Bewertung: 9
Tom Hooper

Les Misérables

To love another person is to see the face of God.

Foto: Copyright: 2012 Universal Pictures Germany
© 2012 Universal Pictures Germany

Inhalt

Als junger Mann stahl Jean Valjean (Hugh Jackman) einen Laib Brot, um das Überleben seiner Familie zu sichern. 19 lange Jahre musste er für diese Straftat im Zuchthaus büßen. Als er endlich frei ist, hat Valjean eine Eingebung, durch welche er sein Leben neu anfangen möchte. Er verschafft sich eine neue Identität und arbeitet sich zum ehrenvollen Bürgermeister einer Stadt hoch. Dort lernt er Fantine (Anne Hathaway) kennen, die ihren Job verloren hat und versucht, sich und ihre Tochter Cosette als Prostituierte über Wasser zu halten. Als Fantine eines Tages stirbt, schwört Valjean ihr, sich um ihre Tochter zu kümmern und ihr ein Zuhause zu geben. Doch die Vergangenheit holt ihn ein, als Inspektor Javert (Russell Crowe) ihn wiedererkennt und erneut hinter Gitter bringen möchte. Valjean ergreift gemeinsam mit Cosette die Flucht und reist mit ihr nach Paris.

Die Jahre verstreichen, Cosette (Amanda Seyfried) wächst zu einer schönen jungen Frau heran und verliebt sich in den Studenten Marius Pontmercy (Eddie Redmayne). Die junge Liebe scheint zu zerbrechen, als die Französische Revolution mit dem Juniaufstand 1832 ihren Höhepunkt zu erreichen scheint und Valjean erneut auf Javert trifft...

Kritik

Emotional, rührend, schockierend, faszinierend – "Les Misérables" gehört zu den wohl besten Musicalverfilmungen der vergangenen Jahre, wenn nicht sogar aller Zeiten. Lange war die Idee in Planung, doch hat es Jahre gedauert, diese endlich umzusetzen. Es war eine gute Entscheidung, den Start so lange aufzuschieben, denn hätte man den Film schon, wie zunächst geplant, in den 1980ern gedreht, so hätte man auf dieses fantastische Schauspielensemble verzichten müssen. Es ist kaum vorstellbar, andere Darsteller in den Rollen zu sehen, da sie einfach perfekt für sie gemacht sind. "Les Misérables" war zu Recht bei der Oscarverleihung 2013 für satte sieben Preise nominiert, von denen der Film drei mit nach Hause nehmen konnte, unter anderem für Anne Hathaway als beste Nebendarstellerin. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Victor Hugo hat Regisseur Tom Hooper es geschafft, ein wahres Meisterwerk zu erschaffen, denn es ist wahrhaftig kein Leichtes, ein weltweit so erfolgreiches Musical auf die Leinwand zu projizieren.

Für die Verfilmung wurden zwei der Originalschauspieler vom Broadway direkt vor die Kamera in den Hauptcast geholt: Samantha Barks, die das Straßenmädchen Eponine spielt, und Colm Wilkinson als Bischof von Digne. Gerade Barks merkt man an, dass sie diese Rolle schon zuvor gespielt hat. Sie ist eine fabelhafte Eponine mit einer einfühlsamen Gesangsstimme, die unter die Haut geht. Die Szene, in der sie durch den Regen geht und ihr gebrochenes Herz in dem Lied "On My Own" ausschüttet, ist ein absolutes Highlight des Films und treibt mit Sicherheit auch dem ein oder anderen sonst so harten Kerl die Tränen in die Augen. Gleiches gilt für die Version "I Dreamed a Dream" von Anne Hathaway, die ihre tiefsitzende Trauer und die Trümmer ihrer Selbst förmlich in die Kamera brüllt. Gänsehaut ist an dieser Stelle vorprogrammiert und der Oscar ist allemal verdient.

