Bewertung: 7

Review: #5.11 Angezählt

Foto: Brian Benben, Private Practice - Copyright: 2012 ABC Studios
Brian Benben, Private Practice
© 2012 ABC Studios

Während vier der Hauptdarsteller von "Private Practice" unterschiedlich versuchen mit einer Trennung umzugehen, stößt Charlotte auf ein schreckliches Geheimnis, welches sie nicht nur traurig stimmt, sondern sie auch in eine schwierige Situation hineinmanövriert und Sheldon muss sich zwischen einer langjährigen Freundschaft und dem Wohlergehen seines Patienten entscheiden.

"Look I spend the whole weekend just sitting around, we need to go out, let's go out."

Mir gefällt sehr gut, dass es nun auch eine gewisse Verbundenheit zwischen den Männern in der Praxis gibt. Ich finde es toll, dass sie ab und zu mal zusammensitzen, ihre Probleme besprechen, sich einfach austauschen oder auch mal über die Frauen lästern. So fand ich es auch dieses Mal schön, dass Pete, Cooper und Jake versuchen Sam von seiner Trennung mit Addison abzulenken.

Ich persönlich hätte einen reinen Männerabend vorgezogen, aber wenn man "Private Practice" schon länger verfolgt, war klar, dass der Abend so enden würde, wie er geendet hat. Ich bin zur Zeit ganz froh, dass sich wenigstens Jake von den anderen abhebt und er nicht auch noch mit einer Barbekanntschaft ins Bett gesprungen ist, denn das wäre wirklich zu viel des Guten gewesen.

Was mir jedoch an dieser One-Night-Stand Storyline gefallen hat, war Sams Reaktion am Morgen danach, denn da ist wieder der Sam durchgedrungen, den ich so sehr mag und den ich in den letzten Jahren in der Serie eigentlich auch kennengelernt habe. Nämlich einer, der im Gegensatz zu Pete nicht einfach wahllos Frauen aufreißt und sofort mit ihnen ins Bett steigt. So schätze ich seine Ehrlichkeit als er nach einigen Anfangsschwierigkeiten der Frau gesteht, dass er sich eigentlich nicht mehr mit ihr treffen möchte, da er noch nicht über die Trennung mit Addison hinweg ist.

"Sam and I broke up." – "What?" – "I lost my boyfriend and my baby in one day."

Ehrlich gesagt weiß ich nicht recht ,was ich von Addisons Reaktion auf ihre und Sams Trennung und auf ihre immer fester werdende Beziehung zu Jake halten soll. Ersteres hat mir natürlich das Herz gebrochen, da ich trotz allem was vorgefallen ist, Addison und Sam zusammen einfach toll fand und ich bis zum Schluss gehofft hatte, dass dieser nervige Baby Handlungsstrang endlich beendet wird und die zwei sich wieder ihrer Beziehung widmen können. Nun sind die beiden leider getrennt und die Baby-Storyline ist zu meiner Enttäuschung immer noch vorhanden, etwas was mich wirklich langsam gewaltig nervt, denn dieses "ich will unbedingt ein Baby, egal zu welchem Preis", sorgt in jeder Folge für eine Enttäuschung.

Die immer fester werdende Beziehung zwischen Addison und Jake macht mir leider auch etwas Sorgen. Ich find die zwei zwar als Freunde wirklich gut, vor allem weil ihre Chemie auch passt, doch könnte ich mich einfach nicht damit abfinden, wenn sich zwischen ihnen mehr entwickelt. Dies hat mehrere Gründe. Erstens wurde von Addisons Seite in dieser Staffel mehrmals betont, wie sehr sie Sam liebt und wie perfekt er, abgesehen von der Baby-Sache, für sie ist. Es schien wirklich fast so, als wäre er so etwas wie die Liebe ihres Lebens und so wäre es für mich absolut unplausibel, wenn sie sich so kurz nach der Trennung von Sam auf etwas Neues mit Jake einlassen würde. Zweitens würde ich es gerne mal miterleben, dass sich Addison nicht sofort wieder in eine neue Beziehung oder in eine neue Bettgeschichte flüchtet, sondern, dass sie wieder einmal einen Handlungsstrang bekommt, der sich um sie und nicht um irgendwelche scheiternden Beziehungen dreht.

Der dritte Grund dreht sich eher um Jake als um Addison. Ich mag die Freundschaft zwischen Sam und Jake und möchte nicht, dass sie durch ein komisches Dreiecksverhältnis zerstört wird, aber vor allem finde ich, dass bei Jakes Charakter so viel Potential für eine eigene Storyline ohne Addison besteht. Ich denke da nur mal an die Drogensucht seiner verstorbenen Ex-Frau, der leider im Zusammenhang mit Amelias Drogensucht schon viel zu wenig Beachtung geschenkt wurde. Dann hat er auch noch so etwas wie eine Adoptivtochter, die wir als Zuschauer noch gar nicht kennenlernen durften, obwohl Jake scheinbar eine sehr enge Beziehung zu ihr pflegt. Dies sind nur zwei Punkte, die Jake zu einem unglaublich interessanten Charakter machen, der viel mehr zu bieten hat, als einfach die nächste Beziehung von Addison zu sein.

"What? Were you with someone?" – "Oh my god you were with someone."

Ein anderer Wunsch wurde mir jedoch in dieser Folge erfüllt, nämlich, dass der andere nervige Handlungsstrang, die kränkelnde beziehungsweise inzwischen eher sterbende Beziehung zwischen Pete und Violet, endlich beendet wird. Der Gefühlsausbruch von Violet als sie erfährt, dass Pete mit einer anderen Frau geschlafen hat, hat mir sehr gut gefallen. Leider wurde mir diese kurze Sympathie für Violet nur einige Minuten später wieder genommen, als sie sich dann doch mit dem, zugegebenermaßen sehr gut aussehenden, Scott einlässt.

