Cursed - Die Auserwählte - Vergleich zwischen Buch und Serie

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Die Idee zur Artus-Neuinterpretation, die die Sagengestalt Nimue in den Fokus rückt, ist Tom Wheeler bereits weit vor dem TV-Vertrag mit dem Streamingdienst Netflix gekommen. Die Buch-Vorlage selbst, die bei uns bei Fischer Tor erschienen ist, ist aber erst in die heiße Phase gekommen, als bereits feststand, dass es eine TV-Adaption geben wird. Das merkt man "Cursed – Die Auserwählte" auch definitiv an. Es ist zwar weit mehr als nur Drehbuchseiten, aber dennoch hält sich das Buch nicht mit Details auf. Es gibt keine ellenlangen Beschreibungen der Welt, hier soll sich der Leser über die Illustrationen von Frank Miller selbst ein Bild machen. Wenn man sich nun das fertige Ergebnis, also die Serie selbst, ansieht, dann stellt man fest, dass der Fokus definitiv auf der visuellen Umsetzung des Artus-Stoffes lag, denn hier wird viel mehr mit der Liebe zum Detail gearbeitet und auch die Kinematographie ist wahrlich sagenhaft.

Foto: Cursed - Die Auserwählte - Copyright: S. Fischer Verlag GmbH
Cursed - Die Auserwählte
© S. Fischer Verlag GmbH

Insgesamt muss man sagen, dass die TV-Adaption sich sehr eng am Buch orientiert. Teilweise sind ganze Szenen eins zu eins aus der Vorlage übernommen worden, auch mit den entsprechenden Dialogen. Dennoch gibt es für Adaptionen immer Änderungen, die vorzunehmen sind, weil sie auf den Bildschirmen entweder nicht funktionieren, weil sie zu viel (vor allem bei Filmen) oder weil sie zu wenig (wie hier bei einer Serie) detailliert sind. Daher haben wir euch nachfolgend die gravierendsten Veränderungen aufgeführt, die Wheeler für "Cursed – Die Auserwählte" vorgenommen hat. Diese sind in Aspekte die Charaktere und den Inhalt betreffend aufgeteilt. Natürlich sind bei einigen Punkten die Grenzen fließend, da es sowohl Charaktere und Inhalt betrifft, aber hier war keine schärfere Trennung möglich.

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Charaktere

Foto: Lily Newmark, Cursed - Die Auserwählte - Copyright: Courtesy of Netflix
Lily Newmark, Cursed - Die Auserwählte
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Pym
Pym (Lily Newmark) ist die beste Freundin von Nimue (Katherine Langford), die die Buchvorlage aber tatsächlich nicht überlebt hat. Jedenfalls spielt sie nach dem Überfall auf ihr Dorf keinerlei Rolle mehr, weswegen man als Leser davon ausgegangen ist, dass sie die Auslöschung durch die Roten Paladine nicht überlebt hat. Dennoch ist es angesichts ihrer wichtigen Rolle in der Serie durchaus möglich, dass sie in Band 2 der Erzählung auch wieder auftaucht. Jedenfalls gibt es keine Wiedervereinigung der beiden Freundinnen in Gramaire, aber dennoch ist es möglich, dass es Pym auch im Buch zu dem Roten Speer auf die Schiffe geschafft hat, denn diese Wikingergruppe taucht im Buch erst ganz spät auf und dort wurden mit Sicherheit noch nicht alle Besatzungsmitglieder vorgestellt. Pym als Figur zu behalten, ist auf jeden Fall als Gewinn zu bezeichnen, da sie definitiv für den Humor in der Serie zuständig ist. Da es Pym aber später nicht mehr in der Vorlage gegeben hat, hat es dementsprechend bisher auch keinen Dof (Nikolaj Dencker Schmidt) gegeben, mit dem sie eine kleine, aber intensive Liebesbeziehung hatte.

