Doom Patrol - Review - Staffel 1

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Ich muss vorweg gestehen, dass ich von DC-Comics null bis gar keine Ahnung habe. Ich kenne weder einen der Kinofilme des DCEU, noch die darin agierenden Helden besonders gut – jedenfalls nicht ihre Reinkarnationen. Superman ist für mich noch immer Christopher Reeve, Batman eine Mischung aus Michael Keaton, George Clooney und Christian Bale. Lediglich "Suicide Squad" habe ich gesehen und wenn man sich mal auf die schwachsinnige Handlung eingelassen hat, dann kann man sich sowas schon mal ansehen.

Dennoch - Superhelden haben seit Jahren Konjunktur. Während Marvel mit "Avengers: Endgame" und den dort agierenden Helden gerade alle Rekorde bricht, kämpft das DCEU mit Superman, Batman und Wonder Woman gegen die Bedeutungslosigkeit an. Ob das nur am schlechten Marketing liegt oder daran, dass ihre Charaktere schon in all ihren Facetten zur genüge neu erfunden wurden, das ist mir nicht ganz klar. Als mir Amazon Prime also immer und immer wieder ihre neue Superheldenserie "Doom Patrol" unter die Nase gehalten hat, war ich nicht gerade interessiert. Klang beim ersten Ansehen ein wenig nach einem Abklatsch der "The Umbrella Academy", also eine Serie um "Helden" mit physischen und psychischen Ballast, die ihren Platz in der Gesellschaft nicht finden und sich angesichts einer größer werdenden Bedrohung allmählich selbst finden und über sich hinaus wachsen müssen. Anti-Helden also. Und ja, auch die Protagonisten in "Doom Patrol" sind keine Helden. Nicht im entferntesten.

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Die "Doom Patrol" besteht aus armen, gebeutelten Seelen, die nach mehr oder minder makabren Unfällen Unsterblichkeit erlangt haben, die sie dabei jedoch teilweise bis zur Unkenntlichkeit entstellt oder verändert haben und im Anschluss von einem Superhirn um sich geschart wurden, wo sie über Jahrzehnte hinweg gelernt haben, sich mit sich selbst zu arrangieren. Der Zuschauer bekommt im Laufe der ersten Staffel Gelegenheit diese, nennen wir sie mal Einheit, aus Elasti-Girl, Robotman, Negative-Man und Crazy Jane näher kennen zu lernen und wenn sie eines gemeinsam haben, dann ist es die Tatsache, dass sie alle zuvor ein trauriges, von Geheimnissen geprägtes Leben geführt haben, das sie innerlich fast zerfressen hätte. Die Unfälle haben diesen emotionalen Ballast verstärkt und man trottet sich nun zusammen, weil man in der Gesellschaft einfach keinen Platz hat und im Selbstmitleid versinkt.

Foto: Doom Patrol - Copyright: 2018 Warner Bros. Entertainment, Inc.
Doom Patrol
© 2018 Warner Bros. Entertainment, Inc.

Das klingt jetzt alles sehr negativ und deprimierend und in vielen Momenten ist es das auch. In den erzählten Geschichten geht es um Selbstfindung, Akzeptanz und Reflexion. Es geht darum, sein Schicksal anzunehmen und das Beste daraus zu machen, aus alten Fehlern zu lernen und sie als neue Chance zu begreifen. Klingt leidlich spannend, oder? Ja, wenn man diese Zeilen so liest, dann möchte man meinen, in einer übernatürlichen Tragödie gelandet zu sein. Aber das ist "Doom Patrol" nicht. Bei weitem nicht. Denn auch wenn die Charaktere natürlich eine der Stärken der Serie sind, so ist es am Ende die Skurrilität, die die Zuschauer bei Laune hält – Robotman ist ein altmodischer Blechmann mit einem funktionierenden Gehirn. Elasti-Girl ein ehemaligen Schauspielsternchen, das ein bisschen an den Blob erinnert, sobald sie Gefühle zeigt und ihr Körper disintegriert. Crazy Jane ist eine in 64 Persönlichkeiten gespaltene Akteurin, von denen jede ihre eigene, sehr eigenwillige Superkraft besitzt. Es gibt eine genderqueere Straße, die Menschen dabei hilft, ihr wahres Ich zu finden und einen Superhelden namens Flex Metallo, der durch das richtige Anspannen seiner Muskulatur Menschen durch Raum transportieren kann oder auch einen Orgasmus verschaffen kann, wenn er beim Anspannen nicht aufpasst. Es gibt einen furzenden Esel, der das Tor in eine andere Dimension ist. Und einen Mann, der sich in eine Mischung aus Gemüse, Obst und Dino verwandelt. Von den gemeingefährlichen beißenden Hintern (ja, Hintern… wie in Är…) will ich gar nicht erst anfangen.

