Good Girls - Review Staffel 4

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Nach vier Staffeln und jede Menge begangenen Straftaten heißt es nun also Abschied nehmen von Beth (Christina Hendricks), Ruby (Retta) und Annie (Mae Whitman), die in Staffel 1 noch sehr unbeholfen in die Kriminalität gestolpert sind, aber mit dem Ende der Serie definitiv ihre Tricks gelernt haben und sich kaum noch von einer unerwarteten Wendung erschrecken oder einschüchtern lassen. Da "Good Girls" auf NBC nie überragende Leistungen bei den Zuschauerzahlen gezeigt hat, war es jedes Jahr aufs Neue ein intensives Bangen, ob es eine Verlängerung geben würde. Im vergangenen Jahr musste Staffel 3 wegen der Corona-Pandemie verkürzt werden und schon da war ich eigentlich überzeugt, dass das letzte Stündlein geschlagen hat. Stattdessen hat es noch einmal eine Verlängerung gegeben und auch wenn die anschließende gute Performance bei Streamingdienst Netflix sicherlich immer hilfreich in der Argumentation war, so war ich doch enttäuscht, dass diese nicht als finale Staffel angekündigt worden ist. Nun haben wir also wieder den klassischen ärgerlichen Fall: ein Serienende, das aber keinesfalls zufriedenstellend ist, weil es schlichtweg zu viele offene Fragen gibt.

Foto: Christina Hendricks, Good Girls - Copyright: 2019 NBCUniversal Media, LLC; Mitchell Haddad/NBC
Christina Hendricks, Good Girls
© 2019 NBCUniversal Media, LLC; Mitchell Haddad/NBC

Gerade in einer abschließenden Serienreview ist es spannend, noch einmal Revue passieren zu lassen, wie weit die einzelnen Figuren gekommen sind. Fangen wir mit Beth an, die sicherlich das zentrale Bindeglied von "Good Girls" ist. Mit der Verhaftung von ihrem Ehemann Dean (Matthew Lillard) steht sie vor ihrer bislang größten Herausforderung, denn auch wenn die Ehe von viel Schmerz und Enttäuschung geprägt war, so wird durch effektiv eingesetzte Rückblenden in einer Episode aufgezeigt, wie die beiden sich einst als Jugendliche ineinander verliebt haben und wer das nicht süß fand, da weiß ich auch nichts mehr zu sagen. Es ist schwer, diese besondere Verbindung noch in der Gegenwart zu finden, aber es erklärt doch eindrücklich, warum Beth Dean nicht einfach hinter sich lassen kann. Deswegen lässt sie sich auf einen Deal mit den beiden Polizist*innen Donnegan (Lauren Lapkus) und Dave (Jonathan Silverman) ein, was das vermeintlich ersehnte Ende der kriminellen Geschäfte bedeuten konnte. Aber es ist eben nur vermeintlich die Sehnsucht von Beth. Während vor allem Ruby sicher gerne mit dieser Art von Leben Schluss machen würde, muss Beth sich irgendwann eingestehen, dass sie den Nervenkitzel nicht mehr missen möchte. Sie könnte nicht mehr in das Leben der normalen Hausfrau zurück, das sie zu Beginn der Serie geführt hat. Das hat man in der gesamten Staffel immer wieder in Häppchen präsentiert bekommen, wohl besonders deutlich, als sie als Bänkerin die Schutzgelder einholt und dabei richtig Spaß entwickelt. Aber sie ist nicht nur Rios Schachfigur, sondern sie hat selbst ein kriminelles Mastermind entwickelt, wo jedes Tief auch wieder vergeht, weil sie doch noch eine Lösung entwickelt hat. Nur gut, dass mit Rios (Manny Montana) Bruder/Cousin Nick (Ignacio Serricchio) ein neuer Gegner auftaucht, der es gar nicht ermöglicht, dass Beth ihr Verbrecherleben hinter sich lassen kann und insgeheim wird sie ihm sogar dankbar gewesen sein.

