Bewertung: 5

Review: #4.09 Opfergang

Der Episodentitel deutete schon an, dass in dieser Episode mit einem Tod zu rechnen ist, der einen der Hauptcharaktere treffen wird, damit das Vorhaben weitergeführt werden kann. Böse Zungen könnten sagen, es hat den Richtigen erwischt.

Kurz und schmerzlos

Es gab nur wenige Szenen und Momente in der dritten und bisherigen vierten Staffel, in denen der Charakter Brad Bellick wirklich von Bedeutung war. Er wirkte profillos, war ein weinerlicher Mitläufer, der sich immer nur mal in Diskussionen mit überflüssigen Kommentaren zurück meldete. Für mich stand er daher auch ziemlich weit oben auf der Liste, wer sich aus der Serie verabschiedet. Man hat es einfach nicht mehr geschafft, ihm einen guten Handlungsstrang zu schreiben. Immerhin hat man ihm nun einen ordentlichen Abgang geschrieben, der das lange Durchschleppen zwar nicht völlig rechtfertigt, aber zumindest erklärt. Um Michaels Mission Impossible am Leben zu halten, bringt er sich mit dem ein, wovon er viel hat. Kraft. Er stemmt sich unter das Rohr und lässt sich somit bewusst einschließen. Die Wassermassen machen ihm den Garaus. Sucre hofft zwar noch kurz, aber Bellick hat es ganz sicher gemacht. Er stellt sich vor das Rohr, sodass ihm der Wasserdruck sofort am Rohr den Schädel zermalmt haben müsste. Der am ehesten entbehrliche Hauptcharakter hat sich somit verabschiedet. Mal schauen, ob man noch thematisiert, wie Sucre Bellicks Mutter Bescheid gibt.

Durchbruch

Der nächste Schritt im Plan ist unterdessen getan. Wobei. So wirklich geplant war es gar nicht. Man wollte schließlich unten durch, aber der Boden war ja so hart. Richtig geschlussfolgert bleibt also nur der Weg mitten durch und Michael hat auch gleich eine prima Idee. Wasser stoppen, Loch in die Röhre, Röhre durch die Röhre und somit einen ständigen Durchgang auf die andere Seite schaffen. Manchmal glaubt man echt, es gibt auch viele Serienbeteiligte, denen man einen ständigen Durchgang von recht nach links geschaffen hat, sodass man jedwede inhaltlichen Bedenken, die man ihnen zukommen lässt, ohne Probleme von zum rechten Ohr rein und links wieder rauslassen kann, ohne Informationsverarbeitung versteht sich. Wenigstens spritzte das Wasser aus den Seiten. Ich hatte schon mit allem gerechnet, nachdem Sucre freihand das Loch auf der anderen Seite des Wasserrohres anmalte, an einer Wölbung übrigens. Wer immer noch glaubt, dass das alles geht, kann sich das mal mit Papier in klein nachbauen. Dabei ist dann sogar die Röhrenwanddicke vernachlässigt, die spätestens dann eine Rolle spielt, als die durchgeschobene Röhre zu Boden fällt.

Michael musste zwischendrin natürlich von seiner Krankheit aufgehalten werden, damit man bloß nicht vergisst, dass es die auch noch gibt. Das war natürlich überflüssig, aber Drama muss sein. Ganz groß war Michael aber kurz vorher, als das Wasser gestoppt wurde, zu einer großen, zweiminütigen Rede ansetzte, wie wenig Zeit man doch habe und das man sich doch ungeheuer beeilen müsste. "FANG DOCH MAL AN und nerv' nicht mit deinem Gelaber" wollte man ihm zurufen. Das sind solche Momente, in denen man den Fernseher gerne ausschalten will, weil es einfach zu doof ist und diese zu häufig auftreten.

