Bewertung: 8
David O. Russell

American Hustle

Manche bescheissen für Respekt. Manche bescheissen aus Liebe. Andere suchen nach der Wahrheit. Aber alle bescheissen, um zu überleben.

Foto: Copyright: TOBIS Film GmbH & Co. KG
© TOBIS Film GmbH & Co. KG

Inhalt

1978 in New York City: Irving Rosenfeld (Christian Bale) wusste schon zu Jugendzeiten, dass man es mit kleinen Betrügereien weiter bringt als mit edlen Absichten. Sicher, seine Textilreinigung läuft gut, wird seinem Lebensstandart jedoch nicht unbedingt gerecht. Als Irving während einer Party auf die clevere Kleinstadtpflanze Sydney (Amy Adams) trifft, fühlt er sich zu ihr hingezogen. Wie er selbst erhofft sich Sydney mehr vom Leben. Das schnelle Geld lockt und so werden beide bald zu Partnern. Als scheinbare Kreditgeber ziehen sie ihren arglosen Kunden das letzte Geld aus der Tasche und wissen sogar mit gefälschten Kunstwerken zu beeindrucken.

Glücklich in der neu entdeckten Liebe zueinander und dem florierenden Geschäft haben sie die Rechnung allerdings ohne FBI-Agent Richie DiMaso (Bradley Cooper) gemacht, der beide auf frischer Tat ertappt. Statt jedoch die Gefängnistüren von außen zu verriegeln, unterbreitet DiMaso dem Gaunerduo ein überraschendes Angebot: Sie sollen als Lockvögel anheuern und ihm bei der Festnahme von bestechlichen Politkern behilflich sein, dann kommen sie frei. Der Deal gilt, wird aber durch Irvings labile Gemahlin Rosalyn (Jennifer Lawrence) verkompliziert. Ohne dass er es verhindern kann, befindet sich Rosalyn mitten drin in der verdeckten Operation und wird dem untreuen Irving langsam, aber sicher zum Verhängnis. Nicht nur im Geschäft läuft es plötzlich beschissen, sondern auch in der Liebe.

Kritik

Preisgekrönt mit drei Golden Globes und nominiert in zehn Kategorien für den Oscar 2014: Ohne Frage, für Regisseur und Drehbuchautor David O. Russell dürfte die Arbeit an der dramalastigen Gaunerkomödie "American Hustle" einen weiteren Silberstreif am Filmhorizont bedeuten. Das Erfolgsrezept: Nach einer bereits fruchtbaren Kooperation mit Christian Bale und Amy Adams in "The Fighter" (2010) sowie Jennifer Lawrence und Bradley Cooper in "Silver Linings" (2012), setzt Russell seine einstigen Stars nun zusammen in ein manipulatives Gefühlskarussell und erzählt eine teils wahre Geschichte im Retro-Look der 70er Jahre. Das macht nicht nur einen Mordsspaß, sondern rockt vor allem optisch und schauspielerisch.

Oscarverdächtig präsentiert sich direkt die erste Szene. Alleine der Anblick von Christian Bale, der vor dem Spiegel steht und versucht, seinen kreisrunden Haarausfall hinter einer einigermaßen passablen Frisur zu verbergen, lohnt den Preis für das Kinoticket. Wo Bale jedwede Eitelkeit ablegt, versteckt sich sein Filmego Irving Rosenfeld, der Inhaber einer Textilreinigung, hinter einem aufwendig toupierten Äußeren und stellt sich in der Öffentlichkeit als großmütiger Kreditgeber und vertrauensvoller Kunsthändler dar. Die "Realität" sieht jedoch anders aus und genau das macht "American Hustle" interessant.

Nach "Silver Linings" serviert David O. Russell erneut eine scharfzüngige Dramödie, die auf den ersten Blick wenig innovativ erscheint, in ihrer Gesamtheit jedoch wunderbar gut unterhält. Die Gaunerkomödie erfindet "American Hustle" gewiss nicht neu, dafür ermöglicht Russell seinem ambitionierten Cast ein komplexes Bühnenspiel und macht sich eine problembehaftete Welt aus Schein und Sein zu eigen, in der kein greifbares Gut gegen Böse existiert. Die Figuren wirken lebendig, wie aus dem Leben gesogen, mit nur allzu menschlichen Fehlern und Sehnsüchten. Selbst der von Bradley Cooper unberechenbar dargestellte FBI-Agent Richie DiMaso, ausgestattet mit Dauerwelle und einem charmanten Lächeln, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass er ein Problem hat. Seine Ermittlungsmethoden sind nicht immer legal und fraglich in der Durchsetzung. Dafür umso unterhaltsamer. Sogar die Tatsache, dass er und Irving die gleiche Frau begehren, macht "American Hustle" nicht minder unterhaltsam und kompliziert. Genie trifft auf Größenwahn. Bale und Cooper brillieren als herzlicher Betrüger und erbitterter Gesetzeshüter.

