Bewertung: 6
Ricky Gervais, Matthew Robinson

Lügen macht erfinderisch

In einer Welt, in der alle Menschen die Wahrheit sagen, hat ER gerade das Lügen erfunden!

Foto: Copyright: 2011 Universal Pictures Germany
© 2011 Universal Pictures Germany

Inhalt

Mark Bellison (Ricky Gervais) lebt in einer Welt, in der die Menschen nie die Fähigkeit erworben haben, zu lügen oder das, was sie denken und fühlen, zu verschweigen. Jeder sagt immer die absolute Wahrheit. Da Mark weder besonders attraktiv noch sonderlich erfolgreich ist, bekommt er dies von seinen zwanghaft ehrlichen Mitmenschen auch dauernd zu hören. Als Mark schließlich den Tiefpunkt seines Lebens erreicht, passiert das Unfassbare: Er erfindet das Lügen. Mit dieser einzigartigen Fähigkeit verschafft er sich schnell Macht und Ansehen, doch das vollkommene Glück scheint für ihn dennoch unerreichbar, denn seine große Liebe Anna (Jennifer Garner) hält seinen verhassten Kollegen Brad (Rob Lowe) weiterhin für die bessere Wahl.

Kritik

Wie sieht wohl eine Welt aus, in der es keine Lügen gibt, in der kein Gedanke oder Gefühl vertuscht wird, und in der den Menschen das Konzept von Fiktion vollkommen fremd ist? Dieser Film versucht sich an einer Antwort. Der Charakter Mark führt uns durch eine Welt, in der die Menschen vollkommen offenherzig sind und immer aussprechen, was sie gerade denken und fühlen. Die Idee, Tatsachen zu vertuschen oder auch nur zu beschönigen, existiert in den Köpfen der Leute gar nicht. Wenn Mark durch die Straßen geht, erzählen ihm wildfremde Menschen von den Problemen, die ihnen gerade im Kopf herumspuken, in Restaurants teilen ihm die Kellner unumwunden mit, dass sie ihren Job hassen oder dass das Essen widerlich aussieht, und im Altenheim (das hier "trauriger Ort für alte Menschen ohne Hoffnung" heißt) sagt ihm das Personal, dass es Wetten darauf abschließt, wann seine Mutter stirbt. All das ist in dieser Welt vollkommen normal, während es auf uns, die wir gelernt haben, dass man gewisse Gedanken und Tatsachen auch einfach mal für sich behalten oder abmildern sollte, natürlich bizarr und witzig wirkt.

Auch die Medien sind in einer solchen Welt der Wahrheit vollkommen anders gestrickt. Die Werbung ist gänzlich frei von Übertreibungen, Ausschmückungen und Heucheleien, wodurch sie sich selbst sinnlos macht. Da es keine Fiktion gibt, besteht das Fernsehprogramm nur aus Nachrichten und wissenschaftlichen Sendungen, die Fakten präsentieren.

So lustig und skurril diese Welt ohne Lügen auf den ersten Blick auch wirkt, erkennt man natürlich sofort den bitteren Kern. Die Menschen, die nicht attraktiv und erfolgreich sind, werden ständig an ihre Unzulänglichkeiten erinnert. Konzepte wie Aufmunterung und Trost gibt es nicht, auch nicht für Kranke oder Sterbende, denen wie allen anderen Leuten die pure Realität um die Ohren gehauen wird. Mark erlernt das Lügen letztlich in einer Situation, in der er wirklich ganz unten ist.

Die neue Fähigkeit der Täuschung und Geheimhaltung rettet Mark das Leben und verleiht ihm eine Macht, die er durchaus für das Gute zu nutzen versucht, doch er unterschätzt dabei das Ausmaß seiner Einflussnahme und erfindet versehentlich das Christentum. Ab diesem Zeitpunkt liefert die Handlung viele Seitenhiebe auf das Thema Religion und verdeutlicht sowohl die guten als auch die schlechten Seiten des Glaubens, der einerseits Hoffnung geben, aber andererseits auch als Ausrede und Rechtfertigung missbraucht werden kann. Leider schleichen sich gerade in diesen zweiten Abschnitt mit Mark als unfreiwilligem Religionsführer einige Vorhersehbarkeiten und Trivialitäten ein. Der Gag, dem Hauptcharakter zwischenzeitlich einen Jesus-Look zu verpassen, hat selbst schon einen Bart mit langen Haaren. Der gesamte Religionsaspekt hätte ruhig mit etwas mehr Konsequenz und Schneid erzählt werden können.

Fazit

Der Mangel an Schwung und Originalität ist dann letztlich doch zu groß, um "Lügen macht erfinderisch" als eine clevere Satire zu bezeichnen, doch eine nette, stellenweise recht witzige Komödie ist der Film allemal.

Maret Hosemann - myFanbase
23.01.2011

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