Doch riecht mir diese Verabredung und die anschließende Entwicklung daraus mehr nach Rache als nach wirklichem Interesse an Scott und wie nicht das erste Mal bei "Private Practice" frage ich mich, warum können die Charaktere nicht einmal um eine Beziehung trauern, sondern müssen sich gleich wieder mit einem One-Night-Stand oder einer neuen Liebschaft ablenken? Ich hätte es auf jeden Fall viel interessanter gefunden, wenn Violet sich noch etwas mehr ihren Emotionen hingegeben und der Beziehung mit Pete nachgetrauert hätte und vor allem wenn sie sich mal mit ihren Fehlern, die sie zweifellos in dieser Ehe gemacht hat, auseinandergesetzt hätte.

"Aaron doesn't go back to work until i say so!"

Doch gab es natürlich in dieser Episode auch Handlungsstränge an denen ich nichts oder fast nichts zu kritisieren habe. Dazu gehört sicherlich Sheldon Wallace und wieder einmal drängt sich mir die Frage an die Autoren der Serie auf: Wieso zum Teufel kriegt Sheldon nicht mehr eigene Storylines und vor allem wieso kriegt er nicht mehr Screentime? Denn wieder einmal haben wir einen Charakter gesehen, der grundehrlich ist und den Sinn seines Berufes auch dann nicht aus den Augen verliert, wenn eine langjährige Freundschaft auf dem Spiel steht.

Der Fall, den Sheldon zu betreuen hat, ist alles andere als einfach, vor allem dann nicht, als er die Wahrheit über den genauen Tathergang erfährt. Zusätzlich verlangt ein alter Freund von Sheldon, dass dieser seine fachliche Meinung mehr oder weniger ignoriert und Aaron einfach wieder als diensttauglich erklärt. Doch Sheldon wäre nicht Sheldon wenn er nicht auf seiner fachlichen und meiner Ansicht nach richtigen Meinung beharrt, ja sogar einen Schritt weitergeht und seinem Patienten rät, den genauen Tathergang zu gestehen, auch mit dem Risiko so seinen Beruf nie mehr ausüben zu können, dafür nicht den Rest seines Lebens mit einem für sich nicht vereinbarenden Gewissen verbringen muss.

Und auch als sein langjährige Freund Sheldon die Freundschaft kündet, ändert dieser seine Ansicht nicht und genau diese Ehrlichkeit und diese Konsequenz führt dazu, dass er sich mit jeder Folge, die ihm eine anständige Screentime beschert, etwas mehr zu meinem Lieblingscharakter entwickelt. Denn dadurch, dass sich bei seiner Person nicht immer alles um Sex, Beziehungen oder irgendwelche egoistischen Handlungen dreht, hebt er sich von so manchem anderen Charakter der Serie ab und macht sich dadurch für mich umso interessanter.

"I know about the tumor"

Doch der beste und emotionalste Handlungsstrang hatte meiner Meinung nach wieder einmal Charlotte King und eigentlich war sie dabei nicht einmal die Haupt- beziehungsweise leidtragende Figur in dieser Storyline. Doch mit der schauspielerischen Leistung von KaDee Strickland, dem Charakter zu dem sich Charlotte in den letzten Staffel von "Private Practice" entwickelt hat und vor allem mit ihrer Liebe zu Cooper konnte sie schlichtweg auf ganzer Linie überzeugen.

Charlotte ist eine Person, die ihren Prinzipien nicht leichtfertig untreu wird, und dass sie auf nicht ganz legalem Wege Informationen über Ericas Krankengeschichte erlangt, ist für sie nicht gerade typisch. Doch ihrer Liebe zu Cooper und vor allem auch ihre Sorge um dessen Sohn Mason veranlasst sie dazu, etwas zu tun, was ihr eigentlich gegen den Strich geht. Und auch wenn dies vielleicht nicht ganz der richtige Weg war, so war das was sie nachher daraus macht mehr als richtig. Denn Charlotte rennt nicht zu Cooper, sondern sie konfrontiert Erica mit ihrem Wissen und sorgt dafür, dass sie diejenige ist, die Cooper die schreckliche Nachricht überbringt.

Wie schwer es Charlotte fällt, dieses Wissen vor Cooper geheim zu halten und vor allem wie sehr sie mit ihm, Erica und Mason mitleidet, ist in jedem ihrer Handlungen deutlich zu erkennen und hat mich vor allem in der Schlussszene zu Tränen gerührt. Charlotte hat sich für mich als Charakter so unglaublich weiterentwickelt und in solchen Szenen wie in dieser Folge ist diese Entwicklung unglaublich stark spürbar. So hat sie sich von einem eher egoistischen Charakter zu einer unglaublich liebevollen und fürsorglichen Frau entwickelt und es ist schön zu wissen, dass Cooper derjenige ist, der diese Seiten von Charlotte zum Vorschein gebracht hat.

Fazit

Eine Folge die leider nicht auf ganzer Linie überzeugen konnte, doch mit zwei unglaublich starken Handlungssträngen, sowie mit einer erneut sehr emotionalen schauspielerischen Leistung von KaDee Strickland doch eine hohe Punktzahl verdient hat. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Autoren von "Private Practice" diese guten Handlungsstränge weiterverfolgen und nicht wieder die nervigen Storylines in den Hauptfokus setzen.

Maria Schoch - myFanbase

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