In Company

Während T-Bag die Stellung hält und mit den Waffen seines einstigen Gegners seinen Boss richtiggehend clever zu überzeugen weiß, will Gretchen zum großen Schlag gegen den General loslegen. Dieser hat sich trotz der Info, dass die Brüder tot seien, dazu entschlossen, Scylla weiterhin neu zu positionieren. Wie aus den drei Tagen Bearbeitungszeit für die Verlegung drei Stunden geworden sind, muss man mir auch erstmal erklären, aber Zeit spielt in der Serie sowieso keine Rolle. Diskussionswürdig ist dann schon die Tatsache, dass der General Gretchen wieder auf seine Seite holen könnte, obwohl sie mit einer ganz klaren Absicht gekommen war. Für mich sieht es eher so aus, als wolle sie sein Vertrauen ausnutzen, um an Informationen zu gelangen, die der Company weiter schädigen. Alles andere wäre schon ein bisschen komisch. Zu viel Hass hat sich angestaut, als dass sie sich von dem alten Mann, auch wenn er sie besser kennt als jeder andere Mensch, so schnell wieder einwickeln lässt. Ein schneller Seitenwechsel erscheint mir dann also doch merkwürdig, aber auch daraus ergibt sich schließlich eine Spannung. Man weiß einfach nicht, mit welcher sinnlosen Idee die Autoren als nächstes kommen. Es ist einfach immer alles möglich. Der Kuss war übrigens wirklich widerlich.

Rache

Wyatt gibt sich als obercooler Gefangener, weil sein Schicksal eh besiegelt ist. Selfs Computerkünste sorgen aber dafür, dass man sich gegenüber der Company wieder einen kleinen Vorsprung verschaffen kann. Der Rest verläuft erwartungsgemäß. Mahone bekommt die Gelegenheit, auf die er seit drei Tagen bzw. neun Episoden gewartet hat. Er rächt sich an Wyatt für dessen brutalen und verabscheuungswürdigen Kindsmord. Die Foltermethode ist überaus brutal und nur das Zuschauen hat Schmerzen in den Fingern verursacht. Krass ist dabei aber vor allem, dass man sich dabei ertappt, dass man sich darüber freut. Man gönnt Mahone diese Rache, freut sich mit Pamela mit, die den gebrochenen Mann hört, und hat auch keinerlei Probleme, dass Mahone Wyatt dann auf den Meeresboden befördert. Man bekommt richtig ein schlechtes Gewissen, als man sich dabei ertappt. Darf man sich darüber freuen und Genugtuung verspüren, dass einem Menschen bewusst solch fürchterliche Schmerzen zugefügt werden, selbst wenn er es nicht anders verdient hat? Hier wurde ein sehr gefährlicher Pfad beschritten, der mir jetzt erst bewusst geworden ist. So eine Geschichte darf man einfach nicht inszenieren. Saras kurze Bedenken müssen zumindest ordentlich diskutiert werden, damit man als Zuschauer nicht vergisst, dass es trotz allem Verständnisses falsch ist, was Mahone macht. Die Folter zu zeigen, kann man dann schon als gewaltverherrlichend auslegen. Hier hätten die Autoren ihre mediale Macht besser einschätzen sollen und auch mehr pädagogische Arbeit leisten müssen. Immerhin hat William Fichtner den Part aber so gut gespielt, dass man ihm angesehen hat, dass er sich eigentlich selbst dafür hasst, was er tut, seinen inneren Drang danach aber einfach nicht unterdrücken kann. Trotzdem ist das etwas zu wenig bei einem solch krassen Thema.

Fazit

Es bleibt ein Wechselspiel aus guten und schwachen Szenen/Geschichten, sodass es keine Gelegenheit gibt, das unterdurchschnittliche Niveau zu verlassen. Ein guter Eindruck entsteht fast schon immer dadurch, dass man sich einfach daran gewöhnt hat, nichts mehr zu erwarten. Spannend bleibt es trotzdem, da das Vorhersehbare durch irgendwelche unlogischen Einfälle der Autoren immer in Gefahr ist.

Emil Groth - myFanbase

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