The Umbrella Academy - Review Staffel 3

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Die Netflix-Serie "The Umbrella Academy" beruht bekanntlich auf einer gleichnamigen Comicbuchreihe nach Gerard Way und Gabriel Bá, weswegen ihr bei uns auch Vergleiche zwischen Comic und Serie nachlesen könnt, jedoch trifft es der Ausdruck 'vage Anlehnungen' deutlich besser, um das zu beschreiben, was unter der Feder von Steve Blackman für die Adaption entstanden ist. Besonders deutlich wird das nun bei der dritten Staffel, die zwar inhaltlich das Hotel Oblivion (so der dritte Titel der Reihe) anspricht, aber es doch ganz anders verpackt, so dass sich Vergleiche ab hier wohl endgültig erledigen. Das wiederum hat das Seherlebnis dieser Staffel zu einer eigenen Erfahrung innerhalb dieser Serie werden lassen, denn ich hatte keinen inhaltlichen Anker, weswegen für mich diese Staffel 3 voll von Überraschungen war. Erfahrt nachfolgend in Länge, wie meine qualitative Einordnung hierzu ausfällt.

Foto: Britne Oldford, Justin H. Min & Genesis Rodriguez, The Umbrella Academy - Copyright: 2022 Netflix, Inc.; Courtesy of Netflix
Britne Oldford, Justin H. Min & Genesis Rodriguez, The Umbrella Academy
© 2022 Netflix, Inc.; Courtesy of Netflix

Am Ende von Staffel 2 war es eine ganz schön große Überraschung, als wir auf einmal die Sparrow Academy kennenlernten. Die Idee klang einfach schon rein vom Papier her so vielversprechend, so dass meine Vorfreude bislang wohl am größten war. Deswegen ist die erste Episode auch gleich einer meiner liebsten der Staffel, denn es ist auf flotte Art und Weise gelungen, ein Bild von den Sparrows zu zeichnen, ohne uns aber mit Infos zu überfrachten. Das absolute Highlight war natürlich die Tanzszene zu "Footloose", die man sich definitiv in Dauerschleife angucken könnte. "The Umbrella Academy" hat immer schon viel in die Symbiose von Szenerie und Musik gesteckt und diese voll ausgekostete Sequenz gehört ganz klar weit an die Spitze, denn es kam in diese angespannte Stimmung hinein völlig unerwartet. Dazu hat man den beteiligten Schauspieler*innen den Spaß einfach angemerkt und deswegen herrlich! So clever gesetzt von Blackman und Co., denn sofort war die schrullige Liebe für diese Serie wieder entfacht und es konnte gerne weitergehen.

Die Gegenüberstellung von Sparrows und Umbrellas hat für diese dritte Staffel einen sehr entscheidenden Wert. Die ersten zwei Staffeln ging es vor allem darum, die Umbrellas als völlig dysfunktionale Familie zu inszenieren, die sich mehr in den Haaren liegen als einen gemeinsamen Nenner zu finden. Dennoch hat sich vor allem in der zweiten Staffel spätestens überdeutlich gezeigt, dass wir es mit Geschwistern zu tun haben, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber auch einen ewigen Bund eingegangen sind, der immer durchkommen wird. Wie wertvoll das ist, wird nun in Staffel 3 unterstrichen, denn die Sparrows sind eine ausgeklügelte Marke. Sie sind nicht auseinandergefallen, aber ist das wirklich besser? Auch wenn wir mit Sloane alias Nummer 5 (Genesis Rodriguez) eine wirklich sympathische Vertreterin kennenlernen, so ist insgesamt zu merken, dass das Team eine Zusammenstellung von emotionslosen Robotern ist, weswegen sie den tatsächlichen Roboter Grace (Jordan Claire Robbins) auch überhaupt nicht als Mutterfigur akzeptiert haben, wie es bei den Umbrellas der Fall war. Genau deswegen heißt die Serie dann eben auch "The Umbrella Academy", denn diese sind von den Figuren her definitiv die spannendere Zusammenstellung. Dennoch muss ich ehrlich gesagt zugeben, dass ich es schade fand, dass die Sparrows nur eine geringe Haltbarkeitszeit hatten. Die sind gefallen wie die Fliegen und gerade der frühe Tod von Jayme (Cazzie David) und Alphonso (Jake Epstein) war sehr bedauerlich, da noch kaum ausgiebig Zeit vergangenen war, um sie als Figuren und ihre Fähigkeiten wirklich zu ergründen. Das ist tatsächlich auch mein größter Kritikpunkt an dieser Staffel, weil die Sparrows wirklich nur Mittel zum Zweck sind, obwohl das Potenzial für mehr definitiv da gewesen wäre. Einzig Sloane und Ben dürfen eine größere Rolle genießen, wobei Letzterer eben von Justin H. Min dargestellt wird, der in Staffel 2 Eindruck hinterlassen hat, deswegen kein Wunder, dass sowohl die Sparrows als auch die Umbrellas mit ihm bedacht wurden.

