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Review: #4.14 Schweigen ist Gold

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Was für eine Kehrtwende in der Erzählweise! In der letzten Episode konzentrierte man sich allein auf die Sammelklage und nun ist diese überhaupt kein Thema mehr. Stattdessen sind es der frisch aus dem Koma erwachte Simon, die Frage nach den genauen Todesumständen von Wes, der an Nierenversagen leidende Isaac sowie die Beziehung von Asher und Michaela, die in den Fokus gerückt werden. Bereits nach Episode #4.12 Ask Him About Stella erwähnte ich, dass momentan schon fast zu viele Handlungen parallel ablaufen und dieses Gefühl bestätigt sich nun, da man einfach keine Zeit hat, alles unter einen Hut zu bringen. Das was man uns gezeigt hat, gefiel mir allerdings sehr gut, denn schon allein die Anfangsszene war ein wahres Highlight.

"Tell me who killed Wes."

Für mich war der Tod von Wes ein schmerzlicher Verlust, denn von den Keating 5 war er für mich die Person, an der mein Herz am meisten hin. Es machte in Staffel 3 allerdings Sinn, ihn aus dem Rennen zu nehmen, eben weil Wes' Tod eine viel größere emotionale Resonanz erzeugte, als es vielleicht der von Laurel getan hätte.

Genau aus diesem Grund habe ich schon lange darauf gehofft, dass man Wes in einem Flashback wiedersehen wird und der Episodentitel hat mich hoffen lassen, dass es nun endlich soweit ist. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass Wes gleich die erste Person sein wird, die wir in der Episode zu sehen bekommen, habe mich darüber dann aber umso mehr gefreut Alfred Enoch ist sofort wieder in seine alte Rolle geschlüpft und konnte somit alle Wes-Fans glücklich machen.

Der Tod von Wes ist einerseits ein großes Mysterium, andererseits wissen wir eigentlich über alle wesentlichen Fakten Bescheid. Wir wissen wo, wann und wie es geschehen ist und wir wissen auch, dass es sich bei dem Mörder um Dominic gehandelt hat. Viele mögen sich fragen, warum man also so lange auf der Geschichte herumreitet, für mich ist es jedoch ganz klar: die großen Bruchstücke, die wir über den Mord kennen, passen auf den ersten Blick zwar gut zusammen, bei näherem Hinsehen fehlen zwischen ihnen jedoch immer wieder kleine Steinchen und eben jene Steinchen machen denn Sinn hinter der ganzen Tat aus. Warum tötete Dominic Wes? Auf den Befehl von Jorge hin. Doch was genau erhoffte sich Jorge damit? Ging es darum einen Zeugen aus dem Weg zu räumen? Wollte er Laurel vor etwas schützen, das Wes zu tun im Begriff war? Für mich ergibt die ganze Geschichte noch immer keinen richtigen Zusammenhang, weshalb ich froh wäre, wenn man uns am Ende der Staffel endlich die volle Reichweite erklären würde.

Klar ist nun auf jeden Fall, dass auch Sandrine in das Geschehen verstrickt war und Jorge den entscheidenden Wink gab, dass man etwas gegen Wes unternehmen sollte. War er wirklich Geld, das sie dazu bewegte? Die Konfrontation zwischen Mutter und Tochter war mir eine willkommene Abwechslung zum weinerlichen Verhalten, das Laurel in letzter Zeit an den Tag gelegt hat. Als sie ihrer Mutter voller Wut entgegenschrie, dass sie sie umbringen könnte und dabei vor Zorn die Adern auf Karla Souzas Stirn hervortraten, konnte die Schauspielerin endlich einmal wieder eine andere Facette von sich zeigen.

Auch wenn man etwas mehr Licht ins Dunkel gebracht hat, ist für mich zum Tod von Wes noch immer nicht alles gesagt und so hoffe ich, dass es im Staffelfinale noch einmal einen Gastauftritt von Alfred Enoch geben wird und dass man uns zeigt, weshalb Wes Sandrine gegenüber bei ihrem letzten Gespräch so kurz angebunden war.

"This was you stabbing me in the heart."

Nachdem die Beziehung von Asher und Michaela zuletzt nur wenig thematisiert wurde, gibt es nun allen Grund sich intensiv damit auseinanderzusetzen, denn der Seitensprung von Michaela wird bereits in dieser Episode angesprochen. Ich hatte mir erhofft, dass ihr Fremdgehen mit Marcus nicht lange geheim bleiben würde, auch wenn es einem für Asher natürlich leidtut, dass er so von ihr hintergangen wurde. Erinnert man sich zurück an die erste Staffel, so empfand man damals wenig Sympathien für ihn, wenn seine aufgedrehte Art wirkte schnell abschreckend. Mittlerweile hat man jedoch Ashers weiche Seite kennengelernt und weiß, wie viel ihm an der Beziehung mit Michaela liegt, da er sich wahrlich glücklich schätzt, mit so einer gebildeten und attraktiven Frau zusammen zu sein. Es ist daher wirklich ein Stich ins Herz für Asher, dass Michaela fremd gegangen ist und dann natürlich noch zusätzlich, dass er es nicht einmal aus ihrem Mund erfahren hat. Ich finde es etwas mies von Connor und Oliver, dass sie sich nicht aus der Sache herausgehalten haben, schließlich ist ein Seitensprung kein leichtes Thema und niemand würde gern auf diese Weise von dem Betrug seines Partners erfahren. Abgesehen davon wurden Michaelas Schuldgefühle sehr gut in Szene gesetzt und man sah ihr an, wie leid ihr die ganze Sache tut.

