Country Comfort - Review des Piloten

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Hat schon mal jemand überlegt, was passieren könnte, wenn man "Nashville" mit der "Nanny" kreuzt? Ein mögliches Ergebnis wäre bei diesen Überlegungen wohl "Country Comfort" gewesen. Das ist prinzipiell eine gute Nachricht, denn es zeigt erst mal, welches Potential "Country Comfort" hat. Ob dieses allerdings auch ausgenutzt wird, muss sich natürlich noch zeigen.

Foto: Country Comfort - Copyright: Ali Goldstein/Netflix
Country Comfort
© Ali Goldstein/Netflix

Wie bei so ziemlich jeder Comedyserie ist die Grundstory erst mal schnell erzählt. Die enttäuschte Sängerin Bailey (Katherine McPhee) , deren erhoffter Erfolg bisher ausgeblieben ist, kommt zufällig in eine musikalische Familie, die zwei Jahre nach dem Tod der Mutter immer noch damit beschäftigt ist, wieder zu sich zu finden und glücklich zu werden. Bailey beweist zufällig pädagogisches Geschick und wird als Nanny angeheuert. Das klingt tatsächlich erst mal nicht unbedingt nach Comedy und schon der Pilot zeigt, dass sich die Autoren durchaus auch vorgenommen haben, Drama-Elemente zu integrieren und nicht nur plump zu unterhalten. Die Grundidee zeigt aber auch schon ziemlich deutlich, mit welcher Storyline man innerhalb der ersten Staffel rechnen kann. Und wenn man sich die Charaktere anschaut, wie sie in der ersten Episode eingeführt werden, erhärtet sich der Gedanke, dass man inhaltlich kaum große Überraschungen erleben wird. Da ist nicht nur die neue Freundin Summer (Janet Varney) von Familienvater Beau (Eddie Cibrian), die das kleine Blondchen gibt, welches nicht nur etwas zu wenig Einfühlungsvermögen für die Situation in der Familie zu haben scheint, sondern von den Kindern auch nicht gemocht wird und dazu auch noch vom ersten Moment an als eifersüchtiges, besitzergreifendes Gegenteil zu Bailey daher kommt. Fast jeder Satz kommt plump daher, als würde man die Werbung aus Check 24 schauen. Auch die Kinder zeichnen sich nicht durch hohe Kreativität aus. Die Jüngste ist natürlich anhänglich, die Jungs sind eher in Bailey verknallt und das Potenzial der wütenden Cassidy, die den Tod der Mutter am wenigsten verarbeitet hat, wird fast schon in der ersten Episode komplett verbraucht, weil Bailey sich bei ihr profilieren kann und dadurch in der Familie aufgenommen wird. Bailey selbst bekommt als zentrale Figur die meiste Aufmerksamkeit, wird aber auch erst mal auf die mit ihrem Leben hadernde Figur reduziert, die den perfekten Moment findet, um neu anzufangen. Das musikalische Potenzial, welches man bei Katherine McPhee in "Smash" schon genießen durfte, wird dabei auch direkt zur Geltung gebracht. Letzteres ist vollkommen in Ordnung und wird sicherlich auch in jeder Episode genutzt (ein Grund, warum mich die Serie überhaupt interessiert), doch dass die Familie sofort darauf eingeht und aus der Kalten sofort einstimmt, ist mir auch etwas zu sehr mit der Tür ins Haus gefallen. Hier hätte ich mir eine langsamere Entwicklung gewünscht.

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Es sind also erst mal die typischen Kinderkrankheiten, die so ein Comedypilot mit sich bringt. Innerhalb kürzester Zeit will man die Charaktere so vorstellen, dass man ihnen Gags schreiben kann, die aus der Situation und dem Momentum heraus ihren Witz ziehen sollen. Da man als Zuschauer aber zu direkt in diese Situationen hereingeworfen wird und die Charaktere noch nicht wirklich kennt, wirkt das nach außen alles etwas plump und vor allem steif. Die Schauspieler*innen harmonieren noch nicht miteinander und sind mehr damit beschäftigt, ihre Gags richtig zu setzen. In der deutschen Übersetzung wird das durch die Synchronisation auch noch mal verstärkt. Insofern ist diese erste Episode durch und durch ein typisches Beispiel für eine neue Comedyserie. Nach einer knappen halben Stunde wirkt alles etwas sehr einfach, Handlung, Charaktere und ihre Entwicklung scheinen vorhersehbar und nur Mittel zum Zweck. Und trotzdem soll das hier alles andere als ein Zerriss der Serie sein (auch wenn es vielleicht gerade anders wirkt). Ich kann mich noch erinnern, dass ich nach der ersten Episode von "The Big Bang Theory" ähnliche Gedanken zu Charakteren, der aufgesetzten Situationskomik und der Handlung hatte. Man muss einer Comedyserie in der Regel eben etwas Zeit geben, damit sich die Handlung im Gesamtkontext entfalten kann und die Charaktere die Chance bekommen, mehr als ihre komödiantische Oberfläche zu zeigen. Und die grundlegende Ausrichtung der Serie gefällt mir, auch wenn der Pilot da nicht mehr zu bieten hatte als der Trailer. Der Humor ist gefällig und könnte in einem eingespielten Team meinen Nerv treffen. Rührende Momente sind durch das Familientrauma zu erwarten und musikalisch scheint auch die Familie noch Einiges zu bieten zu haben. Wenn man sich also für die Serie interessierte, gibt es nach diesem Pilot keinen Grund, nicht weiter zu schauen, denn das, was der Trailer verspricht, steckt auch in dieser Auftaktepisode drin. Da die Staffel insgesamt nur zehn Episoden hat, kann man diese unkompliziert schnell durchgucken und wohl erst danach richtig bewerten, ob sich hier ein kleines Juwel versteckt hat oder der Serienmarkt nur mit einer weiteren Standardcomedy überschwemmt wird.

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Fazit

Nach diesem Pilot ist noch alles möglich. Die Grundlagen sind gelegt, ohne mit inhaltlicher Tiefe, innovativem Konzept oder irgendeiner Überraschung aufzuwarten. Die künstlichen Lacher sowie der noch nicht eingespielte Cast lassen wie so oft in dem Genre vieles noch etwas steif wirken. Es sieht also erst mal so aus, als wenn man hier eine ganz normale Comedyserie hat, die wenig mitbringt, um sich im Markt hervorzuheben. Letztlich bekommt man aber das, was der Trailer erwarten ließ. Und wenn einen das neugierig gemacht hat, bleibt nun nichts anderes übrig als weiter zu schauen.

Emil Groth - myFanbase

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