Bewertung: 7

Review: #6.02 40 Tage (2)

Nachdem mich die erste Episode dieser Staffel mit merkwürdigen und nicht so traurigen Gefühlen wie erwartet zurückgelassen hat, läuft es in dieser zweiten Folge, die direkt an den Auftakt anschließt, etwas besser. Genauer gesagt sind es die Tränen, die besser laufen. Ein emotionaler Hammer ist diese Folge zwar auch nicht, aber es gibt einige Szenen, die berühren.

Izzie gesteht, dass sie sich einen neuen Gehirntumor wünscht, um George zu sehen und mit ihm sprechen zu können. Sie vermisst ihren besten Freund und sucht Trost bei ihrem Mann Alex, der sich jedoch zunächst wie der Idiot aufführt, der er in den ersten beiden Staffeln so oft war. Als er Izzie aber schließlich offenbart, dass er ihren Beinahe-Tod noch nicht verwunden hat und Angst hat, sie zu verlieren, weil er ohne sie nicht leben kann, verzeiht man ihm sofort. Ein schöner Moment des Ehepaares. Auch dass sich Izzie die depressive Amanda vornimmt, hat mir gefallen und war auch bitter nötig. Einer von Georges Freunden musste Amanda einfach klar machen, dass sie ihr Leben weiterführen muss, um Georges Oper einen Sinn zu geben. Vielleicht studiert Amanda ja tatsächlich Medizin und kehrt dann als Ärztin ins Seattle Grace zurück – falls es das Seattle Grace dann überhaupt noch geben sollte, aber dazu später mehr.

Dass Meredith immer einfach an Amanda vorbeigegangen ist, könnte man ihr Übel nehmen und ein bisschen habe ich das zunächst auch getan, aber als Meredith dann beim Anblick der Sachen, die aus Georges Spind ausgeräumt werden, bitterlich zu weinen anfängt, wird klar, die sie die Trauer über den Tod ihres Freundes tief ins sich eingeschlossen hatte, bis diese sich schließlich nach 39 Tagen in der Umkleidekabine des Seattle Grace Hospitals Bahn bricht.

Baileys Verhalten in dieser Episode ist erschreckend, aber schlüssig. Nachdem sie direkt nach Georges Tod beinahe apathisch war, verhält sie sich nun Cristina gegenüber grundlos feindselig. Die Erklärung dafür bekommen wir durch ihr Gespräch mit Derek. Bailey versucht sich mit Gewalt von ihren Schützlingen zu distanzieren und diese wegzustoßen, da sie einfach nicht mehr die Kraft hat, emotional involviert zu sein. Sie braucht die Muttergefühle für ihren Sohn. Man kann dies Bailey nicht vorwerfen, denn ihr Sohn ist ein kleines Kind, das ein Recht darauf hat, dass seine Mutter sich ganz auf ihn konzentriert, während Izzie, Meredith, Cristina und Alex erwachsene Menschen sind, doch ob es Bailey wirklich gelingt, vollkommen auf Distanz zu gehen? Einfach wird es nicht und ihre Schützlinge fortan wegen Nichtigkeiten anzugreifen, ist auch nicht der richtige Weg.

Eine Konstellation, die wir zuvor noch nicht erlebt haben, aber durchaus sympathisch rüberkommt, ist in dieser Episode das Duo Derek und Arizona. Als Arizona wegen ihres Patienten Andy nicht weiter weiß und von Webber daran gehindert wird, teure Untersuchungen vorzunehmen, bittet sie Derek um Hilfe. Gemeinsam gelingt es ihnen tatsächlich, Andys Leiden festzustellen und zu beheben. So wie Mark und Callie platonische Freunde sind, könnten dies in Zukunft auch Derek und Arizona werden. Das würde durchaus passen.

Durch den Zusammenschluss des Seattle Grace mit dem Mercy West Hospital wird sich definitiv einiges ändern. Es werden neue Ärzte zu sehen sein, während wir uns von anderen möglicherweise verabschieden müssen. Niemand kann sich seines Jobs mehr sicher sein, der Konkurrenzdruck wird größer werden und die Dynamik wird sich verändern. Ob diese Entwicklungen der Serie gut tun, muss sich erst noch zeigen. In der sechsten Staffel kann man schon mal etwas wagen, doch allzu große Veränderungen sind immer riskant und werden von Fans der ersten Stunde oftmals abgelehnt.

Maret Hosemann - myFanbase

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