Bewertung: 7

Review: #3.08 Nach dem Feuer

In einer Sitcom Humor und Herz unter einen Hut zu bringen und gleichzeitig interessante Geschichten zu erzählen, ist nicht immer einfach. So ist schon manch ein Drehbuchautor beim Versuch, alles richtig zu machen, kläglich gescheitert, weil ihm einfach nicht in den Sinn gekommen ist, dass weniger oft mehr ist. #3.08 After the Fire macht genau das Gegenteil, indem es sich traut, auf künstliche Gags und Oneliner weitestgehend zu verzichten und sich stattdessen vielmehr auf einzelne Charaktere und ihre Beziehungen zueinander zu konzentrieren.

"We've all got our thing. You have Mommy issues."

Da wäre zum einen "Wonder Woman" Claire, die sich offen darüber lustig macht, dass Mitchell selbst nach der Scheidung ihrer Eltern immer noch ein Muttersöhnchen geblieben ist, mit dem Unterschied, dass es nun Stiefmutter Glorias Rockzipfel ist, an dem er hängt. In Wirklichkeit rührt ihr spöttisches Verhalten jedoch schlicht daher, dass sie eifersüchtig darauf ist, dass Mitchell offensichtlich einen so viel besseren Draht zu Gloria hat und dass Gloria wiederum viel mehr Zeit mit ihrem Bruder verbringt als Claire selbst. Obwohl man das als Zuschauer natürlich direkt durchschaut, fühlt man sich durch Claires teils herrlich fiese Sprüche, Julie Bowens unheimlich facettenreiches Schauspiel und insbesondere die wieder einmal wunderbare Geschwisterdynamik zwischen Mitchell und Claire ganz prächtig unterhalten. Als Claire sich dabei ertappt, wie sie sich ausgerechnet an Daddys Schulter über die ganze Sache auskotzt, fällt schließlich auch ihr wie Schuppen von den Augen, dass eigentlich sie selbst diejenige mit dem Problem ist. Die Tatsache, dass sie Mitchell daraufhin in einer sehr herzigen Szene von ihrem Gefühl des Ausgeschlossenseins sowie ihrer Angst davor, dass sie sich wieder auseinanderleben könnten, berichtet, und sich kurz darauf auch bei der herrlich bitter-ehrlichen Gloria ("I do like Mitchell better than you.") entschuldigt, macht auf ganz wunderbare Weise deutlich, dass hinter Claires etwas verrückter, obsessiver Fassade in Wahrheit ein sich genauso nach Harmonie und Zuneigung sehnender Familienmensch steckt wie auch Phil es ist.

"Now, I want you to take a deep breath and let me transport you to a land I call Relaxistan."

Als Zuschauer durfte man Phil von Anbeginn der Serie immer wieder dabei zusehen, wie er um die Anerkennung seines Schwiegervaters buhlt. Von daher scheint sich nicht nur Jay schnell sicher zu sein, worauf Phils Bestehen darauf, ihm den verrenkten Rücken zu massieren, hinauslaufen wird. Doch #3.08 After the Fire hat in der Hinsicht gleich mehrere Überraschungen zu bieten, da Phil in der Folge mal nicht nur als Garant für große Lacher fungiert (man denke bloß an die wunderbare Drucker-Rückblicksmontage und die herrlich beiläufige Alpaka-Szene), sondern auch in ernsten Momenten überzeugen darf. So ist es sehr erfrischend zu beobachten, wie ihn der Ausnahmezustand im Büro gedanklich so sehr vereinnahmt, dass er (zumindest seinem Desinteresse an Glorias "tube dude"-Imitation nach zu urteilen) von seiner Faszination mit ihren körperlichen Reizen kuriert scheint und Jay mit seiner Massage offenbar auch wirklich bloß helfen möchte, anstatt ihn wie sonst übereifrig beeindrucken zu wollen und stets auf Worte des Lobes zu warten. Dass es Phil ausgerechnet dann gelingt, Jay die drei kleinen Worte zu entlocken, nach denen er sich wahrscheinlich schon seit Jahren gesehnt hat, als er aufgrund seines neuen Jobangebots zu beschäftigt ist, um sie überhaupt mitzukriegen, zeugt von einer gewissen Ironie und lässt zunächst das Ausspielen eines typisches Sitcom-Missverständnisses befürchten. Hier macht "Modern Family" jedoch genau das Richtige, indem es auf zu einfache Gags verzichtet und dem Zuschauer stattdessen eine angenehm ernste Unterhaltung zwischen Phil und Jay präsentiert, in der nicht aneinander vorbei, sondern Tacheles geredet wird. Wie subtil, aber eindeutig dabei durchscheint, dass Jay seinen Schwiegersohn trotz all ihrer Differenzen für weitaus mehr als bloß seine Massagekünste schätzt und respektiert, verdeutlicht einmal mehr, dass man mit etwas Fingerspitzengefühl oft viel mehr erreichen kann als durch reines Besinnen auf bewährte Sitcom-Erzählstrukturen.

