Bewertung: 9

Review: #1.19 Die Bombe

Foto: Julianna Margulies & Chris Noth, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Julianna Margulies & Chris Noth, Good Wife
© Paramount Pictures

Wow, was für ein brisantes Thema, das uns in #1.19 Die Bombe erwartet, nicht nur als Fall der Woche, sondern auch in Alicias Privatleben.

Nach den Mohammed-Karikaturen, die 2005 in einer dänischen Tageszeitung erschienen und anschließend weltweit zu Protesten, gewalttätigen Ausschreitungen und vor allem zu einer Diskussion über die Presse- und Meinungsfreiheit führten, greift diese Episode einen ähnlichen Fall auf. Eine Zeitung, die eine kontroverse Karikatur veröffentlicht, wird Opfer eines Bombenanschlags und nun fordert die Witwe des dabei ums Leben gekommenen Mannes Schadensersatz vom Verlag. Die Frage nach der Schuld ist hierbei schwierig, denn der Verlag oder in dem Fall der verantwortliche Chefredakteur müsste sich bei der Veröffentlichung einer Karikatur jedes Mal fragen, ob diese eventuell einen Anschlag auf sein Leben oder das seiner Mitarbeiter nach sich zieht. Genau die Diskussionen über die Meinungsfreiheit, die 2005 in der Realität geführt wurden, könnten durch diese Episode erneut aufgegriffen werden. Doch der Fokus der Episode ändert sich schnell, als Jonas Stern plötzlich auf der Bildfläche erscheint. Durch ihn wird das Ganze eher ein Rachefeldzug gegen Lockhart/Gardner als eine Schadensersatzklage gegen einen Verlag, und wir sehen, wie parallel die Machtspielchen beginnen.

Cary wird eingesetzt, um die Gegenseite auszuspionieren und liefert Will und Diane bald wertvolle Informationen. Im Gegenzug verspricht er sich einen Vorsprung gegenüber Alicia, die durch ihre Arbeit einige Pluspunkte sammeln konnte. Interessant ist hierbei auch, dass Cary mit seinen Informationen erst zu Will geht, obwohl er sonst bei Diane immer ein offenes Ohr findet. Er nutzt den Machtkampf zwischen den beiden Kanzleipartnern aus und weiß genau, wie er die Situation zu seinem Vorteil nutzen kann. Wir wissen schon lange, dass Cary sehr gerissen ist und vor allem in Aushandlungen von Deals ein gutes Händchen beweist. Diesmal setzt er dieses Geschick aber nicht für einen Mandanten, sondern für sich selbst ein. Und auch wenn es in dieser Episode eigentlich um Sterns Rachefeldzug gegen seine ehemalige Kanzlei geht, merkt man doch, dass auch der Konkurrenzkampf zwischen Alicia und Cary bald in die nächste und vielleicht entscheidende Runde geht.

Alicia befindet sich in dieser Episode derweil in einer schwierigen Situation. Sie weiß, dass Stern an Demenz leidet, doch sie darf diese Information nicht weitergeben. Stern weiß genau, dass Alicia eine Bedrohung für ihn darstellt, deshalb stellt er sofort klar, dass er sie fertig machen wird, sollte jemand von seinem Zustand erfahren. Es ist Kalinda, die Alicia den entscheidenden Hinweis gibt, wie sie Stern, ohne etwas zu verraten, schlagen kann, denn da sie weiß, wie sie ihn aus dem Konzept bringen kann, scheint es auf einmal ganz einfach, ihm den Wind aus den Segeln zu nehmen. Während Cary sich auf der einen Seite also mit wichtigen Informationen hervortun konnte, glänzt Alicia auf der anderen Seite vor Gericht. Jetzt ist es erneut an Will und Diane abzuwägen, wer von beiden für die Kanzlei wertvoller ist und ich bin sehr gespannt, wie das Ganze in den nun anstehenden Episoden entschieden werden wird.

Während ein Großteil der Episode von Angespanntheit bestimmt war, gab es aber auch ein paar leichtere Momente. So zum Beispiel als Jackie von Eli über Peters neue Religiösität erfährt. Dass die davon nicht sonderlich angetan ist, merkt man sofort. Sie versucht ihm sogleich den Kopf zu waschen und erneut passiert das ein wenig auf dem Rücken von Alicia. Sie erkennt, dass Peter Alicias Vertrauen zurückgewinnen möchte, ist aber der Meinung, dass er sich schon ausreichend bei ihr entschuldigt hat. Während da wohl wieder ihre Muttergefühle durchkommen und sie ihren Sohn in den Schutz nehmen will, bin ich mir nicht immer sicher, wie berechnend Peter seine Taten abwägt. Hat er die Religion gewählt, weil er weiß, dass er Alicia - und vielleicht noch ein paar Wähler gleich mit - damit von sich überzeugen kann? Oder meint er es tatsächlich ernst? Ich kann ihn nicht ganz durchschauen, find ich es doch ehrenhaft, dass er sich Mühe gibt, aber auch bedenklich, dass er gleich nach der Entlassung aus der Haft schon wieder an seinen Wahlkampf denkt. Wenn er es mit Alicia wirklich ernst meint, sollte er sich dann nicht in Ruhe auf seinen Prozess vorbereiten, sich die Zeit für seine Familie nehmen und den Rest ausblenden?

