Bewertung: 7

Review: #9.00 Psych - Der Film

In den letzten Jahren gab es einen ungeheuren Boom an Rivivals. Etliche Serien kamen in den Genuss einer verspäteten zweiten Runde und manchmal entwickelten sich richtig gute Geschichten. Andere lebten eher von den nostalgischen Elementen. "Psych" hatte das Glück, dass man über die Einstellung frühzeitig Bescheid wusste und der Serie einen großartigen, durchdachten und würdigen Abgang verschaffen konnte. Der Film, der Mitte 2017 angekündigt war, ist also eher ein netter Bonus, als der Versuch, unzufriedene Fans zufrieden zu stellen.

"Gus, don't be the tender sweetness of a seasick crocodile."

Vorneweg: Der Film ist ein netter, harmloser Zeitvertreib. Er gibt den Charakteren, allen voran Shawn Spencer, die gewohnte Bühne zum Faxen machen, aber treibt auch die Charakterentwicklung ein wenig weiter. Wie sooft bleiben vor allem die sekundären Charaktere ein wenig blass, was bei "Psych" jedoch nie wirklich ins Gewicht fällt.

James Roday und Dulé Hill spielen Spencer und Guster, als würden sie tagtäglich nichts anderes machen, als zusammen abzuhängen und Unsinn zu treiben. Noch immer ist Shawn der Tagträumer, der genau das tut, was ihm Spaß macht, während sein bester Freund die Nase darüber rümpft, ihn jedoch bedingungslos bei seinem Schabernack zur Seite steht. Es ist alles genau so, wie vor drei Jahren, als die beiden Santa Barbara hinter sich gelassen haben, um in San Francisco neu anzufangen. Beide streiten sich, nerven sich und freuen sich doch immer, wenn sie sich wieder in ein Abenteuer stürzen, das nicht selten lebensbedrohlich wird, weil Shawn mal wieder keine Grenzen kennt. Aber mal ehrlich, das ist es, was man erwartet bei "Psych". Die Freundschaft von Shawn und Gus, ihre Abenteuer... das ist das Herzstück der Serie.

"I can clean up my own messes."

Auch bei den Detectives hat sich wenig geändert. Juliet ist noch immer die aufstrebende Polizistin, die geduldig dabei zusieht, wie ihr Freund einen Schmarrn nach dem anderen verzapft. Karen Vick ist die Mama, die die Verrücktheiten in Grenzen hält und Shawn gerade so viel Spielraum lässt, dass er seinen Drang, Polizist zu spielen, ausleben kann, ohne großen Schaden anzurichten. Und Lassiter… Lassiter ist das Quäntchen, das dem Film fehlt, um wirklich, wirklich witzig zu sein. Seine kleine spielerische Fehde mit Shawn fehlt. Es fehlt der Schlagabtausch zwischen den beiden so ungleichen Männern. Es fehlen aber auch die freundschaftlichen, manchmal sogar väterlichen Momente mit Juliet.

Lassiter hat nur einen winzig kleinen Auftritt am Telefon, als Juliet am dringendsten Zuspruch braucht. Vor dem Hintergrund, dass Timothy Omundson kurz vor dem Start der Dreharbeiten einen Schlaganfall erlitten hatte, ist dieser Auftritt das beste, worauf man hoffen konnte. Lassiter fehlt jedoch dennoch an allen Ecken und Enden. Er ist das Yin zu Shawn Spencers Yang.

Apropos Yin und Yang… Es gibt zahlreiche Anspielungen auf Episoden aus den vergangenen Staffeln und der Bezug auf Yin und den Fall um den Serienkiller ist weise gewählt, immerhin ist der Fall der einzige, der in der Serie einen größeren Stellenwert eingenommen hat. Daher ist es nicht verwunderlich, dass man ihn hier weiterspinnt und zu einem Ende bringt. Es ist der Fall, der Juliet am stärksten beeinflusst hat. Es ist der Fall, der Shawn am stärksten gefordert hat. Es ist der Fall, der allem am meisten in Erinnerung geblieben ist. Die Auflösung, wer am Ende hinter dem Rachefeldzug gegen Juliet steht, ist spätestens mit dem Auftauchen von Mary Lightly nicht mehr wirklich spannend, aber sie ist dennoch gut gemacht. Wenngleich mal leider sagen muss, dass der Fall insgesamt eher ein wenig harmlos daher kommt.