Das Besondere am Dreh von "Les Misérables" war, dass alle Lieder von den Darstellern live am Set gesungen wurden und diese nicht erst zu einem späteren Zeitpunkt eingefügt wurden. Das war sicherlich für alle eine enorme Herausforderung, die sie allerdings hervorragend gemeistert haben. Dass Hugh Jackman ein so begnadeter Sänger ist, ist eine echte Überraschung. Er lebt die Rolle des Jean Valjean und das spürt man als Zuschauer. Seine Lieder sind emotional und dramatisch, und dennoch schafft es Jackman, dass dies nicht zu überzogen wirkt, sondern sehr realistisch. In seiner Stimme steckt enorm viel Kraft. Ebenso begeistern können Eddie Redmayne als Marius und Amanda Seyfried als Cosette. Sie bilden ein zuckersüßes Filmpaar und ihr gemeinsames Lied "A Heart Full of Love" ist so romantisch, dass man sich fast gleich mit ihnen verlieben könnte. Auch wenn diese Liebesgeschichte, wie es oftmals der Fall ist, etwas schnell daherkommt, wirkt es doch nicht lächerlich, denn der Funke springt einfach über.

Als weitere Darsteller können Sacha Baron Cohen und Helena Bonham Carter als verrückte Eltern von Eponine begeistern. Sie bringen in die eher angespannte Atmosphäre einen gewissen Charme und Witz mit hinein. So fällt es leicht, zwischenzeitig eine Runde auszuatmen. Sehr niedlich ist auch Daniel Huttlestone als kleiner Straßenjunge Gavroche, der wie ein ganz Großer in der Revolution für seine Freiheit kämpft. Der Darsteller, der mich persönlich am wenigsten überzeugen konnte, ist jedoch Russell Crowe als Inspektor Javert. Er hat eine kräftige Stimme, keine Frage, doch wirkt er sehr verspannt und angestrengt, wodurch ihm die Rolle nur schwer abzunehmen ist. Es scheint so, als hätte er seine Probleme damit gehabt, live singen und zeitgleich schauspielern zu müssen. Doch durch die Glanzleistung aller anderen Darsteller fällt sein Part eher weniger ins Gewicht.

Zu den grandiosen Performances der Schauspieler kommt noch die einmalige Kulisse hinzu, die das revolutionäre Paris des 19. Jahrhunderts bietet. Es sieht alles so glaubhaft und authentisch aus, als hätte man wirklich vor Ort gedreht. Die Straßen sind dreckig und vermüllt, Menschen leben und sterben in den Gassen und das Elend ist verbreitet. Die Kostüme und das Make-up, alles stimmt hier und zeigt ein Paris, wie es zu Zeiten der Französischen Revolution wohl gewesen ist.

Und dann natürlich das fabelhafte Drehbuch, diese einmalige Story. Jean Valjean, der einfach nur versucht, nach vorne zu blicken und ein ruhiges Leben mit seiner Adoptivtochter Cosette zu führen und doch immer und immer wieder von der Vergangenheit eingeholt wird; Cosette, die sich unsterblich in Marius verliebt, möchte einfach nur glücklich sein; Eponine, das Straßenmädchen, das seit Ewigkeiten für Marius schwärmt und dabei zusehen muss, wie er sich in Cosette verliebt; Javert, der es sich als Lebensziel gesetzt hat, Valjean einzufangen und für seine Taten büßen zu lassen; die Menschen, die in der Revolution für ihre Freiheit und ihren Frieden kämpfen - all dies vereint in der wundervollen Handlung von "Les Misérables". Eine Musicalverfilmung, die die Herzen der Zuschauer berührt und kein Auge trocken lassen wird. Ein emotionaler, erschreckend realistischer Film mit fantastischen Liedern – ganz großes Kino!

Zu den absoluten Highlights zählen zu den obengenannten Songs "I Dreamed a Dream" und "On My Own" noch "Empty Chairs at Empty Tables" von Eddie Redmayne und "One Day More", welches vom gesamten Cast des Films gesungen wird. Sich zusätzlich zum Film noch den Soundtrack zu holen, lohnt sich in diesem Falle allemal.

Fazit

Eine packende Story, ein genialer Cast: "Les Misérables" ist eine Musicalverfilmung, die unter die Haut geht und insbesondere für Fans dieses Genres ein absolutes Muss ist. Mitfiebern, lachen und weinen sind hier angesagt!

Sanny Binder - myFanbase
05.03.2015

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