Einerseits möchte Peter Alicia beweisen, dass er ein guter Mann und es wert ist, mit ihr verheiratet zu sein. Anderseits muss er sich auf eine Auseinandersetzung mit Childs vorbereiten, denn der plant seine Strategie zu ändern. Interessant ist dabei erneut, Alicias scheinbar zufälliges Aufeinandertreffen mit Kozko, der einen Kronzeugen in Peters Prozess darstellt. Ich frage mich, ab wann geplant war, dass es sich hierbei um eine Falle handelt. Peter hat die Situation am Ende immerhin durchschaut und Childs so keine prekären Informationen zukommen lassen, doch dafür hat sich sein Verhältnis zu Alicia erneut verschlechtert. Für sie sieht es nun so aus, als hätte Peter die erste Chance aus dem Haus zu kommen genutzt, um sich wieder mit jemandem anzulegen beziehungsweise jemanden unter Druck zu setzen. Nicht mal einen Gottesdienst, bei dem auch seine Kinder und seine Frau anwesend sind, kann er sich in Ruhe ansehen. Dass das kein gutes Licht auf ihn wirft, ist klar, und ich kann absolut nachvollziehen, dass Alicia sich erneut betrogen und benutzt fühlt. Ein bisschen tut Peter mir hier aber auch leid, da man als Zuschauer weiß, dass er reingelegt wurde und sich tatsächlich bemüht, Alicia ein guter Ehemann zu sein. Da Alicias Vertrauen in ihn aber eh schon erschüttert war, hätte er vielleicht noch vorsichtiger sein sollen, auf was er sich dort einlässt.

Und damit will ich eigentlich auch schon zum Ende kommen. Noch nicht ganz zum Ende dieser Review, sondern erstmal zum Ende der Episode. Nachdem Alicia mal wieder von ihrem Mann enttäuscht wurde, verhält sie sich ein bisschen wie ein trotziger Teenager. Sie verabredet sich mit Will, wohl wissend, dass es Peter eifersüchtig macht, und lässt ihn zuhause stehen, ebenfalls wohl wissend, dass er ihr nicht folgen kann oder darf. Natürlich haben wir in den letzten Episoden immer mal wieder Andeutungen gesehen, dass zwischen Alicia und Will mehr als nur Freundschaft bestehen könnte – getoppt wurde das durch den Kuss in #1.17 Ein schmaler Grat. Doch irgendwie hat es mich in dieser Situation gestört, wie es zu dem scheinbaren Date von Alicia und Will gekommen ist. Für mich hatte das Ganze eher was von: "Das hast du jetzt davon." Natürlich kann man argumentieren, dass Alicia sich lange genug an die Beziehung zu Peter geklammert hat und viel zu lange die Fehltritte ihres Mannes verziehen hat, aber ist diese Reaktion nun gerechtfertigt? War das wirklich das Tröpfchen, das das Fass zum Überlaufen gebracht hat oder hat Alicia nach dem Kuss mit Will nur auf eine Situation gewartet, in der sie einen Schlussstrich ziehen kann, ohne selbst die "Böse" zu sein? Vielleicht mag es daran liegen, dass Will mich bisher charakterlich nicht sonderlich überzeugte, oder dass mir die Annäherung der beiden zu sprunghaft ging, aber ein Fan dieser möglichen neuen Beziehungskonstellation bin ich noch nicht. Ich fand es an dieser Stelle einfach nur fies, dass Alicia Peter stehen lässt und ihm keine Chance gibt, die Situation zu erklären.

Ich verstehe die Argumente, dass sie sich oft genug seine Lügen und Ausreden anhören musste, aber gefühlsmäßig fühlte ich mich an dieser Stelle etwas von Alicias Reaktion überrumpelt beziehungsweise fand sie stellenweise einfach kindisch. Peter hat mit Sicherheit schon genügend Chancen von ihr bekommen, dennoch frage ich mich, wieso sie ihn überhaupt noch in ihre Wohnung gelassen hat, wenn sie jetzt bei dem ersten Problem kapituliert. Ich bin ein großer Fan von Alicia und von ihrer Stärke, aber für mich hatte diese Szene nichts mit Stärke zu tun, sondern zeigte lediglich, dass Alicia es Peter heimzahlen wollte und das hat mich enttäuscht.

Fazit

Diese Episode hat eine ganze Achterbahn an Gefühlen in mir ausgelöst. Zum einen war der Fall der Woche kontrovers und hat einen zum Nachdenken angeregt. Angefeuert wurde das Ganze durch das Auftauchen von Jonas Stern, dem Machtkampf mit Will und Diane und der zunehmenden Konkurrenz zwischen Cary und Alicia. Getoppt wurde das Ganze noch von Peters Storyline, dem Vertrauensbruch und der kleinen Racheaktion von Alicia, das zu einem Cliffhanger-Ende führte. Egal, ob mir der Inhalt der letzten Szene nun gefallen hat oder nicht, diese Episode war so ereignisreich und hat so viele Handlungsfäden zugespitzt, dass man ihr einfach die volle Punktzahl geben muss.

Catherine Bühnsack - myFanbase

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