Bewertung: 8

Review: #1.11 Volles Nachtprogramm

Welche Gründe gibt es, damit die Nacht zum Tage wird? Man ist spontan, das Kind schreit oder man selbst hat fürchterliche Schmerzen. "Modern Family" widmet sich diesen drei Möglichkeiten in der Episode #1.11 Volles Nachtprogramm!

This is the coolest night ever

Mannys Vater Javier ist zu Besuch gekommen und weil dies genau so spontan war, wie sonst seine Absagen, ist Jay alles andere als begeistert davon. Gloria besänftigt ihn, weil es schließlich um Manny gehe, doch als Javier mitten in der Nacht seinen Billardtisch nutzt, sucht Jay die Konfrontation. Recht typisch passiert aber genau das, was eben passiert, wenn sich zwei Menschen endlich mal miteinander unterhalten, statt sich nur Vorhaltungen zu machen. Jay erkennt also das Gute in Javier und lässt sich im wahrsten Sinne des Wortes umpolen. Jay entwickelt von Javier getrieben eine Spontaneität, die ihn, Javier und Manny mitten in der Nacht ins Baseball-Stadion treiben. Die Wendung ist auf jeden Fall gelungen, weil Jay endlich auch mal aus sich heraus kommt. Dass die Geschichte hiermit aber noch nicht zu Ende ist, gehört zu den Stärken von "Modern Family". Es steckt noch viel mehr dahinter. Gloria findet es überhaupt nicht gut, dass Jay sich zum Javier entwickeln könnte und hält eine grandiose Wutrede. Allein diese Szene zeigt die ganze Qualität der Sofia Vergara, die zurecht immer wieder für diverse Preise nominiert ist. Ebenso gelungen ist die Parallelität der Ereignisse. Hatte Jay Gloria noch vorgeworfen, sich überhaupt in Javier verliebt zu haben, verfällt er seinem Charme nun auch und muss letztendlich wie ein trauriges, enttäuschtes Kind von Manny und Gloria getröstet werden, weil Javier sich unrühmlich aus der Episode verabschiedet. Somit hat man hier doch deutlich mehr aus der Story gemacht, als zunächst von mir erwartet wurde. Die Einbindung in den Kind-Erwachsener-Rahmen ist ebenso gelungen.

Torture

Eltern kennen dieses Gefühl nur zu gut. Das Kind schreit aus voller Kehle und man fragt sich, ob man schon wieder trösten geht oder das Kind sich selbst überlässt, weil es irgendwann auch mal selbstständig sein muss und die Nacht allein zurecht kommen soll. Cam ist da sehr nah ans Wasser gebaut und kann die schreiende Lily einfach nicht ertragen. Mitch hingegen vertritt die Fraktion der Ignorierer. Wenn zwei so unterschiedliche Positionen bei der Erziehung eines Kindes aufeinander prallen, dann ist der Konflikt vorprogrammiert. Hierbei geht man nicht wertend auf die Methoden ein, sondern überträgt sie einfach charaktergetreu auf Mitch und Cam. Letzteres ist herrlich verletzt und mitfühlend, sucht ständig einen Ausweg und schaut auch mal Filme, die überhaupt nichts für Lily sind, damit sie sich beruhigt. Mitch hingegen konnte in der Episode mehrfach sein Augenrollen anbringen und deutlich machen, dass er Cams sensible Seite nicht immer liebt. Der wahre Grund für den Zwist liegt aber viel tiefer, denn Mitch macht sich Gedanken um seine generelle Vaterrolle. Als Regeln einhaltendes Elternteil fühlt er sich zu oft als Spielverderber. Auch das ist sicher ein überaus geläufiges Problem unter Familien, sodass man sich hier wunderbar aufgehoben fühlt. An der ein oder anderen Stelle ist der Streit dann zwar doch sehr dick aufgetragen, aber gerade das harmonische Ende mit dem Ruf der Feuerwehr ließ auch diesen kleinen Makel erblassen.

Death is coming

Wenn jemand für Übertreibungen zuständig ist, dann ja wohl Phil. Dieser hat starke Schmerzen und schwankt zwischen Coolness und Weichei, entscheidet sich dann aber für das leidende Rehlein mit Todesangst, dass trotzdem noch stark wirken will und die Situation immer schlimmer redet. Dabei läuft Phil zur Höchstform auf und man kommt aus dem Lachen eigentlich kaum heraus. Seine Familie wirkt da schon auch verloren, obwohl Claire als sorgende, aufgrund der Übertreibungen aber wenig mitfühlende Ehefrau eigene Interessen verfolgt, die Feuerwehrmänner bezirzen will und damit nur noch mehr Ärger macht. Schön, wie Phil die Situation ausnutzen will und seine amüsanten Langzeitträume präsentiert, diese dann aber aus den Augen verliert, weil er im Krankenhaus keinen Deut besser war. Dabei ist es doch eigentlich ganz logisch, dass man immer mal das Bedürfnis hat, für andere Menschen attraktiv zu sein, um sich selbst gut zu fühlen. Phil ist da in dieser Hinsicht sehr egoistisch und kalkulierend und Claire reagiert fast noch zu lieb auf Phils Retourkutsche. Aber so funktioniert diese Pärchen eben und als Zuschauer wird man immer wieder belustigt zurück gelassen. Außerdem musste Phil in dieser Episode auch eindeutig wieder aufzeigen, wie kindisch er doch sein kann, damit Alex als treibende Kraft hinterfragen kann, was es eigentlich bedeutet, erwachsen zu werden. Leider spielten die Kinder eine viel zu geringe Rolle in der Episode, besonders Alex und Manny, die Prototypen der sehr erwachsenen Kinder, ließ man eher im Hintergrund. Das mag günstig gewesen sein, um sich voll auf das kindische Verhalten der Erwachsenen konzentrieren zu können, ist aber besonders im Falle von Alex immer wieder schade.

Fazit

Wieder mal haben es die Autoren geschafft, drei Geschichten unter einem Thema wunderbar miteinander zu kombinieren, ohne dabei zu einfach gestrickt oder abgedroschen zu agieren. Vielen starken, witzigen Momenten (eine Auflistung würde den Rahmen sprengen) stehen wenige, besonders zu Beginn träge Momente gegenüber und kreieren somit wieder eine sehr gelungene, ungeheuer kurzweilige und überaus amüsante "Modern Family"-Episode.

Emil Groth - myFanbase

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