Bewertung: 3

Review: #1.19 Die Stimme

Foto: Jake McLauglin & Tate Ellington, Quantico - Copyright: 2016 ABC Studios; ABC/Jonathan Wenk
Jake McLauglin & Tate Ellington, Quantico
© 2016 ABC Studios; ABC/Jonathan Wenk

Bei vielen neuen Serien ist die erste Staffel ein wahrer Genuss und man kann einfach nicht genug davon bekommen. Leider sieht es bei "Quantico" ein wenig anders aus, da man bereits innerhalb der ersten Staffel in Verhaltensmuster verfällt und es zeitweise nicht schafft, spannende und logische Geschichten zu kreieren. Genau deshalb bin ich mit dieser Folge auch ziemlich unzufrieden, weil mir so viele Logikfehler und Ausflüchte aufgefallen sind, dass man die ansatzweise bedeutenden Geschichten garnicht mehr richtig genießen konnte.

Shelby & Alex

Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: Nachdem Shelby zuvor den Fluchtwagen von Will und Simon gefahren hat, warf man natürlich die Frage auf, ob sie der Terrorist (ich möchte lieber nicht damit anfangen, ihn/sie 'The Voice' zu nennen, da ich mich dabei einfach zu sehr an die fröhliche Castingshow erinnert fühle) ist. Es ist zwar logisch, dass die Autoren uns jeden der Rekruten als Terrorist schmackhaft machen wollen und so versuchen, unser Interesse bei der Stange zu halten und neue Spekulationen zu schüren, dennoch mag ich es generell nicht, dass sie ihre Handlungen nach einem kleinen Leckerbissen immer erst einmal für eine oder mehrere Episoden gnadenlos fallen lassen. Genau so war es auch mit der Fragestellung rund um Shelby, denn die letzte Episode hatte null Fokus auf sie und konzentrierte sich in der Gegenwartshandlung lediglich auf Caleb. Dass man sich nun wieder mit den Anschuldigungen gegen sie auseinandersetzt, wirkte daher auf mich von Beginn an überfällig und es war eigentlich klar, dass die Autoren sofort wieder einlenken und Shelby in ein unschuldiges Licht rücken.

Richtig furchtbar fand ich in diesem Zusammenhang das Hereinplatzen von Alex beim FBI in das Gespräch von Miranda und Shelby. Was zum Teufel nimmt sie sich eigentlich alles heraus?! Alex ich noch nicht mal seit einem Jahr beim FBI, stürmt aber durch alle Türen und unterbricht Gespräch von ihr übergeordneten Personen? Sorry, aber die ach so perfekte Alex heimst sich damit immer mehr Antipathiepunkte ein und es macht wirklich keinen Spaß mehr, ihren Feldzug zu verfolgen.

Als wäre diese Tatsache nicht schon lächerlich genug, sorgt man durch ein grauenhaftes Makeup von Miranda und Shelby (dass sicherlich unterstreichen soll, dass sie beide der Bösen Seite angehören könnten und wie sehr sie sich seit Quantico verändert haben) auch noch dafür, dass man die beiden Figuren überhaupt nicht ernst nehmen kann.

Bei dieser Storyline übertrifft sich "Quantico" jedoch in jeder Szene erneut und das im negativsten Sinne. Immer wenn man denkt, es könnte nicht noch schlechter werden, belehrt man uns eines Besseren. Denn im Gespräch zwischen Alex und Shelby entdeckt die allwissende Alex sofort, dass Shelby ihr über Morsecode eine Botschaft übermitteln möchte. Im Ernst?! Falls Shelby und Alex in diesem Moment tatsächlich von dem Terroristen belauscht werden, wird sicherlich auch der so clever sein, den Morsecode zu entschlüsseln und im sichern Treppenhaus des FBI gibt es keine Kameras, die die beiden ausspionieren könnten?

Ich verstehe ja durchaus, dass man uns Alex' als die ultimative Heldin verkaufen will, aber anhand der letzten Reviews ist deutlich, dass selbst Helden ihre Schwachstellen haben sollte und dass sie Fehler haben müssen, damit man sie ins Herz schließen kann. Genau das ist den Autoren der Serie allerdings deutlich abhanden gekommen, weshalb die Hauptfigur von Folge zu Folge unsympathischer wirkt.