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Foto: The Umbrella Academy - Copyright: 2022 Netflix, Inc.; Courtesy of Netflix
The Umbrella Academy
© 2022 Netflix, Inc.; Courtesy of Netflix

Nachdem geklärt ist, dass die Sparrows weitestgehend nicht mehr als nette Gimmicks für diese Staffel sind, lässt sich diese dritte Staffel am besten über die Umbrellas inhaltlich bewerten. Insgesamt war diesmal augenscheinlich, dass das Thema stellenweise sehr gemächlich gewählt war, wenn man bedenkt, dass für eine nahezu vollständig friedfertige Hochzeit Zeit war. Andererseits muss man aber auch sagen, dass zehn Episoden produziert wurden und ich auch nicht den Eindruck hatte, dass dringend benötigte Zeit vertrödelt wurde. Eher hat sich mir der Eindruck aufgedrängt, dass sich sehr viel Zeit für Zwischenmenschliches genommen wurde, weswegen die Charakterarbeit auch als sehr positiv zu bewerten ist. Besonders deutlich wurde das auch bei der Nummer 1, Luther (Tom Hopper), der sicher der heimliche Star dieser Staffel ist. Es war schon immer herrlich, dass dieser körperlich knallharte wirkende Hüne ein kleiner Softie ist und das wurde diesmal herrlich ausgespielt. Schon bei der Tanzeinlage zu 'Footloose' ist er vorangegangen und diese Lebensfreude, sich nach dem Chaos auf das Kleine besinnen zu können, ist bei ihm ganz deutlich transportiert worden. Deswegen konnte ich ihm das Glück mit Sloane auch einfach nur gönnen. Zwischendurch habe ich mich schon bei dem Gedanken erwischt, ob sich dahinter vielleicht noch ein böser Plot der Sparrows verbirgt, aber ich bin froh, dass es so nicht gekommen ist, denn diese Liebesgeschichte war wirklich herrlich mit all ihren Facetten. Zudem merkt man einfach, dass Hopper riesigen Spaß an dieser Staffel hatte. Aber sicherlich nicht nur wegen seiner ganzen ikonischen Szenen, sondern weil Luther auch seinen Platz in der Welt findet. Er schafft es endgültig weg von Allison (Emmy Raver-Lampman), er ist ein toller Bruder für alle, die ihn brauchen und vor allem läuft er nicht mehr blind seinem Vater (Colm Feore) hinterher. Zudem gewinnt man nicht den Eindruck, dass Sloane ihn mit ihren Ansichten vereinnahmt, sondern im Gegenteil: beide erkennen, wer sie sind und wie sie leben wollen. Deswegen hat es auch hervorragend gepasst, dass sie sich für den Weltuntergang entschieden haben, weil es angesichts der Optionen der richtige Weg gewesen wäre.

