Bewertung: 6
Jean-Marc Vallée

Young Victoria

"I am young, but I am willing to learn, and I mean to devote my life to the service of my country and my people. I look for your help in this. I know I shall not be disappointed. Thank you."

Foto: Copyright: Capelight Pictures
© Capelight Pictures

Inhalt

Mit gerade einmal 18 Jahren wird die die junge Victoria (Emily Blunt) zur neuen Königin von England. Gerade erst dem machtgierigen Einfluss ihrer Mutter (Miranda Richardson) und dessen Lebensgefährten (Mark Strong) entkommen, muss sich Victoria nun mit den öffentlichen Konflikten im Volk und in der Politik auseinandersetzen.

Während Victoria immer wieder Sympathien unter dem Volk verliert, auch weil sie sich konsequent gegen einen Machtwechsel von Premierminister Melbourne (Paul Bettany) ihrem engsten Vertrauten einsetzt, werden die Stimmen immer lauter, dass sich die junge Monarchin verheiraten soll. Mit dem aus Coburg stammenden Prinz Albert hat Victoria seit Jahren eine enge Freundschaft verbunden, doch war es mehr? Bei einem Besuch von Albert (Rupert Friend) in London soll diese Frage eine eindeutige Antwort bekommen.

Kritik

Historienverfilmungen erfreuen sich immer wieder großer Beliebtheit, gerade wenn sie - wie diese hier - nach einer wahren Begebenheit verfilmt wurden. Das britische Königshaus liefert dafür mit seiner jahrhundertelangen Geschichte wohl die besten Stoffe. Dabei sind es nicht nur die spannenden Geschichten um Intrigen, Liebe und Macht bei den Monarchen, sondern vor allem auch der Flair einer solchen Verfilmung, der immer wieder für ein stimmungsvolles Bild sorgt. So verdankt "The Young Victoria" dem tatkräftigem Handeln ihrer Designerin Sandy Powell das Prädikat "oscarprämiert". Leider sind die Kostüme und Kulissen auch das Einzige, was an diesem Film rundum gelungen ist.

Denn obwohl die Geschichte von Victoria schon vor ihrer Krönung für einen spannenden Film hätte sorgen können, so schafft es dieser Film trotz Einbeziehung der Jahre bis zu Victorias Hochzeit nicht recht, einen Spannungsbogen aufzubauen. Drehbuchautor Julian Fellowes hätte sich irgendwann entscheiden müssen, was genau er in diesem Film erzählen will. Leider hat eine solche Entscheidung nicht stattgefunden und während es andere Autoren und Regisseure wohl durchaus geschafft hätten, ein Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Geschehnissen im Leben der jungen Frau zu schaffen, so kann dies hier nicht als geglückt bezeichnet werden.

Dennoch ist der Film keineswegs uninteressant oder schlecht denn das Leben von Victoria ist ja wirklich einzigartig gewesen. Durch die vielen Geschichten in Victorias Leben wird dem Zuschauer jedoch leider die Chance genommen, sich an der Geschichte festzubeißen und so plätschert er zwar gut gemacht und interessant, aber leider ohne wirkliche Beteiligung des Zuschauers vor sich hin. Währenddessen ist die Beziehung von Victoria und Albert tatsächlich von Beginn an die einzige Story, die auch Spannung in den Film bringt, was wohl nicht zuletzt an der wunderbaren Chemie zwischen Blunt und Friend liegt. Im Gegensatz dazu wirkt die Rolle von Premierminister Melbourne, der einer der wichtigsten Berater in Victorias jungem Leben war, fast lächerlich. Obwohl Paul Bettany in Historienfilmen schon des Öfteren überzeugt hat, trägt er hier zu dick auf und kann nur wenig überzeugen.

Während Emily Blunt zuvor vor allem in ihrer Nebenrolle in "Der Teufel trägt Prada" auffiel, zeigt sie hier in einer ihrer ersten großen Hauptrollen tatsächlich ihr Potenzial. Obwohl der Film durchaus Höhen und Tiefen hat, spielt Blunt über diese hinweg und verzaubert durchgehend. An ihrer Seite überzeugt der junge Rupert Friend, der wohl vor allem durch seine Rolle in "Stolz und Vorurteil" und seine Beziehung zu Keira Knightley bekannt sein dürfte, während große Schauspielernamen wie Mark Strong und Miranda Richardson als nettes Beistellwerk fungieren.

Fazit

Ein Historienfilm, der leider nicht so recht weiß, wohin er gehen will und so über weite Strecken nicht überzeugen kann. Einzig Emily Blunt und Rupert Friend schaffen es, den Film zu retten und so ist er trotz einiger Schwächen tatsächlich sehenswert, wenn wir auch schon bessere Historienverfilmungen gesehen haben.

Eva Klose - myFanbase
28.11.2010

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