Ja, an skurrilen Ideen mangelt es den Autoren bei "Doom Patrol" nicht. Man muss sich auf diese Absurditäten einlassen, dann klappt das auch mit dem Spaß an der Serie. Wenn man sich daran stört, dass sich ein Cyborg und ein elastischer Jammerlappen zwischenzeitlich auf die Suche nach einem Mann machen, der durch den Verzehr von Barthaaren an die Erinnerungen seiner Gegner kommt, dann ist er bei "Doom Patrol" falsch. Richtig falsch. Doch auch wenn manche Ideen wirklich arg abstrus sind, Spaß macht die Serie allemal, gerade weil sie eine gute Balance zwischen verrückt und interessant findet.

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Ganz klarer Pluspunkt, der zwischendurch wirklich fehlt, ist Alan Tudyk, grandios besetzt als geisteskranker und größenwahnsinniger Superschurke Mr. Nobody. Er zieht im Hintergrund nicht nur die Fäden, entführt und quält unsere "Helden", sondern verspottet auch noch die Autoren und Serienmacher, die Filmbranche und das gesamte Setting. Das Durchbrechen der 4. Wand und die direkte Interaktion mit dem Zuschauer macht teilweise mehr Spaß als der Dialog einer Ratte und einer Kakerlake über die Übernahme der Weltherrschaft. Auch sein Zusammenspiel mit Timothy Dalton ist grandios und jede einzelne Szene mit Tudyk ein wahrer Genuss, gerade weil man ihn als Superschurken kaum ernst nehmen kann.

Auch die anderen Darsteller sind durchaus gut gecastet, auch wenn man von Matt Bomer und Brendan Fraser oft nur die Stimme hat (im Originalton). Gerade letzterer hat sich (für mich) in den letzten Jahren unglaublich rar gemacht, so dass es Spaß macht, ihn mal wieder in Aktion zu sehen.

Im Laufe der Serie gibt es einige Längen. Unzählige Wiederholungen. Leerlauf. Langeweile. Ein monotones auf der Stelle treten. Immer die gleichen Dialoge. Wieder und wieder die selben, nicht lösbaren Probleme. Durchbrochen von unerwarteter Action. Emotionalität. Skurrilität. Einfallsreichtum. Tollen Charaktermomenten. Freundschaft. Liebe. Fürsorge. Alan Tudyk. Matt Bomer. Timothy Dalton.

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Fazit

"Doom Patrol" ist vielleicht nicht die beste Serie, die es dieses Jahr gab. Es ist aber die Serie die mir beim Ansehen am meisten Spaß gemacht hat, denn die nächste absurde Idee lugte schon um die Ecke und tröstete über so manche Länge hinweg. Will ich davon eine zweite Staffel sehen? Unbedingt. Wer sich jedoch daran stört, dass ein furzender Esel das Tor zu einer anderen Dimension ist, in der Alan Tudyk in Reiterhosen in einem vollkommen weißen Raum Zuschauer verhöhnt, dem sei geraten: bleibt beim MCU. Da gibt es sie, die echte Hochglanz-Helden ohne Ecken und Kanten. Hier gibt’s die nicht ganz so ernst zunehmende Variante, die jedoch nicht weniger Spaß macht.

Melanie Wolff - myFanbase

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