Big Sky - Review des Piloten

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Die Corona-Pandemie hat es für Neustarts in der TV-Season 2020/2021 nun wirklich nicht einfach gemacht. FOX hat "Filthy Rich" und "neXt" aufweisen können, die aber bereits für die Season davor bestellt worden waren und CBS hat mit "B Positive" einen tatsächlichen Neuling aufbieten können. Nun also auch "Big Sky" für ABC, was die Rückkehr von David E. Kelley zu einem Broadcastsender bedeutet. Obwohl die Auswahl an Neustarts also sehr dünn ist, habe ich "Big Sky" sofort als vielversprechend eingeordnet, denn bei den Castmeldungen trudelte schließlich für Serienfans ein bekannter Name nach dem anderen ein. Sei es Katheryn Winnick, die nach dem Ende von "Vikings" sofort wieder eine neue Beschäftigung gefunden hat, sei es Kylie Bunbury, die ich seit "Pitch" sehr verehre, sei es Brian Geraghty, der zuletzt noch einmal bei "Chicago P.D." vorbeigeschaut hat, oder sei es Ryan Phillippe, der wenn nicht für seine Schauspielrollen, doch als Ex-Mann von Reese Witherspoon bekannt sein dürfte. Die Liste könnte man ewig so weiterführen und daher bleibt nur eine Frage: Kann da wirklich noch was schief gehen?

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Trotz meiner großen Hoffnungen angesichts des Casts waren meine Erwartungen vor der Premiere doch erheblich gedämpft worden. Erste Promos und Einführungen in die Welt von "Big Sky" sahen schon extrem billig aus, schrien regelrecht nach dem Greenscreen. Wenn gewisse Erwartungen aufgebaut werden, dann erwartet man nicht so etwas Austauschbares, was jeder mit ein paar Kenntnissen am Computer hätte zusammenbasteln können. Ganz passend waren auch die ersten tatsächlichen Eindrücke der Serie ernüchternd. Während ich die Landschaftsaufnahmen vom ersten Moment an sehr beeindruckend fand, war aber alles andere extrem auf Klischees ausgelegt. Alles sehr ländlich, die Einwohner entsprechend einfach und engstirnig, jeder kennt jeden, jeder hat etwas mit jedem, alle scheinen einem Western entstiegen und wenn eine Hauptfigur nach einem Handy greift, hat man das Gefühl, in eine andere Zeitebene gerissen zu werden. Ich fand es vor allem schade, dass diese ganzen Klischees eng in Verbindung zu den zentralen Hauptfiguren standen. Wenn man nicht irgendwelche Schauspieler an der Hand hat, sondern welche mit einer gewissen Erfahrung, teilweise sogar aus preisgekrönten Produktionen, dann ist das schon sehr plump. Gerade bei John Carroll Lynch als Rick Legarski und seiner Frau Merrilee (Brooke Smith) hat es sich mir fast schon umgedreht, wenn sie darüber reden, dass sie gerne mal wieder angefasst würde, während er nur zu denken scheint "Mutter, schweig!".

Auch wenn durch diese Passagen sicherlich eine Geschichte in Gang gebracht werden soll, haben es diese Sequenzen für mich nicht gebracht. Nur gut, dass der Pilot auch noch aus einer zweiten großen Teilhandlung besteht und das ist das Verschwinden zweier Jugendliche (gespielt von Natalie Alyn Lind und Jade Pettyjohn). Hier war ich zunächst sehr überrascht, dass die Entführung der beiden nicht mehr als Mysterium inszeniert wurde, sondern dass völlig mit offenen Karten gearbeitet wurde. Das ermöglicht es zu einem, dass wir in den Kopf des Bösen gucken können. Schon in Thrillern bin ich immer besonders fasziniert, wenn es eine mitreißende Innenperspektive des Täters gibt. Zum anderen kommt es immer wieder zu recht brutalen Szenen. Nicht falsch verstehen, ich sehe so etwas wahrlich nicht gerne, aber aufgrund des Hinplätscherns in der anderen Handlungshälfte, rüttelt das wach und es macht neugierig. Denn wenn man alles mitbekommt, wenn es keine Geheimnisse gibt, was wird die Serie dann wohl erzählen?

Je weiter der Pilot voranschreitet, desto mehr drängt sich dem Zuschauer das Gefühl auf, dass diese Serie nicht einfach in eine Schublade zu drängen ist. Während in der einen Hälfte alles nach Schema F abläuft, ist das zweite Hälfte so unvorhersehbar und mitreißend, dass es ein Geschenk ist, dass die beiden Teilhandlungen letztlich zusammenfinden. Und statt dass nun alles Schema F ist, ist alles unvorhersehbar, denn es kommt zu DIESEM Ende. Zuletzt hat wohl "This Is Us" mit so einem WTF-Moment zum Ende eines Piloten aufgewartet, aber "Big Sky" kann hier definitiv locker mithalten. Man hat gespürt, dass noch etwas kommen muss, aber das? Jedenfalls ist das von Kelley und Co. ein genialer Schachzug, denn wer schaut nach einem solchen Ende nicht weiter? Hier dürfte nun erstmal jeder am Haken sein, auch wenn damit eine durchgängig gute Dramaserie noch lange nicht gewährleistet ist.

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Fazit

"Big Sky" habe ich wegen des Casts gespannt entgegen gesehen und war dann doch herb enttäuscht, dass der Pilot mit so vielen Klischee und plumpen Dialogen auffährt. Aber das ist zum Glück nur die halbe Wahrheit über den Serienauftakt, denn die zweite Hälfte des Geschehens ist es, die Lust auf mehr macht. Spätestens nach dem Ende der Episode, wonach man den Mund erstmal ewig nicht mehr zubekommt, ist klar, dass die Serie länger eine Chance bekommen wird. Hier setze ich auf den erfahrenen Serienmacher Kelley, dass das nicht verbockt wird.

Lena Donth - myFanbase

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