Ruby wiederum war immer schon die Vernünftigste der drei Frauen, aber sie ist auch loyal durch und durch, sei es Beth gegenüber, aber natürlich auch genauso ihrem Mann Stan (Reno Wilson) gegenüber. Obwohl die beiden Frauen wirklich dicke miteinander sind, so waren ihre Familien dennoch nie in einem engeren Kontakt und mit diesem Fakt wird in der finalen Staffel gespielt. Denn Beth stört sich an Stan und Stan stört sich an Beth und Ruby steht mittendrin. Natürlich ist es leichter, Stans Position nachzuvollziehen, denn er ist über Ruby im Grunde erst in die Verbrechenswelt eingeführt worden, obwohl er einst Polizist war und damit auf der anderen Seite des Gesetzes stand. Er hat wirklich nur den innigen Wunsch, mit seiner Frau und ihren Kindern ein stinknormales Leben zu führen. Auch wenn das vermeintlich Beths Agenda ist, so hat der Abschnitt zuvor ja schon gezeigt, dass sie gar nicht loslassen kann und da ist eine treue Freundin Ruby schlecht verzichtbar. Kein Wunder also, dass sich dieser Konflikt so zugespitzt hat. Nun ist Ruby selbst auch keine Marionette, die sich hin- und herreichen lässt; sie weiß sich sogar stark zu behaupten, aber dennoch steht sie genau zwischen den Stühlen. Insgesamt hat Ruby sich über die Serie hinweg sicherlich am wenigstens entwickelt, weil sie in grundsätzlich allen Belangen immer die in der 'Mitte' war. Aber man konnte sich bei ihr doch verlassen, dass sie zum einen für den herrlich trockenen Humor zuständig ist und dass sie zum anderen mit Stan die definitiv stabilste Beziehung führt, der man ohne Bedenken ein märchenhaftes Happy End wünscht.

Foto: Retta, Christina Hendricks & Mae Whitman, Good Girls - Copyright: 2019 NBCUniversal Media, LLC; Jordin Althaus/NBC
Retta, Christina Hendricks & Mae Whitman, Good Girls
© 2019 NBCUniversal Media, LLC; Jordin Althaus/NBC

Mein persönlicher Liebling war immer Annie, was sicherlich zum größten Teil an Whitman liegt, da der Charakter von ihr eigentlich nicht zu dem gehört, was mich sonst besonders reizt. Sie ist laut, sie kennt kein Ende, sie ist vulgär, sie kennt keine Peinlichkeiten, sie hat einen ungeheuren Männerverschleiß (wenigstens dabei einen guten Geschmack), sie kennt keine Grenzen, aber in all dem ist sie immer das kleine Mädchen, das ihre Mutter viel zu früh verloren hat und deswegen unter ständigen Verlustängsten leidet. Dennoch hat sie sich in den vier Staffeln enorm entwickelt, was man sicherlich eindrücklich in dieser Staffel sehen konnte, als sie immer noch nicht gänzlich mit ihrem behandelnden Psychologen Josh (Rob Heaps) abgeschlossen hat, aber als sie erkennt, dass es ihm mehr darum geht, seine Verlobte nicht zu heiraten als mit ihr fest zusammenzukommen, da trifft Annie die weise Entscheidung, dass es an der Zeit ist, ihre Schwärmerei loszulassen. Auch wenn Annie sich also entwickelt hat, so ist sie im Kern doch immer noch dieselbe. Sie macht bei den gemeinsamen Operationen all das, was die anderen beiden sich nicht trauen. Vom Intellekt her ist sie nicht in der Lage, geniale Pläne zu entwickeln, dafür ist sie in ihrer Intuition kaum zu schlagen und bei all dem ist immer klar, wenn irgendwo ein Fettnäpfchen ist, Annie nimmt es mit. Was mich an Whitmans Darstellung der Rolle über vier Staffeln hinweg am meisten beeindruckt hat, das ist sicherlich, dass sie die Komik und die Dramatik gleichermaßen anbieten kann und das teilweise auch innerhalb einer Szene. Gerade mit ihrem Sohn Ben (Isaiah Stannard) kann sie herumalbern wie die beste Freundin, aber gleichzeitig ist sie doch die fürsorgliche Mutter, die einfach nur will, dass es ihrem Kind gut geht. Mit einer der herrlichsten Episoden mit Annie ist für mich, als sie von Mick (Carlos Aviles) entführt wird. Diese Figur ist eh schon der heimliche Scene Stealer der Serie, aber der Umgang der beiden miteinander, einfach herrlich!