Foto: Shalom Brune-Franklin, Cursed - Die Auserwählte - Copyright: Courtesy of Netflix
Shalom Brune-Franklin, Cursed - Die Auserwählte
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Schwester Igraine / Morgana
Zwar gab es Morgana (Shalom Brune-Franklin) auch in der Buchvorlage, allerdings ist ihre Geschichte dort eine gänzlich andere. Bei ihr wurde namentlich ein a geschluckt und Morgan ist die Halbschwester von Arthur (Devon Terrell), die aber nie in einem Kloster gelebt und deswegen auch nie ihren Schwesternamen Igraine angenommen hat. Bekanntlich ist Igraine in der Artus-Sage die Mutter des titelgebenden Helden, so dass hier zumindest der Name innerhalb der Familie geblieben ist. Richtig ist, dass Arthur und Nimue Schutz bei Morgan suchen, aber das tun sie in der Taverne, die diese führt. Von dort aus geht ihr Weg weiter in den Unterschlupf der Fey, der in der Serie Nemos genannt wird. Ab hier läuft die Geschichte von Morgana und Morgan recht ähnlich, aber es gibt dennoch weitere Unterschiede. Da Morgan nie im Kloster gelebt hat, hat sie auch keine Beziehung mit Schwester Celia (Sophie Harkness) begonnen. Zudem hat es die Episode in den Höhlen von Cailleach nie gegeben, dementsprechend ist Morgan auch nie von dem Gedanken besessen worden, sie wäre eine bessere Zauberin als Nimue. Sehr wohl aber ist sie diejenige, die das Schwert von Nimue anvertraut bekommt, als diese sich für ihr Volk opfern will. Auch sie entscheidet, dass sie nicht einfach fliehen kann und bringt das Schwert zurück zu Nimue, die damit Pater Cardens (Peter Mullan) Kopf abschlägt.

Foto: Emily Coates, Cursed - Die Auserwählte - Copyright: Courtesy of Netflix
Emily Coates, Cursed - Die Auserwählte
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Schwester Iris
Bei Schwester Iris (Emily Coates) sind die Änderungen im Vergleich marginal, aber es gibt dennoch Unterschiede, da die Figur in der Serie eine wichtigere Rolle eingeräumt bekommt, als es im Buch der Fall ist. Dort taucht sie nämlich erst sehr spät zum ersten Mal auf und bekommt insgesamt nicht so eine ausgearbeitete Hintergrundgeschichte wie die Serien-Iris. Über die Umstände ihrer Familie wird nichts bekannt und sie hat auch nicht im selben Kloster gelebt, wie es Igraine getan hat, da diese wie gesagt nie eine Schwester in einem Kloster war. Dementsprechend hat Iris auch nie das Kloster in Brand gesetzt. Bekannt ist dagegen, dass Iris mit Beginn des Buchs bereits Teil des engen Kreises rund um Pater Carden ist, da sie als Erstes Feuer die Streifzüge der Roten Paladine anführt und Feuer in den Dörfern der Fey legt, damit diese ins Freie flüchten. Von Anfang an strebt sie danach, von Carden als Tochter angesehen zu werden, um so den Platz seines Lieblings einzunehmen, den aktuell der Weinende Mönch (Daniel Sharman) innehat. Nachdem sie durch Nimues Wirken mit dem Schwert beinahe bei einem selbst gelegten Feuer ums Leben gekommen ist, schwört sie, Rache an der Wolfsbluthexe zu nehmen. Daher gelangt sie nicht zufällig, sondern ganz bewusst an eine Gruppe der Fey, um Nimue näher zu kommen.

