A Knight of the Seven Kingdoms - Review des Piloten

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Fast 15 Jahre ist es her, dass "Game of Thrones" in den USA Premiere feierte und zu einem weltweiten Erfolg wurde. Ich zähle wohl zu den wenigen Personen, die die Serie bisher nicht gesehen haben, aber an solch einem Phänomen kommt man natürlich nicht vorbei, ohne nicht doch über einige Handlungsstränge oder auch die wichtigsten Figuren zu erfahren. Nun hat sich mit dem Start von HBO Max in Deutschland am 19. Januar 2026 die Gelegenheit ergeben, einen Blick in das neueste Spin-Off "A Knight of the Seven Kingdoms" zu werfen. Als GoT-Newbie gehe ich wahrscheinlich mit einer anderen Erwartungshaltung und ohne große Vorkenntnisse über die Welt von Westeros an die Serie heran, daher erwartet bitte nicht, dass ich hier viele Vergleiche zur Mutterserie ziehe.

Foto: Peter Claffey & Dexter Sol Ansell, A Knight of the Seven Kingdoms - Copyright: Steffan Hill/HBO
Peter Claffey & Dexter Sol Ansell, A Knight of the Seven Kingdoms
© Steffan Hill/HBO

Aber vielleicht ist genau das auch die Chance "A Knight of the Seven Kingdoms" möglichst neutral zu betrachten. Ich habe keine Erwartungshaltung, die durch "Game of Thrones" geschürt werden konnte und mit der das erste Spin-Off "House of the Dragon" stellenweise zu kämpfen hatte. Ich kenne die Geschichte von Dunk und Egg auch nicht aus George R.R. Martins Buchvorlage über den Heckenritter von Westeros. Ich versuche diese Serie aufzunehmen, wie ich an jede neue Serie herangehe. Können mich die Charaktere und ihre Handlung packen, so dass ich die weiteren Episoden gar nicht erwarten kann? Wenn ja, top, und wenn nein, warum ist das so?

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Und natürlich kann man bei dem medialen Hype, den "Game of Thrones" und seine Besetzung in den letzten 15 Jahren ausgelöst haben, nicht vollkommen ohne Erwartung an eine solche Serie herangehen. Nachdem an diversen Spin-Offs gearbeitet wurde, waren es "House of the Dragon" und nun eben "A Knight of the Seven Kingdoms", die sich durchgesetzt haben. Was macht letztere also besonders, dass sie die strenge Vorauswahl überstanden hat?

Für mich ist es auf den ersten Blick die in sich relativ geschlossene Geschichte. Wir lernen mit Dunk und seinem späteren Begleiter Egg zwei Personen kennen, die zwar in Westeros leben, dem ersten Anschein nach aber wenig mit der bei Fans bereits bekannten Welt der Königshäuser und Machtspiele zu tun haben. Dunk (Peter Claffey) hat den Tod seines Ziehvaters, dem Ritter Ser Arlan of Pennytree (Danny Webb), zu verschmerzen und versucht nun selbst in dessen Fußstapfen zu treten, was sich als ziemlich schwierig herausstellt. Neben den Hürden, als Ritter anerkannt zu werden, und dem Spott, dem er als sogenannter Heckenritter ausgesetzt ist, befasst er sich auch mit der Frage, in was für Fußstapfen er überhaupt treten will. Wer war der Mann, der ihn einst als Knappe unter seine Fittiche nahm und ist dessen Lebensweise überhaupt erstrebenswert? Doch was macht man, wenn man kein anderes Leben kennt und man nur das hat, was man am Leib oder auf dem Rücken seiner drei Pferde bei sich trägt? Man will sein Glück wenigstens mal versuchen und dank seiner stattlichen Größe könnte Dunk ja durchaus in dem ein oder anderen Kampf eine gewisse Chance haben. Zudem ist es nicht verwunderlich, dass er ein gewisses Mitleid für den Waisenjungen Egg (Dexter Sol Ansell) entwickelt, als dieser ihn bittet, ihn begleiten zu dürfen und zu seinem Knappen zu werden. Immerhin erkennt er viel von sich selbst in dem Jungen und muss sich auch eingestehen, dass er auf sich allein gestellt seinem Ziel, Ritter zu werden, wohl noch lange hinterher träumen muss. Widerwillig werden die beiden also zu einer Einheit und es bleibt abzuwarten, wer letztendlich mehr auf den jeweils anderen angewiesen ist.

Foto: A Knight of the Seven Kingdoms - Copyright: HBO
A Knight of the Seven Kingdoms
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Auffallend ist, dass sich die Geschichte sehr auf Dunk fokussiert und alle anderen Begegnungen bisher wie Nebenfiguren wirken, selbst Egg (in dieser ersten Episode), obwohl die Schauspielerinnen auch zum Hauptcast gehören. Man muss sich mit dieser Hauptperson oder ihrem Schicksal also irgendwie identifizieren können, um sich für ihre Geschichte zu interessieren, da wir hier nicht mehrere parallele Schauplätze und Hauptfiguren haben. Wir sehen und hören, was Dunk sieht und werden auch Zeuginnen seiner Erinnerungen, wenn auch teilweise nur in Schnipseln. Mir ist es bisher aber noch etwas schwer gefallen, Dunk ins Herz zu schließen. Seine Selbstgespräche oder kurzen Interaktionen bringen uns seine Gedankenwelt zwar näher und trotz seiner Statur wirkt er eher schüchtern und unbeholfen, aber so ganz bin ich mit ihm noch nicht warm geworden. Aber vielleicht ist auch genau das noch Teil der Entwicklung dieser ersten Staffel. Vielleicht ist es sein Draht zu Egg, der ihn langsam auftauen lässt, oder sein Ziel, Ritter zu werden, wodurch er zu sich selbst findet, was ihn dann menschlicher und nahbarer macht.

