Bewertung: 6
Barry Battles

Baytown Outlaws, The

"All right, you got a job. You clean toilets or cut grass or whatever the hell it is you do. This is what I do. I shoot people in the face. You understand me?"

Foto: Copyright: 2013 Universal Pictures Germany
© 2013 Universal Pictures Germany

Inhalt

Celeste (Eva Longoria) muss Sohnemann Rob (Thomas Brodie Sangster) von ihrem Ex-Ehemann Carlos (Billy Bob Thornton) befreien, einem Drogenboss und derjenige, der bereits versuchte, Celeste zu töten. Da spielt es ihr in die Karten, dass sie die drei Oodie-Brüder Brick (Clayne Crawford), McQueen (Travis Fimmel) und Lincoln (Daniel Cudmore) bei ihren illegalen Machenschaften unter Schutz des örtlichen Sheriffs Millard (Andre Braugher) beobachtet und sie so überreden kann, ihr zu helfen. Die drei schaffen es tatsächlich, Rob zu kidnappen, doch sie ahnen nicht, dass ihr eine ganze Armada skurriler Persönlichkeiten auf der Fährte ist, unter ihnen eine weibliche Bikergang, gewalttätige Indianer und der Drogenfahnder Reese (Paul Wesley)...

Kritik

"Och neee, nicht schon wieder einer, der versucht, Tarantino nachzumachen." Mit Bemerkungen dieser Art hat heutzutage jeder zu kämpfen, der in seinen Filmen auch nur ansatzweise dieselben Elemente miteinander verbindet, die Tarantino berühmt gemacht hatten - obwohl er aus seiner Liebe für das Exploitation-Kino insbesondere der 60er und 70er Jahre mit entsprechend sehr deutlichen Anleihen nie einen Hehl machte, also auch nicht als Erfinder derart gestalteter Werke fungiert. Und doch ruft "The Baytown Outlaws" mit dem Charme alter Grindhouse-Filme derartige Reaktionen hervor, mit seiner expliziten Gewalt, allerlei seltsam anmutender Charaktere, die allesamt nicht einmal für einen Augenblick glaubhaft wirken und einem offensichtlichen Desinteresse an der Political Correctness. Dass Regisseur Barry Battles das nicht verdient hat, zeigt er mit seinem Erstlingswerk, das nach so manchen Vorschlusslorbeeren gleich zum Abschlussfilm des Fantasy Film Festes 2012 wurde.

Natürlich sind die Maßstäbe an einen Film, der sich selbst nicht einen Augenblick ernst nimmt, andere als an ein Drama, das auch als eines wahrgenommen werden möchte. Am ehesten kann man "The Baytown Outlaws" daher wohl auch als Action- und Crime-Komödie bezeichnen, die ganz genau weiß, wie sie mit ihren skurrilen Persönlichkeiten auf der Leinwand spielt, um kurzweilige Unterhaltung zu generieren. Das beginnt bei den Oodie-Brüdern, die diesen herrlichen Redneck-Charme versprühen, der schon bei "Justified" zu so manchem Schmunzler führte. Sie sind nicht die hellsten, haben ein Talent dafür, sich bei jeder sich bietenden Situation in Schwierigkeiten zu begeben und sind auch sonst kaum ernst zu nehmen. Im Vergleich zu so manchem Nebencharakter wirken sie jedoch geradezu menschlich und natürlich, bekommt man es hier doch mit weiblichen Bikergangs zu tun, die ihren Sexappeal in alle Richtungen versprühen, einer Horde aufgebrachter Afroamerikaner oder gewalttätiger Indianer.

Als ob dies nicht schon genug Charaktere wären, die sich das Leben während der Laufzeit von eineinhalb Stunden und einem Plot, der kaum existent ist, schwer machen, greift auch noch der Drogenfahnder Reese, dargestellt von "Vampire Diaries"-Mime Paul Wesley ins Geschehen ein, um den Filz der Kleinstadt, in der die kriminellen Oodie-Brüder von ihrem Ziehvater, Sheriff Millard, protegiert werden, zu entfernen. Reese ist hier vielleicht die einzige halbwegs bei Sinnen agierende Figur des gesamten Films, weswegen es geradezu wohlutend ist, dass seine Screentime ziemlich begrenzt ist, denn so wirklich reinpassen vermag er nicht - so sehr, dass man sich mitunter wundert, ob die Nebenstory um Millard und die Vergangenheit der Oodie-Brüder tatsächlich notwendig war. Ohnehin geht die Kurzweiligkeit im Mittelteil des Films etwas verloren, wenn die Nachforschungen von Reese langsam Früchte tragen und zudem mit dem behinderten Rob eine Variable eingeführt wird, die "The Baytown Outlaws" ernster erscheinen lässt, als es eigentlich sein möchte.

Auffällig ist die Anzahl bekannter Namen bei diesem kruden Genremix: Während Billy Bob Thornton für zwielichtige und nahe dem Wahnsinn agierende Gestalten bekanntlich vergleichsweise leicht zu haben ist, verwundert das Mitwirken von "Desperate Housewife" Eva Longoria schon, wenn man ihre bisherige Vita betrachtet. Auch Andre Braugher, der nun wirklich oft genug bewiesen hat, was er schauspielerisch zu leisten in der Lage ist, in einer Nebenrolle, die nie über dieses Charakteristikum hinaus kommt, oder besagter Paul Wesley, der dem Film keine weiteren Facetten verleihen kann, würde man auf den ersten Blick nicht erwarten. Aber offensichtlich hat Regisseur Battles so viel richtig gemacht, dass er trotz seines relativ geringen Budgets von vier Mio. US-Dollar einen derartigen Cast für sich gewinnen konnte. Dieser Eindruck verstärkt sich am Ende des Films trotz so manchem nervtötenden, da arg verspielt wirkenden graphischen Gimmick, das aber zu verschmerzen ist.

Fazit

"The Baytown Outlaws" macht für ein Erstlingswerk erstaunlich viel richtig und schafft es dabei sogar, eine wirklich namhafte Schauspielerriege um sich zu scharen, was umso erstaunlicher ist, wenn man bedenkt, dass man es hier definitiv mit einem Nischenprodukt zu tun hat. Der Film kokettiert offen mit Gewalt und Sexualität, ist bewusst voll von Klischees jeglicher Art und kann zwischendrin herrlich komisch sein. Wäre im Mittelteil nicht die eine oder andere Länge und der zu bemüht wirkende Versuch, Gefühl reinzubringen, wäre es ein wirklich bemerkenswertes Werk geworden.

Andreas K. - myFanbase
09.03.2013

Diskussion zu diesem Film