Zu keiner Zeit wird wirklich klar, wie der Rachefeldzug von Billy McGoldrick tatsächlich Früchte tragen soll und die angedeutete "schlimmen Dinge", die Juliet in der Vergangenheit getan haben soll, entpuppen sich schnell als kleine Regelverstöße, die für sie keinerlei Konsequenz haben werden, weil sie einfach kein Gewicht haben. Es mag einen Mann vielleicht ärgern, dass eine rechtschaffene Polizistin ihm in den Rücken gefallen ist und ihn eingebuchtet hat, aber zu keinem Zeitpunkt ist Juliets Reputation in Gefahr. Es wird von den "Verbrechen der Juliet O'Hara" gesprochen, aber niemals wird auch nur ein einziger Fall angeschnitten, in dem Juliet auch nur eine klitzekleine moralische Verwerflichkeit nachgewiesen werden kann. Sie sagt selbst, dass sie bei manchen Fällen "über den Rand hinaus gemalt hat" - aber was das bedeutet, wie sie die Regeln gebrochen hat oder was daran moralisch oder ethisch nicht in Ordnung war, das wird nicht thematisiert. Deswegen wird auch nicht ganz klar, was sie so quält. Sie hat sich nichts vorzuwerfen, sie muss nicht um das Vertrauen von Vick oder Shawn bangen, weswegen nicht ganz klar wird, warum sie sich selbst solche Vorwürfe macht. Tiefgreifende Charakterentwicklung war noch nie die Stärke von "Psych" und auch hier versagt man, wenn man ehrlich ist, auf ganzer Linie. Juliet ist weiterhin Everybody's Darling. Eine ehrgeizige, unfehlbare, rechtschaffene Polizistin.

"On the night before his wedding, she pulls the ring back. So he had to scramble, and he went into debt, made a bunch of very poorfinancial decisions which ultimately resulted in a divorce, because he didn't have that ring."

Wem man ein bisschen Entwicklung zugesteht ist Shawn. Er hat es noch immer nicht fertig gebracht, seinem Heiratsantrag Taten folgen zu lassen. Stattdessen sucht er weiterhin frenetisch nach dem gestohlenen Ring, von dem er alles abhängig macht. Einzig und alleine er ist es, der sich nicht eingestehen will, dass er einfach mal wieder zu viel Angst vor Veränderungen hat. Während seine Freunde um ihn herum schon längst aufgegeben haben, ist Juliet vollkommen entspannt. Sie weiß, wie Shawn ist und dass sie ihn nicht drängen darf. Und am Ende, da bekommt sie, worauf sie so lange geduldig gewartet hat: einen Mann, der sich klar ist, dass er die richtige Entscheidung getroffen hat, der bereit ist, sich zu binden und mit ihr in die Zukunft zu gehen. Seine Entwicklung fühlt sich im Hinblick auf die vergangenen Staffeln sehr natürlich an und ist die große Stärke der Episode.

Was bei Shawn ein wenig fehlt, ist das Spielen des übersinnlichen Detektives. Klar, mittlerweile ist er "aufgeflogen", die meisten wissen Bescheid über seine Fähigkeiten. Und doch ist es interessant, wie er Menschen liest und verunsichert, indem er ihnen ihr Leben vor Augen hält, zusammengereimt nur aus winzig kleinen Details. Nur einmal darf er seinen typischen "act" hier ausleben, was wirklich schade ist, da es einst zentraler Bestandteil von "Psych" war...

Gus gesteht man endlich eine Frau zu, die zwar auch wieder am Rande des Erträglichen ist, die aber anscheinend das Herz am rechten Fleck hat und keine Psychopathin ist. Es wäre schön, wenn auch er endlich seine bessere Hälfte finden würde und vielleicht hat er es in Selene, die ihm so ähnlich ist, auch gefunden. Verändert hat sich Gus jedoch nur wenig. Er mag Shawns Verrücktheiten nicht, macht aber bei jedem Mist mit, auch wenn er ihn für unsinnig hält. Aber dafür sind Freunde doch da.

Fazit

Was bleibt am Ende für ein Fazit für den Film übrig? Es war nett, die Charaktere wieder zu sehen, einen Blick auf ihr Leben drei Jahre nach dem Umzug nach San Francisco zu werfen. Es hat Spaß gemacht, Shawn und Gus bei ihren kleine Streits und Seitenhieben zuzusehen. Es hat Spaß gemach, den verbitterten Henry ein wenig gelöster zu sehen. Es war toll, zu sehen, dass Shawn und Juliet es endlich geschafft haben, den Schritt in die Ehe zu wagen.

Nett umschreibt den Film am besten. Er war nicht halb so witzig wie die besten Episoden aus der Serie. Er war nicht sonderlich spannend. Er war nicht innovativ. Und dennoch hat es Spaß gemacht, Shawn und Gus wieder zu sehen. Dass am Ende der Cliffhanger andeutet, dass es vielleicht noch weiter gehen könnte, lässt mich als Fan schmunzelnd zurück. Die Abenteuer der ewigen Kinder Shawn und Gus sind noch nicht vorbei. Und egal wie wenig tiefgreifend die Geschichten sind, ich werde immer wieder einschalten. Einfach weil es Spaß macht.

Melanie Wolff - myFanbase


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