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Inhalt

Foto: Katherine Langford, Cursed - Die Auserwählte - Copyright: Courtesy of Netflix
Katherine Langford, Cursed - Die Auserwählte
© Courtesy of Netflix

Nimue kommt im Kloster unter
Nimue hat von Pater Carden den Namen Wolfsbluthexe verpasst bekommen, weil sie sich nach dem Überfall auf ihr Dorf einem Rudel von Wölfen stellen musste, die sie mit dem Schwert niedergemetzelt hat. Zudem hat sie noch einen Mönch der Roten Paladine mit ihren Kräften überwältigt, der sie vergewaltigen wollte. Letzteres ist im Buch nicht passiert, da die gesamte anschließende Episode mit dem Kloster, wo sie später noch einmal auf ihren Peiniger trifft, nicht geschehen ist. Wie bereits bei den Charakteren bei Morgana angesprochen, hat Arthur ihr nicht Zuflucht in einem Kloster gewährt, sondern in der Taverne seiner Halbschwester.

Foto: Katherine Langford, Cursed - Die Auserwählte - Copyright: Courtesy of Netflix
Katherine Langford, Cursed - Die Auserwählte
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Nimues Rache
Im Vergleich von Buch und Serie fällt auch auf, dass die zeitliche Anordnung oftmals unterschiedlich ist. Im Buch entdecken Nimue und Arthur auf dem Weg zur Taverne, dass eine Karawane von Fey von den Roten Paladinen blutig ausgelöscht worden ist. Hiernach nimmt Nimue an den Mönchen vom Schwert angetrieben Rache. In der Serie wiederum sind Nimue und Arthur weit nach der ersten Begegnung mit Morgana auf der Suche nach dem Schwert, als sie das Massaker entdecken. Nimue nimmt auch hier Rache, aber nur mit dem Schwert, da die Mönche es achtlos zurückgelassen haben, um zu baden.

Foto: Devon Terrell, Cursed - Die Auserwählte - Copyright: Courtesy of Netflix
Devon Terrell, Cursed - Die Auserwählte
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Arthurs Ehre
Ein Grund für die zeitlichen Dissonanzen ist sicherlich auch, dass eine entscheidende inhaltliche Sequenz zu Arthur neu in der Serie hinzugekommen ist. Sowohl im Buch als auch in der TV-Adaption wird deutlich, dass Arthur seine Ehre sehr wichtig ist. In der Vorlage ist er von dem Schwert auch ganz fasziniert und überlegt, ob er damit sein Ansinnen steigern könnte, aber letztlich bleibt er zunächst an Nimues Seite, um dann viel später erst abzuhauen, weil er ein ruheloser Charakter ist, der sich unter den Fey als Außenseiter empfindet. Er kehrt erst zurück, als Nimue mit ihren Fey einen neuen Zufluchtsort einnimmt und kann ganz entscheidend viele Rote Paladine töten. In der Serie wiederum will er mit dem Schwert bei einem Ritterturnier im Namen seines Onkels Ector (Peter Guinness) und seiner Tante Marion (Jaye Griffiths) antreten. Daher betrügt er die erschöpfte Nimue, lässt sie im Kloster bei Igraine zurück und bricht einfach mit dem Schwert auf. Im Buch gibt es die Figuren des Ectors und der Marion entsprechend dieses Verwandtschaftsverhältnisses gar nicht. Sie führen stattdessen eine Stadt namens Cinder an, die von Nimue und den Fey eingenommen wird. Die Stadt Gramaine spielt im Buch keine Rolle.

Foto: Matt Stokoe, Cursed - Die Auserwählte - Copyright: Courtesy of Netflix
Matt Stokoe, Cursed - Die Auserwählte
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Arthurs Eifersucht
In der Serie sind die Gefühle zwischen Arthur und Nimue gerade aufgeflammt, als der Grüne Ritter alias Gawain (Matt Stokoe) auf der Bildfläche erscheint. Da merkt man als Zuschauer gleich, dass Arthur den vertrauten Umgang zwischen den beiden als Kindheitsfreunde nicht gutheißt. Fortan kommt es immer wieder zu Kompetenzgerangel zwischen ihnen beiden, was sich erst erübrigt, als beide gemeinsam gegen die Rote Paladine kämpfen und sich gegenseitig retten, aber erst nachdem Arthur sich bei Gawain versichert hat, dass er bei Nimue keine Heiratsabsichten hegt. Im Buch wiederum kann zwar nicht von einer Freundschaft die Rede sein, aber Eifersucht spielt zu keinem Zeitpunkt eine Rolle. Es wird schnell deutlich, dass Gawain für Nimue wie ein großer Bruder ist. Dennoch ist er Arthur gegenüber skeptisch, weil dieser ein Mensch ist. Das hat also nichts mit seiner konkreten Person, sondern nur mit seiner Art zu tun. Zu weiteren Auseinandersetzungen kommt es aber gar nicht, weil Arthur dann schon das Weite sucht. Im Buch hat es dementsprechend den gemeinsamen Kampf der beiden Männer gegen die Roten Paladine nicht gegeben und sie mussten auch nicht von Nimue gerettet werden.

