DVD-Rezension: Mr. Robot, Staffel 1

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Ursprünglich von Sam Esmail als Film konzipiert, ging "Mr. Robot" für den Kabelsender USA Network in Serie und wurde dort vom 24. Juni 2015 bis 2. September 2015 ausgestrahlt. In Deutschland sicherte sich Amazon die Rechte an der Dramaserie, die bereits nach der Ausstrahlung der ersten Folge um eine zweite Staffel verlängert wurde und seit dem 20. November 2015 ist "Mr. Robot" in der deutschen Synchronfassung, wie auch im englischsprachigen Original, bei Amazon Prime abrufbar. Neben Christian Slater, der für seine Darstellung des Mr. Robot Anfang des Jahres den Golden Globe als bester Nebendarsteller erhielt, ist Rami Malek, in der von Kritikern hochgelobten und der mit dem Golden Globe als beste Dramaserie ausgezeichneten Serie, in der Hauptrolle des Elliot Alderson zu sehen.

Inhalt

Foto: Christian Slater & Rami Malek, Mr. Robot - Copyright: Universal Pictures
Christian Slater & Rami Malek, Mr. Robot
© Universal Pictures

Der unter Persönlichkeitsstörungen und sozialen Phobien leidende Elliot Alderson (Rami Malek) lebt ein recht eintöniges und vor allem einsames Leben. Seine einzigen Vertrauten sind sein imaginärer Freund, zu dem er ständig spricht, und seine Jugendfreundin Angela Moss (Portia Doubleday), mit der er zusammen bei der IT-Sicherheitsfirma Allsafe Cybersecurity arbeitet. Während Elliot versucht seine Einsamkeit mit Morphium zu unterdrücken, hackt er sich in seiner Freizeit in fremde Computer, spioniert Menschen aus seinem Umfeld aus und bringt dunkle Geheimnisse, ihm fremder Menschen ans Licht. Dieses illegale Verhalten rechtfertigt Elliot damit, dass er die Menschen schützen will. Doch als Elliot eines Tages von dem mysteriösen Mr. Robot (Christian Slater) kontaktiert wird, der ihn dazu bringen will, sich der Hackergruppe Fsociety anzuschließen, die eine antikapitalistische Revolution auslösen und globale Finanzsystem zum Einstürzen bringen wollen, gerät Elliot in einen Zwiespalt. Denn Fsocietys oberstes Ziel ist E-Corp, ein Konglomerat zu dem Elliot mehrere Verbindungen hat. Zum einen ist es sein Job bei Allsafe den Konzern E-Corp vor Hackerangriffen zu schützen, zum anderen hat Elliot zu E-Corp auch eine persönliche Verbindung, da sein Vater durch Giftmüll an Leukämie erkrankte und starb, wofür E-Corp verantwortlich sein soll.

Rezension

Foto: Rami Malek, Mr. Robot - Copyright: Universal Pictures
Rami Malek, Mr. Robot
© Universal Pictures

Um eins direkt unmissverständlich klarzustellen: "Mr. Robot" ist definitiv nicht das, was einem die Inhaltsangabe suggeriert. Klar, vordergründig ist es ein Hacker-Thriller, in dem eine kleine Gruppe von Hackern, die "fsociety", versucht die Finanzwirtschaft aufs Kreuz zu legen und die Gesellschaft wachzurütteln. Doch "Mr. Robot" ist eigentlich viel mehr ein waschechtes Charakterdrama und ein Aufzeigen, wie durchsichtig und angreifbar sich die heutige technologisierte Welt, durch soziale Medien und der dazugehörigen Offenlegung des eigenen Lebens, macht. Eine Geschichte über einen jungen Mann, der neben einer ausgewachsenen Sozialphobie, einer angeblich selbst kontrollierten Drogensucht und tiefer Einsamkeit unter noch viel schwerwiegenderen Problemen leidet, die im Verlauf der ersten Staffel immer mehr sichtbar werden. Und hier liegt leider auch der Knackpunkt, warum die Serie zwischendurch einige Längen aufweist. Denn nachdem die erste Episode einen direkt an den Fernseher fesselt und den Zuschauer ohne Atempause mit spannender Handlung zuballert, wird in den weiteren Episoden die ganze Storyline rund um den Hack von E-Corp etwas beiseitegeschoben und der Fokus hauptsächlich auf Elliot gelegt.

Foto: Rami Malek & Martin Wallstrom, Mr. Robot - Copyright: Universal Pictures
Rami Malek & Martin Wallstrom, Mr. Robot
© Universal Pictures

Prinzipiell nicht wirklich verkehrt oder gar schlimm, aber man erwartet einfach etwas anderes und steigt auch nicht direkt hinter das große Ganze und hat als Zuschauer schnell das dumpfe Gefühl, dass "Mr. Robot" den roten Faden verliert. Zudem ist man zeitweise kaum noch in der Lage zu unterscheiden, was wirklich Realität ist oder was nur in Elliots Kopf passiert, was die ganze Story zwischenzeitlich leider etwas wirr wirken lässt. Die Monologe zwischen Elliot und sich selbst, beziehungsweise scheint es so als spräche er mit dem Zuschauer, sind auch teilweise sehr lang und man neigt schnell dazu vom Kopf her abzuschalten, was leider sehr schade ist, da gerade die Monologe sehr viel Aufschluss geben, in welche Richtung die ganze Handlung geschoben wird. Nur das versteht man einfach lange Zeit nicht, da man als Zuschauer schwer erkennt, worauf die Storyline hinaus will und sich einfach nur fragt, wann es endlich wirklich weiter geht. Wenn man dann endlich wieder drin ist und so langsam anfängt durchzublicken, gewinnt die Serie wieder ordentlich an Schwung und die "Aha... ich kapiere es endlich"-Momente überschlagen sich förmlich. Somit erkennt man die Genialität der Serie leider irgendwie erst, wenn die erste Staffel schon fast vorbei ist.