"I'm teaching you girls a very valuable lesson: that gay men can do anything straight men can do."

Der dritte Haupthandlungsstrang der Folge weiß zwar leider nicht ganz so sehr zu überzeugen, hat aber vor allem durch die ungewöhnliche Paarung von Cameron mit Haley und Alex durchaus einige ganz nette Momente zu bieten. Nachdem Camerons Übersensibilität in Bezug auf Vorurteile gegenüber Homosexuellen mittlerweile jedoch schon etwas ausgelutscht wirkt, sind es hauptsächlich die beiden Schwestern, die hier die Humor-Highlights setzen, sei es nun durch ihre panischen Reaktionen auf Cams Ausparkversuche, Alex' herrlichen Slapstick-Fall aus dem Truck oder auch ihr Treffen auf drei nerdige Mitschüler, die gerade dabei sind, das großartige Luke-und-Manny-Duo zu schikanieren, als Alex vor den plötzlich ganz zahmen und schüchternen Jungs verführerisch ihre Haare im Wind flattern lässt und sich auf diese Weise den zu Unrecht beschlagnahmten Spielzeughelikopter wiederholt. Als die sichtlich erstaunte Haley daraufhin noch eine ganze Weile wie vom Donner gerührt dasteht, weil sie nicht fassen kann, was da gerade passiert ist, liefert ihr Alex eine ganz einfache Erklärung: "You have your fans, I have mine. Someday, your fans are going to work for my fans." Für die ganz großen Lacher sorgt indirekt letztlich aber doch wieder Cam, denn Mitchells panisches Erschrecken über Cams "sleepclown"-Neigung am Anfang der Episode und die herrliche Schlussszene, in der Fizbo erst mit anhören muss, wie Alex und Haley ihrem Onkel Mitchell quietschvergnügt von ihren Truck-Abenteuern erzählen, und daraufhin in seinem Stolz gekränkt wieder ins Schlafzimmer verschwindet, sind trotz der Tatsache, dass sie im Gesamtkontext der Episode etwas willkürlich anmuten, schlicht unglaublich witzig.

Insgesamt weist die grundsolide achte Folge der Staffel im Vergleich zu anderen "Modern Family"-Episoden zwar eine spürbar geringere Gagdichte auf, dafür werden jedoch durch verstärkten Fokus auf die Charaktere sehr interessante Entwicklungen angedeutet. So darf man gespannt sein, inwiefern Phils berufliche Entscheidung Auswirkungen auf das Familienleben der Dunphys haben wird und ob in Zukunft womöglich eine tiefere Freundschaft zwischen Claire und Gloria aufkeimen wird. Allzu große Hoffnungen auf episodenübergreifende Handlungsstänge sollte man sich aber wohl nicht machen, scheinen die Macher doch nach wie vor an dem bislang erfolgreichen Konzept der Standalone-Folgen festhalten zu wollen. Dennoch wäre es mehr als wünschenswert, wenn man insbesondere Mitchells und Cams erneutes Adoptionsvorhaben sowie Claires kommunalpolitische Ambitionen bald mal wieder in den Vordergrund rücken würde.

Paulina Banaszek - myFanbase

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