht mehr so viel Wut in ihm auf, er muss nicht immer kämpfen. Es gibt immernoch düstere Momente, weil ich es bin - ich versuche immer, sowas aus einer Szene herauszuholen, aber es wird auch viel Humor geben. Episode #2.06 ist ohne Zweifel mein Favorit unter allen Skripten, die mir jemals gegeben wurden. Es ist eine solche Freude, und es wird humorvoll und düster und hell und lustig und aufregend und verrückt. Stellt euch nur mal vor, was wäre, wenn Philippe für einen Tag König wäre.

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Als ich "Versailles" mit einigen eher konservativen Leuten angeschaut habe, habe ich erfreut festgestellt, dass sie kein Problem mit den Liebes- und Sexszenen hatten, und sie haben speziell Philippes Dialoge gelobt.

Das zu hören ist großartig. Das ist wahrscheinlich eines der kleinen Dinge, die "Versailles" bei den Leuten erreicht hat, Mauern von vorgefassten Meinungen einzureißen. Darauf bin ich sehr stolz, das weißt du, es ist genau das, was ich bezüglich der Darstellung dieses Charakters immer verfechte. Die Tatsache, was immer man auch von der Serie erwartet, was überzeugt sind die Dialoge und Beziehungen unter den Charakteren, die Beziehungen, die Philippe mit dem Chevalier und mit Louis hat. Darum sage ich immer, in "Versailles" ist das Skript die Bibel, weil der Text so verdammt gut ist. In Staffel 2 wird das noch klarer, da die Autoren uns nun kennen und für uns schreiben. Das ist nur von Vorteil für die Welt, die wir hier zu erschaffen versuchen. Das ist der Grund, warum MonChevy so beliebt bei den Leuten sind, Liebe ist Liebe und so zeigen wir es. Das hat einen starken, wirklich starken Effekt.

Sie sind diejenigen, die in der Serie die Beziehungsszenen haben. Louis hat die politischen und die Sexszenen, und ihr beide habt die Szenen einer romantischen Beziehung.

Das ändert sich in Staffel 2 zum Besseren. Es ist der Aufstieg und Fall der Montespan. George [Blagden] hat Beziehungsschritte mit Anna [Brewster] zu machen, die brilliant darin ist. Und auch Evan [Williams] und ich haben einige große Pinselstriche zur Hintergrundgeschichte hinzufügen können, die die Beziehung vielschichtiger und dreidimensionaler machen.

Philippe ist nicht der einzige Charakter in deinem Repertoire, der seine Vorlieben auslebt. Du suchst ja immer nach einer Herausforderung und diese Rollen fordern sicher ein gewisses Selbstbewusstsein, es wirkt jedoch so, als sei die Sexualität in diesen Projekten für dich nicht der herausfordernde Aspekt gewesen, oder?

Bei Philippe war es anfangs schon eine Herausforderung. Ich habe die Rolle der Rolle wegen angenommen, und dann versteht man nach und nach, wie viel von einem erwartet wird, speziell bei Philippe und der Beziehung mit dem Chevalier. Evan und ich haben eine Abmachung getroffen, ich weiß, das hat er dir in seinem Interview erzählt. Am zweiten Tag, nachdem wir uns kennengelernt hatten, haben wir gesagt "Diese Charaktere sind so gut. Wenn wir ihnen in irgendeiner Form mit Respektlosigkeit begegnen, betrügen wir die Zuschauer um die Wahrheit." Und dann mussten wir uns sowohl einzeln als auch gemeinsam darauf vorbereiten, inwiefern wir bereit waren, hinsichtlich der Körperlichkeit selbstbewusst an den sexuellen Aspekt Versailles' heranzugehen. Und von da an habe ich nicht mehr zurückgeschaut. Es war für mich also wie eine Schranke zu durchbrechen, eine durchsichtige, emotionale Schranke, um auf dem Bildschirm nackt zu sein, in der Lage zu sein einen Mann und eine Frau zu küssen, Sexszenen zu haben, nackt im Bett zu liegen, all diese kleinen Unsicherheiten zu überwinden, die man als Schauspieler hat. Wenn man das einmal geschafft hat, wird es leichter. Insofern sind sexuelle Herausforderungen beim Schauspielen etwas geworden, worüber ich nicht mehr nachdenken muss. Meiner Ansicht nach sollte man das Annehmen einer Rolle nicht von sexuellen Anforderungen abhängig machen. Für mich ist es so, dass ich den Sprung gemacht habe, als ich die Rolle des Philippe bekam, und als ich gelandet bin, hab ich nicht mehr zurückgeblickt.

Foto: Alexander Vlahos, Versailles - Copyright: Tibo & Anouchka / Sky
Alexander Vlahos, Versailles
© Tibo & Anouchka / Sky

Versailles ist die erste Serie, in der du einen Charakter in einer Liebesbeziehung spielst, oder?

Ja, speziell in einer sexuell und emotional aufgeladenen Situation. In "The Indian Doctor" hatte ich eine romantische Beziehung, aber das war nichts im Vergleich zur Beziehung zwischen Philippe und dem Chevalier, Henriette und nun in Staffel 2 auch Liselotte von der Pfalz.

Als Staffel 1 in England gezeigt wurde, gab es all diese Reviews, die die Serie als Porno bezeichneten - und im selben Jahr hast du das Stück La Ronde für deine Rückkehr auf die Theaterbühne ausgesucht, welches mit Vorurteilen zum Thema Sex ins Gericht geht. Gibt es da einen Zusammenhang?