Will

Der einzige Punkt, der in dieser Episode für Fortschritt gesorgt hat, war die finale Begegnung von Will, Alex und Shelby. Ich möchte mich lieber nicht darüber auslassen, dass es Alex und Natalie (ein Wunder ist geschehen, ihre Mutter wird auf Natalies Abwesenheit aufmerksam... nur leider ein paar Folgen zu spät, als dass man diese Emotionen noch glaubwürdig nutzen könnte. Weiterer negativer Punkt: Warum spricht Rosa Ryan so förmlich an, obwohl er in einer Beziehung mit Natalie war?) zuvor auch schon gelungen ist, dem Terroristen nachzuspüren und konzentriere mich daher lieber auf die positiven Nebeneffekte: Wir wissen nun, was das Ziel des Terroristen ist : eine Atombombe. Auch wenn diese Entdeckung spektakulär wirken soll, so kann ich mir einfach nicht ausmalen, dass Heldin Alex es nicht schafft, ihr geliebtes Heimatland vor der Detonation zu bewahren. Man fühlt sich mittlerweile wie in einem modernen Märchen. Es gibt eine Heldin, die reichlich Mängel hat (denken wir nur an Schneewittchen und die mehrmaligen nahezu erfolgreichen Versuche der bösen Königin, sie aus dem Weg zu räumen) und trotz ihrer vielen Mängel (Schneewittchen ist so häufig auf ihre Stiefmutter hereingefallen, dass es schon unglaubwürdig wurde) hat sie es dennoch geschafft, den Fiesling in die Schranken zu weisen.

Uns allen ist mittlerweile klar, dass Alex garnicht anders kann, als am Ende der Staffel erfolgreich zu sein und dass sie eine eigenartig verzerrte Symbolfigur Amerikas darstellt. Dieses Wissen macht die Serie leider immer uninteressanter. Da hilft auch Wills plötzlicher Tod nicht (was für ein Verlust, den Charaktere mochte ich wirklich).

Quantico

Die Gegenwartshandlung hat einen Großteil der Episode ausgemacht, was zum Ende der Staffel wirklich schade ist. Denn da beide Handlungsstränge mittlerweile nur noch zweitweise korrelieren, will man eigentlich nur noch wissen, wer der Terrorist ist und vor allem warum. Die Vergangenheitshandlung bringt uns in diesem Punkt scheinbar keinen Schritt weiter und fokussiert stark auf Caleb und 'Sistemics'. Es war nur eine Frage der Zeit, bis es dort zum Showdown kommt, doch dieser wurde leider nur nebenbei eingeleitet und war garnicht wirklich Teil der Story. Ich finde es sehr schade, dass man die Gelegenheit, hier einen roten Faden zu knüpfen und die Terroristengeschichte mit der von 'Sistemics' zu verbinden, augenscheinlich nicht nutzt. Über den Rest der Quantico-Handlung gibt es in meinen Augen leider auch sonst nur negatives zu sagen, da die Geschehnisse entweder vorhersehbar oder unlogisch waren.

Vorhersehbar fand ich die ganze Szenerie rund um Raina und Nimah. Yasmine Al Masri, die ich sonst gern lobe, musste hier leider nur auffällige, vorhersehende, besserwissende Gesichtsausdrücke zeigen, die überhaupt nicht zu ihrer Figur passen. Natürlich stellen Nimah und Raina gern ihr Können unter Beweis, doch besonders die zurückhaltende Raina würde ihren Vorgesetzen niemals so ankreiden, wie es in dieser Episode geschehen ist. Von Beginn an war abzusehen, dass Nimah und Raina mit Marshall nicht gut klarkommen und gegen den Baum fahren werden.

Nicht weniger schlecht war die Storyline rund um Drew. Man ahnte sofort, dass Alex (nachdem die heftige Lovestory schnellstmöglich abgehakt wurde) ihn ausliefern wird. Das war für mich jedoch nicht das Schlimmste. Viel mehr habe ich mich über die Logiklücken der Handlung geärgert. Will man uns allen Ernstes erzählen, dass das FBI die medizinischen Test der Rekruten erst ganz zum Schluss durchführt, wie man uns in der letzten Episode gezeigt hat? Man bildet also erst einmal einen Haufen Leute aus und sortiert dann, wer körperlich zu dem Job in der Lage ist? Das ist blanker Unsinn!

Auf die 'Sistemics'-Handlung hatte ich mich eigentlich sehr gefreut, doch schnell wurde klar, dass man auch hier den Stecker zieht, bevor es an der Zeit ist. Ich hätte gern mehr von Calebs Infiltrationsversuchen gesehen, aber leider schaffte es 'Quantico' nicht, zu erkennen, wann es eine interessante Geschichte geschrieben hat.

Fazit

Für mich war dies die bisher enttäuschende Episode der Staffel. Die Logikfehler häufen sich und man legt es scheinbar darauf an, vielversprechende Geschichten frühzeitig zu kappen, nur um Superheldin Alex weiter im Scheinwerferlicht stehen zu lassen, was schon längst keiner mehr sehen will.

Marie Florschütz - myFanbase

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