DVD-Rezension: "Spartacus: Blood and Sand", Staffel 1

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Die in Amerika sehr erfolgreiche Kabelserie "Spartacus", deren erste Staffel den Titelzusatz "Blood and Sand" trägt, lief im deutschen Free-TV bereits bei ProSieben und ist seit Sommer 2012 auch auf DVD und Blu-Ray erhältlich.

Inhalt

Foto: Erin Cummings, Spartacus: Blood and Sand - Copyright: Twentieth Century Fox Home Entertainment
Erin Cummings, Spartacus: Blood and Sand
© Twentieth Century Fox Home Entertainment

Die Serie erzählt die Geschichte, wie der bekannte Gladiator Spartacus im alten Rom dazu kam, einen spektakulären Sklavenaufstand anzuführen. Dabei erlaubt man sich natürlich einige erzählerische Freiheiten, die so nicht in der Historie zu finden sind, die aber für spannende Geschichten sorgen. Es beginnt alles mit einem namenslosen germanischen Soldaten (Andy Whitfield) aus dem Stamm der Thraker, der, um sein Volk vor einfallenden Barbaren zu schützen, ein Bündnis mit der römischen Armee unter deren Anführer Gaius Claudius Glaber (Craig Parker) eingeht. Letztendlich betrügt Glaber aber die Thraker und lässt diese im Stich. Um sein Volk und besonders seine Frau Sura (Erin Cummings) nicht den metzelnden Barbaren schutzlos zu überlassen, führt der Thraker seine Männer gegen die Römer an und wird nun von denen als Verräter gejagt. Er wird als Sklave gefangengenommen und nach Capua in Italien gebracht, wo ihn in der Arena sein Todesurteil erwartet. Da er beim Kampf aber in der Lage ist, vier Gladiatoren zu besiegen, verlangt das Publikum nach seiner Begnadigung und der Besitzer einer Gladiatorenschule Quintus Lentilus Batiatus (John Hannah) sieht darin die einmalige Chance, für den eigenen politischen Aufstieg. Er benennt ihn Spartacus und, nachdem dessen Urteil vom Tod zur Sklaverei umgeändert wurde, erwirbt er ihn für seinen Ludus.

Foto: Andy Whitfield, Spartacus: Blood and Sand - Copyright: Twentieth Century Fox Home Entertainment
Andy Whitfield, Spartacus: Blood and Sand
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Spartacus weigert sich zunächst, das Spiel mitzuspielen, aber nachdem Batiatus ihm verspricht, Sura (die als Sklavin nach Syrien verschleppt wurde) zu suchen und zu ihm zurückzubringen, lässt er sich auf die Ausbildung zum Gladiator ein und findet auch unter den anderen Gladiatoren Freunde und Verbündete. Aber auch neue Feinde sind unter ihnen, wie der eigentliche Star des Ludus, der Gallier Crixus (Manu Bennett). Auch der Hass von Glabers Ehefrau Ilithyia (Viva Bianca) begleitet ihn weiter, sowie die Missgunst von Batiatius' Ehefrau Lucretia (Lucy Lawless).

Kritik

Foto: Manu Bennett, Spartacus: Blood and Sand - Copyright: Twentieth Century Fox Home Entertainment
Manu Bennett, Spartacus: Blood and Sand
© Twentieth Century Fox Home Entertainment

