Bewertung: 7
Marc Webb

Amazing Spider-Man, The

"I'm in trouble."

Foto: Copyright: Sony Pictures Releasing GmbH
© Sony Pictures Releasing GmbH

Inhalt

Als Peter Parker (Andrew Garfield) noch ein kleines Kind war, wurde er von seinen Eltern ohne genaue Gründe verlassen. Aufgewachsen ist er schließlich bei seiner ihn liebevoll umsorgenden Tante May (Sally Field) und seinem väterlichen Onkel Ben (Martin Sheen). Trotz dieses behüteten Aufwachsens, lässt Peter das Verschwinden seiner Eltern nicht los und er beginnt als Teenager genauere Nachforschungen anzustellen. Diese führen ihn schließlich zu der riesigen Firma Oscorp Industries und dem ehemaligen Partner seines Vaters und Wissenschaftler Dr. Curt Connors (Rhys Ifans). In dessen Labor trifft Peter auf eine verhängnisvolle Spinne, die sein ganzes Leben von Grund auf verändern soll…

Kritik

Er zählt wohl zu den beliebtesten Superhelden überhaupt: Spider-Man! Im Jahr 2002 war es dann endlich soweit und der populäre Spinnenmann konnte unter der Regie von Horrorspezialist Sam Raimi weltweit auf der großen Leinwand für Furore sorgen. Der Film "Spider-Man" wurde zu einem riesigen Erfolg, machte Hauptdarsteller Tobey Maguire endgültig zum Star und eröffnete die Möglichkeiten für zwei weitere Fortsetzungen, die ebenso erfolgreich wurden. Der im Jahr 2007 veröffentlichte dritte Teil pulverisierte die Einspielergebnisse der beiden ersten sogar noch und avancierte zum 22. erfolgreichsten Film alle Zeiten. Ein solch durchschlagender Erfolg will natürlich längerfristig aufrechterhalten werden und so kamen auch schnell erste Gerüchte über eine dritte Fortsetzung auf, die dann aufgrund kreativer Differenzen aber bekanntlich nie realisiert wurde. Das Franchise aufgeben wollte man aber natürlich nicht und so beschloss Sony, einen Neustart zu wagen und alles wieder auf Anfang zu setzten. Ein neuer Spider-Man und ein völlig neuer erzählerischer Ansatz sollten her.

Mit dem Briten Andrew Garfield und dem aufstrebenden Jungregisseur Marc Webb wurden dann auch die zentralen Figuren für den Reboot gefunden. Die Frage über die Notwendigkeit einer erneuten Erzählung der Anfangsgeschichte Spider-Mans wurde lange heiß diskutiert und auch nach Sichtung des fertigen Films ist die Frage schwer vernünftig zu beantworten. Nur eines lässt sich mit Sicherheit sagen: Ob notwendig oder nicht, dieser neue Spider-Man ist sicherlich ein toller Unterhaltungsfilm geworden, welcher vor allem durch seine groß aufspielenden Darsteller zu einem kurzweiligen Vergnügen wird und die Weichen für eine neue, andere erzählerische Bahnen anschlagende Filmreihe stellt.

Regisseur Marc Webb liefert glücklicherweise keine Nacherzählung des ersten "Spider-Man" Films von Raimi ab, sondern wählt einen anderen Ansatz und einen anderen Grundkonflikt, der den Außenseiter Peter Parker schließlich zum berühmt-berüchtigten Superhelden werden lässt. Der Film beginnt mit dem Verschwinden von Peters Eltern, als dieser noch ein kleines Kind war und katapultiert den Zuschauer dann in die Gegenwart, in dem ein zorniger, innerlich zerrissener Teenager immer noch unter der Abwesenheit seiner Eltern leidet und dies trotz seiner ihn liebevoll aufgenommenen Onkel und Tante nie wirklich verwinden konnte. Dieser Peter Parker ist also ein wesentlich zornigerer, impulsiverer und auch selbstzerstörerischer junger Mann, welcher sich das Ziel gesetzt hat, das Geheimnis um seine Eltern zu lüften. Durch diese Suche, die ihm zu dem leicht wahnsinnigen Wissenschaftlicher Dr. Curt Connors führt, wird er schließlich dann erst zu Spider-Man.

Man muss also festhalten, dass das Grundgerüst der Story ein anderes ist, viele Details und Zwischenstationen aber durchaus ähnlich erzählt sind, wie bei Raimis Film vor zehn Jahren. Diese Mischung aus Ähnlichem und Neuen funktioniert aber ziemlich gut, vor allem auch deshalb, weil der äußerst talentierte Andrew Garfield den Charakter des Spider-Man durch seine Interpretation einen ganz anderen Dreh gibt und dem Film so ein hohes Maß an Eigenständigkeit verleiht. Als weibliches Pendant zu Garfield wurde die momentan schwer angesagte Emma Stone verpflichtet, die Spider-Mans erste große Liebe Gwen Stacy verkörpert. Die sich anbahnende und sich weiterentwickelnde Liaison zwischen Gwen Stacy und Peter Parker ist wirklich liebevoll gestaltet und funktioniert aus zweierlei Gründen so gut: Einerseits hat man es mit Regisseur Marc Webb, dessen letzter Film die wunderbar-erzählte und verspielte Romanze "(500) Days of Summer" war, mit einem Experten für gut erzählte Lovestorys zu tun und zweitens stimmt die Chemie zwischen Garfield und Stone einfach perfekt. In jeder gemeinsamen Szene beginnen die Funken nur so zu sprühen, was dem Film neben seinen ganzen gelungenen Actionsequenzen auch eine sehr menschliche Note verleiht.

Nicht ganz so gelungen ist hingegen der erste Gegenspieler von Spider-Man, der vom erfahrenen britischen Schauspieler Rhys Ifans zwar gut gespielt wird, dessen ausstrahlende Gefahr aber nie wirklich auf den Zuschauer überspringt und der deshalb nur ein recht mittelmäßiger, kaum beeindruckender Gegenspieler wird, auch wenn die technische Umsetzung der monströsen Rieseneidechse durchaus gut gelungen ist. Der grüne Kobold war da doch noch ein ganzes Stück furchteinflößender und comichaft-überzeichneter.

Fazit

Schlussendlich hat man hier einen extrem kurzweiligen Sommerblockbuster, der zwar nicht ganz so ironisch-verspielt ist, wie "Marvel's The Avengers" und auch nicht so düster-unheilvoll wie der anstehende nächste große Superheldenfilm "The Dark Knight Rises", der aber aufgrund der erzählerischen Innovationen, der tollen Hauptdarsteller und auch der dynamischen Actionsequenzen durchaus seine Daseinsberichtung hat und über zwei Stunden gute Unterhaltung verspricht. Da kann man sich dann doch auf die bereits angekündigten zwei Fortsetzungen freuen, die sich dann wohl langsam vollständig von den Raimi-Filmen abgrenzen werden.

Moritz Stock - myFanbase
11.07.2012

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