Der schüchterne Heckenritter und der lachende Sturm

Der Fokus von "A Knight of the Seven Kingdoms", das seit dem 19. Januar 2026 bei HBO Max zu sehen ist, liegt ohne Zweifel auf der Hauptfigur des Heckenritters Dunk. Warum sich Serienmacher Ira Parker bewusst dafür entschieden hat, sich die Zeit zu nehmen, die Geschichte zu entwickeln, erzählte er uns im Interview. Zudem verriet uns Daniel Ings, wie der 'Lachende Sturm' Lyonel Baratheon frischen Wind in das Leben des schüchternen Dunk brachte.

Foto: Peter Claffey & Daniel Ings, A Knight of the Seven Kingdoms - Copyright: Steffan Hill/HBO
Peter Claffey & Daniel Ings, A Knight of the Seven Kingdoms
© Steffan Hill/HBO

Die neue HBO-Max-Serie "A Knight of the Seven Kingdoms" ist seit dieser Woche in Deutschland zu sehen und Fans müssen sich nach dieser ersten Folge noch an den neuen Ton gewöhnen, der nun in Westeros herrscht. Obwohl die Serie sehr originalgetreu auf den Dunk-und-Egg-Novellen von George R.R. Martin basiert, kommt es für viele "Game of Thrones"-Fans überraschend, wie ruhig und geerdet die neue Serie daher kommt. Im Gespräch mit Ira Parker und dem Cast der Serie, das wir im Rahmen der HBO-Max-Premiere in Berlin vergangene Woche führen konnten, wurde deutlich, warum man sich bewusst dafür entschieden habe, der Geschichte etwas Zeit zu geben. "Von Beginn an war klar, dass wir so viel wie möglich aus Dunks Perspektive erzählen müssen", so Parker. "In jedem einzelnen Moment muss es sich so anfühlen, als wäre seine gelebte Erfahrung unsere gelebte Erfahrung." Er sehe dabei sehr viel von Dunk in sich selbst und glaube auch, dass das Publikum viel von ihm in sich selbst wiedererkennen könnte. "Einen so sympathischen, hoffnungsvollen, fast schon naiven Optimisten zu haben, ist ein wirklich interessanter Einstieg in diese Welt." Bodenständigkeit und Authentizität seien zwei Aspekte, die ihm bei der Entwicklung sehr wichtig gewesen seien. "Wir möchten, dass die Menschen sich einfach zurücklehnen und Westeros so genießen können, dass es sich nahtlos in ihr normales Leben einfügt." Und dafür wäre es wichtig gewesen, dass man sich mit Dunk identifizieren könne – deshalb auch der große Fokus auf seinen inneren Monolog, seine Zweifel und Eigenheiten. "[Dunk hat] die Fähigkeit alles Mögliche auszuhalten, wieder aufzustehen und wieder einen Fuß vor den anderen zu setzen. Ich denke, dass ist seine einzige Superkraft." Und auch diese Aussage von Ira Parker klingt nach: "Fernsehen ist am besten, wenn es um Charaktere geht!" Sie macht deutlich, dass man hier nicht einfach nur eine erwartbare "Game of Thrones"-Geschichte erzählen wollte, um die Cash-Kuh weiter zu melken, sondern wirklich Wert darauf gelegt hat, mit diesen Figuren einen Mehrwert für die Fans zu schaffen.

Interview: Zurück nach Westeros! Ira Parker und sein "A Knight of the Seven Kingdoms"-Cast über das neue "Game of Thrones"-Spin-Off

Foto: Ira Parker im Rahmen des HBO Max Launch Events in Berlin (12. Januar 2026) - Copyright: David Jon/Getty Images for HBO Max
Ira Parker im Rahmen des HBO Max Launch Events in Berlin (12. Januar 2026)
© David Jon/Getty Images for HBO Max

Wer Gewalt, Drachen und Sex wie bei "Game of Thrones" erwartet, der ist hier an der falschen Adresse – zumindest noch. Man habe sich vorgenommen, der Buchvorlage von George R.R. Martin sehr treu zu bleiben und auch diese sei zu Beginn ein wenig leichter, so Parker. "Die Geschichte erfordert nicht den Sex, den wir aus der Hauptserie oder 'House of the Dragon' kennen." Das heiße nicht, dass es solche Szenen nicht auch eines Tages geben werde, aber "das ist noch kein Teil von Dunks Geschichte." Und mit einem Blick auf Blut und Gewalt teaste er, dass die Fans einfach dranbleiben sollten.

