Bewertung

Review: #1.08 Kampf ums Überleben

Die Episode #1.08 Kampf ums Überleben ist für mich der Wendepunkt der Serie, an dem sie sich in meiner Gunst von einer wirklich schönen und liebenswerten Show zu einem meiner absoluten Lieblinge entwickelte. Denn hier hat man nahezu perfekte 40 Minuten abgeliefert, in denen zwar der Humor etwas kürzer kommt, aber durch die enorme Emotionalität wird dies locker ausgeglichen. Ich kann hier keine Abstriche finden, sowohl inhaltlich als auch von der Inszenierung her ist Autor Tim Minear und Regisseur David Solomon ein kleines Meisterwerk geglückt.

Sometimes a thing gets broke can't be fixed.

Schon der Beginn der Folge ist ein Wechselbad der Gefühle, da sieht man Mal noch vor dem Vorspann völlig entkräftet im Laderaum der Serenity liegen, bevor die Kamera umschwenkt und mit einem gleißenden Lichteinfall ein Übergang in die Vergangenheit eingeleitet wird. Im Rückblick sehen wir Mal und Zoë, die sich die Serenity anschauen und wie Mal schon voller Stolz auf dieses Schiff ist und Zoë versucht von ihr zu überzeugen. Noch vor Zoës Entscheidung sind wir wieder in der Gegenwart und dramatisch erkennen wir, dass Mal schwer verletzt ist und blutet.

Was ist passiert? In einer zweiten Handlungsebene springen wir nochmals einige Zeit zurück, als auf der Serenity die Welt noch in Ordnung war. Der krasse Gegensatz der Stimmungen, zwischen der einsamen bedrohlichen Stille in Mals Zeit und der Vergangenheit, als alle neun Mitglieder der Crew fröhlich gemeinsam Simons Geburtstag feiern, entfaltet beim Zuschauer seine volle Wirkung. Man ist hin und her gerissen, die ausgelassenen Momente mit den Besatzungsmitgliedern zu genießen und sich zu sorgen, was bald geschehen wird. Was passiert ist eine Explosion im Maschinenraum, die zur Folge hat, dass die Stimmung natürlich völlig kippt, die den Antrieb des Schiffes lahm legt und im gleichen Zuge die Versorgung mit Sauerstoff unterbindet. Es tritt also das Worst-Case-Szenario ein, mit dessen Folgen die Crew der Serenity jetzt zu kämpfen hat.

I don't like him. Just something about him bothers me.

Unter diesen extremen Umständen kommt es zum offenen Konflikt zwischen dem Captain und Wash, der bisher ja eher unter der Oberfläche schwelte. Zoë wurde bei der Explosion verletzt, Mal kann und will Wash aber nicht gestatten bei ihr im Krankenzimmer zu bleiben, da er Wash als Piloten auf der Brücke braucht. Die Konfrontation der beiden Männer in Zoës Leben, die um sie konkurrieren, zwar nicht auf sexuell-partnerschaftlicher Ebene, aber doch um den Stellenwert in ihrer Gunst, bricht hier voll aus. Dabei ist es geradezu ironisch, dass wir in einem Rückblick auf Washs Vorstellung auf der Serenity erfahren, dass es damals Zoë war, die Wash nicht mochte. Jetzt allerdings bleibt nicht wirklich Zeit, um den Streit ordentlich zu beenden, geschweige denn ihn beizulegen, aber der Schlagabtausch zwischen Mal und Wash hat immerhin ein Gutes, er bringt Wash auf eine Idee, wie er das Notsignal verstärken kann.

Everybody dies alone!