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Dann haben wir noch die Männer der Serie. Rio war für mich immer schon sehr faszinierend und diese Staffel bemüht sich, die Anfänge seiner kriminellen Karriere zu beleuchten. Das gelingt leider nicht 100%, denn es dient vor allem der Einführung von Nick, der Rio in dieser Staffel ein wenig den Schneid abkauft. Dadurch war es dann auch für Dean und Stan ein leichtes Spiel, deutlich mehr in erinnerungswürdige Erscheinung zu treten. Zu beiden haben ich schon ihre Angetrauten etwas gesagt, aber gerade bei Dean fand ich sehr faszinierend, dass er sich vom absoluten Idioten doch zu einem Mann entwickelt hat, dem man ehrlich etwas Gutes wünscht. Deswegen fand ich es spannend, als er an die 'Sekte' von Vance (Breckin Meyer) gerät, bei der die teilnehmenden Männer Beautyprodukte an den Mann bringen müssen. Auch Stan wird letztlich ein Teil davon und es war wirklich lustig, wie nach und nach der Hintergrund der Männergemeinschaft aufgedeckt wurde. Denn im Grunde war es ein Spiel mit dem Feminismus, denn hier haben wir es mit den benachteiligten Männer zu tun, die von ihren Frauen nur als Spielball gesehen werden und die nun zurückschlagen wollen. Gerade Dean passte da schon gut hinein und ich hätte es ihm auch mal gegönnt, gegen Beth auszuteilen, denn Respekt hat sie sicherlich schon lange nicht mehr vor ihm, aber letztlich wurde die Idee dahinter doch ad absurdum geführt. Auch wenn es wirklich herrlich war, als Vance alles Angestaute rauslässt und seiner Frau und seinem Sohn zeigt, wer der Herr im Haus ist, so wurde damit eigentlich gezeigt, dass in einer gesunden Beziehung immer ein Miteinander und nicht ein Gegeneinander vorherrschen muss.

Foto: Retta, Christina Hendricks & Mae Whitman, Good Girls - Copyright: 2019 NBCUniversal Media, LLC; Mitchell Haddad/NBC
Retta, Christina Hendricks & Mae Whitman, Good Girls
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Mit den Figuren sind schon viele Handlungsböge angesprochen worden. Sicherlich ist meine Erkenntnis, dass die Serie in der Tat nicht ewig hätte weitergeführt werden können, denn das Thema reizte sich langsam aber sicher doch aus. Mit wechselnden Ermittler*innen, neuen Gegenspieler*innen, wie jetzt hier Nick und neuen Verbrechen ist immer noch etwas gefunden worden, was eine neue inhaltliche Ausrichtung ermöglicht hat. Dennoch sind gerade bei den Verbrechen gewisse Wiederholungen zu sehen gewesen. Das ist aber nicht sehr ins Gewicht gefallen, weil die privaten Geschichten rund herum definitiv immer neu und damit frisch geblieben sind. Sehr, sehr entscheidend dafür, dass die Serie bis zuletzt nicht langweilig geworden ist, ist sicherlich der geniale satirische Humor der Serie. Jeder düstere Moment wurde immer durch einen Comic Relief ausgelöst, was die Serie trotz allem zur leichten Unterhaltung gemacht hat. Ob die einzelnen Schachzüge logisch wirklich möglich sind, die Frage hat man sich dadurch einfach nicht gestellt, denn es war Unterhaltung und zwar gute Unterhaltung.

Eigentlich deutete vieles in der Staffel darauf hin, dass ein sauberes Ende in Aussicht gestellt wurde. Doch in der finalen Episode wird noch einmal eine Kurve mitgenommen, die dafür sorgt, dass das Geschehen noch einmal auf den Kopf gestellt wird. Wir erleben "Good Girls" mit einer völlig neuen Ausgangslage, die eine neue Ausrichtung ermöglicht, die neue Frage aufwirft, die einfach nicht zu Ende sein kann. Aber das ist die Serie eben und das ist ärgerlich. Als Grund für die Nicht-Verlängerung sind zunächst Budgetprobleme angegeben worden, doch es haben sich auch hartnäckig Gerüchte gehalten, dass es zwischen Montana und Hendricks hinter den Kulissen nicht immer gepasst hat und deswegen keine zufriedenstellende Lösung für alle gefunden werden könnte. Das Gerücht erscheint mir auch gar nicht so abwegig, denn Rio war in dieser Staffel definitiv eher der Underdog und dennoch hätte man sich "Good Girls" ohne ihn auch nicht vorstellen können, denn diese seltsame Beziehung zwischen Beth und Rio, die toxischer nicht sein könnte, war eben doch auch eines der spannendsten Aspekte der Serie. Aber egal, wie nun was gelaufen ist, die Serie hätte ein sauberes Ende verdient gehabt, denn so ein Ausgang hinterlässt immer einen bitteren Nachgeschmack.

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Fazit

"Good Girls" befand sich mit der vierten Staffel in vielen Aspekten auf dem Weg, auf ein sauberes Ende hinzusteuern, wo man mit den Charakterentwicklungen wirklich zufrieden hätte abschließen können. Doch am Ende wird doch noch ein Bogen gemacht und wieder ist alles offen. Das ist für eine finale Staffel extrem unbefriedigend, denn die guten Geschichten und der tolle satirische Humor werden so schnell zu einer blassen Erinnerung, weil der Ärger überwiegt, dass mit einem Cliffhanger aufgelöst wurde. Hier sollte sich die Industrie wirklich um eine dauerhafte Lösung bemühen.

Lena Donth - myFanbase

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