Dass sich Michaela dazu entschloss, Asher reinen Wein einzuschenken, rechne ich ihr positiv an und ebenso wie in den letzten Episoden war ich wieder einmal begeistert von Aja Naomi Kings Schauspiel, denn den Schmerz, den sie in Asher sah und nun reflektierte, konnte sie authentisch auf den Fernsehbildschirm bannen. Ich glaube nicht, dass es sich noch in dieser Staffel entscheiden wird, wie es mit Michaela und Asher weitergeht. Da ich ein Fan von diesem Paar bin, hoffe ich allerdings, dass sie sich nach einer kurzen Pause wieder zusammenraufen können.

"Does Simon know who you are working for, or do we need Oliver to tell him?"

Es war nur eine Frage der Zeit, bis Simon aus dem Koma erwachen würde, genauso wie für mich außer Frage stand, dass er sich dann auch an die Nacht des Schusses erinnern würde. Ganz wie in alter Zeit arbeiten die Studenten unter der Leitung von Annalise nun wieder zusammen um ihre Spuren zu vertuschen. Nicht immer gefällt mir, dass Annalise sofort einen sehr kreativen Weg findet, um den Studenten aus der Patsche zu helfen, zumal bereits einige Episoden ins Land gegangen sind, in denen es keine Spur von der verschwundenen Antares-Festplatte gab. Dass nun einfach Geld ausreicht, um die entsprechenden Informationen zu beschaffen und dass Simon auch sofort auf dieses Spiel eingeht, ging mir etwas schnell. Man unterstreicht damit, wie sehr einem die Zeit so kurz vor dem Staffelfinale durch die Finger rinnt.

Die Liebeserklärung von Simon an Oliver hatte mich schon in #4.08 Live. Live. Live. nicht richtig berührt, da Simons Figur nie so sehr ins Geschehen eingebunden war, dass man sich für seine Gefühle interessiert hätte. Dass er nun erkannt hat, dass Oliver nicht genauso für ihn empfindet, war für mich daher kein großer Schock.

In Bezug auf Simon erhoffe ich mir, dass wir im Staffelfinale erfahren werden, ob er tatsächlich für Jorge spioniert hat, oder was sonst der Grund dafür war, dass Simon den Studenten gegenüber so misstrauisch war.

"Did you hurt me? Yeah, but that's on me. I had a lot of messed up feelings for you that I shouldn't have."

Auch die Geschichte mit Isaac hat man fortgeführt und für mich wirkte die Krankenhausszene so, als könnte sie die letzte zwischen Annalise und Isaac gewesen sein. Isaac hat seinen Lebensmut verloren und mit allem abgeschlossen, was er Annalise sehr offen zu verstehen gab. Für den Moment gibt es für mich dringendere Fragen, die ich im Staffelfinale gern beantwortet sehen möchte, weshalb ich es nicht schlimm fände, wenn man Isaac in der nächsten Folge nicht wiedersieht. Alles in allem hat mir Jimmy Smits jedoch sehr gut gefallen und er konnte die Serie bereichern, weshalb es schade wäre, wenn man sich nun von ihm verabschieden müsste.

"Annalise, I know who has the drive. It's Denver. He's playing both sides."

Zu guter Letzt haben wir da noch den Handlungsstrang rund um Bonnie und Denver. In den vorangegangenen Episoden deutete man mehrmals an, dass Bonnies Leben in Gefahr ist und nun kam der große Knall, den man unterschwellig schon eine Weile lang kommen sah. Es war daher zwar nicht überraschend, dass Bonnie in einen Autounfall verwickelt wurde, dennoch hat mir die Aufmachung der Szene gefallen, denn man fädelte es so ein, dass Bonnie genau in dem Moment verunglückte, als sie etwas Belastendes über Denver herausgefunden hatte. Laut Bonnies letzten Worten spielt Denver ein doppeltes Spiel, wodurch nun die Vermutung nahe liegt, dass er es war, der Bonnies Auto zuvor manipuliert hat.

Als man kurz einen Blick auf den Unfallort werfen konnte, sah man ganz deutlich, wie ein Leichensack abtransportiert wurde, wodurch sich nun natürlich die Frage stellt, ob sich darin die Überreste von Bonnie befinden. Ich glaube nicht, dass dem so ist und vermute eher, dass Bonnie noch am Leben ist, auch wenn ich nicht darauf wetten würde, dass sie das Staffelfinale überlebt.

Fazit

Man nimmt in der vorletzten Episode der Staffel ordentlich Fahrt auf, wodurch die Geschichte rund um die Sammelklage leider auf der Strecke bleibt. Die erzählten Handlungen bieten jedoch ordentlich Zündstoff und besonders zum Ende der Folge hin packt die Spannung jede Faser des Körpers.

Marie Florschütz - myFanbase

Die Serie "How to Get Away with Murder" ansehen:


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