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Foto: Emmy Raver-Lampman, David Castañeda & Robert Sheehan, The Umbrella Academy - Copyright: 2022 Netflix, Inc.; Courtesy of Netflix
Emmy Raver-Lampman, David Castañeda & Robert Sheehan, The Umbrella Academy
© 2022 Netflix, Inc.; Courtesy of Netflix

Für Diego (David Castañeda), unsere Nummer 2, steht eine väterliche Herausforderung mit Stanley (Javon 'Wanna' Walton) an, weil Lila (Ritu Arya) seine Vaterqualitäten testen will. Es ist gut, dass die beiden als Paar belassen wurden, aber gleichzeitig hat es sich bei ihnen etwas im Kreis gedreht mit dem Thema, dass sie bald eine Familie sein werden und dass Diego sie nur noch schützen will, obwohl Lila sich niemals einfach in die Ecke stellen lassen würden. Genau deswegen war diese Staffel für Lila auch zu brav. Als sie mit Nummer 5 (Aidan Gallagher) agieren durfte, konnten sie mehr das freche ausleben, was sie problemlos in Staffel 2 als Neuzugang hat akzeptieren lassen. Dennoch hätte ich niemals dafür gestimmt, sie von Diego zu entfernen, weil sie perfekt zueinander passen, aber neben Luther und Sloane wirkten sie einfach auch zu häuslich in ihrer Grundthematik und vielleicht wirkt es deswegen an dieser Stelle etwas zu langweilig, weil das Thema quasi doppelt besetzt worden ist. Deutlich interessanter war da Allison, die eine deutliche Entwicklung durchmacht, aber zum Schlechten hin. Richtig vorwerfen kann man es ihr nicht, denn nach dem ersten Zeitsprung hat sie Tochter Claire (Coco Assad) verloren, nach dem zweiten Zeitsprung Ehemann Ray (Yusuf Gatewood) und so steht sie mit nichts da, während sie gleichzeitig deutliche PTBS-Nachwirkungen angesichts ihrer Erfahrungen im rassistischen Dallas hat. Allison war in dieser Staffel wahrlich nicht zu beneiden. Sie ist mit ihrer Unberechenbarkeit definitiv ein spannender Faktor dieser Staffel gewesen, weil sie mit ihren Taten ganz neue Maßstäbe gesetzt hat. Zudem wurde auch ihre Fähigkeit sehr bewusst eingesetzt und damit wurde die Grenze zwischen Selbstverteidigung und bewusster egoistischer Manipulation ausgetestet, was sich als spannend erwiesen hat. Raver-Lampman hatte damit auch eine ganz spezielle Staffel diesmal und wird das Düstere ihrer Figur voll ausgekostet haben.

Klaus (Robert Sheehan) bleibt leider die Figur, die viel individuell agiert, was besonders deswegen schade ist, weil er die Figur mit dem größten Harmoniebedürfnis ist, weswegen er mit allen eine interessante Chemie hat, die dann einfach zu wenig genutzt wird. Aber wenigstens gibt es mit Nummer 5 viel Content und die beiden in Kombination sind echt urkomisch. Bei Klaus war aber definitiv das Highlight, dass er mit seinen Kräften an einen Punkt kommen durfte, an dem er mit ihnen seinen Frieden machen kann. Zum einen erkennt er seine Unsterblichkeit und zum anderen überwindet er endlich seine Furcht, vollends alles zu erkunden. Wenn die eigenen Fähigkeiten unwiderruflich mit dem Tod verbunden sind, dann ist das sicherlich eine Herausforderung und der hat er sich nun endlich gestellt. Er durfte diesmal auch viel mit Reginald agieren, der in der Serie bislang die größten Bildschirmanteile haben durfte. Auch wenn der von Pillen ruhig gestellte exzentrische Milliardär von Anfang an nur ein Aufschub ist, so war es definitiv interessant, ihn mal kurzfristig ohne Hintergedanken zu erleben. Aber natürlich ist das Alien, das scheinbar fünf Weltuntergänge weit planen kann, viel faszinierender. Zwar liegen seine Pläne immer noch nicht ganz offen, aber es wurde effektiv unterstrichen, diesem Mann ist nicht zu vertrauen. Auch wenn seine Kinder wieder reihenweise in seine Falle getappt sind, weil er einfach eine Art hat, dass alle seine Anerkennung haben wollen, so besteht kein Zweifel daran, dass dieser Mann keine Freunde kennt und dass mit ihm leider alles möglich ist.

