Bewertung: 6

Review: #6.02 Vivian's Here

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Die letzte Staffel von "How to Get Away with Murder" geht es mit seiner zweiten Folge ein wenig ruhiger an und bringt uns nach längerer Zeit mal wieder einen Fall der Woche, der nicht nur brandaktuell, sondern teilweise ein wenig spannender als zumindest einige der Haupthandlungsstränge ist.

"Are you serious? I need your help!" - "Connor, you're graduating in three months. I'm not gonna be around after that to give you all the answers. So you have to get used to it now."

Bei all dem Drama und bei all den Morden vergisst man manchmal, dass die Serie ja eigentlich Jurastudierende während ihres Studiums begleitet, weshalb ich sehr glücklich war, dass es in dieser Folge mal wieder einen Fall der Woche gab. Dieser war durch die Flüchtlingsthematik sehr aktuell und in der Ausführung sehr emotional und gelungen. Es gefiel mir gut, dass es Connor war, den Annalise auswählte, den Jungen zu vertreten, da er so in seiner leidenschaftlichen, für das Richtige kämpfenden, Rolle glänzen konnte. Noch wissen wir nicht, warum Annalise ihn damals rekrutiert hat und ich bin sehr gespannt, ob es wirklich noch ein großes Geheimnis aufzudecken gibt oder ob Connor vielleicht einer der wenigen war, in dem Annalise wirklich einen guten zukünftigen Anwalt gesehen hat. Man kann jedenfalls verstehen, dass ihn diese Frage nicht loslässt und ich freue mich schon darauf, wenn wir diesbezüglich aufgeklärt werden. Der Fall rund um den kleinen Jungen, der von der Ausländerbehörde so eingeschüchtert wurde, ging jedenfalls sehr an die Nieren und ich war von Connors Idee gleichsam begeistert wie erleichtert, da man sich bloß den positiven Ausgang für ihn wünschte. Neben der emotionalen Thematik dieses Falls entstand hier auch eine gewisse Ironie, denn dass Connor Annalise empört um Hilfe bat und sie ihn darauf aufmerksam machte, er wäre in einigen Monaten ein fertiger Anwalt und müsse selbst mit solchen Situationen klarkommen, hatte etwas unfreiwillig Komisches. Die Situation erinnerte an eine genervte Mutter, die ihren 30-jährigen Sohn aus der Wohnung wirft und ihn bittet endlich erwachsen zu werden und zeigt mal wieder, dass Annalise sich nicht ohne Grund verantwortlich für diese mittlerweile fast 30-jährigen "Kids" fühlt. Und angesichts des ganzen Dramas, das alle Beteiligten durchgestanden haben, ist es verständlich, dass das Erwachsenwerden ein wenig länger dauert.

"Did you kill Sam?" - "I've never killed anyone in my life. But try me."

Und auch wenn es immer wieder in Vergessenheit gerät: Annalise hat als einer der wenigen Charaktere in dieser Serie noch niemanden direkt auf dem Gewissen, auch wenn das teilweise möglicherweise gar nicht mehr so einen großen Unterschied macht. Doch Gabriels Mutter Vivian Maddox scheint da einen Nerv zu treffen, was mehr als verständlich ist. Mir persönlich hat dieser Handlungsstrang ein wenig zu viel Screentime eingenommen und bis auf die letzte, sehr intensive Szene zwischen den beiden Frauen hat er mich auch nicht richtig fesseln können. Diese Szene hatte es dafür allerdings in sich und ich fand es sehr berührend, wie Annalise auf die Idealisierung von Sam durch Vivian reagiert hat. Denn es lief einem wirklich kalt den Rücken herunter, als Vivian durchweg positiv von einem Mann sprach, den wir als regelrechten Tyrann kennengelernt haben und ich fand es wahnsinnig spannend, wie die Hautfarbe der beiden Frauen hier mit hineingespielt hat. "How to Get Away with Murder" wusste schon immer, mit der Ungerechtigkeit der unterschiedlichen Behandlung aufgrund der Hautfarbe umzugehen und hier bekamen wir ein weiteres Beispiel dessen, wozu das führen kann – nämlich dazu, einen Mann in den Himmel zu loben, der schwarze Frauen liebt, die sich sonst in der Welt nicht gesehen fühlen – eine tragische Geschichte. Trotz alledem war dieses Gespräch nur ein Bruchteil des Handlungsstranges rund um Vivian und ich habe bisher kein allzu großes Interesse an ihr; auch weil ich das Gefühl habe, Gabriel und sie werden die ganze Zeit als zwielichtig dargestellt, doch nie wird richtig aufgeklärt, was hier wirklich dahinter steht. Und auch wenn Gabriel und Michaela in dieser Folge ein paar süße Szenen teilten, werde ich mit den beiden nicht so richtig warm. Mit der Zeit könnte das vielleicht kommen, doch es ist überhaupt fraglich, ob Gabriel Michaela den Vertrauensbruch verzeihen kann und ob er nicht einfach voller Groll und beleidigt mit seiner Mutter wieder verschwindet. Ich hoffe, das wird nicht passieren, doch momentan bin ich da ein wenig pessimistisch.