Pate für das Drehbuch stand unter anderem der geschichtsträchtige Abscam-Scandal, der für die nötige Spannung sorgt und mit fiktiven Persönlichkeiten und Begebenheiten in Einklang gebracht wird. Der Skandal: Ende der 70er Jahre half der ehemalige Trickbetrüger Melvin Weinberg dem FBI bei der Festnahme von zehn korrupten Politikern des US-Repräsentantenhauses sowie weiteren Amtsträgern. Mithilfe eines erfundenen Scheichs und der dazu dienlichen Scheinfirma "Abdul Enterprises, Ltd." wurden namenhafte Politiker geködert, die gerne bereit waren, dem großzügigen Scheich einen Asylantrag zu gewähren und beim Geldschmuggel außer Landes behilflich zu sein - darunter der von Jeremy Renner solide dargestellte Bürgermeister von Camden/New Jersey. In "American Hustle" sind es nun der bierbäuchige Irving Rosenfeld und die smarte Sydney Prosser (Amy Adams) die dem FBI auf den Leim gehen und mit der Operation "Abscam" versuchen, ihren Hals aus der Schlinge zu ziehen. Dabei bekommen sie es nicht nur mit der zwielichtigen Mafia - in einer Nebenrolle grandios vertreten durch Robert De Niro - zu tun, sondern auch mit ihrem Gewissen. Um sich selbst zu rehabilitieren, müssen andere den Kopf hinhalten. Ein "schmutziges" Geschäft schließt indes ein edles Motiv nicht aus.

Sehenswert ist besonders die Kombination aus Drama, Lovestory und Humor. Bereits in den ersten Szenen spürt man eine knisternde Spannung, während man als Beobachter sporadisch in der Zeit springt und sich kurz vor einer verdeckten FBI-Operation wiederfindet. Cut. Die Zeit wird zurückgedreht und nach und nach offenbart sich das ganze Gefühlsdrama, das zugleich schwarze Komödie ist. Denn während Sydney und Irving sich um ihre Freiheit sorgen und den Bürgermeister Carmine Polito (Jeremy Renner) widerwillig in die Falle locken, steht Irvings depressive Gattin Rosalyn dem neuen Liebesglück mit Sydney im Weg. Wie Irving aus dem Off so schön feststellt: Rosalyn ist sein Karma. Er manipuliert seine gutgläubigen Kunden. Rosalyn ihn. Ein Teufelskreis!

Hier erweist sich Oscarpreisträgerin Jennifer Lawrence als ein überraschend bittersüßes Bonbon im ansehnlichen Style der 70er Jahre. Nicht nur optisch verwandelt sich die toughe Heldin aus "Die Tribute von Panem" in eine lockende Venusfalle, die gerne mit dem Feuer spielt und manch nervenaufreibende Wende herbeiführt. Nach "Silver Linings" beweist sich Lawrence wiederholt als wandelbare Charakterdarstellerin mit einem Hang zur Schwarzmalerei und unterhält in einer aberwitzigen Tanzeinlage. Absolut eines Oscars würdig! Hauptdarstellerin Amy Adams hat als Sydney Prosser dennoch die Hosen an zumindest den Einsatz an Filmspielzeit betreffend. Nach ihren letzten Engagements in Robert Lorenz' "Back in the Game" und Zack Snyders "Man of Steel", in denen sie überwiegend bieder wirkte, darf sie nun zeigen, dass auch in ihr eine kurvenreiche Femme Fatale mit Herz, Verstand und Tiefgang steckt. Sydneys Liebe zu Irving wird nicht unbedingt romantisch in Szene gesetzt, erfrischt aber insbesondere durch eine Anziehungskraft, die sich fernab der optischen Oberflächlichkeit entfaltet. Bei einem derart meisterlichen Schauspiel lässt man sich gerne die (gelegentlich ausufernde) Filmzeit stehlen!

Fazit

Eine meisterhafte Starbesetzung macht noch lange keinen meisterhaften Film. Oder? Mit der dramalastigen Gaunerkomödie "American Hustle" zeigt Regisseur und Drehbuchautor David O. Russell, dass es genauso doch funktionieren kann. Wenn seine Stars aus "The Fighter" und "Silver Linings" die Bildfläche betreten, wird die weniger innovative Story verknüpft mit einer teils wahren Begebenheit - rasch zur Nebensache und der fesche Retro-Look der 70er Jahre zum Eyecatcher. Das ist nicht nur sehenswert, sondern macht dank allerhand bissiger Dialoge, vielseitig skizzierter Charaktere und einer überwiegend absurden Situationskomik richtig Laune!

Doreen B. - myFanbase
31.01.2014

Diskussion zu diesem Film