Bewertung: 7
Iain Softley

Tintenherz

"Mit Zauberei hat das Geschichtenschreiben eben auch etwas zu tun."

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Inhalt

Es gibt in unserer Welt Menschen, die beim lauten Vorlesen aus Büchern Figuren daraus auferstehen lassen können. Diese so genannten "Zauberzungen" leben meist im Verborgenen. So auch die Zauberzunge Mo (Brendan Fraser), der als Bücher-Arzt oder besser gesagt Buchbinder seinen Lebensunterhalt verdient. Obwohl er eine kleine Tochter hat, liest er dieser niemals vor. Denn vor neun Jahren verlor er seine Frau an das Buch "Tintenherz", als er daraus die Figuren Staubfinger (Paul Bettany), Basta (Jamie Foreman), Capricorn (Andy Serkis) und das Fabelwesen Gwen herauslas. Es ist nämlich so, dass im Austausch zu jeder Figur aus dem Buch ein Lebewesen der wirklichen Welt in die Welt der Bücher gehen muss. Vor neun Jahren war dies Mos Frau, Resa (Sienna Guillory), die Mutter seiner Tochter Maggie (Eliza Bennett). Kurz nach dem Verlust seiner Frau, stahl Capricorn Mo das Buch und so ist Mo seither immer wieder auf der Suche nach einem weiteren Exemplar.

Seit nunmehr neun Jahren ist er nicht fündig geworden, bis er in einem kleinen Buchladen tatsächlich darauf trifft. Doch nicht nur Mo ist auf der Suche nach der Tintenwelt. Vor allem der Feuerschlucker Staubfinger vermisst sein altes Zuhause über alle Maße und wendet sich zuerst bittend an Mo. Als dies jedoch wenig fruchtet, schließt sich Staubfinger mit Capricorn zusammen und Mo, Maggie und die Großtante Elinore (Helen Mirren) müssen sich bald in Capricorns italienischem Dorf mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzten....

Kritik

Cornelia Funke ist das Aushängeschild des deutschen Kinderbuchhandels. Ihr Buch "Tintenherz" ging bisher allein 15 Millionen mal weltweit über den Ladentisch. Das hier auch eine Verfilmung ins Haus steht, ist eigentlich angesichts der heutigen Masse an Romanverfilmungen kaum zu verwundern. Dabei ist "Tintenherz" nicht das erste Buch von Funke, welches sich die Zuschauer im Kino ansehen können. Die komplette "Die wilden Hühner"-Reihe stammt aus den Händen von Funke, ebenso wie die Romanvorlage zu den Filmen "Hände weg vom Mississippi" (2007) und "Herr der Diebe" (2006). Letztere war die erste internationale Verfilmung von einem Funke-Roman und zeigte dem Zuschauer leider, wie man eine Romanverfilmung nicht machen sollte. Grund dafür war wohl auch, dass Funke daran nicht mitarbeitete. Das sollte sich für die Verfilmung von "Tintenherz" ändern und so zog Funke nach Los Angeles und half nicht nur beim Drehbuchschreiben, sondern war auch später als Produzentin mit an Bord.

Wenn man sich jetzt im ersten Moment überlegt, dass gerade ein Buch, welches über den Zauber von Wörtern handelt, für die Kinoleinwand verfilmt wird, so ist dies doch etwas ironisch. Denn immerhin muss man sich beim Sehen des Films nicht erst die Welt des Buches vorstellen und so geht bei einem Film leider immer auch ein Teil des Zaubers des Buches verloren. Das ist natürlich auch bei "Tintenherz" so, aber es ist Ian Softley gelungen, etwas Zauber des Buches mit in den Film zu nehmen. Dennoch blieb es natürlich nicht aus, einige inhaltliche Veränderungen vorzunehmen. Da noch lange nicht klar war und wohl auch vor dem US-Kinostart Mitte Januar nicht klar wird, ob auch der zweite Teil verfilmt werden soll, musste man immerhin für diesen Film ein rundes Ende schreiben, das sich demnach um einiges vom Original abhebt. Das ist neben dem Verlust eines Großteils der Beziehungs-Elemente das, was bei diesem Film am meisten schmerzen wird. Klar bieten eineinhalb Stunden längst nicht so viel Platz für die zwischenmenschlichen Beziehungen wie ein ganzer Roman, aber es wäre zu wünschen gewesen, etwas mehr von den Beziehungen der Charaktere untereinander zu zeigen.

Trotz dieser Mankos ist es Funke und Softley aber dennoch gelungen, eine Fantasyverfilmung zu erschaffen, die sich deutlich von Filmen wie "Der goldene Kompass" oder "Eragon" abhebt. Was ebenfalls dazu beiträgt ist die hervorragende Besetzung des Filmes. Als Buchbinder Mo verzaubert Brendan Fraser, dem schon der dritte Roman gewidmet wurde. Funke nämlich stellte sich bei dem Schreiben des Romans immer Fraser als Mo vor und sie hat damit einen wirklich hervorragenden Schritt getan, ihn auch wirklich für die Verfilmung zu gewinnen. Als seine Tochter ist die junge Nachwuchsschauspielerin Eliza Bennett zu sehen, die ebenfalls restlos überzeugt. Für Staubfinger konnte das Team Paul Bettany gewinnen, der wieder einmal zeigt, wie gut er ist. Ebenfalls im Film zu sehen ist Bettanys Ehefrau Jennifer Connelly, die Roxanne spielt eine wirklich kleine Rolle, die aber im möglichen zweiten Film zu einer zentralen Figur wird. Neben den bisher schon genannten großartigen Schauspieler konnte man für die Verfilmung auch noch Oscarpreisträgerin Helen Mirren als Großtante Elinor gewinnen. Gerade Mirren gelingt es perfekt, ihrer Figur auch im Film den herrlich verrückten Touch zu geben. Auch dabei ist Gollum-Vorbild Andy Serkis, der als Capricorn einmal mehr zeigt, wie gut er vor allem die bösen Figuren spielen kann.

Fazit

Obwohl nicht perfekt, lohnt sich der Kinobesuch allemal. "Tintenherz" ist ein wunderbarer, spannender und actionreicher Film, der nicht nur Fans der Literaturvorlage mitreißen wird.

Eva Klose - myFanbase
13.12.2008

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