Bewertung: 9
Cameron Crowe

Almost Famous – Fast berühmt

"Rockstars haben meinen Sohn William gekidnappt!"

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Inhalt

William (Patrick Fugit) erkennt seine Leidenschaft für die Rockmusik, als seine ältere Schwester an ihrem 18. Geburtstag auszieht, um der strengen Erziehung der Mutter (Frances McDormand) zu entgehen. Anita (Zooey Deschanel) will Stewardess werden und hinterlässt ihrem Bruder ihre heimlich zusammengekaufte Plattensammlung. Allmählich beginnt William, in seiner Freizeit Artikel über die Musik zu schreiben und lernt schließlich einen Journalisten des Rolling Stone Magazins, Lester Bangs (Philip Seymour Hoffman), kennen. Um diesen von seinem Können zu überzeugen, soll er einen Artikel über einen Auftritt von Black Sabbath schreiben, lernt stattdessen aber die Newcomerband Stillwater näher kennen. Somit knüpft er auch Kontakte zu anderen Fans der Band, vor allem aber zu Penny Lane (Kate Hudson). Bald werden auch die Redakteure des Rolling Stone auf ihn aufmerksam und sie bieten ihm an, mit Stillwater auf Tournee zu gehen und darüber einen Artikel für sie zu schreiben. Dabei wissen sie zwar nicht, dass William noch nicht volljährig ist, aber trotzdem macht dieser sich sofort auf den Weg.

Kritik

Bevor ich schreiben kann, wieso ich "Almost Famous" neun von neun möglichen Punkten gebe, muss ich noch etwas zur Hintergrundgeschichte sagen. Dieser Film basiert nämlich auf den wahren Erlebnissen von Regisseur und Drehbuchautor Cameron Crowe, die er zu Beginn seiner Journalistenkarriere sammelte. Somit ist nun wohl klar, dass er die reale Version von William Miller ist und das macht den ganzen Film gleich viel interessanter als sowieso schon. Aber auch die Band Stillwater hat ein nicht-fiktionales Vorbild, denn Vorlage hierfür waren die Allman Brothers. Die muss man jetzt aber nicht unbedingt kennen, um den Film zu mögen.

Zu Beginn des Films geht es gleich schon ziemlich kurios los – der Hauptcharakter William erfährt von seiner Mutter, dass er jünger ist als gedacht. Von nun an muss er sich also mit der Tatsache herumschlagen, dass er durch ein paar übersprungene Klassen mit Jugendlichen in einem Jahrgang ist, die schon zwei Jahre älter sind als er. Dieser Fakt an sich ist schon skurril genug, aber auch die Szene macht einiges her. Es wird deutlich, dass die Mutter sehr besorgt um ihre Kinder ist und sie deshalb auch entsprechend streng erzieht, aber auf der anderen Seite muss Tochter Anita sie praktisch dazu nötigen, ihrem jüngsten Sprössling endlich zu sagen, wie alt er wirklich ist. Ich war Anfang der 1970er Jahre noch nicht auf der Welt und kann deshalb auch schlecht einschätzen, wie realistisch dieses Szenario ist, doch vom heutigen Standpunkt aus betrachtet, ist dies einfach absolut witzig. Dazu kommt auch noch, dass Zooey Deschanel als Schwester in den Handlungsabläufen unglaublich mit ihrer Leistung glänzen kann. Zugegebenermaßen sind eigentlich alle Hauptdarsteller durch die Bank weg gut, aber Zooey fällt hier ein bisschen mehr auf.

Bald darauf werden dann auch die restlichen Charaktere eingeführt und das geht ziemlich zügig vonstatten. Eben noch steckt William in einem Gespräch mit dem Journalisten vom Rolling Stone und im nächsten Moment lernen wir schon die Band Stillwater kennen und ihre Fans, beziehungsweise die sogenannten Band-Aids, allen voran Penny Lane, die von Kate Hudson gespielt wird. Ihr Charakter ist wohl der mysteriöseste des ganzen Films und eigentlich versteht man sie bis kurz vor dem Ende nie komplett.

Ganz anders ist da William, der ganz neu in der Musikszene ist und den man schlicht und ergreifend mag und vertraut. Das tut nicht nur die Band oder Penny Lane, sondern auch der Zuschauer ist sich sicher, dass er schon seinen Weg gehen wird und am Ende heile wieder aus der Stillwater-Tournee herauskommt. Zwischen all den Musikern und Fans, die noch auf der Suche nach sich selbst sind, ist er wohl die stabilste Figur in dem Film, ganz einfach, weil er schon genau weiß, was er will und wohin es bei ihm gehen soll.

Ein anderer interessanter Charakter ist aber auch der ach-so-mysteriöse Gitarrist Russell Hammond. Dieser könnte zwar viel bessere Musik machen als er es im Moment bei Stillwater tut, lässt es aber aus Loyalitätsgründen der Band gegenüber. Klar, dass es so einiges an Konfliktpotential in der Band und auch bei Russell mit sich selber gibt. Zum einen hat er eine Freundin, entwickelt aber dennoch Gefühle für Penny Lane und er greift in Krisenzeiten auch gern mal auf ein bisschen mehr Drogen zurück, obwohl er das scheinbar gar nicht nötig hat. So entsteht aber auch ein sehr toller Moment, in welchem er im Delirium bei einer Party auf dem Dach eines Hauses steht, eine blödsinnige Ansprache hält und schließlich in den Pool springt.

Ich könnte noch viele Szenen nennen, die mir nach mehrmaligem Schauen von "Almost Famous" ans Herz gewachsen sind, aber das Wichtigste bei diesen ist wohl, dass vor allem die tollen Charaktere den ganzen Film ausmachen. Ihre Motive sind nachvollziehbar und werden von den Schauspielern überzeugend dargestellt. Dazu kommt natürlich auch noch die besonders sorgfältig ausgewählte Musik, die einfach passt wie die Faust aufs Auge.

Fazit

Heraus kommt bei "Almost Famous" ein sehr sehenswerter Film, der vor allem durch seine guten Schauspieler überzeugt. Dass die Handlung der Realität zu Grunde liegt und der Film somit ein wenig wie eine Autobiographie ist, macht ihn eigentlich nur noch besser. Mich für meinen Teil hat "Almost Famous" voll und ganz überzeugt.

Luisa Schmidt - myFanbase
22.01.2011

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