Bewertung: 6
Edgar Wright

Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt

"Scott, wenn dein Leben ein Gesicht hätte, würde ich jetzt hineinschlagen!"

Foto: Copyright: 2011 Universal Pictures Germany
© 2011 Universal Pictures Germany

Inhalt

Der 23-Jährige Möchtegern-Musiker Scott (Michael Cera) leidet noch immer unter der Trennung von seiner Freundin Envy (Brie Larson), die mit ihrer Band Karriere macht. Gerade als er eine harmlose Romanze mit der 17-Jährigen Schülerin Knives Chau (Ellen Wong) beginnt, steht er plötzlich unerwartet seiner Traumfrau gegenüber: Ramona Flowers (Mary Elizabeth Winstead). Deren Herz zu erobern ist jedoch wesentlich schwerer, als Scott jemals für möglich gehalten hätte, denn bevor es überhaupt zu einer Beziehung kommen kann, muss Scott erst Ramonas sieben teuflische Ex-Lover besiegen. Auch die Trennung von Knives läuft nicht ganz so wie geplant. Das Mädchen entwickelt sich unversehens zu Scotts persönlicher Stalkerin.

Kritik

"Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" bewegt sich von der ersten Minute an am Rande des Overkills und das mit voller Absicht. Die Comicverfilmung wirkt wie das gemeinsame Werk von hyperaktiven Videospielern auf Schlafentzug, die ein paar Joints zu viel geraucht haben. Der Film vermischt Videospieleffekte mit Comicelementen und lässt die Handlung in einem Tempo ablaufen, das keine Zeit zum Nachdenken erlaubt. Was passiert, das passiert, es gibt keine Erklärungen und keinen langsamen Aufbau, sondern jede Menge skurriler Szenen.

Die optischen und inhaltlichen Bestandteile des Films stecken voller Anspielungen auf die große weite Welt der Unterhaltungsmedien. So erlebt der Zuschauer unvermittelt ein visuelles "Sin City"-Ambiente, um im nächsten Moment eine Sitcom zu sehen, die gleich darauf in ein Beat 'em up-Videospiel übergeht. Zahlreiche Hollywood-Klischees werden einfach rotzfrech parodiert. Nicht nur Teenie-Komödien bekommen dabei ihr Fett weg, auch das Superheldengenre wird aufs Korn genommen. Die Darsteller sind passend ausgewählt. So sehen wir mehrere junge Mimen, die durch Teenie-Produktionen bekannt wurden, sowie Darsteller, die fürs Kino schon in die Rolle von Superhelden schlüpfen durften, beispielsweise Chris Evans ("Fantastic Four") und Brandon Routh ("Superman Returns"). Neben Hauptdarsteller Michael Cera weiß vor allem Mary Elizabeth Winstead als Ramona, das Mädchen mit den sieben teuflischen Ex-Lovern, zu gefallen. Ramonas trockene, aber dennoch sensible Art macht sie zu einem angenehmen Charakter und zu einem Stein des Anstoßes, den der Zuschauer akzeptiert.

Lässt man sich durch die bunte, schnelle und laute Oberfläche nicht vollständig ablenken, kann dem Film durchaus symbolische Bedeutung zugesprochen werden. Im Endeffekt geht es hier um den Wahnsinn der Liebe und den wahnsinnigen Schmerz des Verlassenwerdens. Man darf "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" ruhig als einen grotesken Lehrfilm zum Thema Stalking auffassen, der in knalligen Bildern davor warnt, welche Folgen es haben kann, wenn man einen Menschen einfach fallen lässt und ihn in eine Trauer und Wut versetzt, die sich zur Obsession steigert.

Es gibt Vieles, das man diesem Film definitiv nicht vorwerfen kann, wie zum Beispiel Mangel an Kreativität oder Langatmigkeit. Einige Szenen sind wirklich erfrischend frech und witzig. Andererseits ist diese Nähe zum Overkill natürlich auch anstrengend. Man ist als Zuschauer nie weit davon entfernt, sich gesättigt zu fühlen und zu sagen "Okay, das reicht, mehr muss ich nicht sehen!". Das ist ein schmaler Grat. Man sollte von Beginn an Lust auf einen ungewöhnlichen, lebhaften, grellen Film haben, sonst könnte man Scott Pilgrim und seines Kampfes gegen den Rest der Welt schnell überdrüssig werden.

Fazit

Der Film "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" ist eine hyperaktive Verschmelzung von Musikclip, Comic und Videospiel. Das kann man mögen, muss man aber nicht.

Maret Hosemann - myFanbase
08.01.2011

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