Bewertung: 7
J.C. Chandor

Große Crash, Der - Margin Call

"Das ist der Beginn eines Abverkaufs!"

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Inhalt

Die Finanzkrise hat die Wall Street voll erwischt und es kommt in vielen Unternehmen zu Entlassungen. Die Kündigungswelle macht nicht einmal vor langjährigen Angestellten Halt. Dies trifft auch den führenden Risikoanalytiker Eric Dale (Stanley Tucci), welcher kurz vor seiner Entlassung an einer Analyse über den derzeitigen Stand des Unternehmens gearbeitet hat. Diese Analyse übergibt er beim Verlassen des Gebäudes dem noch unerfahrenen aber talentierten Peter Sullivan (Zachary Quinto) mit der Warnung, er solle vorsichtig damit umgehen. Noch in der selben Nacht wagt sich Sullivan an diese Analyse heran und muss Erschreckendes feststellen. Sofort ruft er seinen Kollegen Seth Bregman (Penn Badgley) an und verlangt von ihm, mit ihrem Vorgesetzten Will Emerson (Paul Bettany) - beide befinden sich in einem Nachtclub - sofort ins Büro zurückzukommen.

Als beide ankommen zeigt Sullivan ihnen die Daten, wovon sie nicht begeistert sind. Emerson ist schockiert, beruft seinen Chef Sam Rogers (Kevin Spacey) ebenfalls ins Büro und löst damit eine Lawine aus, mit welcher Sullivan niemals gerechnet hätte.

Kritik

Endlich setzt sich Hollywood mit dem Thema Finanzkrise und Devisengeschäfte weitestgehend ernsthaft auseinander, wie es für ein kritisches Medium gehört, nachdem letztes Jahr der vielversprechende Film "Wall Street: Geld schläft nicht" von Oliver Stone kläglich gescheitert ist. Regisseur J.C. Chandor, der privat auch einen größeren Einblick in die Finanzwelt hat, feiert mit "Margin Call" sein Regiedebüt.

Der Begriff "Margin Call" bedeutet, dass ein Trader bei Verlustgeschäften vorweisen muss, flüssiges Kapital in einer bestimmter Höhe zu besitzen. Kann er dies nicht nachweisen, darf ein Broker nach Ermessen entscheiden, ob er eine Position schließt oder offen hält.

Für die meisten könnte die Begriffsdefinition jetzt womöglich nur eines auslösen: Sie verstehen nur Bahnhof. Das ist auch gar nicht weiter schlimm, denn wenn jemand von "Wall Street" enttäuscht war, kann er bei "Margin Call" relativ schnell ins Stocken geraten, weil er nicht sofort oder auch im Nachhinein nicht versteht, um was es bei dem Film überhaupt ging. Damit wäre der eine große Nachteile dieses Filmes auch schon angesprochen, denn weitere gibt es nicht. Zwar gibt es im Verlauf immer wieder amüsante Momente wie beispielsweise die Aussagen von Sam Rogers ("Ich hab keine Ahnung, was das bedeutet. Ich bin ihr Chef, ich muss die Details nicht wissen.") oder dem Boss aller Bosse, John Tuld (Jeremy Irons): "Erklären Sie es mir, wie wenn sie es einem kleinen Kind erklären würden, denn wissen Sie, ich sitze nicht auf diesem Stuhl, weil ich alles wissen muss. Ich sitze hier, weil ich weiß, wie die Musik spielt." Doch das hilft dem Großteil des Publikums nichts, wenn sie am Ende den Kinosaal verlassen und sich fragen: Worum ging es jetzt genau?!

Dafür hat Chandor eine gute Riege an Schauspielern aufgegriffen, die allesamt ihre Sache für diese kleine Momentaufnahme des Filmes gut machen. Jede Besetzung hat große Vorteile für den Film gebracht. Sei es "Mentalist" Simon Baker als aufstrebender, aber noch junger Juniorchef im Unternehmen, der selbst nicht immer versteht, worum es eigentlich geht, aber seine Position vehement zu verteidigen weiß, oder "Gossip Girl"-Darsteller Penn Badgley, der auf einer Toilette weint, weil er kurz davor steht, mit 23 seinen Arbeitsplatz zu verlieren, obwohl er im letzten Jahr eine Viertel Millionen Dollar verdient hat. Auch darf Jung-Spock-Darsteller Zachary Quinto nicht vergessen werden, der für etwas gelobt wird, was nicht seine Arbeit war, dies aber kurz zu Ende gedacht und den Verantwortlichen mitgeteilt hat.

Allein diese drei Charakterbeschreibungen hätten dem Film schon genüge getan, um einen kleinen Einblick in die Geschäfte von Investmentfirmen zu schaffen, die mit ihren Hedgefonds in nur kurzer Zeit eine ganze Weltwirtschaft lahm legen können. Der Film bietet jedoch weit mehr Einblicke, die hier zu beschreiben das Maß übersteigen würde, und aber auch nicht alles zeigen, da dies faktisch unmöglich ist.

Fazit

Wer wenig Ahnung von Swaps, Short Sales oder Futures hat, der sollte diesen Film dringendst meiden, denn das macht sonst kein Spaß. Für alle anderen könnte dieser Film wie Joseph Vogls "Gespenst des Kapitals" in Bildern ausfallen.

Ignat Kress - myFanbase
21.09.2011

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