"Außenseiter, die erwachsen werden." – "Das ist der Doppelwumms!"

Auch im Gespräch mit Sam Spruell (Maekar Targaryen) und Daniel Ings (Lyonel Baratheon) wurde deutlich, dass dieser Fokus auf die Charaktere eine große Bedeutung für sie hatte. "Es ist wirklich erfrischend zu sehen, dass es hier um zwei Leute geht, die einfach nur ihren Weg finden wollen", so Ings. "Einer von ihnen ist ein Heckenritter, der unter einem Baum lebt und einfach nur versucht, sich einen Namen zu machen." Das habe ihn fasziniert. Spruell ergänzte, dass wohl jeder eine Geschichte übers Erwachsenwerden liebe, woraufhin Ings begeistert einwarf: "Und auch eine Underdog-Geschichte!" Der Doppelwumms ("double whammy") war geschaffen: "Außenseiter, die erwachsen werden." Wer kann sich dem noch entziehen?

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Für sich selbst hätten sie die Freiheiten genossen, die eine Nebenrolle mit sich bringe. Man hinterfrage immer, wie groß man seine Performance machen dürfe, wenn man eine Nebenrolle spiele, die aber wie in diesem Fall durchaus wichtig ist, gibt Spruell zu. "Aber gerade die Tatsache, dass es sich um Nebenrollen handelt, gibt dir auch mehr Freiheiten, sozusagen ein bisschen mehr Würze, um Dinge auszuprobieren." Das habe seiner Meinung nach auch zu einer Veränderung innerhalb der Serie geführt. "Es wurde auch ein bisschen zur Philosophie der Serie, wie wir, abgesehen davon, dass wir diese Geschichte wirklich wahrheitsgetreu erzählen, dazu beitragen können, den Charakter der Serie so zu gestalten, dass sie zu einer eigenständigen Serie wird, die sich von ihren Geschwistern in derselben Welt unterscheidet."

"Ich frage mich, ob der Lachende Sturm niemals lacht."

Mit dieser Frage hat Serienmacher Ira Parker den Darsteller ebendieses Lachenden Sturms, Daniel Ings, ziemlich aus der Fassung gebracht. Ser Lyonel Baratheon trägt im "Game of Thrones"-Universum den Beinamen 'Der Lachende Sturm', doch die Auslegung dieses Namens konnte in viele Richtungen gehen. "Der Name bringt gewissermaßen Ballast mit sich", so Ings. Er habe sich viel mit der Frage befasst, was der Ursprung seiner Freude sei. "Er wird der Lachende Sturm genannt, weil er die Angewohnheit hat, auf dem Schlachtfeld zu lachen – ein ziemlich düsterer Gedanke. Jemand, der Freude an Gewalt und Tod findet, weil er es anscheinend so aufregend findet." Nun galt es zu hinterfragen, wie eine solche Person sich im Alltag verhalte und genau das hatte Parker wohl mit seiner Rhetorik beabsichtigt.

Foto: Daniel Ings im Rahmen des HBO Max Launch Events in Berlin (12. Januar 2026) - Copyright: David Jon/Getty Images for HBO Max
Daniel Ings im Rahmen des HBO Max Launch Events in Berlin (12. Januar 2026)
© David Jon/Getty Images for HBO Max