In der Zwischenzeit spitzt sich die Lage weiterhin zu, die Serenity ist nicht mehr in der Lage sich zu bewegen und es wird kein neuer Sauerstoff für die Besatzung zum atmen zur Verfügung gestellt. Obwohl Kaylee das Problem kennt und leicht beheben könnte, kann sie nichts ausrichten, da ihr das benötigte Ersatzteil fehlt. Zu allem Übel befindet sich die Serenity momentan in einer völlig abgelegen Gegend des Weltalls, die man extra angesteuert hat, um Kontrollen der Allianz aus dem Weg zu gehen. Captain Reynolds trifft daraufhin seine Entscheidung die beiden Shuttles mit jeweils vier Personen an Bord loszuschicken, mit der geringen Hoffnung, dass sie Hilfe erreichen. Das bedeutet aber auch, das Mal - ganz der heldenhafte Kapitän - allein auf dem sinkenden Schiff zurückbleibt. Somit haben wir also die Erklärung, wie es kommt, dass Mal völlig verlassen ist.

Parallel zu den dramatischen Ereignissen blendet man immer wieder zurück um zu zeigen, wie alle zur Crew der Serenity gestoßen sind. Wash haben wir schon gesehen, Zoë begleitete Mal schon lange vor seiner Zeit als Outlaw im All, die Tams und Shepherd Book stießen als Passagiere in #1.01 Serenity dazu, und wie es Kaylee, Inara und Jayne aufs Schiff verschlug erfahren wir hier. Jede dieser Rückblicke ist für den jeweiligen Charakter zwar einerseits typisch, aber wirft doch auch einen neuen Blick auf sie. Dass Inaras Anziehung auf Mal schon bei ihrer ersten Begegnung vorhanden war überrascht nicht, aber man fragt sich, wovor sie davonläuft. Jayne hat nur aufgrund des besseren Angebotes bei Mal angeheuert, wobei er dies auf seine unnachahmlich herrlich trockene Art tat, aber besonders Kaylees Anheuern lässt einen mit weit offenen Augen zurück. Kaylee, Kaylee, das hätte ich ihr nicht zugetraut, einfach so direkt nach einem unterbrochenen Geschlechtsakt mit einem völlig Unbekannten über die Mechanik von Raumschiffen zu philosophieren und dann die Gelegenheit beim Schopfe packen und mit selbigen auf die Reise zu gehen.

You buy this ship, treat her proper. She'll be with you for the rest of your life.

Der eigentliche Hauptcharakter dieser Episode ist aber die Serenity selbst, deren Präsenz wir durch die langen Kamerafahrten die wir zusammen mit Mal durch das Raumschiff unternehmen immer mehr spüren, und die verloren in der Weite des Alls ist. Die Serenity ist die Seele der Crew, und sie ist der Hoffnungsschimmer für Mal, sein Leben zu leben. Ein besonderer Moment war es, als sie sich kennenlernten, der Captain und sein zukünftiges Schiff. Es war Liebe auf den ersten Blick. Jetzt sind sie innig verbunden, ebenso wie die anderen, die zu ihrer Crew gehören. Denn nachdem Mals Hilferuf doch noch von einem anderen Schiff aufgegriffen wurde, die erhoffte Hilfe sich aber nur als eine Bande Schurken herausstellt, denen Mal zwar den dringend benötigten Katalysator abhandeln kann, sich dafür aber eine Kugel im Bauch einfängt, wird die aussichtslos scheinende Situation dadurch gerettet, dass Zoë sich schließlich Mals Befehl wiedersetzt und zur Serenity zurückkehrt, gerade noch rechtzeitig, damit Simon Mal das Leben retten kann. Als Mal das Bewusstsein wiedererlangt und in Gesellschaft seiner Freunde ist, kann einem nur das Herz aufgehen.

Fazit

Eine herausragende Episode, die es meisterhaft bewältigt drei nebeneinander laufende Zeitebenen so zu verknüpfen, dass der Zuschauer von der vollen Emotionalität mitgerissen wird. Für mich eine der allerbesten Serienepisoden, die ich jemals gesehen habe, nicht nur im Rahmen von "Firefly".

Cindy Scholz - myFanbase

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