Foto: Elliot Page & Tom Hopper, The Umbrella Academy - Copyright: 2022 Netflix, Inc.; Christos Kalohoridis/Netflix
Elliot Page & Tom Hopper, The Umbrella Academy
© 2022 Netflix, Inc.; Christos Kalohoridis/Netflix

Nummer 5 ist für mich in dieser Serie einfach unersetzlich, weil er den besten sarkastischen Humor hat und alles immer messerscharf analysiert. Zwar war er in dieser Staffel nicht so im Vordergrund wie sonst, so habe ich seine Weiterentwicklung dennoch deutlich wahrgenommen, denn er ist inzwischen doch deutlich von seinem egoistischen Ich entfernt. Sein Renter-Ich, das einfach keinen Bock mehr auf Weltuntergang hat, war herrlich, aber auch seine zwischenmenschlichen Bemühungen mit den anderen Geschwistern waren evident. Ob nun als Ratgeber von Viktor (Elliot Page) oder als Mahner, dass sie keine Familie sind, die sie sich gegenseitig zerstückelt, er war ein wenig das Gewissen dieser Staffel, aber ohne sich penetrant aufzudrängen, sondern vielmehr um Teil des Großen zu sein. Zuletzt haben wir noch Viktor, ehemals Vanya. Ich bin stolz und glücklich, wie die reelle Transsexualität von Page hier eingearbeitet worden ist, denn die Transition ist völlig unaufgeregt und liebevoll in 1,5 Episoden über die Bühne gegangen. Es hat nicht inhaltlich erzwungen gewirkt, sondern man konnte den Inhalt von Staffel 2 tatsächlich als Brücke empfinden. Zudem hat man einfach gemerkt, dass Page viel glücklicher als Schauspieler wirkte, weil er nun er selbst sein kann, der in andere Rollen schlüpft. Das hat natürlich auch Viktor als Figur andere Möglichkeiten gegeben. Er wird niemals ein Luther oder Klaus sein, aber dennoch ist er kein isolierter Eigenbrötler mehr, sondern jemand, der mit seinen Kräften im Reinen ist und sich seine Position in der Familie verdient hat, auch wenn es durch den Konflikt mit Allison gewaltig herausgefordert wird. Aber trotz allen Rückschlägen Viktor macht dieselben Fehler nicht noch einmal.

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Foto: The Umbrella Academy - Copyright: 2022 Netflix, Inc.
The Umbrella Academy
© 2022 Netflix, Inc.

Abschließend kann man zu der inhaltlichen Einordnung noch sagen, dass das Gemunkel über eine finale vierte Staffel sicherlich angemessen ist. "The Umbrella Academy" gibt es eben nur mit dem Thema Weltuntergang, was auch okay ist, aber man merkt der Serie deutlich an, dass sie sich immer wieder zu übertreffen versucht. Nach dem Kugelblitz, der ein ganzes Universum zerstört hat, was soll da noch kommen? Natürlich ist die Ausgangslage mit den Umbrellas ohne Fähigkeiten ein neuer Aspekt, der Spannung verspricht, aber kann man nach diesen tollen Charakterentwicklungen wirklich noch langfristig immer einen neu draufsetzen? Ich wage es zu bezweifeln und hoffe daher, dass es mit der vierten Staffel so kommen wird, denn wenn sich Reginalds finale Pläne eröffnet haben, dann dürfte sich ein rundes Ende finden lassen, das uns alle zufrieden stellen wird.

Fazit

"The Umbrella Academy" beweist mit dieser dritten Staffel trotz wiederkehrender Weltuntergangs-Thematik, dass die Figuren allesamt wirklich weit gekommen sind. Die Charakterentwicklungen sind wirklich sehr löblich, während dagegen aus den Sparrows nicht so viel herausgeholt wird, wie ich im Vorfeld erwartet hätte. Aber der Titel der Serie sagt schließlich, um wen es wirklich geht und die dürfen auch brillieren. Zudem gibt es wieder herrlich brillante Momente und gerade 'Footloose' dürfte für die gesamte Serie sehr ikonisch sein. Trotz meiner deutlich überwiegenden Freude für diese dritte Staffel würde ich mich mit einer finalen vierten Staffel sehr gut arrangieren können.

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Lena Donth - myFanbase

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