In Episode 1 von "A Knight of the Seven Kingdoms" lernen wir Ser Lyonel Baratheon als Lebemann kennen. Sein von Kerzen hell erleuchtetes Zelt ist sozusagen der Party-Hotspot bei dem Turnier in Ashford Meadow und so dauert es nicht lang, bis auch Dunk sich dort wiederfindet, denn er muss Kontakte knüpfen, um überhaupt an den Start gehen zu dürfen. Der Alkohol fließt und das reichhaltige Essen kommt für einen Mann, der sonst unter einem Baum lebt und sich von Brot und Trockenwurst ernährt, gerade recht. Und dann ist dort dieser Anführer aus dem hohen Haus Baratheon, der mit seiner Geweihkrone schon von weitem gut zu erkennen ist. Nun ist Dunk aufgrund seiner Statur eigentlich nicht zu übersehen und so will auch Ser Lyonel bald wissen, wer der Neuling unter seinen Gästen ist. Hier kommt nun ins Spiel, wie sich der Lachende Sturm im Alltag verhält. Er befindet sich hier nicht auf einem Schlachtfeld, aber ein gewisses Misstrauen ist in diesen Zeiten wohl nie verkehrt. "Ich wollte eine gewisse Unberechenbarkeit einbringen", so Ings. Man solle sich die ganze Zeit fragen: "Was wird dieser Typ als nächstes sagen?" – "Was macht er jetzt?" – "Wird er jemanden ins Gesicht boxen oder auf den Rücken klopfen und beste Freunde mit ihm werden?" Genau diese Unberechenbarkeit und auch eine gewisse Verwegenheit führt zu einer der herausragendsten Szenen dieser Episode, wenn nicht sogar der ganzen Serie: Lyonel und Dunk tanzen miteinander.

Review des Piloten: A Knight of the Seven Kingdoms

"Ich kann tanzen. Ich kann mich bewegen...", berichtet Ings. Spruell begann daraufhin zu lachen und meinte: "Das ist Ansichtssache, aber ja, es war großartig für die Figur." Tatsächlich war diese Szene von Tänzern aus der Nähe von Belfast choreographiert und auch einige Zeit lang mit den beiden Schauspielern geprobt worden. "Es hat so viel Spaß gemacht, das mit ihm zu erarbeiten und diese verrückte Choreografie zusammenzustellen, die wirklich zeigt, wie unterschiedlich diese beiden Männer sind", erinnert sich Ings. Peter Claffey ergänzte: "Wir haben uns bemüht, die Situation so peinlich und albern wie möglich zu gestalten, aber gleichzeitig die besondere Atmosphäre zwischen den beiden aufrechtzuerhalten."

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Für Ings blieb diese Szene übrigens nicht ohne Folgen. Wie Peter Claffey auf die Tanzsszene angesprochen verriet, brach er ihm bei den Dreharbeiten einen Zeh. "Als wir dann die Nahaufnahmen von dem 'auf den Fuß treten' machten, waren wir so müde, dass ich tatsächlich auf seinen Fuß getreten bin und unglücklicherweise einen seiner mittleren Zehen gebrochen habe." Man hatte sich bis zur völligen Verausgabung getanzt. "Er ist ein großer Typ und der Fuß wiegt einiges", erinnerte sich Ings. "Ich hatte das schon wieder komplett vergessen." Etwas positives konnte er diesem Moment aber lachend abgewinnen: "So musste ich schon weniger schauspielern. Die Reaktion [von Lyonel] war authentisch." Erneut unterbrach ihn Spruell mit einem Augenzwinkern: "Und die Tränen in den Augen." – "Auch die Tränen waren authentisch", so Ings. Die Sache sei aber längst verziehen. "Er ist so ein liebenswerter Mensch. Man konnte sehen, was er für ein schlechtes Gewissen hatte."

Dunks erster Schritt – Ein langsamer Anfang

Nachdem Dunk nun sozusagen einen Fuß in der Tür hat – als er ihn wieder von Lyonels Fuß genommen hat – ist der erste wichtige Schritt getan. Die Erzählweise dieser Geschichte mag langsam wirken, doch Ira Parker hat erklärt, warum er sich bewusst für diese Inszenierung entschieden hat. Nun ist es an den Fans, ihm das Vertrauen entgegen zu bringen und dranzubleiben. In den kommenden Beiträgen werden wir auf weitere Aspekte von "A Knight of the Seven Kingdoms" eingehen und euch zusätzliche Einblicke geben, welche Erinnerungen an die Dreharbeiten der Cast der Serie mit uns geteilt hat.

Die erste Folge der neuen HBO-Max-Serie "A Knight of the Seven Kingdoms" könnt ihr seit dem 19. Januar 2026 in Deutschland streamen. Jeden Montag wird eine neue Folge veröffentlicht.

Die Serie "A Knight of the Seven Kingdoms" ansehen:

Catherine Bühnsack - myFanbase

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