Bewertung: 9
Joel Schumacher

Jury, Die

Ein junges Mädchen, ein grausames Verbrechen, ein Vater in blinder Wut. Schuldig?

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Inhalt

Die kleine Tonya wird von zwei Weißen attackiert, vergewaltigt und fast getötet. Ihr Vater, Carl Lee Hailey, weiß, dass Weiße fast immer in solchen Fällen frei gesprochen werden. Deswegen erschießt er die Täter im Gerichtsgebäude. Dabei trifft er auch einen Cop, dem das Bein amputiert werden muss. Trotzdem gibt es einen Mann, der Verteidiger des Mörders werden will: Jake Tyler Brigance. Seine Kanzlei ist pleite, doch auch Carl Lee kann ihm nicht mehr als 900 Dollar geben.

Als der Fall vor Gericht kommt, ist ein Sieg für Jake schon fast aussichtslos, denn der Staatsanwalt Rufus Buckley ist bekannt dafür, seine Fälle zu gewinnen und Jake ist noch sehr unerfahren. Während des Prozesses nimmt sich der Bruder eines von Carls Opfern vor, gegen die Schwarzen zu kämpfen und so drängt sich der Ku-Klux-Klan wieder in den Vordergrund, der auf Jake und seine Gehilfen (allen voran Ellen und Ethel) mächtig Druck ausübt. Dabei brennen sie Häuser nieder und erschießen sogar Leute. Ob Jake es noch schafft, Carl zu retten? Vielleicht kann ihm ja die schöne Ellen Roark helfen. Sie stammt aus einer Familie von renommierten Juristen, doch sie selbst studiert noch und ist absolut unerfahren.

Kritik

Dieser Film ist wirklich nichts für schwache Nerven. Während man die Tat an dem kleinen Mädchen nicht genau sieht, wird sie doch am Ende des Films von Jake genau geschildert und dabei kann man nichts tun, als schockiert zu sein. Die Frage, die man sich jedoch stellen muss, ist: Auf welcher Seite steht man? Wie es im Film selbst gesagt wird, wenn Jake den Fall gewinnt, ist es richtig, genauso wie wenn er ihn verliert. Man könnte auch sagen, dass es immer unrichtig sei. Wie man es dreht und wendet, einen wahren Gewinner kann es hier nicht geben.

Was sehr schön dargestellt wird, ist, dass die Entscheidungen, die jeder trifft, immer zweideutige Konsequenzen haben. Oft wird Jake geraten, den Fall abzugeben, die Chancen dazu hat er ja. Trotzdem bleibt er an ihm dran und möchte, dass Carl Lee freigesprochen wird.

Die Geschichte um den Ku-Klux-Klan fand ich recht unpassend und unrealistisch. Es ist zwar verständlich, dass Freddie Lee Cobb, der Bruder einer der Getöteten, sich rächen will oder wütend auf Hailey ist, aber dann gleich den "Klan" mit wieder auferstehen lassen? Während des Films merkt man sofort, dass sich Weiße und Schwarze genau gegenüberstehen. Doch für wen wärt ihr? Wie der Film ausgeht, ist eigentlich recht vorhersehbar, aber nur vom Gerichtsurteil her. Denn was menschlich vorfällt, kann man nicht ahnen.

"Die Jury" spielt sehr gezielt mit der Psyche und Einstellung von Menschen, was wunderbar gezeigt und gesagt wird. Carl Lee nennt Jake denjenigen, der auf der "anderen Seite" steht und meint, dass ein Krieg herrsche. Im Prinzip stimmt das, denn in den USA ist das Thema Rassentrennung wohl doch noch nicht ganz überwunden. In unserem Land mag der Rassenkampf nicht so vorherrschend sein wie in den USA, jedoch stellt man sich immer die Frage, wie man persönlich stimmen würde, wenn man in einer Jury wäre. Und nicht nur das, denn man muss auch über die Konsequenzen nachdenken. Carl Lee Hailey würde, selbst, wenn er nur im Gefängnis landen würde, seine Familie und insbesondere seine geschändete Tochter verlieren. Jedoch wird im Film nicht nur von Gefängnis gesprochen, sondern auch von der Todesstrafe, die Lee erwarten könnte.

Die Leistung der einzelnen Schauspieler ist hervorragend, man nimmt allen ihre Rolle ab. Was mich etwas gewundert hat, ist, dass Kiefer Sutherland keine einzige Szene mit seinem Vater, Donald, hatte. Am meisten habe ich Matthew McConaughey, Samuel L. Jackson und Sandra Bullock gemocht. Sandra bringt einfach den Witz mit hinein, der im Rest des Films total auf der Strecke bleibt. Samuel und Matthew bringen die Gefühle und Ängste ihrer Charaktere sehr gut zum Zuschauer. Und Kevin Spacey, der hier nur die etwas kleinere Rolle des Staatsanwalts spielt, war auch in Ordnung. Am Ende ist tatsächlich selbst bei ihm ein Funke von Nachdenken im Gesicht abzulesen. Während der Verhandlung hat man nämlich immer das Gefühl, dass es dem Anwalt nur darum geht, gegen den Neuanfänger Jake zu gewinnen, was wohl auch seine Hauptabsicht war, aber er denkt eben auch, dass niemand, egal, was ihm widerfahren ist, das Gesetz in seine eigene Hand nehmen darf. Auch die Kleine selbst, gespielt von Rae'Ven Larrymore Kelly, gibt wohl jedem ein Gefühl von Mitleid und spielt ihre Rolle sehr gut.

Wie der Roman von John Grisham ist, der auch Werke wie "Der Regenmacher" schrieb, kann ich nicht sagen, da ich ihn noch nicht vollständig gelesen habe. Ich habe nur einige Seiten angelesen, in denen die schlimme Tat an dem Mädchen verübt wurde, die dort sehr viel genauer dargestellt wird. Ich denke, wenn man diese Szene so genau im Film dargestellt hätte, wäre das sehr viel schlimmer gewesen als das, was man gesehen hat.

Fazit

Ein packender Film über Rassenkampf, Familie und Vorurteile; nach der Romanvorlage von John Grisham. Sehr emotional und insbesondere deswegen mehr als empfehlenswert!

Elsa Claus - myFanbase
19.02.2007

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