Bewertung: 7
Rob Marshall

Mary Poppins' Rückkehr

"Alles ist möglich. Auch das Unmögliche."

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Inhalt

Mitten in der Weltwirtschaftskrise der 1920er und 1930er Jahre findet sich Michael Banks (Ben Whishaw) nach dem Tod seiner Frau in finanziellen Schwierigkeiten. Die drei kleinen Kinder wollen versorgt werden, die Bank droht sein Haus zu pfänden - es scheint alles verloren. Während seine Schwester Jane (Emily Mortimer) und die Haushälterin Ellen (Julie Walters), alles versuchen, um in der prekären Situation zu helfen, schwebt Mary Poppins (Emily Blunt) wortwörtlich in ihr Leben. Jane und Michael erkennen ihre geliebte Nanny zwar sofort wieder, glauben aber schon lange nicht mehr an ihre magischen Fähigkeiten. Wird Mary Poppins einmal mehr Familie Banks in bessere Zeiten begleiten, oder ist dieses Mal wirklich alles verloren?

Kritik

Der Cast von "Mary Poppins' Rückkehr" liest sich wie eine Auflistung der aktuellen Hollywood- und Musical-Stars. Neben Emily Blunt, Lin-Manuel Miranda ("Hamilton", "How I Met Your Mother"), Ben Whishaw und Meryl Streep, ist auch Colin Firth mit von der Partie. Wer "Mary Poppins" aus dem Jahr 1964 kennt, wird Julie Andrews' Portraitierung der beliebten Nanny lieben. Emily Blunt musste ihn wahrlich große Fußstapfen treten, und sie gibt der Rolle einen erstaunlich ehrlichen, neuen Touch. Lin-Manuel Miranda spielt als Gaslampen-Anzünder Jack die Rolle des treuen Begleiters Mary Poppins', ähnlich des Charakters Bert (Dick van Dyke) im Originalfilm. Generell erinnert der Film bereits in den ersten Minuten sehr an das Original, sowohl in Hinblick auf die Charaktere, als auch in der Art und Weise des Vorspanns und Einführung in die Szenerie.

Der kleine Michael Banks aus "Mary Poppins" ist in "Mary Poppins' Rückkehr" dreifacher Vater und Witwer, der mit finanziellen Engpässen zu kämpfen hat und kurz davorsteht, sein Elternhaus, in dem er mittlerweile lebt, zu verlieren. Zwar spricht ihm seine Schwester Jane immer wieder gut zu, aber auch den drei Kindern bleibt nicht verborgen, dass sie sich in einer prekären Situation befinden. Dies trifft den Zuschauer, der sich in der Cherry Tree Lane Nummer 17 seit Jahrzehnten wohl fühlt, hart. Man fiebert mit - allerdings unterbrechen Ausflüge in imaginäre Welten dieses Gefühl immer wieder, wodurch der Film auf Dauer etwas holprig rüberkommt, die Charaktere aber detaillierter zeichnen kann. Mit Hilfe von Mary Poppins und Jack erkennen die Kinder, dass ihre Mutter zwar gestorben ist, aber niemals aus ihrem Leben verschwinden wird und dass es sich immer lohnt, um das was einem wichtig ist, zu kämpfen - auch wenn das Gegenüber scheinbar der böse Wolf ist.

Mary Poppins ist einfach da - es ist klar, sie "spürt", wenn sie gebraucht wird, die Freude von Michael und Jane ist vorhanden, aber steht in keiner Relation zum Rest des Films, in dem Michael die Magie Mary Poppins' wiederholt als kindliche Fantasien und nichts weiter darstellt. Ein allgemeines Problem des Films ist, dass er manchmal gar holprig und fragmentiert wirkt. Die großen Erfolge des Originals wurden zu zwanghaft als Maß aller Dinge gesehen, wodurch die Magie immer wieder auf halber Strecke verloren geht. Emily Blunts Mary Poppins ist gut, bisweilen sogar fantastisch. Immer wieder gibt es Szenen, in denen Blunts Respekt vor Julie Andrews' Darstellung zwar sichtbar wird, sie es aber dennoch scheinbar mühelos schafft, das Beste aus dem etablierten Charakter und ihrer eigenen Interpretation zu machen. Man möchte fast hoffen, dass Emily Blunt die Rolle in der Zukunft noch einmal spielen darf.

Nicht nur die wiederkehrenden Charaktere transportieren den Zuschauer einmal mehr in die Welt der Cherry Tree Lane in London, auch der Soundtrack versucht sich daran, die Nähe zum Originalfilm beizubehalten. Ein Punkt, der durchaus kritisch zu sehen ist - die Lieder aus "Mary Poppins" sind so legendär wie einprägsam, von der ersten Minute kann man scheinbar mitsingen. Ein schweres Erbe für jeden Komponisten. An diesem Punkt hadert "Mary Poppins' Rückkehr" am meisten. Zwar sind die Musikstücke einprägsam, aber es scheint immer das gewisse Etwas eines "Superkalifragilistikexpialigetisch" zu fehlen. "Trip a Little Light Fantastic" und "Where the Lost Things Go" kommen dem Zauber des Originals hier noch am nächsten. Die instrumentale Untermalung hingegen ist so pointiert und exzellent eingesetzt, dass der ganze Zauber von Mary Poppins im Laufe des Films doch immer wieder Einzug halten kann.

Fazit

"Mary Poppins' Rückkehr" ist ganz klar eine Hommage an das Original. Emily Blunt und Lin-Manuel Miranda sind sich sehr bewusst, dass sie einen Klassiker wiederaufleben lassen, und das spürt man im Film immer wieder. Hierdurch kommt die Magie und die scheinbare Leichtigkeit in allem was Mary Poppins tut zwar zum Vorschein, kann aber ohne die gedanklichen Zusammenhänge mit dem Originalfilm nicht funktionieren. Der Soundtrack hat ein ähnliches Problem, so dass am Ende ein Film entsteht, der zwar die Stütze seines Vorgängers benötigt, aber dennoch ein schönes Kinoerlebnis mit einem wundervollen Ensemble ist.

Mehr Disney-Filme könnt ihr in unserem Disney Special finden.

Jeanne Plaumann - myFanbase
22.12.2018

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