Bewertung: 8

Review: #1.18 Zweifel

Foto: Julianna Margulies, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Julianna Margulies, Good Wife
© Paramount Pictures

In #1.18 Zweifel bekommen wir eine völlig andere Perspektive geboten und zugleich bricht die Serie mit ihrem üblichen Erzählschema. Während wir normalerweise einen Fall präsentiert bekommen, der mehr oder weniger Parallelen mit Alicias Privatleben hat, erhält man als Zuschauer bei dieser Episode einen Einblick in das Rechtssystem der Vereinigten Staaten, zumindest in Bezug auf die Abstimmungen der Geschworenen.

Der Fall der Woche wird von hinten erzählt. Wir befinden uns zu Beginn einer Abstimmung von Geschworenen, die darüber urteilen sollen, ob eine Studentin den Mord an ihrer Mitbewohnerin begangen hat oder nicht. Erst nach und nach erhalten wir die Fakten, was überhaupt passiert ist und wieso die junge Frau nun vor Gericht steht. Sehr spannend finde ich dabei, wie die Jury vorgeht. Schritt für Schritt werden die unterschiedlichen Beweise (Fotos und Aussagen) noch mal betrachtet und gegeneinander abgewogen. Gleichzeitig sehen wir in kurzen Rückblenden, wie Lockhart/Gardner diese Beweise beschafft hat. Diese Perspektive hat mir insgesamt sehr gut gefallen, ist sie doch erfrischend im Vergleich zu dem sonst immer gleichen Schema, in dem die Episoden aufgebaut. Jede Folge kann man natürlich nicht so aufziehen, aber ich glaube dieser Fall hat es sehr gut hergegeben. Gleichzeitig erkennt man, in welch einer schwierigen Lage man sich als Geschworener befindet und was einen vor Gericht alles beeinflussen kann, ob bewusst oder unterbewusst. Wenn ich von mir selbst ausgehe, wüsste ich nicht, ob ich nach klaren Fakten oder Sympathien entscheiden würde und wie sehr ich mich durch die Meinungen der anderen beeinflussen lassen würde. Die stundenlang andauernden Diskussionen, bis man sich auf ein gemeinsames Urteil geeinigt hat, sind sicherlich zermürbend, vor allem wenn zu Beginn der Abstimmungen die Geschworenen zur Hälfte für eine Verurteilung und zur Hälfte dagegen sind.

Abseits der Geschworenen und der Beweisführung von Lockhart/Gardner bekommen wir in dieser Episode ebenfalls präsentiert, was die Angst vor einer lebenslangen Haft in einer Familie und insbesondere in der Angeklagten auslösen kann. Die Staatsanwaltschaft bietet ihr einen Handel an, der sie für zehn Jahre hinter Gitter steckt. Dafür bliebe aber ein Urteil und damit auch eine mögliche lebenslange Haftstrafe aus. Die Angeklagte weiß, dass sie unschuldig ist – zumindest wenn ich davon ausgehe, dass sie die Wahrheit gesagt hat – also muss ihre Angst beziehungsweise ihr Misstrauen in das Rechtssystem so groß sein, dass sie lieber unschuldig ins Gefängnis geht, als zu unrecht verurteilt zu werden. Ich mag mir gar nicht vorstellen, welche Verzweiflung sie da getrieben hat beziehungsweise wie es sich anfühlt, vor Gericht sämtliche Hoffnung zu verlieren. Als Zuschauer erfährt man dann schlussendlich auch noch, dass sie von den Geschworenen freigesprochen worden wäre, was ihren Entschluss noch schwieriger nachvollziehbar macht. Andererseits stand das Urteil der Geschworenen lange auf der Kippe, was sie nicht wissen konnte, aber dennoch davon zeugt, dass es auch genauso gut anders hätte ausgehen können. So richtig vertrauenserweckend wirkt diese Rechtsfindung auf mich nicht, auch wenn man sich dabei zugleich die Frage stellen kann, ob zehn Geschworene nicht objektiver urteilen als ein einziger Richter. Es spielen einfach so viele Faktoren eine Rolle, dass zumindest ich wohl nie zu einer klaren Antwort auf diese Frage kommen kann.

Gleichzeitig zieht dieser Fall auch Parallelen zum Fall Amanda Knox. Die amerikanische Studentin soll in Italien ihre Mitbewohnerin Meredith Kercher umgebracht haben. Nachdem es 2009 zur Verurteilung von Knox und ihrem damaligen Freund Raffaele Sollecito kam, machten sich vor allem die Boulevardmedien über den Fall her. Diese "Good Wife"-Episode lässt diesen Aspekt zwar außen vor und auch der Mord an sich ist anders abgelaufen, als das reale "Vorbild", aber als Zuschauer zieht man diesen Vergleich sofort als klar wird, dass es sich um einen Mord an einer Studentin handelt und noch ein mögliches Liebesdreieck im Spiel ist.

Anders als bei den bisherigen Episoden spielte bei dieser Folge Alicias Familie überhaupt keine Rolle. Es kam weder jemand vor noch wurden irgendwelche Parallelen zu ihrer privaten Situation gezogen, so dass diese Episode nicht nur aufgrund ihrer besonderen Erzählstruktur aus der Reihe fällt.

Fazit

Ein interessanter Fall, der durch eine ausgefallene Erzählperspektive zu überzeugen weiß. Man erhält einerseits einen Einblick in die Arbeit von Geschworenen und kann nachvollziehen, wie schwierig das Fällen eines Urteils ist, andererseits bekommen wir hier auch präsentiert, wie die Staatsanwaltschaft mit der Anwaltskanzlei einen Deal aushandelt, der die Angeklagte vor eine sehr schwierige Entscheidung stellt. Beide Situationen zwingen auch mich als Zuschauer dazu, eine Entscheidung zu fällen. Hält man die Frau für unschuldig und wenn ja, wie geht man mit ihrer Entscheidung um? Diese Episode sticht also durch ihre besondere Struktur aus der Staffel heraus, bleibt aber sicher auch ein Einzelfall, da dieses Schema zwar zu überraschen weiß, auf Dauer aber sicher zu anstrengend wäre. Als Zuschauer möchte man schließlich nicht jedes Mal einen ähnlichen inneren Konflikt durchmachen müssen wie diesmal.

Catherine Bühnsack - myFanbase

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