Auf den ersten Blick wirkt "Spartacus: Blood and Sand" wie eine römische Orgie, voller zügellosem Sex und noch mehr ungehemmter Gewalt. Da sind nackte Körper zu beobachten, die begutachtet, verkauft, ausgenutzt und geschändet werden und der Zuschauer soll sich daran durchaus auch ergötzen, nicht nur mit einem kritischen Auge darauf herabblicken. Und dann wird gemetzelt was das Zeug hält, das Blut spritzt nur so, die Köpfe rollen und die Eingeweide quellen aus den geschundenen Körpern, ohne das die Kamera irgendwann gnädig wegblendet. Es wäre also zunächst kein Problem, "Spartacus" als reinen Sex- und Gewalt-Porno abzutun. Zumal man sich hier einer optischen Ästhetik bedient, die viel mehr an den oberflächlichen Streifen "300" erinnert, als an irgendwelche realistischeren Darstellungen dieser Epoche. All die blutrünstigen Szenen sind in einer derart künstlich-verfremdeten Comic-Optik dargestellt, dass es kein Problem ist, diese von realer Gewalt zu trennen. Dies kann man zu recht kritisch sehen und man kann der Serie einen Voyeurismus vorwerfen, der die niedersten Instinkte des Menschen bedient. Zumal auch aus künstlerischer Sicht manche der Gewaltszenen derart überspitzt eklig sind, dass man manchmal schon fast darüber lachen muss, was der ernsthaften Atmosphäre durchaus abträglich ist.

Foto: Lucy Lawless, Spartacus: Blood and Sand - Copyright: Twentieth Century Fox Home Entertainment
Lucy Lawless, Spartacus: Blood and Sand
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Wäre da nur nicht die unheimlich gelungene und fesselnde Erzählweise, die sich hinter all der billigen Fassade verbirgt. Besonders im zweiten Staffelteil der Serie offenbart sich dem Zuschauer, der all den Trash über den Verlauf der Anfangsphase ignorieren konnte, doch eine sehr mitreißend erzählte Geschichte, die vor allem von den greifbaren Charakteren lebt, mit denen man plötzlich mitfiebern und vor allem mitleiden muss. Nach dem wirklich stumpfen und ohne jegliche Inspiration erzählten Piloten der Serie hätte man nicht vermutet, dass diese Drehbuchautoren mit der Zeit lernen, dass beste aus ihrem durchaus sehenswerten Cast herauszuholen und auch die schon von der historischen Vorlage her sehr dramatische Geschichte so faszinierend erzählen können. Irgendwann in der zweiten Staffelhälfte beginnt die Vorgeschichte des berühmten Sklavenaufstands so richtig Fahrt aufzunehmen und dem Zuschauer fallen ob der dargebotenen überraschenden Wendungen mehrfach die Kinnladen herunter. Und wenn es wieder einen der Charaktere überraschend erwischt schließlich ist die Überlebenschance für alle in dieser brutalen Umgebung nicht die Beste merkt man doch, wie sehr man diese mittlerweile ins Herz geschlossen hatte.

Foto: Viva Bianca & Craig Parker, Spartacus: Blood and Sand - Copyright: Twentieth Century Fox Home Entertainment
Viva Bianca & Craig Parker, Spartacus: Blood and Sand
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Dabei haben die Autoren rund um Stephen S. DeKnight gut von dessen Lehrmeister Joss Whedon gelernt: Wie man auch sekundären Charakteren Leben einhaucht und wie man all die gegensätzlichen Motive der verschiedenen Parteien so präsentiert, dass man als Zuschauer nicht weiß, wem man seine Sympathien schenken soll, stehen diese Motive doch oft in absoluten Kontrast zu einem anderen Lieblingscharakter. Zwar ist absolut klar, wer in diesem Umfeld der Gute und wer die Bösen sind (einfacher Leitfaden, alle Sklaven sind gut, alle reichen Römer durchtrieben und skrupellos), aber trotz dieser recht klaren Schwarz-Weiß-Struktur, erhalten alle Figuren die gleiche Tiefe und man erwischt sich dabei, dass man auch die wirklich ohne jedes Mitgefühl agierenden Charaktere dabei anfeuert, ihre Intrigen auszuleben. Bestes Beispiel sind die beiden Gladiatorenbesitzer Batiatus und Lucretia, die wirklich abgrundtief verachtenswert handeln. Aber dank der Tatsache, dass sie von den beiden großartigen Darstellern John Hannah und Lucy Lawless gespielt werden (die in ihren intriganten Rollen derart aufgehen, dass sich der Spielspaß einfach auch auf den Zuschauer übertragen muss) und den wunderbaren Drehbüchern, bleiben sie nie eindimensionale Bösewichte. Aber auch die noch eher unbekannte Australierin Viva Bianca liefert eine furiose Leistung als durchtriebene Ilithyia ab. Da bleiben die im Vergleich weniger spektakulären Szenen, weil hauptsächlich als leidend präsentierten, des Helden Spartacus manchmal sogar im Schatten dahinter zurück. Aber das soll die wirklich solide Darbietung der Gladiatorendarsteller nicht schmälern, die wenn sie gefordert werden, meist auch abliefern können. Und glücklicherweise hat man hinter den Kulissen keine Angst vor der Veränderung im Status Quo der Serie, denn das Finale der Staffel sorgt für einen kompletten Umbruch der Struktur und verspricht ein neues Szenario für die kommenden Staffeln. Dort werden dann sicher auch die Gladiatoren mehr gefordert werden, wenn auch dann leider nicht mehr Andy Whitfield deren Anführer Spartacus sein kann. Der charismatische Darsteller, der im Laufe der Staffel immer mehr in seine Rolle hineinwuchs, wurde nach den Dreharbeiten zu "Blood and Sand" mit einem Krebsleiden diagnostiziert, dem er dann auch 2011 erlag. Nach langem Überlegen hat man sich für "Spartacus" entschieden, die Rolle neu zu besetzen.