Foto: Christian Slater, Mr. Robot - Copyright: Universal Pictures
Christian Slater, Mr. Robot
© Universal Pictures

Und auch wenn die Story teilweise einige Längen hat und auch nicht gerade neu erfunden wurde und an viele bekannte Produktionen wie "Fight Club" oder "American Psycho" erinnert, sind es die einzelnen Charaktere, die "Mr. Robot" wiederum einzigartig machen. Denn genau diese sind es, die einen gespannt am Ball bleiben lassen, da viele der Rollen teilweise so undurchsichtig in ihrer Motivation sind, dass man als Zuschauer unbedingt wissen will, was sie vorhaben oder wohin der Weg sie führen wird. Neben dem Hauptcharakter Elliot, stehen hier auch der ehrgeizige E-Corp Mitarbeiter Tyrell Wellick (Martin Wallström) und seine Frau Joanna (Stephanie Corneliussen) im Fokus, die als Charaktere einfach wahnsinnig interessant sind und für so manches Aufsehen und Spekulationen sorgen. Nicht nur auf den Bezug der Handlung, sondern auch bei den einzelnen Charakteren werden dem Zuschauer immer wieder ein paar Häppchen zugeworfen, aber nicht so viel, dass er sich satt essen kann, sondern gerade so viel, dass er nicht verhungert und noch mehr will.

Foto: Carly Chaikin, Mr. Robot - Copyright: Universal Pictures
Carly Chaikin, Mr. Robot
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Auch Besetzungstechnisch hat "Mr. Robot" alles richtig gemacht und besonders mit Rami Malek als Elliot einen absoluten Glücksgriff getan. Es ist wirklich der absolute Wahnsinn wie dieser Mann die Serie fast alleine trägt und mit einem unschlagbaren underacting quasi mit seinem Charakter verschmelzt. Eine wirklich großartige Leistung, die ich selten so gesehen habe. Aber auch hier muss ich Martin Wallström und Stephanie Corneliussen unbedingt nochmals lobend erwähnen, da auch die beiden als undurchsichtiges und teilweise komplett emotionsfreies Ehepaar Wellick einen großen Anteil an dem Erfolg von "Mr. Robot" haben. Sehr gespannt war ich auch auf Carly Chaikin in der Rolle der Darlene, die ich bisher nur als verzogene Vorstadt-Tussi Dalia Royce aus "Suburgatory" kannte. Leider verblasste Carly neben den anderen exzellenten Darstellern aber etwas und konnte sich nicht wirklich aus der erstklassigen Riege hervorheben, was zum Teil aber mit Sicherheit leider auch an ihrer schrecklichen Synchronstimme lag. Extrem gefreut hat mich auch die Entdeckung von Randy Harrison aus "Queer as Folk", der in "Mr. Robot" als homosexueller Partner von Gideon Goddard (Michel Gill) zwar nur eine winzig kleine Nebenrolle hatte, aber mir alleine durch seine kurze Anwesenheit direkt ein Lächeln ins Gesicht zauberte.

Auch die technischen Aspekte wurden bei "Mr. Robot" mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet und so ergeben die Kulissen, die Kameraführung und der immer auf den Punkt passende Soundtrack ein harmonisches Ganzes. Die ganze Serie strahlt eine stimmige Atmosphäre aus, in die es Spaß macht einzutauchen. Alles in allem ist "Mr. Robot" somit eine durchaus sehenswerte Serie, die sich durch viele Details von anderen zurzeit laufenden Produktionen abheben kann. Für mich persönlich definitiv eine Serie, die ich mir mit völlig anderen Augen und aus einer jetzigen komplett neuen Sichtweise bestimmt noch ein zweites Mal ansehen werde. Und nicht nur wegen den vielen offenen Fragen, mit denen der Zuschauer nach dem Staffelfinale zurück gelassen wird, freue ich mich sehr auf die Fortsetzung und werde mit Sicherheit am Ball bleiben. Als kleiner Tipp noch nebenbei, nicht vor dem kompletten Abspann der letzten Episode abschalten.

Technische Details & Specials

Foto: Copyright: Universal Pictures
© Universal Pictures

Specials

Neben unveröffentlichten Szenen aus der Episode "EPS1.8_M1RROR1NG.QT" gibt es unter den Menüpunkten "M4K1NG_OF_MR_ROBOT.MOV" und "GAG REEL" einen Blick hinter die Kulissen zu "Mr. Robot". In jedem Fall zwei spannende und auch sehr lustige Einblicke in die Serie, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Technische Details

Erscheinungstermin: 24. März 2016
FSK: ab 16 Jahren
Laufzeit: ca. 464 Spielminuten (10 Episoden)
Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1
Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Dänisch, Deutsch, Englisch, Finnisch, Niederländisch, Norwegisch, Portugiesisch, Schwedisch

Fazit

"Mr. Robot" ist komplett anders als das, was man erwartet und wenn man bereit ist sich darauf einzulassen, wird man mit einer wirklich genialen ersten Staffel überrascht, die unheimlich Lust auf mehr macht.

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Nina V. - myFanbase

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