Dass man bei "A Knight of the Seven Kingdoms" auf Qualität gesetzt hat, sieht man sogleich an den aufwendig gestalteten Sets und Kostümen, die einen sofort in diese mittelalterlich wirkende Welt von Westeros eintauchen lassen. Darin steht die Serie ihren Vorgängern in nichts nach, würde ich sagen. Die gesamte Bildsprache passt in die Welt von "Game of Thrones" und wird auch Fantasy-Fans abholen, die wie ich dieses Franchise bisher noch nicht erkundet haben. Die Serie kommt jedoch etwas lustiger daher und nicht so düster, wie das Original den Anschein hat. Die Dialoge und auch ein paar flache Gags können zusammen mit der Situationskomik doch für einige Lacher sorgen. Für mich teilweise etwas zu übertrieben, aber für ein paar Schmunzler haben die Szenen dennoch gereicht. Darüber hinaus wird die Geschichte sehr ruhig, geradezu langsam erzählt. Man nimmt sich Zeit, die Figur des Dunk und ihre Beweggründe vorzustellen. Und gemeinsam mit ihr arbeiten wir nun also ab, was dafür getan werden muss, um ein angesehener Ritter zu werden. Das mag auf den ersten Blick etwas langatmig und vorhersehbar wirken, doch ich hoffe, dass man in den kommenden Folgen noch etwas Tempo in die Geschichte bringen kann. Nach Folge 1 ist auf jeden Fall der Grundstein für die Geschichte gelegt und es bleibt dem Publikum überlassen, ob man nun tiefer einsteigen möchte oder nicht. Es wird kein Cliffhanger gesetzt, der einen zwingt, unbedingt weiterschauen zu müssen. Vielleicht ist gerade das aber auch ein Fehler, da ich nach dieser ersten Episode doch etwas zwiegespalten bin, wie mir der Auftakt von "A Knight of the Seven Kingdoms" denn nun gefallen hat. Ein klares Urteil fällt mir hier schwer, da eigentlich noch gar nichts passiert ist. Die Begeisterung hält sich also in Grenzen, aber die Neugier auf die Geschichte ist auch ein wenig geweckt. Irgendwie möchte ich ja doch wissen, warum gerade diese Serie es geschafft hat, als "Game of Thrones"-Spin-Off entwickelt zu werden. Ich hoffe sehr darauf, dass die Charakterentwicklung, nicht nur von Dunk, zu einem besonderen Qualitätsmerkmal dieser Serie wird.

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Für "Game of Thrones"-Fans gibt es sicherlich noch einige weitere Anspielungen, die ich nicht alle erkannt habe. Mir sind einige Wappen aufgefallen und natürlich das Auftauchen von Ser Lyonel Baratheon (Daniel Ings), der Name eines der Häuser aus "Game of Thrones". Kenner*innen der Originalserie oder der Bücher erkennen hier vielleicht typische Familienmerkmale wieder - für mich war es lediglich die Geweih-Krone, die in so ähnlicher Form auch bereits bei anderen Familienmitgliedern vorkam. Es dürfte aber sicherlich interessant sein, weitere Mitglieder der bekannten Häuser kennenzulernen, schließlich dreht sich "House of the Dragon" nicht grundlos um die Vorgeschichte der Targaryens und auch bei "A Knight of the Seven Kingdoms" werden Mitglieder dieses Hauses noch eine zentrale Rolle spielen, wie nicht zuletzt der Trailer bereits verraten hat. Die Serie schließt also eine gewisse Lücke in der Geschichte zwischen "House of the Dragon" und "Game of Thrones" und gibt vielleicht noch Einblicke in die Entwicklung der Häuser von Westeros.

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Fazit

"A Knight of the Seven Kingdoms" ist eine eigenständige Geschichte aus dem "Game of Thrones"-Universum, die gut 100 Jahre vor dem Kampf um den Eisernen Thron spielt. Wir begleiten einen jungen angehenden Ritter bei seiner Reise durch Westeros und bei seiner Selbstfindung und dürfen uns sicher noch auf einige Abenteuer mit seinem jungen Begleiter Egg freuen. Die erste Folge bildet die Basis für diese Serie und stellt uns die Ausgangslage hinreichend vor. Ob sie aber neugierig darauf macht, wie es mit Dunk und Egg weiter geht, muss jede*r für sich entscheiden. Vollständig überzeugt hat sie mich leider noch nicht.

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Catherine Bühnsack - myFanbase

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