Auf jeden Fall! Ich würde lügen, wenn ich nicht zugeben würde, dass es manchmal ein großes "F you" an gewisse Leute gerichtet ist. Wir sind einerseits so prüde und andererseits auch wieder nicht?! Es gibt keine Mitte. Wir sind entweder prüde und kritisieren etwas als das "vulgärste Programm im Fernsehen", was einfach nicht wahr ist, gleichzeitig sind wir aber auch die Generation, die gierig mehr Fetischen und Gelüsten nachgeht... Auf der einen Seite des Spektrums sind wir als Generation so emotional und sexuell aktiv wie möglich, auf der anderen Seite äußert sich ein konservativer Politiker, die Serie sei "Porno in Kravatten". Es war also auf jeden Fall eine unterbewusste Entscheidung, oder nein, vielmehr eine bewusste Entscheidung, das "La Ronde"-Skript zu lesen und zu entscheiden "Warum nicht?"

Im Hinblick auf Versailles haben Evan und du über eure Dynamik gesprochen, in Evans Ausdruckweise seid ihr "ohne Rücksicht auf Verluste aufs Ganze gegangen"

Er weiß mit Sprache umzugehen, stimmt's?

Ja, wirklich, speziell schriftlich... Wie kann man das Bilden einer solchen Dynamik zwischen zwei Schauspielern in einer TV-Serie mit der Arbeit an einem Theaterstück wie La Ronde vergleichen?

Beim Fernsehen hat man mehr Zeit, eine Beziehung aufzubauen. Zudem gibt es viele Zeitsprünge und man muss eine Geschichte sehr schnell erzählen. Zwischen zwei Episoden kann ein Jahr vergangen sein und man muss den Verlauf der Zeit widerspiegeln. In La Ronde hingegen hat man nur Ausschnitte, beinahe sowas wie Sketche. Die Charaktere sind an einem Hoch- oder Tiefpunkt. Man muss schneller mehr Risiken eingehen. Man braucht im Theater viel mehr Vertrauen, um schneller an gewisse Punkte zu kommen, weil man einfach nicht die Zeit hat. Beim Fernsehen ist es möglich, über alles zu sprechen, man macht mehrere Takes, man kann in Details und Schichten variieren, es besteht keine wirkliche Eile.

Manchmal klang es so, als sei wenig Zeit für alles.

Nein, Evan und ich konnten uns ausgiebig absprechen. Wir sind oft abends ausgegangen, wenn wir am nächsten Tag eine Sexszene hatten, und haben im Gespräch ausgearbeitet, worum sich die Szene unserer Ansicht nach dreht und wie viel wir zeigen wollen, so dass wir am nächsten Tag gut vorbereitet an die Szene herangehen konnten. Dann hat man vier oder fünf Takes von einem bestimmten Moment, in denen man verschiedene Schichten ausarbeitet. Zum Beispiel in Episode #1.05, wo ich vom Krieg heimkehre, haben wir sehr ausgiebig abgesprochen, wer oben ist. Philippe ist sonst niemals oben, er ist immer unten, aber hier war die Idee, dass diesmal er den Chevalier auf das Bett runterdrückt. Da steckten Monate an Planung und Detailarbeit drin, auch bezüglich der Reaktion des Chevaliers: wäre er angewidert oder angetörnt.

Um auf eines unserer früheren Interviews zurückzukommen: Du sagtest, du seist ein "stolzer Pessimist", was mich überrascht hat. Ich dachte "Er ist doch kein Pessimist, schau an, was er macht!" Das ist jedoch dein Job, und du bist gut darin, aber ist es gleichzeitig ein innerlicher Kampf für dich?

Ja, das ist es, absolut. Ich bin ein Pessimist weil... Es war klar, dass wir eine zweite Staffel von Versailles machen würden, ich habe es aber nicht geglaubt, bis ich den Vertrag unterschrieben habe. Die Produzenten haben mich angerufen und mir bestätigt, dass es eine zweite Staffel gibt, aber ich habe es nicht geglaubt, bis wir die erste Szene gedreht haben. Ich erzähle euch eine witzige Geschichte. George, als Schauspieler und Mensch, lebt auf dieser Erde, er steht auf dem Boden, er ist ein beständiger Optimist und Pessimist. Er lebt im Reich der Menschen. Evan ist ein Optimist. Er lebt zwischen den Sternen, er befindet sich über der Erde, er schwebt sozusagen. Ätherisch, wechselhaft, für Evan dreht sich alles um Astrononmie und Schicksal. Alles ist magisch und voller Wunder. Ich hingegen lebe unter der Erde. Ich kann kein Licht und keine Helligkeit sehen. Ich sehe Probleme und Hürden und das ist eine Herausforderung. Ich darf auf der Erde gehen, aber es ist ein Kampf, mit mir selbst, meinem Selbstvertrauen - nicht als Schauspieler, sondern als Mensch. So hat man also diese drei Leute, die Hauptdarsteller in einer Fernsehserie sind, und wenn wir eine Szene zusammen haben, ist das der Grund, warum der Zauber entsteht. Wegen dieser Kombination von Ideen und der Anschauung, wer wir sind.

Ich war vielleicht ursprünglich optimistisch, aber ich weiß nicht, was geschehen ist, dass ich so geworden bin. Seltsamerweise bringt es beste Leistungen aus mir hervor. Dieser Mensch zu sein, der es als Kampf und Herausforderung empfindet, schmerzhaft und anstrengend, macht mich sehr konzentriert, entschlossen und ehrgeizig, eben weil ich es nicht als leicht empfinde. Ich bin stolz darauf zu sagen, dass ich ein Pessimist bin, es ist nichts Negatives, es zeichnet mich als Mensch aus und hilft mir mit meiner Karriere.

Vielen Dank für dieses Gespräch, Alex!

"Versailles" Staffel 2 ab 5. Juni auf Sky Atlantic

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