Specials

Foto: Copyright: Twentieth Century Fox Home Entertainment
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Bei den Extras hat man sich bei diesem DVD-Set nicht lumpen lassen und bietet dem interessierten Zuschauer einiges an Hintergrundmaterial über die Dreharbeiten zur Serie. Die vielen Interviews mit Andy Whitfield sind zwar mittlerweile etwas mit Wehmut zu betrachten, bieten aber dennoch einen guten Einblick in die Begeisterung und den Elan, den er in diese Rolle gesteckt hat. Auch zu einigen speziellen Details, wie der comichaften Optik, die ausschließlich am Computer erschaffen wurde, erfährt man viel. Dabei ist diese natürlich auch ein Mittel, um die Kosten gering zu halten und die Serie ausschließlich im Studio zu produzieren. Eine Entscheidung die nicht immer überzeugen kann, die aber durchaus konsequent und mit Bedacht angewandt wurde, wie man in den Specials erfährt. Und auch einige inhaltliche Details, wie die Treue zu realen Hintergründen und die spezielle Dialogsprache finden Beachtung. Alles in allem also ein gutes Zusatzangebot für Fans, das diese DVD-Box hier im Angebot hat.

Alle Specials in der Übersicht:

  • Behind the Scenes (Hinter den Kulissen)
  • Galdiator Boot Camp (Galdiator-Trainingslager)
  • Grime and Punishment (Unrat und Strafe)
  • Andy gets Plastered (Andy wird zugepflastert)
  • Legend Re-Imagined (Eine Legende wird neu geschaffen)
  • Oh, those Randy Romans (Oh, diese geilen Römer)
  • Shooting Green: The Shadow of Death (Vor dem Greenscreen: Der Schatten des Todes)
  • Exposing your Ludus
  • Spartacus Vengeance Trailer


Technische Details

Erscheinungstermin: 6. Juli 2012
FSK: ab 18 Jahren
Laufzeit: ca. 634 Minuten (13 Episoden)
Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1
Sprache (Tonformat): Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Türkisch

Fazit

Spätestens mit dem furiosen Finale dieser ersten Staffel, in dem endgültig die Grenzen zwischen den dekadenten, zügellosen Römern und denen von ihnen mit Gewalt und Blut unterjochten Sklaven zu einem opulent-brutalen Schlussbild verschmelzen, zeigt sich die ganze dramatische Tiefe dieser Serie. Das erinnert dann sogar an klassische Dramen der Weltliteratur, etwa griechische Tragödien, was hier geboten wird. Wer also die Nerven und den Magen für die viele Gewalt und den Sex hat, sollte sich diese Serie nicht entgehen lassen.

Cindy Scholz - myFanbase

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