Foto: Gustaf Skarsgård, Cursed - Die Auserwählte - Copyright: Courtesy of Netflix
Gustaf Skarsgård, Cursed - Die Auserwählte
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Merlins Vaterschaft
Nachdem Merlin (Gustaf Skarsgård) die Zeichen der Prophezeiung rund um Nimue gedeutet hat, führt ihn sein Weg nicht direkt zu Lenore (Catherine Walker), um ihre Leiche zu finden, wie es in der Serie der Fall ist. Im Buch folgt sogleich die Begegnung mit der Witwe (Zoe Waites), in der er erstmals sein Vorhaben äußert, das Schwert mit Fey-Feuer zerstören zu wollen. Zudem findet auch über die Beschwörerin der Fey keine erste geistige Begegnung zwischen Merlin und Nimue statt. Stattdessen begegnen sie sich erstmals in den Ruinen bei Festa und Moreii. Erst dort wird beiden bewusst, dass sie Vater und Tochter sind. Fortan sind die bei Merlin erweckten Vatergefühle nicht so gut nachzuvollziehen, wie es in der Serie der Fall ist. Dort erfährt Merlin von der Witwe, dass Nimue sterben wird, weswegen er sofort zu ihrer Rettung aufbricht. Auch im Buch will er mit Uther (Sebastian Armesto) und Cumber dem Eiskönig (Jóhannes Haukur Jóhannesson) ihre Sicherheit aushandeln, jedoch könnte man es hier auch als Gefälligkeit für Lenore interpretieren. Zudem ist kein Attentäter des Leprakönigs (Ólafur Darri Ólafsson) auf ihn angesetzt, weswegen er die giftige Wunde nie davonträgt. Somit wird umgekehrt auch Nimues Sorge um ihn nicht so betont. Vater und Tochter sind am Ende des Buches nur zusammen, weil Merlin zuvor noch einmal bei Uther vorgesprochen hat, als Nimue schließlich erscheint, um sich zu ergeben. Zudem macht sie im Buch nicht der sterbende Vater unaufmerksam, sondern ihre Sorge um Squirrel (Billy Jenkins), weswegen sie Iris zu später bemerkt.

Fazit

Die hier aufgezählten vorgenommenen Veränderungen mögen auf den ersten Blick enorm erscheinen, jedoch ist das auf einer Dauer einer ganzen Staffel gesehen sehr wenig, wie ich finde. Zudem bewerte ich die getroffenen Entscheidungen auch allesamt sehr positiv, da sie die einzelnen Teilhandlungen schon viel früher enger miteinander verknüpfen. Die charakterbasierten Veränderungen ermöglichen es weiterhin auch viel mehr, dass man sich in die Figuren besser hineinversetzen kann. Wie gesagt, die Buchvorlage bleibt an vielen Stellen eher oberflächlich. Daher ziehe ich das abschließende Fazit, dass ich hier die TV-Adaption definitiv als qualitativ besser einschätzen würde als das Buch. Auch die visuelle Umsetzung hat ein enormes Tempo und hält sich nicht mit Nichtigkeiten auf, dennoch wirkt alles auserzählter, was ich als sehr angenehm empfunden habe.

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Lena Donth - myFanbase

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