"They are coming for us. It is not if, but when."

Wenn wir auch, wie gewohnt, nur sehr kurze Momente aus den Flash Forwards gesehen haben, waren diese umso spannender. Zwar können wir uns immer noch nicht darauf verlassen, dass Annalise tatsächlich getötet wurde, doch auf jeden Fall sollen wir das als Zuschauer mehr und mehr glauben. Sollte dies der Fall sein, denke ich, dass wir Michaela als Täterin beinahe sicher ausschließen können. Dafür ist ihr Hass Annalise gegenüber viel zu offen, um in einem Mord zu enden – ich denke, sie sucht in Annalise zwar immer wieder die Schuldige, hängt jedoch auch sehr an ihr, was man in den sehr starken Szenen zwischen den beiden gesehen hat. Ob der Handlungsstrang mit Michaelas totem Vater nur dafür dienlich war, den Zuschauer glauben zu machen, Michaelas Hass könne sich immer weiter steigern, bis hin zu einem Mord, oder noch einen anderen Zweck verfolgt, werden wir sehen. Bisher war ich auch von dieser Episode von "bad parents" nicht überzeugt.

"Why don't you tell me who the last person who accessed this was?" -
"Laurel Castillo."


Ach, Frank. Du wirst wohl bis ans Ende deiner Tage damit beschäftigt sein, herauszufinden, wer Laurel wirklich ist, wo sie ist und was in ihr vorgeht. Auch wenn ich Franks Suche nach ihr wiederholend und ermüdend wirkt, so bin ich persönlich sehr gespannt, wie sich das weiter entwickelt. Vielleicht liegt es bei mir daran, dass ich Laurel in der letzten Staffel nicht besonders erträglich fand oder daran, dass sie schon immer die Geheimnisvollste der Keating 5 war, doch ich bin immer mehr auf dem Trip, dass Laurel ein böses Geheimnis hegt und möglicherweise hinter mehr steckt, als man denkt. Natürlich ist es möglich, dass eine andere Person genau wie Frank einfach einen Ausweis gefälscht hat, um an das Schließfach zu kommen, doch ich kann mir irgendwie vorstellen, dass es tatsächlich sie war, die sich Zugang verschafft hat und von der auch eine Gefahr ausgeht. Auf wen ich in diesem ganzen Kuddelmuddel getrost verzichten kann, ist Laurels Familie und so fand ich die kurze Szene mit Jorge Castillo eher unnötig. Die Castillos werden so offen als Bösewichte präsentiert, dass der Spannungsfaktor für mich verloren geht, was bei einem so vielschichtigen Charakter wie Laurel (als Ausnahmefalls der Castillos, sie ist ja letztendlich auch eine von ihnen) ganz anders ist.

Randnotizen:

  • Armer Emmett. Hoffentlich wird sein Tod noch aufgeklärt und gerät nicht einfach in Vergessenheit, das wäre wirklich schade um seinen Charakter, den ich schon irgendwie lieb gewonnen hatte.
  • Arme Tegan. Sie wollte nur eine Freundin und die Mehrheit scheint ihr gegenüber misstrauisch zu sein. Ich glaube tatsächlich, dass sie kein falsches Spiel spielt, auch wenn die Szenen mit Vivian Maddox verräterisch waren. Doch ich glaube ihr.
  • Arme Bonnie. Aufs Neue hat sie sich für Annalise geopfert und man fragt sich, ob sie nicht auch irgendwann zur Ruhe kommen kann. Die Szene, in der Annalise ihr sagte, man sei ihnen bald auf der Schliche, war sehr stark und emotional. Und es wäre nicht verwunderlich, wenn allen am Serienende alles um die Ohren fliegen würde, auch wenn man es ihnen nicht wünscht.
  • Armer Asher, der besonders in der letzten Folge gezeigt hat, wie viel ihm am Michaela liegt.


Fazit

Eine spannende zweite Folge, die zwar ein paar Längen hatte und einige Handlungsstränge mit – noch – fraglichem Sinn, doch es macht Lust auf mehr und eine gute letzte Staffel.

Klara G. - myFanbase

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